Zunächst zur Wortabstammung von 'glauben': das leitet sich vom alten 'ga laub jan' her, was man mit 'für lieb halten' übersetzen kann. Die Silbe 'laub' steckt beispielsweise auch in erlauben und meint, etwas liebevoller Weise gestatten....
Dieses 'ga laub jan' war für unsere Altvorderen die Übersetzung des lateinischen 'credo' von lateinisch: cor do = ich gebe mein Herz.... ('Hand aufs Herz' schlägt ähnliche Töne an...)
Ein anderer lateinischer Ausdruck ist fides, Treue.
Im Hinblick auf Glauben ist nicht die Antwort auf Fragen nach Wissen und Beweis vorrangig, sondern die Antwort auf die Frage: 'Mit wem hab ich es zu tun?' (Das impliziert nicht nur die Identität eventueller Partner, sondern auch die eigene...)
So spielten seit jeher und in allen Völkern Begrüssungsrituale eine grosse Rolle, - es war eben wichtig zu erkennen wem man da begegnete;
Lächeln, die entwaffnete Hand, das Entblössen des Hauptes von Helm und Visier, Verneigung, Kniebeuge, ja Prostration, das alles und manches mehr, sollten friedliche Absicht glaubhaft machen.
Es war und ist von vitalem Interesse, Gewissheit darüber zu gewinnen, mit wem man es zu tun hat.
Die Glaubensfrage ist allerdings zuerst an sich selbst zu richten - das entgeht manchem.
Man kann nämlich nicht anderen Identität zusichern, wenn man sich seiner selbst nicht gewiss ist.
Was wäre denn von einem Bergführer zu halten, der selbst nie Bergerfahrung gemacht hat, oder von einem Anwalt, der nie Jus studiert hat - oder wäre es etwa klug, sich von einem Atheisten ausgerechnet Religion erklären zu lassen ??? - Den Bock zum Gärtner zu machen?...
Das ist so wesentlich für uns Menschen, dass man sicher sein kann: Das war immer so und wird auch stets so bleiben. Beliebig viele Beispiele wären möglich: Ob man nun an Kontakte zur Geschlechterbegegnung von Mann und Frau denkt, sie wollen voreinander bestehen und sich von der besten Seite zeigen,wollen wissen, ob der Partner treu ist, oder an Vorstellungsgespräche bei der Jobsuche - man will einfach wissen, mit wem man es zu tun hat.
Bei solchen Urfragen des Glaubens, jenes Vertrauens, das Grundlage aller menschlichen Gemeinschaft ist, fragt doch keiner danach, ob die Erde Scheibe oder Kugel sei, oder was interessiert den Polizisten, der den Verbrecher stellt und mit 'Hände hoch!' begrüsst, was sein Widersacher zur Evolutionstheorie zu sagen hat ....
Halten wir also fest: Glauben ist für den Menschen Grundlage, was Gemeinschaft und Begegnung betrifft.
Für den Einzelnen gilt es, sein Tun an seinen frei gewählten Grundsätzen auszurichten.
Wo das nicht geschieht, kann kein wahres Selbstvertrauen aufkommen.
Routine und Gewohnheiten können hilfreich sein, aber nicht hinterfragte Gewohnheiten könnten sich leicht die Freiheit der Entscheidung in Frage stellen. So sollte, was ursprünglich Liebe war, nicht zur Gedankenlosigkeit verkommen...
Religiöser Glaube geht noch viel weiter.
Der religiöse Mensch weiss, dass er höchste Ansprüche an sich selbst stellen muss, wenn er nicht nur Menschen - seinesgleichen - begegnen will, sondern dem Schöpfer selbst.
Es wäre schon menschlichen Partnern gegenüber höchst unangemessen, sich gehen zu lassen, sich anders zu geben als man wirklich ist - man wäre wohl schnell durchschaut...
Wer aber Gott begegnen will, der hat keine Chance von dem 'ernst'-genommen zu werden, der jedes Menschen Herz durchschaut, wenn er nicht zuallererst danach trachtet selbst durch und durch echt zu sein und darüber hinaus Ehrfurcht zu zeigen.
Gottesfurcht = Ehrfurcht vor Gott ist da Anfang der Weisheit!
Das höchste Wesen, Gott, der alles durchschaut, interessieren nicht Deine Ansichten über 'Gott und die Welt', oder wie 'wissenschaftlich' Du Dich gebärdest, sondern Deine Wahrheit! 'Deine Wahrheit': das meint Deine Glaubenssätze, das was Du wirklich Dein Leben, Deine Taten bestimmen lässt...
Setz Dich also mal hin und überleg, warum Du alltäglich tust, was Du tust...
Manche - besonders hier auf GF - verwechseln Glaube und religiöse Gefühle; was sind denn 'Gefühle'? Im Volksmund sagt man: Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss!' - also setzen Gefühle auch Wissen voraus... falsches, von Irrtümern verdorbenes 'Wissen' kann also keine irgendwie wünschenswerte Gefühle begründen. Wissenschaftlich ausgedrückt: Gefühl ist ein Interessenzustand, der auf Erkenntnis beruht. Verstand und Wille sind daran beteiligt.
Es wurde schon gesagt: Der Mensch, der Gott begegnen will, muss sich darauf vorbereiten, indem Er sich um existentielle Wahrhaftigkeit bemüht. Wer verlogen, verbogen, in sich selbst verkrümmt und dabei auch noch hochmütig ist, der kann nicht damit 'rechnen', dass Gott diese
Unwahrhaftigkeit ehrt und jemanden zum Partner macht, der solche Vermessenheit an den Tag legt.
Halten wir zunächst fest: Gottesbegegnung kann nicht durch Bemühung menschlichen Denkens und Forschens allein herbeigeführt werden; schon gar nicht ist sie als 'Selbstüberlistung' mittels religiöser Gefühle zu begreifen. Glaube ist also weder Produkt des Wissens, noch ist er Gefühl!
Auch wenn alles Wissen in der 'dunklen Nacht der Seele' untertaucht und in der Wolke des Nichtwissens die Erfahrung hochkommt, dass alles Wissen nur ein babylonischer Turm ist, der nie den Himmel erreichen kann, selbst wenn alle Gefühle wie ein Strom im Wüstensand versickern kann das bleiben, was Glaube ausmacht: Gewissheit einer gnadenhaften Begegnung!
Wenn es Gott gefällt, - und zahlreiche Berichte aus dem Leben Heiliger zeugen dafür - dann schenkt ER dem, den ER solcher Begegnung würdigt, Erkenntnisse und Evidenzen, die durch keinen noch so raffinierten Beweis erreichbar sind.
Eingeschworene 'Atheisten' seien daran erinnert, dass moderne Wissenschaft, denken wir an Kosmologie, Physik, Para-wissenschaften das überkommene Weltbild schon so sehr durchlöchert hat, dass atheistische Positionen mehr als fragwürdig erscheinen.
Auch wenn es menschlicher Freiheit möglich ist Glaubenszustimmung zu verweigern, muss ehrlich gesagt werden, dass es dumm ist diese Zustimmung als intellektuelle Schwäche auszugeben.
Der Glaubende Mensch soll wissen, dass er nichts unversucht lassen darf, sich der Gottesbegegnung würdig zu erweisen. Gnade und eigenes Bemühen sollen transparent machen, was sein Tun und Unterlassen bestimmt, woran er also wirklich glaubt; in der Gottesbegegnung zählen und gewichten nicht nur menschlich-irdische, sondern mehr und mehr auch geoffenbarte Wirklichkeiten, die anders nicht zugänglich wären.
Wer um diese Zusammenhänge weiss hat die Pflicht sie zu bezeugen, aber auch das Recht seine Mitmenschen auf deren Glaubwürdigkeit hin zu hinterfragen.
Hallo cornyriegel
Du gestattest, dass ich Dir ein wenig zur Hilfe komme und Deinen oben erwähnten Link hier noch einmal einfüge?
Woher stammt das Wort "Glauben" und warum definiert man es so ?