Frage von netflixanddyl, 89

Angst vorm Galopp, wie händeln?

Nachdem ich im Galopp durch einen Fehler meinerseits vom Pferd gefallen bin, habe ich jetzt irgendwie etwas Angst davor. Mit Schulpferden galoppiere ich, damit habe ich kein Problem (obwohl ich von einem Schuli gefallen bin).

Nur reite ich zwischendurch und seit einigen Tagen regelmäßig ein Privatpferd. Ich kann ihr vertrauen und sie ist nicht schreckhaft, hat einen ruhigen, gleichmäßigen Galopp... Nur habe ich einfach Angst auf ihr zu verkrampft zu sein und nochmal zu fallen. Die Angst ist wie beschrieben eigentlich unnötig, zudem ich ja weich fallen würde im Ernstfall.

Wie kann ich mir selbst die Angst nehmen und mit ihr galoppieren? Ich will es heute unbedingt tun, denn ich habe das Gefühl,desto länger ich warte desto schlimmer wird es und "ich muss es einfach machen". Wie gesagt, auf einem Schulpferd ist das kein Problem.

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 46

Das ist definitiv ein Kopf-Ding. Und ich weiß, dass es hilft, wenn man sich genau das selber vor Augen hält, solange bis man es selber wieder glaubt. Strategien, die Angst zu bekämpfen, gibt es allerdings reichlich. Man muss nur diejenige finden, die es schafft, den eigenen Kopf zu überzeugen.

Ich habe seit letztem Herbst einen Wallach, der ein grundlieber Kerl ist und sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten toll entwickelt und mir viel Spaß macht. Doch vor ein paar Wochen hat er meinen Mann achtkantig in die Hallenecke befördert und ich hab es leider gesehen. So etwas brennt sich in meine Netzhaut und die nächsten Male, als ich ihn geritten bin, stellte ich fest, dass ich alles andere als entspannt war - obwohl er genau so wie immer war. Aber da sind dann die Bilder und Gedanken im Hinterkopf, die man erst mal wieder von anderen, Positiven überlagen muss - vor allem, weil ich bis heute nicht weiß, warum er meinen Mann so abgebuckelt hat. Ich hab es gesehen, ich war dabei und ich kann nur vermuten, woran es gelegen haben könnte.

Mir hat danach ganz banal der Unterricht geholfen, den ich so oder so immer nehme. Und das Wissen, da unten auf dem Boden steht jemand, der richtig Ahnung hat und der mir genau in dem Moment, in dem etwas schief laufen würde, das Richtige sagen kann. Und einfach das Machen an sich und das Erleben, dass alles in Ordnung ist. Schon nach wenigen Tagen war das Wohlfühlgefühl wieder da. Ähnlich ist es mir in meinem Reiterleben nach Stürzen gegangen. Rauf auf`s Pferd und weitermachen und ernsthaft daran arbeiten, wieder zu entspannen und zu vertrauen.

Anderen hilft autogenes Training. Wichtig ist jedoch, dass man dran arbeitet und sich der ganzen Sache stellt. ich würde Dir Hilfe "von unten" empfehlen.  Unterricht von jemandem, den Du vertraust und den Du für kompetent hältst. Lass Dich an die Longe nehmen und vor allem, steig immer wieder auf. Ich drück Dir die Daumen!

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 41

Galoppier das Pferd genau dann an, wenn Dein Herz es mehr will als Deine Angst entgegensteht. Es bringt nichts, so lang der Gedanke aufkommt "was, wenn ich einen Fehler mache?" - es wird der Moment kommen, wo Du es Dir so wünschst, dass der Gedanke weg ist - und dann wirst Du auch ordentlich reiten. Den meisten hilft eben grade nicht dieses "ich muss, damit es nicht schlimmer wird", meiner Erfahrung nach kommt irgendwann die Sehnsucht und dann ist es auch gut so.

Antwort
von sukueh, 18

An deiner Stelle würde ich mich nicht selber durch Gedanken wie "ich muss es einfach machen" unter Druck setzen. Druck führt dazu, dass man sich verkrampft und das ist ja mit das verkehrteste, was man auf dem Pferd tun kann.

Nachdem du ja grundsätzlich kein Problem mit dem Galopp hast, brauchst du meiner Meinung nach keine Angst davor zu haben, dass die Angst größer wird, je länger du wartest. Du kannst doch galoppieren, warum es unbedingt zu einem Termin "X" übers Knie brechen ?

Wenn du mit dem Privatpferd "frei" reiten darfst (ohne Unterricht), dann mach mit dem Pferd, womit du dich sicher fühlst, immerhin reitest du das Pferd ja auch noch nicht so lang, oder ? Und irgendwann galoppierst du - ohne vorher großartig darüber nachzudenken - einfach an. Einfach, weil es passt und du galoppieren willst, weil du es "willst" und nicht, weil du "musst".

Es zwingt dich ja niemand, ausgerechnet heute mit dem Galopp mit diesem Pferd anzufangen. Du gewinnst dadurch nichts, du verlierst dadurch aber auch nichts. Deine Ängste könnten unter Umständen höchsten noch größer werden, wenn es heute nicht so klappt, wie du dir das vorstellst. Weil ja dann konkret mit DIESEM Pferd etwas nicht geklappt hat.

Antwort
von beglo1705, 13

So etwas selbst wieder in Griff zu bringen kann schwierig bis unlösbar sein, wobei es zwei Möglichkeiten gibt:

Entweder einfach machen, ohne groß an die möglichen Konsequenzen zu denken,

oder sich von auswärts Hilfe holen.

Vor ca. 9 Jahren hatte ich einen wirklich schweren Reitunfall. Ich sollte den jungen Wallach meiner damals schwangeren Freundin 2x wöchentlich etwas zügiger durch´s Gelände reiten. Wollte im Galopp einen Graben überspringen, um über diese kleine Anhöhe direkt in den Wald zu reiten. Leider kam der Wallach nicht richtig auf/rutschte ab oder knickte (weiß ich nicht mehr) um und wir sind voll im Graben gelandet, das Pferd auf mich drauf.

Gut nur, dass das zwei Gemeindearbeiter gesehen haben und einen Krankenwagen geholt haben, denn ich war bewusstlos und bin erst im Krankenhaus wieder aufgewacht.

Nach gut 6 Wochen Genesung wollte ich wieder reiten, aber es ging nicht, auch nicht nach mehrerern Anläufen. Bin heulend und stinksauer (über mich) nach Hause zu meinem Mann gefahren und hab dem erst mal die Ohren vollgeheult ;-).

Der Hatte die zündende Idee: Nimm doch guten Unterricht. So hab ich das dann gemacht. Der Reitlehrer hat mit mir Autogenes Training, Atemübungen und Sitzübungen gemacht und nach 10 Stunden an der Longe konnte ich wieder halbwegs entspannt durch die Halle tuckeln.

So was in der Art würde dir sicher auch weiter helfen, um sicherer und vor allem angstfrei zu werden. Angst ist das aller letzte was man im Sattel und im Umgang mit Pferden gebrauchen kann.

Es ist keine Schande sich Hilfe zu holen und man kann (wenn´s ein gescheiter Trainer ist) auch viel für´s weitere Leben mitnehmen, manches erschließt sich einem eben erst, wenn man mal selbst den eigenen Standpunkt wechselt und eine andere, unbekannte Sichtweise wählt.

Kommentar von netflixanddyl ,

Das tut mir leid, aber schön, dass du nach diesem Unfall wieder reiten konntest. Ich habe heute übrigens Möglichkeit A ergriffen und bin einfach angaloppiert. Es hat gut geklappt :)

Kommentar von beglo1705 ,

Geht auch, klar. Nur sollte es zur dauerhaften Belastung werden, sei nicht zu stolz Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Kommentar von netflixanddyl ,

Meine Tante hat mir sogar geholfen und von unten Anweisungen gegeben, damit ich mich besser konzentriere und nicht alleine bin. Einen Trainer brauche ich nicht, aber ich werde definitiv mit meiner RL reden, damit sie mich im Galopp sozusagen "mehr unterstützt".

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 27

Ich bin völlig einig mit Barock. 

Vielleicht kommen aber da auch noch andere Gründe hinzu, weshalb das " unbedingt heute noch " sein muss. Aber lass das alles!  Nimm Dir selber den  Druck. Du reitest doch weil es Spaß macht, und nicht, um Dir oder sonst jemand etwas zu beweisen.

Die Schulpferde sind Dir besser vertraut, da hast Du so viel gute Erfahrung, dass der Sturz kaum ins Gewicht fällt. Bei dem  Dir noch neuen Privatpferd ist das anders. Da hab doch einfach Geduld mit Dir selber! Falls  Dir der Besitzer Druck macht, würde ich diese Liason eher aufgeben, auch, wenn es schwer fällt. Denn damit würdest du sowieso nicht glücklich. Und wenn man mit Pferden  trotz Angst etwas macht, ist man  kein Held, sondern leichtsinnig. Denn  Angst überträgt   sich auf das Pferd, und das steigert die Unfallgefahr immens! 

Ich wünsche Dir viel Freude und Geduld 😊

Kommentar von Urlewas ,

PS .:Hinzu kommt, dass du im Unterricht damit beschäftigt bist, Anweisungen zu befolgen,  und daher keine Zeit hast, über wenn und aber nachzudenken. 

Kommentar von netflixanddyl ,

Vielen Dank, da gebe ich dir recht :)

Antwort
von VeraLu, 41

lass dich evtl an die longe nehmen. dann brauchst du nicht zu lenken und kannst dich im ernstfall noch festhalten. oder galoppier immer nur ein paar sprünge und später dann mehr je nach dem wie du dich traust.

Antwort
von Zanora, 46

Warum hast Du auf einem Schulpferd keine Angst?
Ist es die Angst weil Du da dann keinen Reitlehrer nicht um Dich hast oder kommst du generell nicht so klar im Galopp bei diesem Pferd ( ich meine damit da jedes Pferd doch etwas anders ist)
Es wäre doch bestimmt möglich mit diesem Privatpferd in eine Reitstunde zu gehen?!
Wenn ganz unsicher bist wäre vielleicht eine Longenstunde nicht schlecht. Einfach nur um die Sicherheit mit dem Privatpferd zu bekommen.
Warten solltest du nicht so lange. Du kannst ja reiten, ist ja nicht so das erst 3x aufn Pferd gesessen bist (Also gehe ich jetzt mal davon aus)
Versuche ganz locker zu bleiben und erzwinge nichts. Deine Spannung überträgt sich schnell aufs Pferd.
Es tut auch gut wenn Du Deine Übungen in der Halle machst und zwischendurch auch mal ne kleine Pause machst. So 5 min am langen Zügel im Schritt reitest und dann weiter machst.
Viel Erfolg wünsche ich Dir ....... Du schaffst Du bzw Ihr schafft das ;-)

Kommentar von netflixanddyl ,

Ich glaube, weil ein Privatpferd ja einfach eine ganz andere Nummer ist. Unsere Schulpferde sind brav und du könntest fast alles mit ihnen machen. Wie gesagt ist meine Angst eigentlich total unbegründet,immerhin ist sie genauso brav. Ich werde mich heute wahrscheinlich auf ihr longieren lassen, danke!

Kommentar von Zanora ,

Bitte, und freue Dich über jeden kleinen Vortschrit, auch wenns nur 2 Galoppsprünge sind ;-)

Antwort
von hoermirzu, 37

Reiten heißt: "Pferd unten, Reiter oben!"

Ich hatte schon die eigenwilligsten Pferde unter mir. Im Ernstfall halte ich mich am Sattel -eine Hand vorne, die andere hinten- fest. Blöd, wenn das Tier das Bedürfnis hat sich, z.B. im Schnee, zu wälzen; dann ist es besser, vorher abzusteigen.

Antwort
von Sennasenna123, 5

Hi
Also wenn ich auf dem Pferd Angst hatte habe ich gesungen, denn dann habe ich nicht über das runterfallen nachgedacht .
LG Sennasenna123 :)

Antwort
von buschig, 35

Taste dich langsam ran, trabe viel, wenn du darfst kannst du ja auch mal ohne Sattel reiten, bis du dich so sicher fühlst dass du dich traust zu galoppieren. Vielleicht hilft es dir auch so schnulzige Filme wie Ostwind zu gucken, wo die so tun als wäre Gallopp oder wie man das schreibt wie fliegen😊ist es ja auch😄

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