Frage von Tehiptilla, 16

Ankerpunkt ändern?

Wenn man bei Recurvebogen von Systemschießen zu Visierschießen wechselt, sollte oder muss der Ankerpunkt geändert werden?

Antwort
von Bogenfreund, 13

Hallo Tehiptilla,

der Ankerpunkt ist hier unbedingt zu verändern.

Vom seitlichen Ankern, üblicherweise mit der Mittelfingerkuppe am Mundwinkel, wechselst du jetzt an den Unterkiefer/Halsbereich.

 Wichtig: entgegen dem traditionellen Schießen ist die Kopfhaltung jetzt GERADE, der Bogen wird senkrecht ausgerichtet.

Der Ankerpunkt setzt sich nun aus 3 Referenzpunkten zusammen!

1. Der Daumen klappt an die Innenhand, zeigt jetzt nach unten, was bei dir evtl. bereits schon so war. Die so entstandene gerade obere Linie Hand/Zeigefinger hat jetzt direkten Kontakt unter dem Kiefer. Versuche wirklich UNTER den Kiefer zu kommen, damit hast du eine zuverlässige Höhenbegrenzung deiner Zughand. Gleichzeitig sollte ein möglichst inniger Kontakt am Hals zustande kommen, drücke deine Zughand gegen deinen Hals. Mit dieser Position (Kieferunterseite+Halskontakt) erreichst du eine sehr ruhige Zughand, selbst ein vorheriges (leichtes) Zittern kann damit beruhigt werden. Der Halskontakt beeinflust stark ein Schießen geradeaus, ohne diesen streut der Pfeil nach rechts oder links.

2. Die Zughand wandert, unter dem Kiefer liegend, soweit nach hinten, bis die Sehne mittig das Kinn berührt. Das darf ruhig ein sehr spürbarer Andruck sein. Versuche diese mittige Sehnenposition zu erreichen. Damit erreichst du eine zuverlässige identische Auszugslänge und damit eine identische Wurfenergie.

3. Der letzte Referenzpunkt kontrolliert die Kopfneigung (Richtung Ziel) und damit deine Augenhöhe. Nachdem du die Sehne an die Kinnmitte gezogen hast (Anschlag), neigst du deinen Kopf solange in Richting Ziel, bis die Nasenspitze gegen die Sehne stößt. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass die Sehne wirklich mittig der Nasenspitze liegt, nicht rechts oder links daneben. Auch dieser Andruck sollte deutlich spürbar sein.

Liegt die Sehne nur rechts oder links der Nasenspitze obwohl der Kopf gerade ist, wird nicht der Kopf bewegt, sondern der Bogen ausgerichtet, meist wird er nicht senkrecht gehalten.

So, dass wäre der Ankerpunkt. Ich muss mich jetzt echt bremsen, sonst artet das in eine Schussablaufsbeschreibung aus, haha. Das würde jetzt aber zuweit führen.

Lies dir das am besten öfter durch und probiere die ersten Schritte am besten mit einem Theraband vor einem Spiegel, das funktioniert recht gut.

Ach ja: es ist völlig normal, wenn dein Trefferbild anfänglich schlimm aussieht. Hier ist dein Durchhaltevermögen gefragt.  Wenn du eine passable Visiereinstellung gefunden hast, lass diese erstmal stehen, drehe NICHT ständig am Viesier rum!

Halte dich an die einzelnen Punkte und kontrolliere dich bei jedem Schuss selbst (das ist eine Herausforderung, glaube mir). Finde heraus, was kleine Änderungen an den Referenzpunkten ohne Visierkorrektur verändern.  Löse nach HINTEN und nie nach der Seite !

Noch Fragen? Einfach melden.

Viel Glück

Kommentar von Bogenfreund ,

Kurzer Nachtrag zum letzen Satz. Das nach hinten gelöst werden sollte gilt für das traditionelle Schießen sebstverständlich genauso.

Kommentar von Tehiptilla ,

Herzlichen Dank, genau das habe ich wissen wollen!!!

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