Frage von Ziller1111, 10

An die Philosophen: was denkt ihr über die anthropologische Position Mirandolas?

Ich bin philosophisch interessiert und würde mich freuen, ein paar Denkanstöße und Meinungen von euch zu bekommen! :)

Antwort
von berkersheim, 3

Dazu muss man eigentlich nur die ersten 3-4 Seiten von Picos Vortrag über die Würde des Menschen lesen.

(www.willensbekundung.net/Assets/PDF.../Mirandola_Wuerde_des_Menschen.pdf)

Scheinbar verankert in christlichen Vorstellungen dreht er teilweise den Spieß um nach dem Motto: Gott hat zwar die Welt und den Menschen geschaffen, aber das und er selbst wäre nichts wert, wenn wir als Menschen seinen Wert nicht erkennen und benennen würden. Der Mensch ist das Höchste und Dreh- und Angelpunkt der Welt. Das verklausuliert er zwar immer wieder, doch konnte er nicht verhindern, dass die päpstliche Inquisition sehr schnell den Braten gerochen hat und sein Werk verboten - bzw. erst gar nicht gedruckt - wurde. Es ist die unverhohlene Selbstdarstellung der Überheblichkeit der Renaissance-Herrscher, zu denen der adelige Pico Della Mirandola auch gehörte. Klügere Adels- und Kirchenvertreter sahen in dieser Überheblichkeit aber auch die Gefahr, dass der Allmächtige, Strafende Gott als Werkzeug der Unterdrückung des einfachen Volks als Trugbild entlarvt wurde und somit ihre eigene Machtposition gefährdet wurde. Ihre Bauwerke (wie der "bescheidene neue Vatikan", die Prunkbehausung des Stellvertreters des armen Jesus, der kein Erdloch hatte, in das er sein Haupt betten konnte), die Flut der selbstberherrlichenden Portaits und ihre ungebremste Gier waren jedoch in Miransolas "Würde" bestens beschrieben. Er beschrieb nicht die "Würde des Menschen" sondern die Selbstherrlichkeit der kirchlichen und weltlichen Herrscher.

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