Frage von Kiyota, 108

Angst, dass sich Hund kaputt trauert?

Hallo alle zusammen,

wir haben eine junge Hündin, die jetzt seit längerer Zeit durchgehend unser Sorgenkind ist. Seit ein Familienmitglied verstorben ist, hat sie sich stark verändert. Anfangs wurde sie krank, nahm dann stark ab und lag nur rum. Anderen gegenüber war sie extrem aggressiv (abgesehen von Familien-Mitgliedern). Daraufhin ging ich mit ihr zum TA und wir begonnen eine Therapie mit Notfalltropfen - erfolglos. Gesund wurde sie wieder, aber sie trauert extrem. Dauernd weint sie und weicht keinem mehr von der Seite. Man sieht richtig, wie die Tränen runter laufen. Jede Nacht jault sie lautstark. Ablenkung hat bis jetzt nicht wirklich was gebracht - habe sie auf Ausflüge mitgenommen, etc. Agility-Sport angefangen - da war sie dann auch wieder was aufgeweckter. Aber in der letzten Zeit wird es nur noch schlimmer. Auf spielen lässt sie sich gar nicht mehr ein und liegt überwiegend nur noch rum und sieht aus wie ein einziger Trauerkloß.

Hat jemand von euch Erfahrung mit dieser Problematik? Hundeschule und TA waren wir bereits. Die Chemie-Keule möchte ich nur sehr sehr ungern schwingen.

LG und danke fürs Lesen

Antwort
von Muggelchen71, 44

Ein Hund orientiert sich ganz stark an Eurem verhalten.

Ein Todesfall in der Familie ist ein extremer Fall, der alle sehr belastet. Es trauert ja nicht nur der Hund, ihr trauert auch und habt euch verändert, das verändert den Hund.

Auch wenn man selber meint, dass alles gleich ist, das ist es nicht. Der Hund ist wahnsinnig sensibel und reagiert auf feinste Signale.

Solange wie ihr trauert, seit ihr "schwach", das heißt der Hund bekommt nicht die Sicherheit, die er braucht. Der Hund muss sozusagen nun auf Euch aufassen und die Führung übernehmen. Das zeigt das Beispiel beim gassi gehen, das er aggressiv auf andere Menschen reagiert. Er will/muss Euch beschützen.

So eine Situation ist unendlich belastbar und es dauert ja auch lange, bis alles wieder "normal" wird. (kann es das überhaupt?)

Alles steht und fällt mit Eurer Trauer.

Dann, auch wenn es schwer ist, bemitleidet Euren Hund nicht, das verstärkt alles noch viel mehr. Ignoriert dieses Verhalten und gebt dem Hund dann keine Zuneigung, weder Ansprache, noch Anfassen, oder Leckerlies.

Alles braucht seine Zeit, wenn es momentan so ist, dass nehmt es hin, auch wenn es schwer ist mitanzusehen. Aber je normaler ihr Euch verhaltet und das Verhalten vom Hund ignoriert, desto schneller wird es wieder besser werden.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft durch die schwere Zeit.

Alles Gute!

Kommentar von Kiyota ,

Oft kommt die Kleine an und möchte kuscheln - das lasse ich nicht immer zu. Ich bestimme, wann gekuschelt wird. Wurde auch so in der Hundeschule gesagt, machte ich vorher aber auch schon so.

Jeder bei uns in der Familie trauert anders, das macht das Ganze glaube ich nochmal schwieriger.. 

Da wird ja dann noch einiges auf uns zu kommen..

Vielen Dank!

Kommentar von Muggelchen71 ,

Ja, es wird noch dauern und braucht Geduld. Hier och ein paar Tips, wie ihr wieder Sicherheit vermitteln könnt:

Ihr geht immer vor dem Hund durch die Tür. Angeleint wird erst, wenn der Hund ruhig und entspannt ist, einfach abwarten bis er ruhig ist, dann ohne Ansprache anleinen und vor dem Hund raus gehen.

Den Hund an der Leine nie vorne laufen lassen, so muss er alles kontrollieren und die Situation überblicken. Im Besten Fall läuft der Hund ganz knapp hinter einen. Kommt ein anderer Hund oder fremde Menschen wo er loslegen würde, einfach stehen bleiben und sich vor den Hund stellen, somit wird singnalisiert, dass Du die Situation klären wirst und alles unter Kontrolle hast. Natürlich nur da hinter einem laufen lassen, wo man normal lang läuft, Gehweg usw. Auf der Wiese, Feldweg oder so, darf der Hund natürlich toben.

Die Aussage vom Hundetrainer, dass der Hund Verlustängste hat stimmt so nicht ganz, der Hund übernimmt die Kontrolle, weil Du momentan nicht die nötige Sicherheit vermitteln kannst.

Geb dem Hund immer wieder Befehle, baue Übungen beim Gassi gehen ein, auch Suchspiele, wo Du Leckerlies im Gelände versteckst.

Achte auf Deine Körperhaltung, gerader Rücken, Schultern runter, nach vorne, nicht auf den Boden schauen, Hand mit Leine locker, keine Spannung drauf.

Immer mit den Gedanken im hier und jetzt sein, Hunde können Gedanken lesen.

Dem Hund keine Entscheidung überlassen! Klar darf man ihm die Wünsche erfüllen, aber erst wegschicken, dann rufen und erlauben.

Antwort
von SusanneV, 22

Oh je, die arme Maus. Scheinträchtigkeit kannst Du durch eine Kastration verhindern, was aber bei dem schlechten psychischen Zustand des Hundes nicht ratsam ist.

Ihr könnt ihr nur all Eure Liebe und Geborgenheit schenken. Es gibt ein Buch, das heißt Tellington Touch für Hunde. Besorg Dir das. Mit dem Training kann man gut die Bindung zu seinem Hund aufbauen. Ganz enger Körperkontakt tut dem Hund gut. Die Maus wird Zeit brauchen, um den Verlust zu überwinden, aber sie bekommt von Euch so viel Unterstützung, dass sie es schaffen wird.

Als letzte Möglichkeit könntet ihr ein Hundepsychologen zu rate ziehen.

Ich wünsch Euch alles Gute und hoffe, dass Euer Hund bald wieder glücklich wird.

Antwort
von stowaway, 32

Alle Achtung, - Du hast wirklich eine Menge unternommen, um dem armen Hund zu helfen. - Da es aber nun alles nichts genutzt hat, versuche es mal ganz anders. Zum einen solltest Du behutsam eine stärkere Bindung mit einem anderen Familienmitglied aufbauen. D. h. sie geht nur noch mit dem Betreffenden Gassi. Gefüttert wird ausschließlich von diesem Familienmitglied, - nach Möglichkeit aus der Hand. Ihr Körbchen sollte in der Nacht möglichst in der Nähe von dessen Bett stehen. Das ist erst einmal
die emotionale Schiene. Aber ein wenig Autorität ist auch notwendig, - also eine gewisse Konsequenz ihr nichts mehr durchgehen zu lassen, damit sie merkt, wer der Neue Rudelführer ist, was ihr eine gewisse Sicherheit geben wird. Und gibt es nicht irgendetwas was ihr wirklich Spaß macht, wie - z. B. Artgenossen treffen, und mit Ihnen rumtoben. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß es der Kleinen bald besser geht!

Kommentar von Kiyota ,

Gefüttert wird sie bereits von einem anderen Familienmitglied und auch beim Gassi-Gehen ist Abwechslung drin.. Da trainieren wir auch, dass sie mehr Bezug zu den anderen aufbaut. Es ist wirklich nicht einfach mit ihr..

Aber vielen, vielen Dank.

Antwort
von xttenere, 16

ich habe dies bei meinem kleinen Sam erlebt, als mein Lebenspartner vor 7 Jahren verstarb. Meine Trauer spiegelte sich auf den Hund hinüber.

Hunde sind sehr sensible und feinfühlige Wesen, die die kleinste Änderung bemerken, und dementsprechend reagieren. SEINE Trauer ist ziemlich sicher abgeschlossen....aber er merkt, dass IHR immer noch  trauert...nicht mehr dieselben seid wie zuvor...auch wenn Ihr dies vielleicht selber gar nicht merkt..

Ich weiss, es ist einfach gesagt oder geschrieben....aber versucht wieder die Menschen zu sein, die Ihr vor Eurem Verlust gewesen seid....und Eurer Hündin wird es auch wieder besser gehen.

Mir hat dazumal ein pflanzliches Mittel sehr geholfen *Johanneskraut Kapseln*.....aber bitte nicht für den Hund verwenden, sondern für Euch.

Antwort
von Super49, 51

Das ist wirklich sehr traurig. Ja, Hunde trauern auch! Viele Leute denken, ein Tier könnte das nicht. Verbringe soviel Zeit wie irgendwie möglich mit deinem Hund. Kuschel mit ihm, gehe spazieren. Sie hat jetzt keine Lust auf fröhliches Stöckchenwerfen und sonstige Spiele. Jeder trauert anders. Vielleicht kennst du jemanden, der auch einen Hund hat, mit dem sich deine Hündin gut versteht. Dann mal zusammen Gassi gehen.

Sie braucht ihre Zeit um über den Verlust hinweg zukommen. Widme ihr viel Zeit. 

Kommentar von Kiyota ,

Ja, das stimmt. Ich finde es schrecklich, wenn man behauptet, dass Tiere keine Gefühle hätten!

Ich verbringe bereits viel Zeit mit ihr und es sind auch mehrere Monate vergangen.. Aber bis jetzt keine wirkliche Besserung..

Kommentar von Super49 ,

Oje, arme Maus. Vielleicht würde es ihr helfen sich mit anderen Hunden beim Gassigehen zu treffen. Einfach spazieren gehen, dann auch mal ab von der Leine. Ansonsten verbringst du ja schon viel Zeit mit ihr.

Einen anderen Tipp habe ich leider nicht. Vielleicht könntest du den Tierarzt mal nach homöopathischen Mittel fragen ( zB. Rescue- Tropfen, oder doch was in der Richtung)

Antwort
von adventuredog, 25

Ich würde, ebenso wie Berni74 schon schrieb, zu einer/m Tierärztin/Tierarzt mit Fachgebiet Verhaltenskunde/Verhaltensmedizin tendieren. 

Das Problem scheint mir doch zu speziell und evt zu umfangreich, als das der "normale" Hundetrainer helfen kann. 

Adressen findest du auf der HP der Tierärztekammer deines Bundeslandes oder evt auch von deinem Haus-Tierarzt. Alles Gute!

Expertenantwort
von Berni74, Community-Experte für Hund, 46

Das klingt ja wirklich sehr schlimm. :-(

Wie alt ist die Maus denn? Wann war sie das letzte Mal läufig? Wie nahe stand sie dem Verstorbenen?

Wie verhält sie sich anderen Hunden gegenüber?

Kommentar von Kiyota ,

Sie ist 4 Jahre alt und war vor ein paar Monaten läufig und litt auch dann noch an einer Scheinschwangerschaft. :/ Die verstorbene Person sowie ich sind ihre größten Bezugspersonen (gewesen).

Anderen Hunden gegenüber ist sie extrem aggressiv. War auch Hauptgrund für den Besuch der Hundeschule. 

Kommentar von Berni74 ,

Ist die Scheinträchtigkeit vorbei?

Ich weiß, es ist schwer, aber wie gehst Du mit dem Verlust um? Möglicherweise sieht sie, daß Du leidest, und leidet deshalb auch....

Kommentar von Kiyota ,

Ja, sie ist vorbei.

Also mit unserer 2. Hündin (14 Jahre alt) versteht sie sich noch immer. Diese leidet auch eher weniger drunter und fordert die Jüngere oft zum Spielen auf. Mittlerweile lehnt die Kleine immer ab.

Auf andere Hunde geht sie förmlich los. Die Hundeschule ist der Meinung, dass die Kleine Angst hat, mich auch noch zu verlieren. Anfangs dachte man, es würde vllt an mir legen. Vonwegen ich wäre vllt unsicher, etc. Ist aber nicht der Fall. 

Ich gehe gemischt damit um. Natürlich leide ich darunter, aber ich lasse zB nichts schweifen, o.ä. 

Kommentar von Kiyota ,

Öfter versucht sie auch auf fremde Menschen los zu gehen. Aber dieses Verhalten wurde in der Hundeschule analysiert und gerade therapiert.

Kommentar von Berni74 ,

Wurde vom Tierarzt mal ein Blutbild gemacht - vor allem Nierenwerte und Schildrüse?

Kommentar von Berni74 ,

War die Aggression schon vorher da oder auch erst, seit ihre Bezugsperson verstorben ist?

Kommentar von Kiyota ,

Erst, seitdem die Bezugsperson verstorben ist.

Kommentar von Berni74 ,

Echt schwierig. Ich weiß ja nicht, wo Du wohnst. Aber ich an Deiner Stelle würde mit ihr mal bei Dr. Lindner in Markkleeberg vorsprechen. Er ist Tierarzt und ein sehr guter Tierverhaltenstherapeut. http://www.hundepsychiater.de/home.htm

Auch, wenn man da vielleicht bissl weiter fahren muß - einen Versuch wäre es in meinen Augen wert.

Kommentar von Kiyota ,

Sind knapp 500 km.. Aber danke für die Empfehlung

Kommentar von Berni74 ,

Vielleicht kannst Du ja trotzdem mal da anrufen und Dich telefonisch beraten lassen.

Oder Ihr macht mal einen Urlaub in der Nähe, wo er sich die Maus mal anschauen kann.

Kommentar von Kiyota ,

Hallo, vielleicht interessiert es dich ja, wie es jetzt mit der Kleinen ist.

Momentan ist es ganz schlimm mit ihr. Ohne Grund schreit sie fürchterlich und hat Anfälle.

Ich wusste nicht weiter und bin mit ihr zum TA.

Jetzt vermutet der TA, dass sie Epilepsie hat. Alle Symptome treffen auf sie zu (nicht die angeborene Epilepsie). Aber noch stehr es nicht fest. Laut TA würde das aber auch alles andere bei ihr erklären.

Kommentar von Berni74 ,

Danke für das Update :-(

So schlimm wie es ist, aber dann hättet Ihr wenigstens etwas, wo Ihr ansetzen könnt. Melde Dich doch mal im Epilepsieforum für Hunde an www.epiforum.de). Dort wirst Du auf "Leidensgenossen" treffen, die Dir vielleicht auch mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen können.

Alles Gute für die Maus!

Kommentar von Kiyota ,

Huhu, erneutes Update:

Meine Kleine hat Epilepsie. Sie wird jetzt mit 2 Antileptika therapiert und ist seitdem  anfallfrei. Auch ist sie anderen nicht mehr aggressiv gegenüber, etc. Sie spannt sich vielleicht mal an, aber das war es dann auch schon wieder. Sie ist auch sofort abrufbar und reagiert auf mich. Wenn ich ihren Namen sage, schaut sie mich an und vergisst andere Hunde. Ich bin wirklich erleichtert zu wissen, was sie hat. 

Kommentar von Berni74 ,

Das glaube ich Dir! Schön, daß Ihr endlich den Grund gefunden habt! Alles Gute für die Maus!

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