Angst vor Dialyse?

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3 Antworten

Hallo JaWE98,

ich bin seit 1987 Dialysepatientin, ich war 17, als ich das erste Mal an die Maschine musste. Mit 20 wurde ich transplantiert, das Organ funktionierte bis 2013 so gut, dass ich nicht dialysiert werden musste, seit Mai 2013 bin ich wieder an der Maschine.

Es ist schon ein großer Einschnitt. Dreimal pro Woche 4-5h Behandlung, dazu zumindest im Laufe der Zeit Einschränkungen beim Essen und Trinken. Hast Du schon einen Shunt? Ein Shunt ist ein operativer Kurzschluss einer Arterie mit einer Vene am Arm, dadurch wird die Vene aufgebläht und man kann darüber dialysieren. Wenn Du noch keinen Shunt haben solltest, wird der zeitnah angelegt und für die Übergangszeit bekommst Du einen Zugang in der Halsschlagader.

Bei der Behandlung muss man als erstes auf die Waage. Wenn man nicht mehr genug ausscheidet und sich Wasser im Körper ansammelt, muss dieses bei der Behandlung entzogen werden. Dafür wird ein "Trockengewicht" festgelegt. Alles Gewicht oberhalb des Trockengewichtes muss bei der Behandlung raus. Dann wird Dir Dein platz zugewiesen, dort ist die Maschine bereits vorbereitet. Jetzt kommt der unangenehmste Teil (zumindest am Anfang, wenn die Hautnerven noch intakt sind), der Shunt wird mit zwei dicken Nadeln punktiert. Die Nadeln werden gut verklebt und dann die Schläuche angeschlossen. Aus dem einen Schlauch läuft das Blut ins System, wird im Dialysator durch Osmose gereinigt und fließt durch den anderen Schlauch zurück in den Körper.  Im System sind immer ca. 200ml Blut. Pro Minute werden etwa 200-300ml Blut gereinigt.

Jetzt beginnt das Warten. Du kannst normalerweise fernsehen, aber natürlich auch ein Buch, MP3 Player, Laptop, Tablet usw. mitbringen. Am Anfang kommt einem die Zeit endlos lang vor. Zum Ende der Behandlung bekommst Du das restliche Blut zurück und musst dann noch eine Weile (ca. 10-15min) abdrücken, damit die Punktionsstellen sich schließen. Das dauert deshalb so lange, weil mit Heparin verhindert wird, dass das Blut im System gerinnt. Dann musst Du noch einmal auf die Waage und darfst dann nach Hause.

Zur Diät: Da die Nieren wenig bis gar keinen Urin mehr produzieren, darf man meist nicht so viel trinken, die Faustregel lautet Urinausscheidung plus 500ml pro Tag. Hat man keine Ausscheidung mehr, kann man das nicht einhalten und nimmt zwangsläufig an Wasser zu. Damit die Zunahme nicht zu groß wird (das belastet das Herz), sollte sie nicht mehr als ein Kg pro Tag betragen.

Wegen der fehlenden Ausscheidung sammeln sich auch Elektrolyte im Körper an. Besonders kritisch ist das Kalium. Bei einem zu hohen Kaliumwert im Blut kann es zum Herzstillstand kommen. Daher darf man nicht mehr als maximal 2000-2500mg Kalium pro Tag zu sich nehmen und muss auf einige Dinge verzichten oder den Konsum stark einschränken.

Weiterhin sammelt sich Phosphat im Körper an. Dagegen gibt es Phosphatbinder, aber trotzdem sollte nicht zu viel Phosphat in der Nahrung sein.

Zu den Diätvorschriften findest Du auf www.dialyse.de viele Informationen.

Viele Dialysepatienten arbeiten nicht, aber wenn es gesundheitlich möglich ist, sollte man es tun, um nicht zum Sozialfall zu werden. Ich habe Mathematik studiert und arbeite Vollzeit in der klinischen Forschung, das ist hauptsächlich Programmieren. Ich dialysiere nachts im Zentrum, das dauert 8h, aber ich schlafe während der Behandlung. Der Vorteil der langen Dauer ist die bessere Reinigung des Blutes, man kann sich etwas mehr "erlauben".

Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick verschaffen. Bei weiteren Fragen kannst Du gerne eine persönliche Frage stellen, geh dazu auf mein Profil (auf meinen Namen klicken) und stelle eine Freundschaftsanfrage mit dem Button oben rechts.

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Kommentar von JaWe98
07.07.2016, 11:39

Vielen dank! Deine Antwort hat mir sehr geholfen! 

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Ich kenne Menschen, die in der Dialyse arbeiten sowie Dialyse-Patienten - und kann dich beruhigen - es gibt zwei verschiedene Arten der Dialyse, die aber beide für lange Jahre möglich sind und dir trotzdem eine gewisse Lebensqualität erhalten (selbst wenn du dort regelmäßig auftauchen musst.

Was genau passiert ist abhängig von der Art der Dialyse. Am besten wird dir das der behandelnde Arzt (die behandelnde Ärztin) sagen können - es wird sich sicher lohnen, mit ihm/ihr über deine Ängste zu reden (mehr als hier im Forum!)

Alles Gute und vor allem gute Besserung!

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Welche Art der Dialyse wirst du machen? Hämo oder CAPD?

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Kommentar von JaWe98
07.07.2016, 11:40

Hämo

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