Frage von Sirias, 65

An diejenigen, bei denen ein großer Altersunterschied besteht zwischen den Geschwistern (z.B. beides Frauen 8 Jahre): Wie euer Geschwisterverhältnis?

Ist dieses Verhältnis eher unpersönlich, weil ihr im Grunde genommen in zwei verschiedenen Jahrzehnten aufgewachsen seid. Oder ist es ein Vertrauensverhältnis, bei welchem sich beide Seiten in der Not an den anderen wenden? Ist es eine Beziehung auf Augenhöhe oder ist es eher das Verhältnis, in welchem die kleine Schwester auch gefühlt immer die Unterlegene ist. Unternehmt ihr gemeinsam etwas, um eure Beziehung zu stärken oder seht ihr euch lediglich bei Familienfeiern?

Antwort
von Nashota, 27

Als Mutter zweier Töchter mit 11jährigem Altersunterschied kann ich nur sagen, dass ich mir ein offeneres Verhältnis wünsche. Es ist nicht so, dass sich meine Töchter nicht gern haben. Aber ich merke doch auch oft, dass insbesondere die Jüngere das Gefühl hat, dass die ältere Schwester eine Art 2. Mutterrolle einnimmt. Und ihr reicht offensichtlich eine Mutter, die ihr ab und zu mal was sagen muss.

In gewissen Dingen harmonieren sie aber ganz gut. Und das betrifft Dinge wie Haare färben, schminken und Piercings :-)))

Es sind zwei verschiedene Charaktere. Und die Große muss lernen, dass sie im Alter meiner jüngeren Tochter auch nicht unbedingt anders unterwegs war. Sie will wohl nur verhindern, dass ihre Schwester dieselben Fehler macht. Was aber nicht geht.

Und die Jüngere muss lernen, dass niemand ihr Feind ist, nur weil er älter als sie ist und ihr ab und zu auch mal ein paar Fragen stellt, die ihr Privatleben, ihre Gedanken, Sorgen und Gefühle betreffen. Das ist kein Ausgefrage, sondern Interesse an ihrem Leben.

Wenn es hart auf hart kommt, stehen sie aber füreinander ein. Und das ist schlussendlich das Wichtigste.

Kommentar von Sirias ,

"Und die Jüngere muss lernen, dass niemand ihr Feind ist, nur weil er
älter als sie ist und ihr ab und zu auch mal ein paar Fragen stellt, die
ihr Privatleben, ihre Gedanken, Sorgen und Gefühle betreffen. Das ist
kein Ausgefrage, sondern Interesse an ihrem Leben."

Das ist interessant, denn das empfinde ich bei einer Schwester (10 Jahre älter) von mir genauso eben als Ausfragerei. Im Gegenzug dürfte man sie aber nie so ausfragen bzw. gäbe sie nichts preis. Es hat für mich eher etwas Kontrollierendes, denn es besteht de facto kein persönliches oder gar vertrauensvolles Verhältnis, in welchem man den anderen unterstützt, wenn es ihm schlecht geht. Es ist eher oberflächlich, weil meine Schwester eben auch sehr oberflächlich ist, ich hingegen das genaue Gegenteil. Ich habe es mir immer anders gewünscht und leider habe ich keine gleichaltrigen Geschwister.

Kommentar von Nashota ,

Man merkt eigentlich an der Art zu fragen, ob es neugierige Ausfragerei oder wirkliches Interesse ist.

Ich bin alleinerziehend und meine Große hat auch mal 4 Jahre nicht bei uns gewohnt. Das war in der Kleinkindphase meiner Jüngeren. Sie kennt hauptsächlich nur mich und als die große Schwester dann wiederkam, war sie natürlich eine Art Eindringling, der ihr die Mutter streitig macht.

Als die Große dann auszog in was Eigenes, war die Jüngere nicht unglücklich darüber. Und bei Besuchen hin und her merkte ich oft eine Art Konkurrenzkampf um mich. Das hat mir nie gefallen und ich hab das auch immer angesprochen.

Mit der Zeit hat es sich etwas gelegt und ich hoffe, wenn meine Jüngere über die 20 ist, dass sie einige Dinge dann auch anders betrachtet.

Wenn bei euch nun gar kein Vertrauen zueinander besteht, ist das natürlich eine schwierige Situation. Vielleicht ging oder geht es deiner Schwester wie meiner Großen. Sie wünschte sich immer ein Geschwisterkind und war auch um das Baby wuselig herum.

Aber sie selbst wuchs unter teils schlimmen Bedingungen auf und irgendwann sagte sie mal, dass sie eifersüchtig auf das ruhige Aufwachsen ihrer Schwester ist. Dass die Schwester nichts dafür kann, ist ihr mittlerweile auch bewusst. Aber gegen gewisse Gefühle kann man auch nichts machen.

Vielleicht bist du für deine Schwester der Thronabfolger gewesen? Und unbewusst drückt sie das dir gegenüber immer noch mit Distanz und einer gewissen Art "ICH bin die Ältere!" aus, weil du ihr die alleinige Aufmerksamkeit deiner Eltern weggenommen hast?

Was sagen denn eure Eltern dazu?

Was gleichaltrige Geschwister angeht: Ich bin das Sandwichkind zwischen meiner ein Jahr älteren Schwester und meinem ein Jahr jüngeren Bruder.

Wo wir früher als die Drei Musketiere galten, sprich, ein Drops wurde quasi durch 3 geteilt, wenn eine Rolle Drops nicht gleich aufging, ist es heute so, dass zu meinem Bruder gar kein Verhältnis mehr ist. Und zu meiner Schwester ist der Draht zwar vorhanden, aber wir hatten auch schon heftige Auseinandersetzungen.

Ich denke, man muss auch unter Geschwistern lernen und akzeptieren, dass sich jeder auf seine Weise (weiter) entwickelt und so ist, wie er ist.

Und Eltern können bei allen guten Vorsätzen, ihre Kinder gleich zu erziehen, auch nur mit "dem Material arbeiten", was sie haben. Ich hoffe, du verstehst, wie ich das meine.

Meine Mutter sagt bis heute immer wieder, wenn sie nur mich gehabt hätte, hätte sie sich anderen Eltern gegenüber auch oft in die Brust geworfen. Meine Schwester brauchte wohl immer mal einen Ordnungsgong. Und bei meinem Bruder musste immer erst eine Nacht darüber geschlafen werden, ehe was entschieden wurde.

Ich habe meinerseits auch versucht, viele Dinge gleich zu handhaben. Aber wo die Große schon immer der offenere Typ war, ist meine Jüngere eben die Verschlossenere. Und damit muss ich als Mutter umgehen können.

Kommentar von Sirias ,

Danke für deinen langen Kommentar. Es ist leider so, dass in unserer Familie gar nicht über Gefühle gesprochen wird. Weder meine Eltern (was ich ja noch verstehen könnte aufgrund der Generation), aber eben auch nicht meine Geschwister. Ich bin diejenige, die zeitlebens darunter leidet. Meine älteste Schwester würde sich oder anderen beispielsweise nie eingestehen, dass sie eifersüchtig ist oder wäre. Sie wehrt alles ab und spielt eine aufgesetzte Rolle, macht alles mit sich selbst aus. In der Gesellschaft kommt sie damit irgendwie an, was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, da ich es ja durchschaue, andere offensichtlich nicht. Ich bin die Jüngste in der Familie von drei Kindern, alles Frauen. Ich wurde immer irgendwie unterdrückt bzw. ist es meinen Geschwistern egal, wie es einem geht etc. Hingegen wenn Familienfeste anstehen wird man eingeladen. Habe jetzt auch gerade so einen kritischen Fall und stehe kurz davor den Kontakt komplett abzubrechen, da ich zeitlebens eher Abwertung etc. im Elternhaus erfahren habe, das schwächste Glied in der Kette war, was sich nicht wehren konnte. Die Geschwister haben zugesehen und beschönigen alles. Fatal.

Kommentar von Nashota ,

Über Gefühle reden ist wohl für viele Menschen die schwierigste Sache überhaupt. Sie haben Angst, zu tief in sich hineinschauen zu lassen, zuviel von sich preiszugeben, sich angreifbar zu machen. Was schon in Beziehungen Sackgang ist, ist es in Familien nicht weniger.

Maskenträger sind auch sehr viele Menschen. Und bei so manchem Menschen verwächst sich diese Maske irgendwann mit ihrem Gesicht, weil sie mehr damit beschäftigt sind, eine Rolle zu spielen, als sie selbst zu sein.

Familienfeste sind doch wie geschaffen für Heuchelei. Weihnachten ist das Paradebeispiel. Aber wenn auch unterm Jahr, so wie bei euch, Maskenball veranstaltet wird, sollte man schon überlegen, ob es das ist, was man (noch) will.

Man wurde in eine Familie hineingeboren. Aber das heißt nicht, dass man dieses Gefüge auch als Ort der Geborgenheit erlebt. Wenn du dich zeitlebens als Ersatzrad gefühlt hast, dann wäre es wohl an der Zeit, ein klares und ernstes Gespräch zu suchen. Und wenn du weiter auf taube und ignorante Ohren stößt, dann solltest du die Konsequenzen daraus ziehen und an deine Seele denken. Sie scheint schon sehr zerbrechlich zu sein.

Antwort
von XxLesemausxX, 15

Hallo Sirias, 

mein Papa und sein ältester Bruder sind 10 Jahre auseinander. Das hat aber nie an ihrem Verhältnis zueinander gekratzt. Sie verstehen sich blendend und haben auch viel Kontakt. Auch bei Problemen unterstützen sie sich gegenseitig. Die anderen beiden Geschwister aber auch.

Meine Mama und ihr ältester Bruder sind glaub ich sogar über 10 Jahre auseinander. Da ist das Verhältnis sehr schlecht. Kontakt besteht nur sehr selten. Das liegt aber an dem Bruder und seinem Verhalten. Auch die anderen Geschwister kommen mit ihm nicht aus. Obwohl der Altersunterschied sehr viel kleiner ist.

Mein Bruder und ich sind nur 5 Jahre auseinander. Aber wir sind auch auf gleicher Augenhöhe. Da kommt nichts zwischen uns.

L.G.
XxLesemausxX

Antwort
von KadessaMepha, 29

Also ich hab 2 jüngere Geschwister. Zum einen hab ich 6 Jahre Altersunterschied. Wir kommen super miteinander klar und reden/lästern über alles mögliche. In der Not sind wir uns auch schon beieinander gestanden. Das sieht bei meinen jüngsten Bruder ganz anders aus. Wir haben einen Altersunterschied von 12 Jahren und wir können miteinander nichts anfangen. Gespräch gibt es wenn nur SmallTalk ("Hallo", "Wie geht's?", "Tschüss") und das war es. Er ist ja eine komplett andere Generation als ich selber und das merkt man eben. Meine Brüder unter sich haben widerum ein gutes Verhältnis. 

Antwort
von MVirus, 22

12 oder 13Jahre Unterschied. Ich weiß es nicht einmal genau, so gut ist das Verhältnis bzw die Bindung.

Antwort
von Gartenfee1971, 35

Meine Schwester ist 13 Jahre jünger als ich. Als sie gerade in die Schule kam, hatte ich schon ausgelernt. Da war das Verhältnis nicht so innig. Jetzt - knapp 30 Jahre später - hat sich das Verhältnis relativiert. Wir sehen uns zwar nicht so oft, sind aber über die "Medien" in ständigem Kontakt und verstehen uns super.

Was ich damit sagen will: Der Altersunterschied "verwächst" sich mit der Zeit.

Antwort
von warehouse14, 9

Ich hab 2 kleinere Brüder, die altersmäßig 13 bzw. 14 Jahre hinter mir liegen...

Unser Verhältnis ist spannend: wir lernen uns gerade erst kennen.

Der Kontakt wurde viele Jahre seitens Mama blockiert.

Meine Familie ist ein wenig anstrengend. Papa pädophil, Mama total unselbständig... Beide Alkoholiker. :(((

Familienfeiern gibt es zum Glück bei uns nicht. ;)

Ich hatte mich mit 14 von Zuhause abgesetzt (Heim, Obdachlosigkeit etc.) und erst mal mein eigenes Leben aufgebaut.

Jetzt helfe ich den "kleinen" Jungs dabei, ebenfalls die "Familie" hinter sich zu lassen.

Als Mentor.

warehouse14

Antwort
von Laluna1406, 31

Ich und mein kleiner bruder haben 10 jahre Altersunterschied (ich 17/ er 7) und wir verstehen uns sehr sehr gut. Manche aus meiner familie sagen sogar dass das verhalten von ihm (als es noch kleiner war) sie voll an mich damals erinnert hat.

Antwort
von Nikita1839, 11

Mein Bruder wäre 12 Jahre älter als ich. Aber da ich keinen mehr habe^^

Also ich kennr niemanden, bei dem der Altersunterschied groß was über die Beziehung zueinander aussagt

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten