Frage von uppss101, 89

Angestellter UND Selbständig, wie geht denn das, Steuererklärung?

Liebes Forumteam,

nach meinem Studium habe ich eine feste Stelle und parallel noch eine selbständige Tätigkeit, da ich ca. 10T EUR über meine selbständige Tätigkeit in diesem Jahr verdienen werde, schreibe ich die Rechnungen nach der Kleinunternehmer-Regelung des §19 UStG. Am Ende des Jahres werde ich natürliche meine Steuererklärung machen. Wie betrachtet das Finansamt meine selbständige Tätigkeit? Separat? Also, falls unter ca. 18T dann alles, was ich verdient habe, bleibt bei mir? Oder addiert zu meinem Gehalt aus nicht selbsändiger Tätigkeit und berechnet davon meine Steuer?

Jegliche Ausgaben, Werbungskosten, Sonder…, Kinderbetreuungskosten interessieren mich erst nicht!!!

Vielen Dank im Voraus!!! Daniel

Antwort
von BarbaraHo, 55

Du solltest für deine Selbständigkeit natürlich eine Buchhaltung machen, aber bitte nicht mit Excel. Es gibt zahlreiche günstige Programme sowie Buchhaltungsbüros und Steuerberater.

Nach Abschluss eines Kalenderjahres wird dann der Jahresabschluss gemacht. Je nachdem als Einnahme-Überschuss-Rechnung oder Bilanz und G&V (Gewinn-& Verlustrechnung). Für die EÜR gibt es ein entsprechendes Formular. Das Ergebnis (Gewinn oder Verlust) kommt dann zu 100 % (wenn du Einzelunternehmer bist) in deine Einkommensteuererklärung. Je nachdem, ob deine Selbstständigkeit ein freier Beruf oder ein Gewerbe ist, in die entsprechende Anlage. Deine nichtselbständige Tätigkeit kommt in die Anlage N. Mantelbogen ausfüllen, Anlage Vorsorgeaufwand nicht vergessen. Ansonsten musst du gucken, ob nicht auch noch weitere Anlagen auszufüllen sind.

Dann wird alles zusammen gerechnet. Also von den anderen Einkunftsarten werden die geltend gemachten Werbungskosten abgezogen, ggf kommt ein Pauschbetrag zur Anwendung (sozusagen ein Mindestanzug zu den entsprechenden Einkünften, falls du nicht mehr nachweisen kannst). Die EÜR liefert schon diese Berechnung (Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben). Ein evtl Partner wird bei Zusammenveranlagung natürlich mit einbezogen. Die Summe ergibt den Gesamtbetrag der Einkünfte. Davon werden Sonderausgaben und ggf außergewöhnliche Belastungen abgezogen. Evtl gibt es noch weitere Abzüge (Behindertenpauschbetrag, Altersentlastungsbetrag, Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, usw). Am Ende steht das zu versteuernde Einkommen. Von dem werden die Vorauszahlungen abgezogen, also einbehaltene Lohnsteuer, Vorauszahlungen zur Einkommensteuer sowie sonstige Abzüge (Spende, Handwerker, etc). Ggf erfolgt eine Berücksichtigung von Kindern. Hast du dann Zuviel bezahlt, bekommst du eine Erstattung, ansonsten (wenn zu wenig bezahlt) musst du innerhalb eines Monats nachzahlen. Damit das im Folgejahr dann nicht mehr so viel Nachzahlung ist, wird das Finanzamt dann auch eine vierteljährlich zu zahlende Einkommensteuervorauszahlung festlegen und dir genau aufführen, wann du welchen Betrag zu zahlen hast.

Also so in etwa sieht das Prozedere in etwas knapper - aber nicht zu knapper Form aus.

Kommentar von uppss101 ,

Ich habe für das Jahr 2015 Taxman 2016 Software gekauft. Leider ist es nur für das Jahr zuvor. Gibt es Anwendungen für die Buchhaltung des aktuellen Jahres, sodass ich jetzt im Laufe des 2016 J. Buchhaltung machen kann und nicht unbedingt das Excel verwenden soll?

Kommentar von BarbaraHo ,

Ja, klar, als EÜR-Rechner benötigst du nur eine Einnahme-Überschuss-Rechnung. Aber warum nutzt du kein Buchhaltungsprogramm? So teuer sind die nicht. Und damit würdest du definitiv keine Probleme mit den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung haben. Falls du Excel nutzt, ist das ein Problem. Man kann in Excel jederzeit Zeilen einfügen oder löschen - ohne Nachweis. Excel-Buchhaltung kann man nicht festschreiben und daher kann die Fibu komplett verworfen werden! Dann macht der Prüfer nette Hinzuschätzungen!
Lieber ein paar Euro investieren, als dass dir später vom Prüfer wegen Excel alles um die Ohren gehauen wird. Wenn die zum prüfen kommen, dann meistens um 4 Jahre gleichzeitig zu überprüfen. Dabei wollen die die elektronische Fibu sehen als auch die Belege. Wenn es dann zu Nachzahlungen kommt, dann also direkt für bis zu 4 Jahren. Nach dem Bescheid hast du dann 1 Monat zur Zahlung.

Mit einem Buchhaltungsprogramm kannst du auch die Umsatzsteuervoranmeldung senden. Und je nach Programm erstellt es dir auch die EÜR. Es gibt so viele Anbieter. Am besten einfach mal googlen. Ein sehr günstiges Programm ist Collmex. Kostet knapp 6,- € im Monat. Also google mal ein wenig und vergleiche. Die Leistungen sind unterschiedlich. Ich werde leider erst in einiger Zeit dazu kommen, selbst mal Vergleiche anzustellen. Ich selbst schwöre auf Datev. Ist allerdings nur über einen Steuerberater zu beziehen, kostet aber auch nicht die Welt.

Antwort
von PatrickLassan, 42

falls unter ca. 18T dann alles, was ich verdient habe, bleibt bei mir?

Erstens liegt die Grenze bei 17.500 €, und zweitens wirst du Umsatzsteuer und Einkommensteuer durcheinander. Die Kleinunternehmerregelung betrifft ausschließlich die Umsatzsteuer, Gewinne aus deiner selbständigen Tätigkeit unterliegen der Einkommensteuer, auch wenn sie unter 17.500 € liegen.

Kommentar von uppss101 ,

Vielen Dank! Ja, ich habe ca. 18T geschrieben also gerundet. Und vielen Dank, ich habe tatsächlich Einkommensteuer und Umsatzsteuer verwechelt, vertauscht wie auch immer! Das ist alles neu für mich und auch sehr viel!!!

Antwort
von Blumenacker, 49

Das läuft nicht separat. Das läuft unter der Rubrik (Formular) Einkommenssteuererklärung mit der Anlage N (nicht selbstständig) und - je nach Branche - der entsprechenden Anlage für die Selbstständigkeit.

Alle Einkünfte, selbstständig und nicht selbstständig, werden addiert und daraus wird eine vierteljährliche Steuervorauszahlung errechnet.


Kommentar von uppss101 ,

Vielen Dank!

Das ist ja schlecht, dass alle Einkünfte addiert werden. Und wenn meine Frau
die Rechnungen schreibt, da die im Mutterschutz zu Hause bleiben muss, werden
diese dann auch addiert. Gibt es eine Möglichkeit, damit die Einkünfte aus
nicht selbständige Tätigkeit so separat bleiben, wie die sind?

Kommentar von Blumenacker ,

Ich vermute, Sie suchen nach Möglichkeiten, die Versteuerungen zu trennen, damit die einzelnen Einkünfte unter der Besteuerungsgrenze liegen.

Das dürfte auch mit einer Ehefrau nicht funktionieren, weil es da eine Zusammenveranlagung gibt. Der Vorteil mit einer Ehefrau ist nur der, daß man in eine günstigere Steuerklasse kommt.

Kommentar von uppss101 ,

Vielen Dank! Ja, wir habe schon 5/3 aufgeteilt. Und ja, ich
mache jetzt meine Steuererklärung für die letzte 4 Jahre, da ich bis jetzt noch keine gemacht habe und kann u.U. einiges aus dem Studium absetzen. Und ja, ich mache eine Zusammenveranlagung. Leide bin ich erst jetzt ein bisschen nachgedacht und auf die Idee gekommen, dass das Finanzamt wahrscheinlich alle
meine Einkünfte zusammenrechnet und daraus Steuer bildet. Da muss ich heftig nachdenken, sonst macht es wenig Sinn, als Selbständig parallel unterwegs zu sein.

Kommentar von PatrickLassan ,

sonst macht es wenig Sinn, als Selbständig parallel unterwegs zu sein.

Da selbst der Höchststeuersatz weit unter 100% liegt, macht es sehr wohl Sinn.

Kommentar von uppss101 ,

Leider verstehe ich an der Stelle nicht, was Sie damit gemeint haben.

Kommentar von PatrickLassan ,

Leider verstehe ich an der Stelle nicht, was Sie damit gemeint haben.

Ganz einfach: Mehr zu verdienen ergibt Sinn bzw.  lohnt sich,  solange man nicht jeden mehr verdienten Cent an den Staat abführen muss, und das wäre erst der Fall, wenn der Steuersatz 100% betragen würde.

Kommentar von PatrickLassan ,

und daraus wird eine vierteljährliche Steuervorauszahlung errechnet.

Da der Fragesteller anscheinend jetzt erst Erklärungen für die letzten vier Jahre abgibt, dürften allerdings die zu erwartenden Nachzahlungen erst einmal wichtiger sein.

Kommentar von uppss101 ,

Nein, ich werde die Steuererklärung für die letzte Jahre abgeben, da ich definitiv viel mehr geltend machen kann als ich als Selbständig ab Märt 2015 verdient habe. Das ganze Studium, alle Rechner, Studienkosten, Fahrtkosten ect. Es sollte keine Nachzahlung erfolgen, sondern eine Auszahlung oder wenigstens eine Verrechnung mit meinem heutigen Gehalt aus nicht selbständiger Tätigkeit, denn da zahle ich auch sehr viel Steuer. Dafür konnte man sich jährlich einen neuen Kleinwagen leisten.

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