Frage von Juliblade, 76

Angemessene Konsequenzen für aggressives Verhalten von 4-jährigem Kind?

Mir fällt es total schwer, angemessen zu reagieren bzw. eine logische Konsequenz zu finden (keine willkürliche Bestrafung), wenn unser 4-jähriger aus Frust etwas zerstört, z.B. das Spielbrett wegschlägt, wenn sein Bruder das Spiel gewonnen hat oder ein tolles Bauwerk aus Lego seines Bruders kaputtmacht. Wenn ich ihn dann in sein Zimmer schicke, beeindruckt ihn das nicht, er kommt gleich wieder raus und guckt erwartungsvoll, was dann passiert. Sein Bruder ist meist richtig traurig und erwartet von mir, dass ich angemessen "bestrafe", wobei ich richtige Strafen in dem Sinne ablehne, eher eine negative Konsequenz auf sein Verhalten folgen lassen möchte. Aber welche???

Antwort
von StopTheBull, 29

Hm, aus deinem Text lese ich heraus, dass der Kleine aus Kurzschluss reagiert, weil er in diesem Moment gerade frustriert ist und nicht weiß, wie er mit seinem Ärger umgehen soll, stimmt das in etwa?

Dann wäre es vllt wichtig, mit ihm Strategien zu üben, wie er seinen Frust besser kontrollieren kann.

Brettspiele, bei denen es einen klaren Gewinner und Verlierer gibt, sind für dieses Alter aus gutem Grund nicht unbedingt empfehlenswert. Erst kurz vor Schuleintritt kommen Kinder in das Werksalter, in dem Wettbewerbsspiele für sie wichtig werden, um sich mit anderen zu messen.

Geistig ist dein Kleiner da noch gar nicht angekommen und kann das Verlieren gar nicht ertragen, deshalb reagiert er so, wie er reagiert. Es gibt einiges an Brettspielen, in denen man zB als Mannschaft zusammenarbeiten muss und nicht einer als Sieger und der andere als Verlierer dasteht.

Du kannst natürlich Konsequenzen ziehen, aber in allererster Linie sollte dein Kind lernen, wie man mit seinen Gefühlen umgeht. Dafür gibt man Spiele, man kann alles mit dem Kind aufarbeiten und Strategien entwickeln, wie man, anstatt große Gefühlsausbrüche, seine Wut in Worte packen kann. Anstatt das Brett umzuwerfen, könnt ihr üben zu sagen "Das finde ich jetzt richtig blöd und es macht mich sauer!" oder etwas in der Art. Außerdem: positives Feedback, wenn er es schafft, Worte zu benutzen statt seinem Impuls nachzugehen.

Kommentar von Juliblade ,

Danke!!

Antwort
von Isipulli, 14

Hallo Juliblade,

Kinder fragen nach Grenzen - dein Vierjähriger zeugt es dir gerade deutlich. Allerdings nicht alle Kinder gleich. Grenzen bedeuten auch Sicherheit. Das ist wie ein Sicherheitszaun.

Ich habe gelesen, dass du schon einiges ausprobiert hast. Reden allein kann, muss aber nicht helfen (auch wieder abhängig vom Kind). Ein Vierjähriger kann und muss lernen, dass er das Legobauwerk seines großen Bruders nicht zerstören darf. Dafür muss es eine Konsequenz geben. Ins Zimmer schicken geht zwar, zählt aber zur Kategorie "Liebesentzug" und ist daher nicht optimal. Besser ist vorher anzukündigen, dass es kein Eis, keine Nachspeise gibt oder Ähnliches. In jedem Fall ist es wichtig, es ohne Emotionen durchzuziehen. Ev. Tobsuchtsanfälle "einfach" ignorieren (es macht keinen "Spaß", wenn keiner reagiert; und deshalb endet es jedesmal schneller.

Diese Konsequenz fördert das Vertrauen - so paradox es klingt: Man kann sich auf Mama verlassen ;-)

Möglich ist auch eine positive "Konditionierung": wenn du das Bauwerk deines Bruders stehen lässt (ganz bewusst die positive Formulierung!!!), dann spielen um 17Uhr das und das, lese ich dir im Bett eine (2.) Geschichte vor, . . . .  Auch hier ganz WICHTIG: Versprechen einhalten - da sind wir als Eltern gefordert!

Gutes Gelingen!

Kommentar von Juliblade ,

Danke, das ist eine sehr hilfreiche Antwort!

Kommentar von kiniro ,

"Grenzen bedeuten Sicherheit" - so ein Spruch, mit dem sich Erziehende gerne rechtfertigen.

Nur wenn die eigenen Grenzen der Kinder akzeptieren werden, können diese Sicherheit bedeuten.

Wie oft sollen Kinder das Nein der Erwachsenen akzeptieren, während die Erwachsenen das Nein der Kinder oftmals ignorieren.

Konditionierung?
Bin ich hier bei einem Hundetrainer?

Ein Kleinkind lebt im Jetzt und ob es mit konkreter Zeitangabe etwas anfangen kann...ich weiß ja nicht.
Davon abgesehen, wird es vielleicht "Ja" sagen, um zu kooperieren und es nach 5 Minuten wieder vergessen haben.

Kommentar von Isipulli ,

Hallo kiniro,

danke für deinen Kommentar.

Es stimmt, dass Kinder viel öfter ein Nein der Eltern akzeptieren müssen als wir Eltern es bei unseren Kindern tun. Deshalb versuchte ich auch zu betonen, dass wir unsere Vereinbarungen halten müssen. Das geschieht nämlich sehr oft nicht - und dann wundern wir uns, dass unsere Kinder "ihre" (die eigentliche unsere sind) auch nicht einhalten! Ich bin sicher, dass gerade daraus viele Probleme im "Mit"-einander (das eher ein "Gegen"-einander ist) resultieren.

Ich hab das Wort Konditionierung in Anführungsstrichen geschrieben, es fiel mir im Augenblick nichts Besseres ein ;-)

Ein Vierjähriger kann mit einer konkreten Zeitangabe nicht viel anfangen, da hast du recht. Doch nach dem Mittagessen z.B. geht; und ev. auch die Beschreibung (sofern es keine digitale Uhr ist): wenn die Zeiger dort und dort stehen.

Antwort
von kiniro, 7

Ich bin ja vielmehr dafür, dass du dich mal konsequent mit der Entwicklung von 4-jährigen Jungs befasst.

Begleite lieber den Frust des 4-jährigen, anstatt ihn mit "Ausschluss" = ins Zimmer schicken bestrafst.

Das, was du machst, sind auch Strafen.
Der verwässerte Begriff Konsequenzen ändert es auch nicht.

Übrigens sind 4-jährige ziemlich "körperlich" und weniger verbal.
Fällt ja auch so manchen Erwachsenen schwer, sich adäquat auszudrücken, wenn ihnen etwas nicht passt.

Wer ist von den beiden das "ältere" Kind?
Und bist du dir sicher, dass du den Blick des anderen Kindes richtig interpretierst?

Zudem wirst du keinem der beiden einen Gefallen tun, wenn du bestrafst.
Da braucht der andere den 4-jährigen nur mal im passenden Moment zu ärgern.
Was denkst du, wenn du dann unberechtigter Weise bestrafst?

Ebenso braucht ein kleines Kind keine künstliche erzeugte Situationen, um zu verlieren.
Es gibt auch ohne all diese Dinge, Gelegenheit, die ihn an seine Grenzen bringen und frustrieren.

Lenke den Blick von der Erziehung und versuche eine Verbindung zu ihm zu bekommen.

Antwort
von Volkerfant, 8

Aggressionen kommen von Frustrationen, da hast du recht.

Der Kleine hat seine Gefühle noch nicht unter Kontrolle, das ist normal, das muss er erst noch lernen. Wer verliert schon gerne? Das muss man erst mal lernen auszuhalten.

Wenn der Kleine dem größeren Bruder etwas kaputt macht, nur weil er verloren hat, bringt es nicht viel, wenn er auf sein Zimmer geschickt wird. Er muss erst einmal verstehen, was er da gemacht hat.

Der Bruder müsste logischerweise mit ihm schimpfen und auf ihn böse sein und sagen, "ich bin sehr traurig, weil du meine Sachen zerstöt hast, ich habe mir so viel Mühe gemacht, mit dir spiele ich nicht mehr, wenn du weiterhin meine Sachen kaputt machst, ich mach ja deine Sachen auch nicht kaputt."

Dann müsste der größere Bruder ihn links liegen lassen und erst wieder mit ihm spielen, wenn der Kleine sich entschuldigt hat (aber da sehen die Kleinen noch keinen Sinn dahinter, aber man kann es ihnen trotzdem beibringen).

Zu sehr nachtragend darf man widerum auch nicht sein, am nächsten Tag muss alles wieder vergessen sein. Und das Spiel beginnt von Neuem. So lange bis der Kleine es gelernt hat.


Antwort
von hairbrush, 27

Also erstmal ist es ganz wichtig, deinem Sohn nach seinem Fehlverhalten zu erklären, was genau gerade falsch gelaufen ist. Er muss verstehen, dass er sich anders verhalten muss.

Am Besten erklärst du ihm das ruhig und schreist ihn nicht dabei an, denn wenn er lernt, sein eigenes Verhahlten zu überdenken, kann er das beim nächsten Mal ändern.

Von Strafen halte ich auch nichts, aber "negative Konsequenzen" wie du es bezeichnest, klingt für mich auch nach Strafe...

Kommentar von Juliblade ,

Erklären tu ichs ihm ja auch und er sieht ja auch, wie traurig sein Bruder ist. Aber es wiederholt sich derzeit fast täglich. Manchmal sagt er "Das hat mein Körper einfach gemacht" und da hat er ja auch recht, das ist wie ein Kurzschluss. Danke!

Kommentar von hairbrush ,

Wenn dein Sohn das nächste Mal das Spielbrett wegschlägt, kannst du ihm ja sagen, dass er es dann auch wieder aufräumen soll. Dann lernt er vielleicht, dass man für sein Handeln auch Verantwortung übernehmen muss.

Oder er baut den Legoturm seines Bruders wieder auf (wenn sich die Gemüter etwas beruhigt haben).

Das wären dann vlt auch die Konsequenzen, von denen du gesprochen hast.

Kommentar von Juliblade ,

Auch schon probiert. Meistens weigert er sich einfach und schaut, was wir dann wohl machen. ;-)

Kommentar von hairbrush ,

Ja, das kenne ich! In diesem Alter wollen Kinder ihre Grenzen austesten und sind deshalb schon ganz schön dickköpfig.

Da hilft nur dranbleiben und ihm immer wieder ins Gewissen reden.

Antwort
von Haselnuss91, 18

geht mal zum Hausarzt der kann bestimmt weiterhelfen.

Kommentar von kiniro ,

Und was soll der Hausarzt bei einem Jungen machen, der sich so verhält, wie es für Jungs in dem Alter normal ist?

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