Frage von wuselwatz, 65

Angaben bei privater Krankenversicherung?

Meine Tochter beginnt am 1.9. ein duales Studium als Beamtenanwärterin und muss sich nun privat krankenversichern. Nun unser Problem. Sie war bis vor einigen Monaten beim Rheumatologen in Behandlung. Derzeit hat sie aber keine Probleme mehr. Muss ich eine solche Behandlung beim Beitritt angeben? Ebenso hatte sie bei der Geburt einen Klumpfuß. Dieser ist aber laut ärztlicher Angabe mit 14 austherapiert gewesen. Es kann ja aber sein, dass im Alter hier noch Probleme auftreten... Was muss ich angeben??

Antwort
von DolphinPB, 42

Bitte hier nichts übereilen, sonst kann es später größere Probleme geben.

Also, zuerst einmal, Deine Tochter muss sich überhaupt nicht privat versichern, sie kann sich auch freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Deine Tochter ist ja als Beamtenanwärterin beihilfeberechtigt (höchstwahrsceheinlich zu 50 %), diese Beihilfeberchtigung bleibt zwar bestehen bei einer gesetzlichen Krankenversicheurng, ist aber de facto erhebluch eingeschränkt. Der große Nachteil (neben den schlechteren Leistungen) einer freiwilligen, gesetzlichen Versicherung liegt darin dass Deine Tochter dann den kompletten Beitrag selbst zahlen muss (ca. 18 % des Bruttogehaltes), als Beamtin erhält sie ja keinen Arbeitgeberzuschuss wie eine Angestellte. Eine private Krankenversicherung berechnet sich nur auf die 50 % die nicht von der Beihilfe übernommen werden und kostet i.d.R. deutlich weniger.

Aber (!) - es amcht überhaupt keinen Sinn irgendwo nun einen Antrag für eine PKV zu stellen (und ja, es muss Alles angegeben werden - siehe andere Antworten), um dann zu erfahren dass entweder abgelehnt wird oder deine Tochter nur mit horrenden Zuschlägen angenommen wird. Einen Vertrag mit ggf. hohen Risikozuschlägen oder Ausschlüssen anzunehmen wäre auch mit Hinblick auf eine möglich, spätere Nutzung der Öffnungsklausel (s.u.) fatal, denn dann kann eben diese nicht mehr genutzt werden.

Also, ich rate dringend zur nachfolgenden Vorgehensweise.

Mit Hilfe eines fachkundigen und vertrauenswürdigen Versicherungsmaklers (und den kompletten, relevanten Gesundheitsangaben) sogannte Voranfragen bei den vielen in Frage kommenden Versicherern stellen und deren Einschätzungen abwarten. Dann überlegen und besprechen (natürlich auch in Abhängigkeit der Leistungen und Beiträge der verschiedenen Tarife) ob, und wenn ja, wo nun ein Antrag gestellt wird. Sollte keine Gesellschaft ein akzeptables Angebot abgeben, überlegen ob alternativ nicht vorerst Deine Tochter sich freiwillig gesetzlich versichert. Dann kann sie später (bei Verbeamtung zur Beamtin auf Probe) immer noch die Öffnungsklausel der PKV für Beamte (einfach mal googeln) nutzen. Hier besteht dann ein Kontrahierungszwang, d.h. Deine Tochter muss angenommen werden, und das mit einem max. Risikozuschlag von 30 Prozent.

Diese Möglichkeit besteht aber nur einmal und nur bei einem Versicherer, nämlich dem ersten bei dem man einen solchen Antrag stellt.

Ein Vertrag der über die Öffnungsklausel zu Stande kommt, hat i.d.R. keinen Beihilfergänzungsbaustein. Was das ist, warum der wichtig ist und ob es deswegen vielleicht doch besser ist, einen "normalen" Vertrag mit höherem Risikozuschlag zu akzeptieren, darüber klärt der besagte Versicherungsmakler dann auf und berät Dich bzw. deine Tochter entsprechend.

Kommentar von NochWasFrei ,

Sehr gute Antwort, auch über die eigentliche Fragestellung hinaus. Ich gebe zu, dass ich an die Öffnungsklausel selber gar nicht gedacht habe.

Hier noch ein Link auf dem man eine Broschüre zu dem Thema findet: https://www.pkv.de/service/broschueren/verbraucher/oeffnungsaktion-der-pkv-fuer-... 

Kommentar von Apolon ,

Ein kleiner Fehler hat sich in diesem Text eingeschlichen:

Deine Tochter ist ja als Beamtenanwärterin beihilfeberechtigt (höchstwahrsceheinlich zu 50 %), diese Beihilfeberchtigung bleibt zwar bestehen bei einer gesetzlichen Krankenversicheurng, ist aber de facto erhebluch eingeschränkt.

Der Beihilfeanspruch bleibt immer gleich, egal ob man in der PKV oder GKV krankenversichert ist.

Ansonsten Daumen hoch!

Kommentar von DolphinPB ,

Erst lesen und verstehen, dann klugsch......

de facto = tatsächlich, in der Praxis

Kommentar von schleudermaxe ,

Bedenke, Du hast es mit dem N.U. zu tun. Nun mal nicht so kühn gegen diesen Allesalleinebesserwisser.

Antwort
von NochWasFrei, 38

Es müssen alle Fragen die im Antrag gestellt werden wahrheitsgemäß nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet werden. Die Fragen beziehen sich nicht nur auf den aktuellen Stand sondern auch auf die Vergangenheit.

Es wird gefragt ob in einem gewissen Zeitraum (ambulant in der Regel die letzten drei oder fünf Jahre) Behandlungen stattgefunden haben. Das müsste in diesem Fall bejaht werden.

Antwort
von basiswissen, 32

Deine Tochter muss ausdrücklich alles angeben wonach gefragt wird.

Ambulante Behandlungen werden im Rahmen von 3 oder 5 Jahren abgefragt.
Stationär bis zu 10 Jahre.
Und es gibt allgemeine Fragen ohne Befristung (bestanden Beschwerden, Erkrankungen, Behinderungen...)


Wenn Ihr da etwas weglasst ist das eine Veretzung der Pflichten des Versicherungsnehmers. Das bringt im Extremfall die Kündigung. Und dann wird es RICHTIG SCHWER!


Übringens: Nicht angeben ist auch eine Form von Lüge.... Ich finde solche Einstellungen bedauerlich.

Antwort
von schleudermaxe, 47

Nein, Du mußt da gar nichts angeben, Deine Tochter (muß und) sollte in der gesetzlichen bleiben, so mein Tipp. Die private zickt mit Sicherheit rum bei so einer Diagnose. Merke: Beziehungen schaden aber nur dem, der keine hat.

Zudem prüft ja auch der Dienstherr die Fähigkeit nach dem Abschluß durch den Amtsarzt. Viel Glück.

Kommentar von NochWasFrei ,

Deine Tochter (muß und) sollte in der gesetzlichen bleiben, so mein Tipp

Klar, GKV macht Sinn für Beamte...

Kommentar von DolphinPB ,

In diesem Fall wäre das vielleicht (in Abhängigkeit der Ergebnisse der Voranfragen - siehe meine Antwort) gar keine schlechte Idee.

Kommentar von NochWasFrei ,

Zugegebenermaßen kann das unter gewissen Umständen eine Alternative sein. Den pauschalen Tipp "bleib in de GKV" wie hier kann man aber so nicht einfach stehen lassen.

Kommentar von schleudermaxe ,

... und da ja die gewissen Umstände hier vorliegen, bin ich auf das Ergebnis aus Deinem Innendienst sehr gespannt.

So etwas kennt natürlich nur der, der so etwas auch verkauft oder nicht verkaufen konnte.

Eigentlich ganz einfach und was Dich mein Tipp angeht, bleibt mir noch immer verborgen.

Kommentar von DolphinPB ,

Na ja, Ihr pauschaler Kommentar mit "muss und sollte" ist auch Unsinn. Sie können doch, mangels Kenntnis der Details,  gar nicht einschätzen ob es tatsächlich Probleme mit der Annahme gibt

Kommentar von NochWasFrei ,

... und da ja die gewissen Umstände hier vorliegen...

Und das weißt du woher?

Kommentar von schleudermaxe ,

... aus der Frage, einfach einmal vorlesen lassen.

Kommentar von Apolon ,

Unser Spaßvogel versucht mal wieder witzig zu sein.

Sinnvoll wäre, nichts zu schreiben, wenn man keine Ahnung hat. 

Kommentar von schleudermaxe ,

... und warum schreibst Du trotzdem?

Antwort
von Mignon4, 48

Du musst ALLES angeben. Tust du es nicht, kann dir die Versicherung die Leistungen verweigern. Lies mal die Bedingungen. Dort steht das.

Kommentar von schleudermaxe ,

Warum sollte eine Versicherung so vorgehen? Die Mutter wird bzw. ist doch gar nicht zu versichern, oder übersehe ich etwas?

Kommentar von Mignon4 ,

Die Mutter hat hier für ihre Tochter gefragt, oder? Wer die Versicherungsnehmerin ist, ist letztlich gleichgültig. Wichtig ist, dass alle Angaben gemäß den Versicherungsbedingungen gemacht werden.

Antwort
von Jersinia, 38

Wenn Ihr Eurer vertraglichen Pflicht, alles anzugeben, nicht nachkommt, muss auch die PKV ihrer vertraglichen Pflicht, im Krankheitsfall zu zahlen, nicht nachkommen.

Es wäre ausgesprochen - Entschuldigung - dämlich, die Dinge nicht anzugeben.

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