Frage von AILDBBM, 58

An die Physik Studenten: Kann ich es schaffen?

Hallo liebe Freunde der Physik/Physik Studenten. Ich möchte gerne nach der Schule Physik studieren, um mich nach dem Studium auf die Astrophysik zu fokussieren. Ich habe riesen Interesse an der Astronomie und an allem, was damit in Verbindung tritt. Leider habe ich ein riesen Manko: Ich kann kein Mathe. Ich bin echt nicht die hellste Leuchte am Mathe Firmament, und alle sagen, das dass zum Verhängnis wird. Aber ich denke mir immer, das die Mathematik in einem Physikstudium angewandte Mathematik ist. Da ist es doch egal, wie viele Liter Wasser sich aus den 60 Wassermelonen herausfiltern lässt, die irgendeiner kauft. Oder was meint ihr? Ich würde mich sehr freuen über Leute die Physik studiert haben/studieren, Leute die sich gut damit auskennen oder auch einfach ehrliche Meinungen. Wie gesagt; Mathe ist nicht meine Stärke. Ich hatte erst ein mal eine 2- in einer Mathearbeit, und das war in der 7. Klasse Geometrie :D Aber ich will Physik unbedingt studieren... :/ Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sollte ich es machen, oder lieber nicht? Und was kann ich sonst machen, wenn ich schon etwas im Bereich der Astronomie/Astrophysik machen will?

Ich freue mich auf eure Antworten :)

Danke

Expertenantwort
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie & Physik, 51

Hallo AILDBBM,

ich will da nicht um den heißen Brei reden: Physik ist angewandte Mathemathik -nicht anders rum, dass Physiker halt auch manchmal ein bissi rechnen.

Es ist kein Zufall, dass Newton unabhängig von Leibniz die Differentialrechnung erfunden hat - er hat sie gebraucht, um seine Physik entwickeln zu können.

Physik solltest Du nur studieren, wenn Du gut bist im mathematisch analytischen Denken. Formeln sind die Sprache, in der die Physik die Prozesse der Natur beschreibt. Diese Formeln muss man herleiten können.

Beweise und Herleitungen nicht nur im Nachhinein verstehen zu können, sondern sich selbst zu erarbeiten, das ist das absolut wichtigste in der Physik.

Do solltest Dich fragen, woher Deine schlechte Note in Mathe kommt. Wirst Du erst dann munter, wenn es schwierig wird? Kommt die schlechte Note also daher, dass Du gelangweilt bist? Blühst Du auf, wenn es um knifflige Beweise geht? Dann versuch' es.

Kommt die Note aber daher, dass Dir bereits die vom Lehrer vorgekaute Mathematik zu schwer ist, wirst Du in einem Physikstudium nicht glücklich werden. Man kann da nur sagen: Vermutlich stellst Du Dir etwas Falsches darunter vor.

Grüße

Antwort
von ThomasJNewton, 42

Nun, ich habe nicht Physik studiert, obwohl ich es ziemlich wahrscheinlich geschafft hätte.
Meine Wahl fiel auf andere Naturwissenschaften, wo Mathe eher eine Lachnummer ist, zumindest für jemanden, der bis zum Abi immer glatt 1 stand.

In den letzten Jahrzehnten habe ich mich aber immer sehr für Physik interessiert, auf - sagen wir mal - fortgeschrittenem populärwissenschaftlichen Niveau.

Und weiter komme ich auch nicht, weil ich die Mathematik dahinter nicht verstehe. Und auch nicht den Ehrgeiz habe, sie zu verstehen.

Nun ist Astrophysik nicht dasselbe wie Physik oder Astonomie, aber einfach ist keines dieser Fächer.

Was spricht dagegen, dass du dich rein privat dafür interessierst?
Ich war auch nicht dabei oder gar beteiligt, als das Higgs-Boson entdeckt wurde, oder Schwerkraftwellen.
Ich war auch nicht dabei, als die Kartoffeln gepflanzt und gerodet wurden, die ich esse.
Dafür sind wir doch Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft, die sich Menschheit nennt.

Da musst du dich nicht stressen, mit überzogenen Anforderungen, sondern kannst es genießen. Und auch deinen Teil dazu beitragen, den Teil eben, der zu dir passt.

Antwort
von RicVirchow, 50

Mathe kann man lernen. Meist liegt die Abneigung darin, dass man einfach die Grundlagen, wie Bruchrechnung, Potenzgesetze und sowas nicht kann und deswegen alles andere nicht versteht. Mathe wird im Physikstudium auf jeden Fall dein zweiter Vorname. Aber wie gesagt, so viel Mathe wie du da machen wirst, da wird man dir die Liebe zur Mathematik wenn du sie nicht vorher irgendwann schon mal bekommen hast, schon irgendwie reinwürgen. 

Beschäftige dich einfach mal mehr damit. Es ist ja noch lange bis dahin und nur weil du es jetzt nicht kannst, heißt es nicht, dass du es in 5 Jahren immer noch nicht kannst oder nicht magst.

Mein Bruder wusste in der 11. nicht den Unterschied zwischen Quadrat und Rechteck, aber er hat später Mathe und Physik neben dem Abi studiert. 

Abgerechnet wird zum Schluss, aber als Astronom wirst du auch viel berechnen müssen. Kannst ja nicht mit dem Raumschiff herfliegen und dir selber anschauen, wie groß ein Stern ist oder sowas.

Antwort
von LC2015, 39

Angewandte und reine Mathematik an der Hochschule sind im Prinzip sehr ähnlich von der Herangehensweise etc., lediglich die Inhalte sind eben anders und bei angewandter Mathematik praxisnäher.

Aber wer Themen der angewandthen Mathematik (z.B. Wahrscheinlichkeitstheorie, stochastische AnaIysis) versteht, der kommt auch mit Themen der reinen Mathematik (z.B. Topologie) klar.

Was ich damit sagen will: Lass dich nicht durch den Begriff "angewandte" Mathematik täuschen, das ist immernoch sehr theoretisch.

Generell ist jedoch Hochschulmathematik ganz anders als Schulmathematik. Der Fokus verlagert sich vom reinen Rechnen auf das Verständnis der theoretischen Strukturen. In Physik werden besagte Strukturen noch in physikalischen Zusammenhängen angewendet.

Wenn du in der Schule schlecht in Mathe bist, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass du mit Hochschulmathematik nicht klar kommst. Eine Einschätzung deiner Eignung ist generell gerade aus der Distanz schwierig. Ich gebe dir einfach mal einen kleinen Brainteaser mit auf den Weg. Die Herangehensweise an die folgende Aufgabe ähnelt der Vorgehensweise an Fragestellungen in der Hochschulmathematik. Wenn du damit also keine Probleme hast, ist dies zumindest ein erstes Indiz, dass dir auch die Hochschulmathematik liegen könnte.


Also wir betrachten ein Datum in der Form dd/mm/yyyy, wobei die erste Tages- bzw. Monatsziffer gegebenenfalls führende Nullen sind. Es sind jetzt Daten von Interesse, in denen sich keine Ziffer wiederholt, z.B. 05/12/3467. Ein Datum, in welchem sich mindestens eine Ziffer wiederholt, ist das heutige: 12/03/2016.

Die Aufgabe besteht nun darin, zu begründen, dass es kein Datum im 21. Jahrhundert gibt, in dem sich keine Ziffer wiederholt.

Kommentar von TomRichter ,

Nette Aufgabe :-)

Sollte ein Schüler der Oberstufe aber auch ohne Mathe-LK ohne langes Nachdenken gelöst bekommen.

Antwort
von Wechselfreund, 39

Wenn du mit Mathe nicht klarkommst wäre ich vorsichtig. Ich hab Mathe und Physik studiert, und die mathematischen Vorlesungen zur Physik waren schwerer als die im Mathestudium.

Antwort
von jorgang, 40

Die Physik ist zum großen Teil angewandte Mathematik. Damit wird sie aber nicht einfacher. Willst du den zeitlichen Temperaturverlauf in geschichteten Strukturen unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit  berechnen, dann muss du dich schon beim Aufstellen der Randbedingungen sehr tief in die Grundlagen eindenken. Oder willst du die Wellenausbreitung in einem Hohlleiter mit einem nicht reziproken Medium berechnen und kennst den Tensor der Materialkonstanten? Auch das ist teuflisch harte Mathematik. Sehr viel Funktionentheorie wirst du sehen mit Fourierreihen und Transformationen, Besselfunktionen. Die Ana lysis ist dann einfach nur Handwerkszeug wie auch die Differentialgleichungen.

Wenn du meinst, dass du dich da durchbeißen kannst, dann studier Physik.

Antwort
von Immenhof, 51

Du musst normale Mathematikkurse belegen, nicht nur die angewandte Form und wenn musst du eben täglich mehrere Stunden dafür verwenden, Nachhilfe nehmen etc. Wenn du es wirklich willst, es natürlich möglich, aber schwierig

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