Frage von HGiefing, 117

Anlageberatung: Honorar oder Provision?

Es gibt schon seit langem die Diskussion um die Vergütungsmodelle bei der Finanzberatung:

  • Provision: Kunde zahlt etwas und der Berater erhält über das vermittelte Produkt etwas
  • Honorar: nur der Kunde zahlt an den Berater (wie beim Rechtsanwalt oder Notar)

Der Provision sagt man ja nach, dass nur das vermittelt wird, was dem Berater viel Geld bringt.

Beim Honorar haben viele Bedenken, dass sich das nicht alle leisten können.

Eure Meinung?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von BurgN, 30

Hallo,

es kommt darauf an was man erwartet und grundsätzlich kommt es auch darauf an, ob der Berater gut ist oder nicht.

Eine bei einer Honorarberatung kann man davon ausgehen, dass Unternehmensungebundene Empfehlungen ausgesprochen werden. Allerdings kann diese auch recht teuer werden. Mann muss den Berater auch dann bezahlen, wenn man seine Empfehlungen nicht umsetzt.

Bei der Provisionsbasierten Beratung werden zum Großteil Unternehmensgebundene Empfehlungen ausgesprochen. Der Berater wird dann bezahlt, wenn Du mit der Beratung zufrieden bist und die Empfehlung entsprechend umsetzt.

Im Endeffekt sind beide Berater von Ihren Kunden abhängig. Wenn jemand länger damit Geld verdienen möchte ist er auf eine langfristige Kundenbeziehung angewiesen, egal ob Honorar oder Provisionsbasierte Beratung.

Schöne Grüße

Antwort
von jsch1964, 50

Eigentlich ist es egal: Als Kunde zahlst Du entweder direkt an den Berater oder mit dem Umweg über den Anbieter als Provision. Du zahlst also immer. Die Frage, ob sich jemand eine Honorarberatung leisten kann, stellt sich dementsprecheneigentlich nicht. Es gibt inzwischen auch Factoring-Möglichkeiten für Honorarberatung, bei der das Honorar, genau, wie bei z.B. Lebensversicherungen, in Raten über die ersten fünf Jahre gezahlt werden kann.

Auch gibt es keinen wirklichen Unterschied in den Beratungskosten: Wenn Du z.B. eine Fonds-Beratung (oder Aktien-Beratung) haben willst, macht diese nur Sinn, wenn Du die Fonds regelmäßig überwachen lässt - wobei dann auch regelmäßig wieder Kosten für den Berater anfallen. Honorarberatung ist dabei weder billiger noch neutraler, als eine Provisionsberatung, wenn sie professionell und mit hoher Qualität ausgeübt wird.

Zu den Provisionen: Innerhalb einer Sparte sind die Provisionen typischerweise inzwischen fast überall gleich. Es gibt heute kaum noch Produktanbieter, die ungewöhnlich hohe Provisionen zahlen - und die sind oft auch noch verhandelbar. Abgesehen davon muss jeder Berater, der offiziell arbeitet und registriert ist (vermittlerregister.info), Dir sowieso seine Provisionen offenlegen und wenn Dir diese zu hoch vorkommt, kannst Du ja auch jederzeit NEIN. In der Höhe unterscheidet sich eine normale Provision übrigens nicht von einem normalen Beraterhonorar. Honorar-Berater, die zu Dumpingpreisen arbeiten, brauchen meistens dringend Kunden, was nicht unbedingt für deren Qualität spricht. Das ist leider ähnlich wie am Bau heutzutage.

Dazu kommt, dass ein Honorarberater nicht automatisch ein besserer Berater ist, nur weil sein Abrechnungmodell anders ist. Mit dem Deckmantel der angeblichen Kundenfreundlichkeit lassen sich viele Leute gerne ködern. Nach dem gleichen Modell arbeiten ja auch die Verbraucherberatungen, die mit häufig ungeschultem und nicht zugelassenen (registriertem) Personal oft miserable Beratungsleistungen anbieten, die sich ein normaler Berater (egal ob mit Provision oder mit Honorar) niemals erlauben dürfte. Eigentlich sollte für Euch Kunden Qualität im Vordergrund stehen, was in diesen Zeiten der Schnäppchenjäger aber leider oft zu kurz kommt.

Wichtiger als die Beraterkosten sind die laufenden Kosten für eine Anlage (TER), weil diese regelmäßig das Ergebnis belasten. Innerhalb dieser Kosten spielen Betreuungs-Provisionen wiederum eine größere Rolle. Andererseits kostet die laufende Betreuung auch bei einem Honorarberater Geld (s.o.). Wenn man mal gemein sein will, könnte auch ein Honorarberater den Kunden 10 mal im Jahr anrufen und einen Betreuungstermin dringend empfehlen, weil im Depot etwas geändert werden muss und dabei jedesmal ein bis zwei Stundensätze kassieren. Als Kunde musst Du ihm ja letztendlich glauben, dass das so richtig ist. Wer also die Kunden abzocken will, wird das auch im Honorarmodell prima hinkriegen.

Da es aber keine Regel ohne Ausnahmen gibt, kommen hier die Ausnahmen, in denen Honorarberatung angeraten ist: Im Bereich Lebens- und Rentenversicherungen sind Nettopolicen auf jeden Fall die bessere Variante - wegen der sehr viel geringeren laufenden Kosten. Im Anlagebereich können Berater, die sich auf ETFs spezialisiert haben, nur als Honorarberater existieren. Da macht dieses Geschäftsmodell dann aber auch richtig Sinn.

Eine Anmerkung zum Schluss: Honorarberater müssen auf ein begrenztes Angebot zurückgreifen, weil es längst nicht jedes Produkt am Markt auch als Netto-Produkt gibt. Das hat natürlich auch einen Einfluss auf die mögliche Bandbreite im Beratungsergebnis.

Antwort
von constein, 59

Hallo, grundsätzlich ist Beratung durch einen Finanz- und Versicherungsmakler genauso unabhängig zu betrachten. Die Provisionen sind seit 01.02.16 fast gleich bei den Anbietern. Hier einem Berater aus den Grund negativ zu betrachten wäre oberflächlich. Als Makler veschäftige ich mich auch schon damit als Honorarberater tätig zu sein. Ich finde aber keinen Nettotarif der an meinen verwendeten Provisionstarifen rankommt. In einer AV 4% von der Bewertung zu nehmen ist auch als Honorarberater nicht weniger als ich an Provision bekomme. Der Honorarberater bekommt sein Geld und gut ist. Der Makler mit Provision bekommt das gleiche Geld nur er hat 5 Jahre Haftung. Hört der Kunde auf in der Zeit zu zahlen, muss  die Provision anteilmäßig zurück gezahlt werden. Der Makler hat ein eigenes Interesse gute Produkte zu vermitteln, denn dazu kommt auch die Haftung für die Beratung. Beide Berater müssen Geld verdienen um ein Auskommen zu haben. Die Qualität der Beratung ist immer von den Fähigkeiten der Person abhängig.

Beide Wege sind für mich ok. Der Kunde sollte entscheiden, was er wünscht.  Gruss constein

Antwort
von wfwbinder, 19

Ab einer Anlagesumme von 100.000,- (zum Teil schon ab 50.000,-) aufwärts, ist ein Honorarberater meist preiswerter.

Wenn wir mal von einem Beratungsaufwand von 1-3 Tagen zum Start ausgehen, dann kostet das bei einem Honorarberater von 1.000,- bis 4.500,- Euro. (Tagessatz 1.000,- - 1.500,- Euro).

In den meisten Produkten sind 3-5 % Provisionen enthalten. bei 100.000,- also ca. 5.000,- Euro, die man durch nettokonditionen (ohne Verkäufer-/Beraterprovision) spart.

Das Problem, dass nur hochprovisionierte Produkte verkauft werden, hat man nur bei gebundenen Vertretern udn Banken.

Freie Finanzmakler würden sich strafbar (und schadenersatzpflichtig) machen, wenn sie aus Eigeninteresse ein Produkt empfehlen, weil es ihnen mehr Provision verschafft.

Kommentar von constein ,

Nur zur Info. Ab den 01.02.2016 wurde die Provisionen bei den Anbietern unter 4 % gedrückt. Nichts mehr mit 5000€.....

Ob Vermittler und Honorarvertreter , beide möchten Ihr Weissen und Können bezahlt bekommen und keiner weniger. Beratungsprotokolle sind bei Beiden Pflicht, Beide sind haftbar!!!

Kommentar von wfwbinder ,

Gut ich bin kein Vermögensberater und nicht so tief in der Branche drin, aber mir werden  immer wieder Dinge angeboten, die ich meinen Mandanten anbieten soll und da habe ich schon von Gesamtprovisionen bis zu 10 % auch in letzter Zeit gelesen.

Antwort
von Bthree, 5

Aus eigener Erfahrung als Bankkaufmann: 

Honorarberatung!!!!!!

Antwort
von DerAussenseiter, 12

HONORAR! Definitiv! Das ergibt sich schon aus der Natur des Menschen!

Auf Provisionsbasis gibt's auf die teuren Produkte die höchste Provision (logisch, weil sie schwerer an den Mann zu bringen sind)

Das Anreizsystem arbeitet hier gnadenlos gegen dich! Dann schau dir den Berater an, ist er wirklich unabhängig? Ist er selbst vermögend?

Dann bei den Produkten auf die jährlichen Gebühren achten, mehr als 2% ist WUCHER und kostet dich auf 30 Jahre gesehen bis zu 75% des Gewinns.

Damit fallen die typischen Investmentfonds schon mal raus, sie funktionieren nach dem Prinzip:

Du erbringst 100% des Kapitalaufwands, trägst 100% des Risikos und bei Gewinnen musst du 60% der Gewinne abgeben. Achja und bei Verlusten?
Na dann will ich trotzdem nicht auf meine Gebühren verzichten!

Klingt nach nem verdammt schlechten Deal oder? Aber genau solche Verträge haben Millionen von Deutsche, weil sie einfach nicht selber nachrechnen!

Angenommen du legst heute 10.000EUR an. In 60 Jahren sind daraus bei einer Aufzinsung von 7% pro Jahr (durchschnittliche Aktienperformance) stolze EUR574.464 geworden.

Was denkst du kommt im selben Zeitraum zusammen, wenn du 2,5% Gebühren zahlst? EUR 140.274!!!

Jetzt die Frage, lohnt sich da nicht ein vernünftiger Berater? Selbst wenn dieser 2000EUR dich Stunde kosten würde, die Entscheidung würde mir trotzdem nicht schwer fallen..


PS: Nein ich bin kein Hornorarberater, nur ein einfacher Blogger

Antwort
von Novos, 70

Honorar wäre neutral

Kommentar von HGiefing ,

Seh' ich auch so. Leider lieben Konsumenten alles was gratis oder billig ist und übersehen, dass sich die Kosten für die Dienstleistung natürlich irgendwo im Kleingedruckten verstecken.

Ganz nach dem Motto: no free lunch today :-)

Kommentar von jsch1964 ,

Wodurch wird dieser Glaubenssatz begründet? Ein anderes Vergütungsmodell sagt nichts über die fachliche Qualifikation oder die Qualität der Beratung.

Die Haftung für die Beratung ist bei beiden Modellen gleich. Wer Mist erzählt und dadurch den Kunden schädigt, der haftet auch dafür. Hinterher fragt keiner mehr danach, wie die Kosten für die Beratung berechnet und bezahlt wurden.

Ich freue mich schon auf die ersten Prozesse gegen Honorarberater.

Kommentar von HGiefing ,

Das Modell der Vergütung sagt sicher nichts über die Qualität der Beratung aus. Aber leider gab es (gibt es?) bei der Provisionsberatung unterschiedliche hohe Provisionen (je nach Produkt). Das hat den Berater manchmal beeinflusst (vorsichtig formuliert).

Ich höre aber auf der anderen Seite bei potentiellen Kunden, dass sie kein Honorar zahlen wollen. Es ist ihnen lieber, wenn die Spesen quasi "versteckt" sind (siehe Gratishandy = die wenigsten rechnen sich aus, was das Ding tatsächlich kostet).

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