hallo krissi,
wenn es dir ernst damit ist - dann ist das eine wunderbare sache / warum willst du plötzlich damit anfangen? - schon die motivation ist entscheidend / und wenn es dir ernst ist - hältst du auch durch / und dann (eben!) ist das nach 20 oder 50 jahren eine wunderbare sache //
ich bin eben dabei, das tagebuch einer hundertjährigen aus den jahren 1923 bis 1978 in den compi zu übertragen - ein gewaltiges schicksal rollt sich da auf! / so kann es auch mit deinem tagebuch einmal sein - daß du froh und stolz bist, auf dein leben zurückblicken zu können / und deshalb zum dritten mal: wenn es dir ernst ist - fang's an! //
und fang's genau so an, wie du schon in deiner frage schreibst: lege einfach los und schreibe, wie der heutige tag war - was hast du von ihm erwartet - wie hast du ihn geplant - wie ist er verlaufen - was hat er dir gebracht / nach ein paar einträgen kannst du dich dann "vorstellen": alter, eltern, schule, geschwister, hobbies - alles so kurz wie möglich - und dann wieder weiter: was war los? was hast du gefühlt? gedacht? / schreib deine freude und den kummer dir von der seele / schimpf dich auf dem papier aus (im compi) aus und vertraue den zeilen an, was du aus irgendwelchen gründen den menschen nicht sagen kannst //
übrigens: tagebuch muß nicht täglich sein / muß nicht jedes naseputzen drin stehn / darfst ruhig tagelang oder auch wochenlang aussetzen / dann evtl. das besondere der pause-zeit zusammenfassend nachtragen / oder einfach wieder aufnehmen und weiterschreiben / nocheinmal: so, wie der schnabel dir gewachsen ist - was du fühlst, denkst, glaubst, erwartest, nicht leiden kannst / wo du enttäuscht oder besonders glücklich warst usw. usw. //
übrigens: ich bin ein alter grufti - aber meine tagebuch möchte ich nicht missen / ich nenne es "gelegenheitsnotizen", kurz: "gelenotzen - und dann steht da so was drin:
„yes we can“ auf meine weise: denke einfach, der ständige juckreiz am bein sei ein glücksgefühl / empfinde ihn so / und schon hast du ihn überwunden // alternativ: mein körper will, daß ich ihn kratze / ich werd ihm eins husten //
oder so was:
nach der pause setzte sich Maria neben mich / während der lesung eines gedichtes legte die tochter plötzlich ihre hand auf die meine / leicht, aber wohltuend, ohne zu drücken / ich wollte ihr danken dafür und legte wiederum meine andere hand darüber / dies war ein moment, in dem ich die tränen unterdrücken mußte, mir war nach richtigem heulen zumute / es tat mir gut, diese liebe zu mir zu spüren, die wohl zugleich anteilnahme, stille anerkennung, mitfühlen war / es fiel mir schwer, meine gefühle zu unterdrücken, die gefühle des vaters, des dankes, des wissens um die baldige endgültige trennung //
ich wollte dir mut machen mit diesen beispielen / du siehst, man kann schreiben, was in einem vor sich geht / aber vor allem natürlich das alltägliche oder besondere ereignisse, die außenwelt und die mitmenschen (z. bsp. eine personenbeschreibung oder charakteristik über mitschüler, verwandte, nachbarn / oder einfach auch ein zitat abschreiben, das dir etwas besonderes sagt, dir gefällt //
und nun ran - wenn es dir ernst ist / ich hoffe, ich habe dir mut gemacht / alles gute!!!!
mfg
und viele grüße an Berlin /lebte mal dort, liebe diese stadt //
Gibts auch schönen italienischen Film :)