Ich kenne einige Leute, die einen Kuvasz (oder auch mehrere Kuvaszi) ganz problemlos als mehr-oder-weniger-Familienhund halten.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass man bei ihrer Erziehung schon etwas mehr Konsequenz und Sturheit braucht, als wenn man einen Retriever oder einen Schäferhund erzieht, denn er ist nun mal was er ist: Ein Herdenschutzhund, der gewohnt ist, seine eigenen Entscheidungen darüber zu treffen, wer Freund ist und wer nicht.
Das heißt, - wenn ich so einen Hund zu erziehen hätte, damit er in unsere Familie passt, würde ich ganz besonders großen Wert darauf legen, dass er so früh wie möglich und so oft wie möglich darin trainiert wird, dass ALLE Menschen grundsätzlich erst mal Freund sind und dass jeder das Recht hat, unbehelligt bei uns ein - und aus zu gehen.
Wie alle Herdenschutzhunde neigt auch der Kuvas dazu, seine Herde, sein Rudel, sein Territorium extrem gründlich zu bewachen und bei uns würde er lernen müssen, dass ICH entscheide, wer Freund ist und wer nicht.
An großen Dressurkunststücken oder sportlichen Hochleistungen sind diese weißen Riesen wenig interessiert, deshalb werden sie in keiner Hundeschule durch besondere Lernfreudigkeit auffallen.
Gute Bindung zu ihrer Bezugsperson vorausgesetzt, zeigen sie an, dass sie wissen, was das Kommando Sitz, Platz, bei Fuß bedeutet, aber sie tun sich schwer, dies gleich zehnmal zu wiederholen, nur um ein Lob zu bekommen.
Sie sind eben wie alle Herdenschutzhunde. Nicht gemacht, um Clownereien oder Kunststückchen zu machen, sondern um zu arbeiten und ihr Territorium zu bewachen.
Im Ursprungsland Ungarn sieht man sie immer wieder in umzäunten Privatgrundstücken gruppenweise Patrouille laufen, aber wir lernen in den Tötungsanlagen auch die Kehrseite der Medaille kennen: Da findet man dann die Kuvaszi, die zum Bewachen einer Herde oder eines Objektes ungeeignet sind,
die voller Angst zitternd in einer Ecke der Tötungszelle liegen und sich nicht trauen, den Menschen auch nur in die Augen zu schauen.
Sie sind natürlich nicht von alleine so angsterfüllt, sondern weil Menschen ihr Möglichstes versucht haben, um diese Hunde doch noch "böse" zu machen.
Oder man findet alte Hündinnen mit fingerlangen Zitzen, die nie was anderes getan haben, als irgendwo im Bretterverschlag einen Wurf nach dem anderen zur Welt zu bringen.
Besonders anspruchsvoll ist der Kuvasz in Sachen Kopfarbeit nicht, - jedenfalls nicht vergleichbar mit den wendigen, agilen Hütehunden. Seine Aufgabe sieht er eher darin, in möglichst erhöhter Position das Terrain im Blick zu behalten, mit dem Herdi-typischen Fotografierblick alle Veränderungen zu kontrollieren und bei Bedarf näher zu untersuchen.
Streitigkeiten oder Gefahrensituationen entschärft er eher durch splitten, als durch direktes eingreifen.
Wenn ich mir einen Kuvasz holen wollte, würde ich - noch mehr, als bei anderen Rassen, darauf achten, dass ich ihn so früh wie möglich als Welpe kennenlernen und aussuchen darf, und dass ich ihn vorher im Abstand von jeweils ein-
bis zwei Wochen einige Male besuchen darf. Und ich würde es wahrscheinlich auch hier so machen, wie immer: Nicht selbst einen welpen per Kopfentscheidung nach irgendwelchen Kriterien aussuchen, sondern zu beobachten, bis ich sehe, wer von ihnen mich aussucht.
Und es versteht sich von selbst, dass ich dazu einen seriösen Züchter aussuchen würde, um sicher zu sein, dass ich einen Welpen aus wesensfesten Eltern bekomme.
Toll, du hast an alles gedacht.