Frage von istdasokso12, 103

"Anfangen" religiös zu werden, damit man nicht alleine ist?

Hallo,

vorweg: Das ist kein Spaßpost und ich möchte niemanden beleidigen. Ich respektiere alle Religionen dieser Welt genau so wie Atheisten. Ich selbst würde mich als Atheist sehen, wobei ich das nicht mache, weil ich überzeugt bin, dass es keinen Gott gibt, sondern weil ich einfach "kein Interesse" daran besaß mich mit Religion zu beschäftigen. Nun habe ich aber nicht so ein leichtes Leben und fühle mich oft allein gelassen. Die Tage über jetzt ist wieder so ein Tiefpunkt und ich denke mir manchmal wie es wäre, wenn ich einfach zu Gott sprechen könnte. Eigentlich kann ich nicht daran glauben, dass es einen Gott gibt, aber ich kenne Menschen, die sich so viel wohler mit ihm fühlen. Und wenn ich dann überzeugt bin, mich "ihm anzuschließen", denke ich, was für ein Heuchler ich bin, weil ich das doch nur mache, weil es mir gerade schlecht geht. Ich habe bis auf den Religionsunterrricht mich nie selbst mit der Bibel oder sonstwas beschäftigt. Ich feiere die christlichen Feiertage nur, weil man da halt nicht arbeiten muss und es einfach jeder tut. Nicht, weil ich die Auferstehung oder Geburt Christi feiere. Versteht ihr mein Problem? Nur fühle ich mich gerade so hilflos und niemand kann mir richtig helfen, dass ich manchmal denke "mit ihm" wäre es mir so viel leichter, selbst wenn ich nicht richtig an ihn glauben kann. Kann man einfach anfangen zu Gott zu sprechen? Wie betet man "richtig"? Ich danke jedem für eine ernstgemeinte Antwort..

Antwort
von vonGizycki, 8

Grüß Dich istdasokso12!

Ich verstehe dein Problem, aber wenn du ehrlich zu Dir selbst bist, dann wirst Du eigentlich erkennen können, ...

... das es einzig und allein der Mensch ist, der Dir wirklich helfen kann. 

Das würde bedeuten, das Du Dich Personen Deines Vertrauens öffnen solltest. Ein Gott kann Dir nicht helfen, denn Deine Schwierigkeiten werden trotzdem weiter bestehen. Er greift nicht ein und antwortet auch nicht.

Ich weiß, Du wünschst Dir ein leichteres Leben. Möglicherweise kann Dir diese Sichtweise helfen, besser mit Deinem Leben umzugehen und ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ich möchte Dir mal meine Sicht vorstellen, wie und aus welchen gründen heraus ich selbst mit solchen seelischen Lagen umgehe. Das ist aber auch für mich nicht immer leicht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, das es für mich die einzige Lösung ist.

Wir Menschen sind soziale Wesen und reagieren aufeinander, wir
schaffen die Zustände in denen wir leben und in denen wir zukünftig leben wollen. Aus diesem Grunde müssen wir uns auf uns selbst besinnen, uns an die schöpferischen Kräfte in uns wenden, die uns letztlich befähigen, Zustände zu schaffen, um liebevoller und fürsorglicher miteinander und mit uns selbst umzugehen. 

Den Zustand der Welt und das Verhalten von Menschen wünschte ich mir wirklich weitaus besser als jetzt. Letzten Ende ist jeder von uns dafür verantwortlich. Ich verstehe wenn sich Menschen an Gott wenden und dort ihren Trost suchen, um ihn darum bitten, sich für das eigene Seelenheil einzusetzen. Und doch wird immer wieder verzweifelt gefragt, wo er denn gewesen sei, als man ihn sich sehnlichst herbeiwünschte.

Sich dem anderen Menschen zuzuwenden, das ist erlösend für den Bedürftigen. In körperlicher und seelischer Not Hilfe zu gewährleisten, heißt für mich aus dem Leben für das Leben Stärke zu gewinnen und ist für mich religiös besetzt. Das Leben ist für mich der Mittelpunkt meiner Verehrung, kein Gott!

In einer Notlage kann ich mich sehr einsam und verlassen fühlen und oft gibt es, allgemein gesehen, auch keinen Trost für mich. Da hat nach meiner Auffassung nicht Gott, sondern der Mensch den Menschen verlassen. Ich weiss auch, dass nicht jeder in der Lage ist, umfassend Hilfe leisten zu können, selbst wenn er es noch so gerne möchte. Ich glaube aber daran, dass wohlbegründet der Mensch Anlass zu Hoffnung und Trost gibt, trotz all seiner kleinen, großen und grausamen Fehlleistungen. Daran glaube ich!

Die helfende, liebevolle, tröstende und mildtätige Fähigkeit ist die andere Seite, die nur Menschen dem Menschen angedeihen lassen können. Dafür gibt es ebenso zahllose Beispiele in der Welt. Das macht meine begründete Zuversicht aus. 

Wende Dich an also an Menschen, die Dir zuhören und Dich seelisch stärken können, wenn es in Deiner Familie nicht möglich ist. 

Und wenn es bei einem/r Psychologen/Psychologin ist. Dort kann auch praktische Lebenshilfe gegeben werden und was gut ist: 

außerhalb der Kirche und ohne Gott.

Ich hoffe, das Du es bald leichter hast im Leben. Es muss eine Instanz im Leben geben, bei der man sich regelmäßig aussprechen kann. Das hilft!

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Antwort
von drachenfreund, 20

Hallo istdasokso12,

da Du ja selbst glaubst Dich zu belügen falls Du mit Gott sprichst, denke ich hilft Dir das in keinem Fall weiter. Es ist falsch sich etwas vorzumachen, wenn man nicht daran glaubt.

Manchmal hilft es mir persönlich meine Gedanken laut zu ordnen, quasi ein Selbstgespräch - Das ist dann wohl so etwas wie ein Gebet. Oder ich versuche zu Besinnung zu kommen, indem ich spazieren gehe, Rad fahre, Sport treibe. Eine Alternative könnte auch Yoga oder Meditation sein. Letzten Endes musst Du die Probleme immer selbst lösen.

Rat gegen können Dir höchstens Gleichgesinnte: Freunde, gute vertrauenswürdige Lehrer oder Leute aus der Nachbarschaft, manchmal auch Glaubens-Genossen. Glaubens-Genossen habe ich lange gesucht, etwa aus dem gleichen Grund wie Du jetzt. Heute treffe ich mich 1x im Monat mit anderen Atheisten/Humanisten. Feiern um des Feiertags willen könnte ich nie - Dann würde ich mir selbst wieder was vormachen. Ein Osterfeuer statt Gottesdienst an Ostersonntag - Das finde ich in Ordnung, denn so feierten die Kelten den Beginn des Frühlings.

Irgendwie machst Du mir den Eindruck, Du weißt auch noch nicht so recht, wo Du hingehörst.

Antwort
von RudolfFischer, 6

Die Sehnsucht nach dem transzendeten Rahmen gehört wohl zum  Menschsein, schon seit der Frühzeit. Es ist kein Problem, Gott zu entdecken, weil man sich einsam fühlt. Sein Name ist eben "Der Ich-bin-da" (Jahwe).

Ich spreche täglich mit Gott wie mit einem Vater oder einer Mutter, und das nicht nur, wenn es mir schlecht geht. Ich versuche zu verstehen, was er mir rät zu tun, und fahre sehr gut dabei. In vielen Situationen hat er (sinnvolle) Bitten von mir erhört und sendet fast täglich kleine oder große Signale, dass er mit mir ist. Trotz meiner Unzulänglichkeiten.

Kann ich nur empfehlen.

Materialisten halten das alles für Selbsttäuschung, aber ihr Wegerklären fußt auf Behauptungen über Nichtmaterielles (Psychisches usw.), so dass sie sich selbst widersprechen. Alternativen haben sie auch nicht zu bieten.
Und am Ende werden wir ja sehen ;-)

Antwort
von Andrastor, 50

Der Dialog mit Gott ist als würde man mit einem Fantasiefreund sprechen. Beide wissen was die Betenden denken und fühlen und richtig für sie ist, weil sie beide der Fantasie und der Psyche der Betenden entspringen.

Wenn du dich alleine fühlst, du Probleme hast oder einfach nur Rat suchst, ist Gott die falsche Adresse, weil damit belügst du dich nur selber. Es verschafft ein gewisses Gefühl der Geborgenheit, welches aber über kurz oder lang wieder von den Problemen abgelenkt wird.

Denn auch wenn du mit Gott sprichst, der Wunsch nach Kontakt bleibt bestehen. Selbst wenn du betest, lösen sich deine Probleme nicht von alleine. Über kurz oder lang wird das Kartenhaus der Geborgenheit über dir zusammenbrechen.

Mein Tipp: Such dir lieber Menschen mit denen du reden kannst. Such Kontakte, hol dir Tipps, Meinungen, Sichtweisen und Kritiken über deine Probleme ein und versuche sie zu lösen.

Das hilft dir auf lange Sicht besser als jede Religion.

Kommentar von Chichiri ,

Mal eine Frage aus Interesse - warst du schon immer Atheist? Oder warst du mal gläubig und dann Atheist? Nur so aus reiner Neugier um deine Antwort besser einschätzen zu können.

Kommentar von Andrastor ,

Ich war schon immer Atheist. Ich konnte diese Märchen niemals glauben, so energisch meine Verwandschaft sie auch versucht hat mir einzutrichtern.

Kommentar von Chichiri ,

Alles klar ^^ danke für die Antwort

Kommentar von Andrastor ,

gern geschehen

Antwort
von priesterlein, 32

Man kann einfach so zu Gott sprechen. er sieht dein Herz und deine Gedanken und weiß, was du meinst, auch wenn du es nicht immer sagen kannst. Man muss vorher nicht an einen Gott glauben. Auch ich glaubte nicht an ihn, aber wollte die potentielle Existenz eines allmächtigen Wesens nicht ignorieren.

Man kann sich einer Religion anschließen, allrdings bringt das einem wenig außer einer vereinstypischen Gemeinschaft. Oft sind dort Menschen, die einem helfen können, Gott zu suchen und zu finden. Leider gibt es mehr Menschen, die einem helfen wollen als welche, die es auch können.

Gott sagte, dass er sich finden lässt, wenn man ihn ernsthaft sucht. Ich weiß nicht, ob "ich will nicht mehr so einsam sein" ein akzeptabler Grund ist, aber bei Gott und nicht bei den Menschen liegt die Beurteilung dessen, was man sucht.

Du solltest vorher etwas wissen: Gott kann dein ganzes Denken und dein ganzes Verhalten ändern. Er kann sich beweisen und dir zeigen, was los ist.

Wie lange deine eventuelle Suche dauern wird, kann man vorher nicht sagen. Du wirst es nur dann genau wissen, dass sie zu Ende sein wird, wenn du ihn gefunden haben wirst.

Antwort
von user6363, 43

Du wirst es nicht glauben, aber es gibt wirklich sehr viele Menschen die deswegen überhaupt erst an eine Religion angehören. Einfach weil sie einsam sind, eine Beschäftigung brauchen und so weiter. Mein Opa hat unsere Synagoge freiwillig geleitet über 30 Jahre weil er, seit Oma tot ist, immer einsam war und nur russisches Fernsehen geschaut hat, was schlimmer ist als unser deutsches.

Und selbstverständlich kannst du einfach zu Gott sprechen, aber ich würde dir empfehlen, dass du in eine Kirche gehst und den Pfarrer deine Situation schilderst. Die Leute die in der Kirche 'arbeiten' sind meistens, oder eigentlich immer selbst überzeugt und lieben es über die Religion mit Jugendlichen oder allgemein mit Leuten zu reden.

Antwort
von fricktor, 1

Du kannst zwar "in dein Kämmerlein" gehen und Verbindung zu Gott zu suchen (Mt.6,6), aber ohne "Berufung" nützt es nichts (Röm.8,28; 1.Kor.1,26).

Du könntest dein Leben "Gott unterstellen", wenn du merkst, so geht es nicht weiter (Röm.7,18-24), aber das kannst du nur mit Christus an deiner Seite (Röm.7,24-25).

Antwort
von Ichthys1009, 1

Hier mal einige Denkanregungen, warum Menschen an Gott glauben:

- weil die Menschen sich nach mehr sehnen als was es im Leben gibt.

- weil es gute Menschen gibt, die sich selbstlos für andere einsetzen.

- weil es liebevolle und weise Menschen gibt, die ihren Glauben überzeugt leben.

- weil eine so unvollkommene Institution wie die Kirche trotz allem Widerstand weiterhin existiert.

- weil die Schöpfung unendlich vielfältig und schön ist.

- weil das Gesetz der Enthropie gilt, wodurch alles zu Unordnung und
gleichmäßiger Verflachung tendiert;  und doch entwickelt sich
aus etwas Niedrigem (Materie) etwas Höheres (Mensch).

- weil sonst das leidvolle und anstrengende Leben und der Tod nicht auszuhalten wären.

- weil wir das Paradies und den Frieden auf der Erde nicht
schaffen können, obwohl wir das doch alle wollen (das muss also von
einem weiseren Willen, den wir nicht verstehen, anders gewollt sein)

- weil das, was Gott von sich offenbart, so unglaublich ist, dass es sich kein Mensch ausdenken könnte

- weil Menschen Gott so sehr bekämpfen (man kämpft ja nicht gegen Nichts)

- weil Gott sich finden lässt, wenn wir Gott suchen.

Du kannst auch einfach anfangen zu beten und zu Gott sagen:

"Gott, ich weiß noch nicht, ob es dich gibt.

Wenn es dich gibt, dann zeige mir das bitte. Amen."

Antwort
von Sturmwolke, 9

Googel einfach mal nach dem Bibelant wortenpool.

Dort wähl über die Schaltfläche Suche das Stichwort beten aus. Du findest da eine Antwort auf folgende Frage, die Deiner sehr ähnlich ist:

Wie betet ein Christ eigentlich richtig?

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Weitere Informationen findest Du in diesem Artikel:

Wie kann ich zu Gott beten?

http://m.wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/102008409

Du findest darin Lösungsvorschläge für folgende Probleme, die Dich beim Beten behindern können:

-> Du hast zuviel Stress
-> Du kannst Dich nicht konzentrieren
-> Es ist Dir peinlich
-> Du fühlst Dich unwürdig
-> Du hast Zweifel

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Viel Erfolg!

Antwort
von kokomi, 38

du kannst einfach so mit ihm reden .......

Antwort
von comhb3mpqy, 10

Du könntest im Internet nach Videos gucken von Menschen, die jetzt an Gott glauben.

In der Bibel gibt es viele schöne Stellen. Vielleicht hilft Dir das 15. Kapitel vom Lukasevangelium weiter, da steht was "Vom verlorenen Sohn" drin, vielleicht hast Du davon schon was gehört.
Ich denke, Gott wird sich freuen, wenn du zu Ihm kommen möchtest. :)

Ich habe auch Gründe/Argumente, warum ich an Gott glaube. Falls die Dich interessieren, dann kannst Du mich fragen, oder geh mal auf mein Profil und sieh Dir Antworten an, die ich auf andere Fragen gegeben habe, da findet man Argumente.

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