Frage von Mockingjay92, 67

Angst etwas zu essen - Hilfe?

Hey Leute,

Ich richte mich jetzt mit einem sehr persönlichen Problem an euch und hoffe auf ernstgemeinte, ehrliche Ratschläge und Verständnis.

Vor etwa einem Jahr hatte ich beim Verzehr von Haselnüssen in Form von Krokant eine mittelschwere allergische Reaktion (starker Schwindel, Übelkeit, Herzrasen). Im Laufe dieses Jahres habe ich leichte Formen dieser Symptome beim Verzehr von Äpfeln festgestellt. Ein Allergietest ergab eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie insbesondere auf Birke/Haselpollen. Seitdem beschäftige ich mich stark mit Kreuzreaktionen, die ja sehr vielfältig ausfallen können. Ich meide so gut wie alle Lebensmittel und esse fast nur was mir zu 100 Prozent keine Beschwerden bereitet. Also zusammengefasst ernähre ich mich kaum ausgewogen. Meine Allergologin sagte mir ich sei viel zu paranoid und solle nur wirklich Haselnüsse und Äpfel meiden, andere Sachen vorsichtig ausprobieren. Allerdings hat sich bei mir eine so große Angst vor einer Reaktion entwickelt, dass ich es einfach nicht schaffe beispielsweise eine Tomate zu essen. Wenn ich es doch tue verfalle ich in Panik und bilde mir vermutlich allergische Reaktionen ein.

Habt ihr Tipps zum Umgang mit einer solchen Angst? Ich habe immer gerne gegessen. Mich schränkt diese Furcht total ein und nimmt echt Lebensqualität. Mein Kopf weiß, dass es Qutasch ist, aber ich schaffe es einfach nocht zu überwinden.

Antwort
von McDuffee, 22

Das ist Krieg im Kopf. Und es ist die schlimmste Art Krieg. Nämlich gegen dich selbst. Das die Einbildungskraft des Menschen wirklich sehr stark sein kann, haben bereits Folterexperimente im Mittelalter gezeigt.

Ein Straftäter wurde nackt mit verbundenen Augen auf den Rücken gelegt. Man hat ihm Arme und Beine festgebunden und dann mit einem Messer die Handgelenke gaaaanz leicht angeritzt (kaum der Rede wert aber schmerzhaft)

Danach hat man mit Schwämmen pulsartig handwarmes Wasser auf seine Handgelenke laufen lassen. Der Sträfling fühlte wie "das Blut aus ihm herauspulst" und starb tatsächlich!

Allergien  sind hinterlistige kleine Biester die nach ihrem Auftauchen i.d.R. nicht wieder verschwinden und uns das Leben zur Hölle machen.

Das einzige probate Mittel für deinen speziellen Fall ist meiner Meinung nach ein langsames Herantasten an ´"normales" Essen. Das du in Zukunft bei neuen Sachen nicht darum herum kommst die Inhaltsangaben zu studieren ist Fakt. Aber wenn du jemand hast dem du vertraust, dann iss doch in dessen direkter Anwesenheit und falls was schiefgehen sollte ist jemand für dich da.

Außerdem musst du diese Allergie für dich persönlich als DEINE EIGENE Einschränkung akzeptieren, dann fällt es deinem Hirn auch leichter, Essbares ohne Allergie-Auslöser als Nahrung anzuerkennen!

Meine Frau hat Morbus Chron das ist noch heftiger:

Sie as für ihr Leben gern Spinat - jetzt lebensgefährlich!

oder Fisch - 4 Tage Bauchkrämpfe garantiert! 

oder Blumenkohl/Brokkoli etc. - 1 Woche außer Gefecht...

Nur Mut du darfst mehr essen als du vielleicht denkst!

Antwort
von Mathisxy, 27

Hey Mockingjay,

Ich kann dir da nur ein paar Tipps im Umgang mit deiner Angst geben.

1. Ist Angst ein Gefühl, genauso wie Freude, Trauer, etc. Das heißt, dass du nicht gegen sie ankämpfen, sondern sie einfach akzeptieren solltest und sozusagen aus der Beobachterposition anzuschauen. Lasse in der Situation alle deine Emotionen zu und beobachte sie einfach, am besten ganz sachlich, wie sie sich anfühlen. (Engegefühl in der Brust...)

2. Wenn du dann "keine Angst mehr vor deiner Angst" hast, kannst du anfangen, ihr nach und nach zu beweisen, dass du garnicht stirbst. Am besten machst du das in Babyschritten, d. h. z. B., dass du einfach einen Löffel oder ein Stück von etwas isst, was deine Angst als tödlich ansieht.

3. Gehe weiter in Babyschritten vorwärts, unter und überfordere dich nicht, dann wird das schon klappen!

Viel Glück!

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