Frage von cremy, 91

Angst um Freundin - neurologische oder psychische Störung?

Ich versuche mich kurz zu fassen:

meine beste Freundin, 35 Jahre alt, ursprünglich herzensgut, fast naiv, hat seit 11 Monaten folgende Symptome: - täglich aggressiv; - isst wenig, dennoch 30kg Übergewicht; - versteht simple Zusammenhänge und Sätze nicht mehr; - antriebslos; - fühlt sich überwacht; - fühlt sich (z.B. im Supermarkt) bedrängt und von Fremden provoziert; - wird angeblich ständig bestohlen (Tabak, Geld, Getränke); - trinkt mittlerweile jeden Tag Bier, da verzweifelt ist; - kann derzeit nicht arbeiten; - kann sich nicht konzentrieren; - flippt regelmäßig aus und schlägt Möbel zusammen;

Sie bekam kurzzeitig Ritalin für ihr ADHS, wurde aber wieder abgesetzt, da sie dann beinahe Paranoid schien. Derzeitige Behandlung erfolgt nur mit Antidepressiva und Verhaltenstherapie. Die Therapie umfasst allerdings eher Tipps zum Aufräumen und Struktur. Es geht ihr immer schlechter, sie leidet unter diesem Leben und unsere Freundschaft zerbricht daran! Ich bin noch die einzige Vertrauensperson. Ich habe Angst um sie und kann mich kaum noch abgrenzen.

Haben Sie eine Idee, ob hinter den Symptomen eine Erkrankung liegt und welche Maßnahmen ich ergreifen kann!? VIELEN DANK

Antwort
von 5tesRad, 27

Ich bin zwar kein Arzt, aber es hört sich schon nach einer psychischen Erkrankung an. 

Meine Mutter leidet an paranoider Schizophrenie und Depressionen, ich selbst habe eine soziale Phobie und ebenfalls Depressionen. Daher kenne ich mich leider aus eigener Erfahrung ein bisschen damit aus.

Ich kenne dieses Verhalten, das du beschreibst, auch von meiner Mutter und auch teilweise von mir selbst.

Meine Mutter verhält sich so, wenn bei ihr wieder eine Psychose ausbricht. Auch sonst ist sie leicht reizbar. Sie ist eigentlich (außer diesen Aussetzern), ein ganz lieber Mensch, herzensgut und ehrlich. Und plötzlich bricht dann manchmal kurzzeitig (zum Teil ohne erkennbaren Grund) diese Wut und Aggression heraus. 

Bei mir ist das ein bisschen anders. Ich war auch immer ein herzensguter Mensch, merke aber, wie ich in letzter Zeit innerlich immer aggressiver werde. Vor Fremden zeige ich das aber nur selten und reiße mich zusammen, weil es mir selbst auch irgendwie unangenehm ist. Habe auch 0 Antrieb mittlerweile.

Bei mir ist das eher ein schleichender Prozess gewesen, da ich irgendwie keinen Sinn mehr im Leben sehe und alles nur noch anstrengend ist. Mich kotzt sozusagen alles nur noch an. Wenn einem das Leben sinnlos vorkommt und die Lebensfreude weg ist, kann einen das ganz schön belasten! Und dauerhafte seelische Last kann Menschen ganz schön runterziehen und verändern.

Sie muss vom Arzt auf jeden Fall richtig diagnostiziert werden, denn nur wenn die Art der Erkrankung feststeht, kann man ihr richtig helfen und die richtigen Medikamente verschreiben.

Falls du noch irgendwelche Fragen hast, dann immer raus damit ;)

Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, deiner Freundin gehts bald wieder besser.

Antwort
von Ostsee1982, 13

Ich möchte das aufgreifen was du in den Kommentaren geschrieben hast und ich finde es schon sehr ungewöhnlich, dass eine Freundin, nicht Familienangehörige oder Betreuuerin mehrfach bei Therapiesitzungen dabei ist wo es um so intime, private Themen geht. Mich wundert, dass der Verhaltenstherapeut das zulässt weil das schlicht und ergreifend die Therapie stört. Ich finde auch - wie andere Vorschreiber - dass du etwas zu motiviert bist und als Laie dem Fachpersonal Inkompetenz unterstellst. Ich bin mir auch sicher, dass eine Diagnose vorliegt, ansonsten könnten Behandlungen und Therapien nicht über die Kasse verrechnet werden.  ADHS alleine wird wohl nicht auf dem aktuellsten Befundbericht stehen bei den geschilderten Beschwerden.

Desweiteren halte ich das für mehr als fragwürdig Laien zu Symptomen zu befragen. Hier ist keiner im Stande auf die Ferne eine Anamnese durchzuführen und in der Lage Symptome richtig zuzuordnen ohne Fachkompetenz, ohne jemals deine Freundin gesehen und erlebt zu haben. Überlasse das doch bitte denjenigen die sich damit auskennen oder steck deine Energien da hinein, einen kompetenten Arzt und Therapeuten zu finden. Ich für meinen Teil halte es jedenfalls nicht für inkompetent, Psychopharmaka zu verschreiben (wenn nötig) und zu einer Alltagsstruktur zu raten, denn das ist überhaupt das Um und Auf.

Kommentar von cremy ,

Danke für die Meinung, aber den Text dazu finde ich etwas frech....

Ich habe niemanden darum gebeten, auch noch den letzten Zipfel meiner Freizeit bei "fremden" Therapiesitzungen beizuwohnen.

Der Wunsch meines Beiseins wurde sogar mal vom Psychologen geäußert, da trotz gleicher Sprache ich inhaltlich manchmal als Dolmetscher fungiere.

Sie ist verzweifelt und unsicher, die Therapeuten sehen nur die Hülle bislang.

Kommentar von Ostsee1982 ,

Was hat das mit frech sein zu tun? Du erwartest dir hier von Laien aufgrund von einer paar Sätzen eine neuropsychologische-/psychiatrische Analyse der Situation die allerdings nur so ausfallen darf wie du es gerne hören würdest. Die Therapeuten sehen seit 15 Jahren nur die Hülle und die bist der einzige der die Wahrheit erkennt? Sei mir nicht böse aber da hast auch du ein gewaltiges Problem.


Auch der Psychiater sagt mir, ich solle die Verantwortung abgeben,

"auch" wer denn noch außer dem Psychiater? Vielleicht auch der Verhaltenstherapeut? Diese Äußerung ist doch klar und unmissverständlich.

Antwort
von PrimeExpert, 30

Schwierige Situation.

Deine Freundin scheint stark Paranoid und eventuell ist eine Persönlichkeitsstörung auch vorhanden. So genau kann man es vermutlich nicht sagen, da manche Krankheitsbilder ineinander verschimmen.

Ich bin kein Fan von medikamentöser Behandlung aber ich frag mich wirklich, war der Psychaiter ihr keine Neuroleptiker verschrieben hat. Antidepressiva und eine Verhaltenstherapie sind nicht verkehrt aber werden nicht viel dagegen ausrichten können. Sie soll ihren Psychaiter mal nach Neuroleptiker fragen. Damit werden Psychosen behandelt. Dann sollte sich die Paranoia und diese Sprunghaftigkeit auch bessern.

Du solltest ihr nicht von der Seite weichen. Ich denke das wichtigste ist, ihr auch bei schweren Zeiten beizustehen und sie vorallem jetzt nicht alleine zu lassen. Auch wenn sie dir momentan misstraut und dich nicht richtig behandelt. Eventuell spricht die Krankheit aus ihr und sie meint das gar nicht so. Sie braucht dich jetzt!

Ich wünsche euch noch viel Kraft!

Kommentar von cremy ,

Damit rede ich mich selbst ständig froh...., dass es wahrscheinlich eine Erkrankung ist und versuche es an mir abprallen zu lassen. Gelingt nicht immer! Dankeschön

Kommentar von PrimeExpert ,

Hat der Psychaiter denn noch keine Diagnose erstellt? Üblicherweise wird bei der ersten Sitzung die Symptomatik analysiert und dann daraus eine Diganose erstellt. Anhand dieser werden dann Medikamente verschrieben.

Wenn es keine Krankheit ist, was soll es sonst sein? Ein so schneller natürllicher Persönlichkeitswandel?

Wie jemand anders schon schrieb, ein CT ist sicher vom Vorteil. Man sollte wirklich alle möglichen Ursachen abklären lassen. Vorallem wenn sie selbst darunter so stark leidet.

Mfg

Kommentar von cremy ,

Das ist es ja, die Behandlung erfolgt auf dem ADHS. Die o.g. Symptome sind erst vor 11 Monaten dazugekommen. Ich kenne Sie seit 24 Jahren, zuvor war nicht ansatzweise so ein Verhalten da! Ich werde versuchen sich oder über mich, schnellstmöglich das CT zu erwirken.

Antwort
von WelleErdball, 41

Wenn bereits eine Verhaltenstherapie durchgeführt wird wird es auch eine handfeste Diagnose geben die nicht wir als Laien erst stellen müssen. Eine solche Therapie umfasst selbstverständlich nicht nur Tipps zum aufräumen und Struktur oder bist du bei den Sitzungen anwesend? Um Struktur wird es sicher gehen, genau das ist auch wichtig und unter anderem werden auch die Kindheit, Beziehung zu den Eltern, Liebesbeziehungen und sonstige  Lebensschwierigkeiten hinterleuchtet. Würde es ihr so akut schlecht gehen wäre durch den Verhaltenstherapeuten bereits ein stationäres Setting eingeleitet worden. Sie hat alle Hilfe die sie haben kann und es wird Zeit brauchen bis eine Besserung eintritt.

Kommentar von cremy ,

Ja, ich bin bei einigen Sitzungen dabei und die Verhaltenstherapie betrifft das ADHS, welches vor fast 15 Jahren diagnostiziert wurde. Die starken Symptome sind jedoch erst seit letztem Jahr und es wird nicht darauf eingegangen.

Kommentar von WelleErdball ,

Eine Therapie ist nicht auf ein Erkrankungsbild ausgelegt sondern es wird gesamtheitlich behandelt und auch die Situation diagnostisch eingeschätzt. Offenbar ist für dich der Verhaltenstherapeut nicht kompetent und auch ein Facharzt nicht, der dir dazu rät, die Verantwortung abzugeben. Du bist eine Freundin, nicht ihre Mutter, ihre Seelsorgerin oder Betreuuerin und ich finde es gibt einen Punkt wo das Fachpersonal besser einschätzen kann was zu tun ist als ein Laie. Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass du dir Sorgen machst aber es ist auch niemandem damit geholfen, dass du da rundherum Alarm schlägst und niemand vermag die Situation einzuschätzen außer dir.

Kommentar von PrimeExpert ,

Nun, in der Pflege/Medizn ist es manchmal der Fall, das nicht mal der Facharzt kompetent ist. Ich hab schon oft erlebt, das Menschen falsche Diagnosen gestellt bekommen haben und ihnen so gar nicht geholfen wurde.

Fachärzte sind auch nur Menschen und legen zum Teil öfters falsch als man denkt. Wie man so gerne sagt, geht man zu 3 Ärzten, hat man 4 verschiedene Meinungen.

Villeicht wäre es sinnvoll, den Facharzt zu welchseln und sich mal eine andere Diagnose/Meinung anzuhören.

Kommentar von WelleErdball ,

Natürlich kann man an einen Facharzt geraten der nicht kompetent ist aber wenn der Facharzt UND der Verhaltenstherapeut nicht kompetent sind dann wirds komisch. Das sind auch zwei erwachsene Frauen und wir haben freie Ärztewahl. Diese Frau ist seit 15 Jahren in Behandlung und da ist vermutlich davon auszugehen, dass sie schon von mehreren Ärzten behandelt wurde.

Kommentar von cremy ,

Nein, sie wurde leider nur von diesen Männern "behandelt", da sie ein riesen Problem damit hat, sich an neue Personen zu gewöhnen. Und das ist auch der Punkt, warum mir die Situation so an die Nieren geht - es ist schlichtweg niemand sonst da, keine Mutter, Vater, Geschwister, etc.

Und da lediglich ich die Symptome in der Form tagtäglich erlebe und meine Freundin sich sehr schlecht artikulieren kann oder manches evtl runterspielt, weil sie Angst hat eingewiesen zu werden, steht an erster Stelle immer noch das ADHS, dessen Therapie erst vor vora.  2 Jahren wieder aufgenommen wurde.

Mir geht es hier nicht um die Erstellung einer Diagnose, sondern um den Austausch von Erfahrungen/Wissen, sodass ich von Außenstehenden evtl Möglichkeiten aufgezeigt bekommen kann, dir mir momentan nicht ersichtlich sind....

Zudem bin ich davon überzeugt, dass die momentan behandelnden Therapeuten sehr wohl kompetent sind und gewiss auch helfen könnten, jedoch die Situation zu lapidar einschätzen (können).

Kommentar von WelleErdball ,

Zudem bin ich davon überzeugt, dass die momentan behandelnden Therapeuten sehr wohl kompetent sind und gewiss auch helfen könnten, jedoch die Situation zu lapidar einschätzen

Ich wünsche euch alles Gute weiterhin!

Kommentar von adianthum ,

Es gibt Menschen die ihr ganzes Leben unter einer falschen Diagnose zu leiden haben!

Und das häufig nur, wei der behandelnde Arzt/Therapeut im Modus "Betriebsblindheit" fährt.

Gerade bei psychischen Erkrankungen ist das Krankheitsbild häufig nicht eindeutig.

Antwort
von loema, 35

Geh doch mal mit zum Termin beim Psychiater/Pschologin.
Und schildere da, was du beobachtest.
Versuche Verantwortung abzugeben, sonst geht es dir selbst bald schlecht.
Es gibt betreutes Wohnen für psychisch Kranke. Da hat sie dann Ansprechpartner und Hilfe bei Terminen und Wohnung. Und die Betreuuer melden dann auch, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Also kümmern sich um einen Klinikaufenthalt.

Kommentar von cremy ,

Ich war bei mehreren Terminen dabei. Auch der Psychiater sagt mir, ich solle die Verantwortung abgeben, aber ich kann sie nicht links liegen lassen, da sie sich sonst zuhause wohl einschließen würde. Für ein betreutes Wohnen wäre sie derzeit nicht geeignet, da sie ja selbst mir mittlerweile misstraut.

Kommentar von loema ,

Du vertraust dem Psychiater nicht?
Du denkst er schätzt die Situation falsch ein?

Kommentar von cremy ,

Außer Antidepressiva zu verschreiben wurde nichts gemacht und das macht mich nervös.

Antwort
von eraytashan, 39

Kamen die Symptome plötzlich oder war das ein fortlaufender Prozess?

Kommentar von cremy ,

Diese starken Symptome kamen plötzlich. Zerstreut war sie schon immer, aber diese Wut und wie sie redet....erkenne Sie kaum wieder!

Kommentar von eraytashan ,

Also das plötzliche auftreten von Symptomen, entkräftet das Argument des Drogenmissbrauchs! Ich gehe jetzt mal davon aus, dass sie keine gravierenden Wendepunkt in ihrem Leben zu der Zeit hatte, da du es sonst wohl erwähnt hättest. Ich vermute, dass sie einer neurologische Stoffwechselstörung unterliegt! Auf jeden Fall sind die beschriebenen Symptome ein Indiz dafür! Das Übergewicht trotz geringer Nahrungsaufnahme resultiert aus der starken psychischen Belastung in Kombination mit Schlafmangel, in solchen Fällen verfallen viele Körper in eine Diätresistenz. Eine Ferndiagnose ist nicht möglich aber ich würde sie in eine Psychatrie bringen. Durch eine medikamentöse Behandlung und psychische Beratung, sollte sie im optimalfall sechs Wochen später wieder den Normalzustand erreichen. Vorausgesetzt ich habe mit meiner Ferndiagnose überhaupt recht... Gruß

Kommentar von cremy ,

Vielen Dank. Ich habe ihr versucht behutsam den "Urlaub" in der Psychiatrie schmackhaft zu machen, aber sie hat Angst weggesperrt und entmündigt zu werden. Die Hilfe sieht sie dann nicht mehr!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht jede Psychiatrie mit Zwangsjacke arbeitet ;-)

Kommentar von eraytashan ,

vollkommen richtig! Zudem können auch die Ärzte einen nicht festhalten, solange keine Gefahr für die Allgemeinheit besteht, dass ist hier ja nicht der Fall! Zudem wird sie mit ihren Symptomen ohnehin nicht in die geschlossene Psychatrie gesteckt werden, sondern landet in der Offenen! Schlag ihr doch mal vor, zu einer Psychatrie zu gehen um dort nur ein Beratungsgespräch zu führen! Die Ärzte dort sind bereit ein vorläufiges Berarungsgespräch zu führen, dass vermittelt deiner Freundin auch nicht das Gefühl einer Einweisung sondern eben nur das Gefühl mal unverbindlich darüber zu sprechen! Sollte es der Fall sein, dass der Arzt rät, sie erstmal stationär aufzunehmen, können die das vor Ort sehr kompetent und beruhigend vermitteln sodass die Angst vor einem Aufenthalt verschwindet. Viel Glück!

Antwort
von Nightlover70, 33

Könnten außer Alkohol noch andere Drogen im Spiel sein?

Kommentar von cremy ,

Seit vielen Jahren täglich Marihuana in geringem Maße, da sie dadurch das ADHS leichter erträgt (ist nicht "high" im herkömmlichen Sinne).

Antwort
von Shiftclick, 31

Sie sollte gründlich medizinisch/psychiatrisch untersucht werden. 

Antwort
von brucewilles97, 36

Wurde schonmal ein CT gemacht?

Kommentar von cremy ,

Ich war selbst schon beim Psychiater dabei und es ging nie um körperliche Untersuchungen. Habe ihr das mit dem CT heute nochmal nahe gelegt.

Kommentar von brucewilles97 ,

Möchte hier jetzt nicht unnötig Angst schüren aber Gewebsveränderungen (Aneurysma, Tumor..) können genauso dafür verantwortlich sein. Das kann man in der Regel (!) im CT gut sehen. lg

Kommentar von brucewilles97 ,

Übrigens wieder "Möchte hier nicht unnötig Angst schüren aber" es gibt so einige Parasiten die ähnliches verursachen, bitte abchecken lassen!

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