Frage von BibelGeschichte, 63

An Christen: Extrem Gläubige und Fundamentalistische Christen - Etwas schlechtes?

Viele behaupten stets, hier würde es sich um etwas schlechtes handeln und denken sofort an Taten der römisch katholischen Kirche, wie die Inquisition oder die Kreuzzüge und denken, dass wäre biblischer Fundamentalismus. Es beschäftigt mich wirklich sehr, weil die Inquisition viele Personen der Evangelischen Kirche, der auch ich angehöre, traf. Dadurch wird das Christentum immer in ein falsches Licht gerückt. Es wird behauptet, die Kirche wurde Reformiert und hat sich gemäßigt, dabei ist das was Luther getan hat die „Fundamentalisierung“, obwohl man auch noch in der Evangelischen Kirche nicht komplett am Fundament angekommen ist. Tugenden wie z.B. Liebe, Gerechtigkeit, Armengabe, Enthaltsamkeit, Frieden, etc. sind doch ein Fundament, auf dem man etwas wunderbares errichten könnte und es wäre ein gewaltfreier und gerechter Fundamentalismus. Wie ist eure Meinung?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 63

Ich bin zwar kein Christ, antworte aber trotzdem.

Definitionen

Als "fundamentalistischer Glaube" wird im allgemeinen Wortgebrauch vermutlich nicht die Besinnung auf die Basis, das Fundament des Glaubens, sondern eine extrem konservative Ausprägung der Religion verstanden.

Der Übergang zum Fanatismus wird als fließend empfunden.

Fundamentalismus als konservative Religion

Eine konservative Ausprägung einer Religion hat sowohl Vorteile als auch Nachteile für die Menschen, die dieser Lehre folgen.

Positiv empfunden werden klare Regeln, ein einfaches Weltbild, ein oft starkes Gemeinschaftsgefühl und der Gedanke, zu den "Auserwählten" zu gehören.

Negativ wirkt sich das ganze aus, wenn religiöse Werte über weltliches Gesetz gestellt werden und man eigentlich nicht mehr kompatibel zur weltlich orientierten Mehrheit der Gesellschaft ist.

Fundamentalismus als Suche nach den Wurzeln

Die Rückbindung an die Grundlagen der verschiedenen Ausprägungen der selben Religion kann den ökumenischen Geist, die Überwindung der gegensätzlichen Auslegungen derselben Lehre fördern.

Wer sich etwa an den Worten Jesu aus der Bibel orientiert und damit zu einem fundamentalen Teil des Christentums zurückkehrt, wird es nicht für wichtig erachten, ob sich jemand als "evangelisch-lutherisch", "altkatholisch" oder "orthodox" betrachtet.

Er wird vielmehr versuchen, die Menschen nach den Maßstäben zu beurteilen und zu behandeln, die als Lehre Jesu für alle Christen verbindlich sind.

Wer denn nach der Apokalypse am jüngsten Tag erettet wird, ist dann aus dieser fundamental christlichen Ansicht, vermutlich nicht mehr davon abhängig welches religiöse Parteibuch man hat, sondern ob Gedanken, Worte und Taten dem Maßstab der Bibel entsprechen.

Ähnliches gilt auch für andere Religionen. Auch hier können interne Differenzen verschiedener Gruppen durch die Rückkehr zum Fundament des Glaubens überwunden werden.

Fundamentalismus und interreligiöser Dialog

Wenn man die Religionen abstrahiert und von ihren Verschiedenheiten trennt, zeigen sich Übereinstimmungen, die ein gemeinsames Fundament bilden.

Die Religionen setzen moralische Maßstäbe. Diese helfen dabei, das Leben mit anderen Menschen zu ordnen. Die religiösen Lehren bieten Trost und Hoffnung. Sie stiften ein Gefühl von Gemeinschaft. Sie versprechen dem Menschen eine Überwindung des Leidens.

Mit einer Besinnung auf diese diese fundamentalen Grundlagen ist ein interreligiöser Dialog deutlich leichter, als wenn man sich auf Autoritäten und Exklusivitätsrechte der eigenen Lehre zurückzieht.

Der Wunsch nach der Überwindung des Leidens und die Verheißung des Friedens sind nach meiner Ansicht die fundamentale Gemeinsamkeit aller mir bekannten Religionen.

In diesem Sinne wäre ein stärkerer "Fundamentalismus" in der Tat wünschenswert.

Antwort
von RobinsonCruesoe, 45

Das Fundament, auf dem jeder Glaube stehen muss, ist die Dialogbereitschaft. Das setzt übrigens auch Ignacio de Loyola an den Beginn seiner "Geistlichen Übungen", noch vor konkreten Glaubenssätzen oder Glaubensinhalten. Ohne daß der Mensch nicht bereit ist, sich ansprechen zu lassen und auch anzusprechen, kann keine Religion, kann kein Glaube wirken.

Kommentar von RobinsonCruesoe ,

Ohne daß der Mensch nicht bereit ist

richtig: Ohne daß der Mensch bereit ist

Kommentar von kalippo314 ,
Das Fundament, auf dem jeder Glaube stehen muss, ist die Dialogbereitschaft.

Mit stark Gläubigen Menschen lässt sich leider nicht mehr reden.

Ohne daß der Mensch bereit ist, sich ansprechen zu lassen

Weltvorstellungen aufschwatzen nennst du also "ansprechen". Sehr schön.

Antwort
von himako333, 27

..etwas schlechtes... ja , ich denke dabei auch  an die grausamen Vorfälle von den versch. Kindesmisshandlungen u.a. der der Zwölf Stämme, an die Morde und Selbstmorde die versch., evangelikale Christen betreiben  usf. ..

google evtl. nach dem Video des RTL-Reporters Wolfram Kuhnigk, es hatten die Familiengerichte in Ansbach und Nördlingen im September 2013 den Eltern von 40 Kindern in "einstweiligen Anordnungsverfahren" das Sorgerecht entzogen, weil die ihre Kinder im Namen des Herrn gequält haben

Antwort
von kalippo314, 16

Das Problem am Fundamentalismus ist, dass man sich komplett blind macht für jegliche Kritik und Alternativität. Wenn man sein ganzes Weltbild, den ganzen Lebenszweck und -inhalt auf dieses eine Fundament setzt, wie soll man sich dann noch sinnvoll austauschen können mit Leuten, die das nicht machen?

Antwort
von josef050153, 37

Weil sich Fundamentalisten nicht an die Bibel halten.

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen. (Matth 23:23)

Für Fundamentalisten ist das Gesetz am wichtigsten, Die Botschaft des Neuen Testament, setzt aber die Liebe als erstes.

Antwort
von Whitekliffs, 35

Was verstehst du unter Fundamentalismus? Oder fundamentalistischen Christen? Das Wort ist ja immer in aller Munde? Ich kann mir darunter so wenig vorstellen.  

Kommentar von Whitekliffs ,

Ich würde wirklich gerne wissen, was du unter Fundamentalist verstehst. Unter fundamentalistischen Christen. Möchtest du das nicht etwas erklären?

Antwort
von aicas771, 53

Für Christen gibt es ein Fundament: "Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen." (1.Kor. 3,11 - Gute Nachricht Bibel). Wenn man in der Bibel nachliest, was Jesus lehrt, und danach handelt, dann ist die Rückbesinnung auf dieses Fundament - und damit der Fundamentalismus - gut und erstrebenswert. Denn die Gottesliebe und die Nächstenliebe (Mt. 22,37-40) führen dazu, dass es gerade keinen Extremismus gibt, und auch keinen Fundamentalismus, weil das immer lieblos ist.

Extrem gläubig ist also schlecht, weil lieblos. Extrem fundamentalistisch ist ebenfalls schlecht, weil ebenfalls lieblos.

Die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen lässt jedem Einzelnen innerhalb weit gesteckter Grenzen die Freiheit, auf seine Weise die Beziehung zu Gott zu gestalten, seinen Glauben zu leben.

2.Kor. 3,6 (Einheitsübersetzung): "Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig."

Anhand wie auch immer gestalteter Vorschriften und Regeln (egal ob katholisch, evangelisch, reformiert, oder sonstwie) alle Gläubigen über einen Kamm scheren zu wollen, führt zu tödlichen Buchstaben.

Kommentar von Viktor1 ,

Hallo aicas,

deine gute Antwort entspricht auch weitgehend meiner Vorstellung von der Basis des Christentums.
Dein Zitat aus 2.Kor. 3,6 "Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig" wird leider viel zu wenig beachtet und auch zu wenig hinterfragt !!
Der "Buchstabe" steht für das geschriebene Gesetz im "Alten Bund", der Geist für die "Eingebung" des  Gesetzes in unser Herz im "Neuen Bund" (Luk.22,20 und Jerm.31,31-34 = Hebr.8,8-13)
Doch was ist hier "Geist" ? Der hl.Geist welcher verheißen wurde ?
Dies wäre zu kurz gedacht. Geist ist hier mit Erkenntnis gleich zu setzen von Jesus auch mit Wahrheit bezeichnet, mit der er sich identifiziert (ich bin die Wahrheit .. und das Leben). Wir erkennen also was (ge)recht ist durch unser GeWissen wenn wir uns dem öffnen.
"Extremismus" oder Fundamentalismus beruhen immer auf "Glauben", nicht auf Wissen, nicht auf Erkenntnis.
Der Glaube, den Jesus anmahnt, ist das Vertrauen darauf, daß das Befolgen seiner nachvollziehbaren  Botschaft zum ewigen Heil führt, nicht der "Glaube" daran was andere sagen oder was in der Schrift steht.
Und was ist mit dem (hl.) Geist der verheißen wurde ? Als unverdientes Geschenk ?  Gnade ? Heißt es dort nicht "der Geist der Wahrheit" (eindeutig in Joh.14,17   15,26   16,13) der uns erkennen läßt ?
Der verheißene Geist ist ein Angebot, wie jede Gnade, dem  wir uns öffnen müssen ,sonst geht nichts. Wahrheit=Erkenntnis wird nicht aufgezwungen, sie wird frei machen.
Gruß Viktor

Antwort
von Netie, 4

Jeder Mensch hat sein Fundament. Deswegen verstehe ich den Ausdruck "Fundamentalisten" (negativ gebraucht) auch nicht.

Die einzelnen Fundamente:

Atheist = Unglaube

Kapitalist = Kapital

Sozialist = Sozialismus

Dort ist der Eigenwille das Fundament.

Bei uns Christen (wenn wir an Jesus Christus glauben) ist unser Fundament Christus. Da wir wissen wie er ist: der Weg, die Wahrheit und das Leben, Licht und Liebe etc., haben wir auf festem Fundament gebaut.

Sicherlich kennst du ja die Stelle mit dem Hausbau auf Sand und Felsen. Alle die, die Christus nicht haben, haben auf Sand gebaut. Alle die ihn haben, haben auf Felsen gebaut.

lg Netie

Antwort
von Mondmayer, 45

Selbst wenn man im Kern einigen Dingen zustimmen kann, wird eine Meinung oder eine Religion dann gefährlich, wenn kein anderern Glaube oder keine andere Meinung daneben möglich ist.

Eine Überzeugung wird dann gefährlich, wenn sie sich übermäßig auf das schlechte Fokussiert und den Anhängern kein normales Leben mehr ermöglicht.

Der einzige Weg zum Frieden zwischen Menschen sind Dialog und Pluralismus.

Meiner Meinung nach ist jemand ein christlicher Fundamentalist, genau dann, wenn ein strenggläubiger Christ sich mit dieser Person unterhält und sich denkt "Was ist mit dieser Person nur los?"

Antwort
von Kindred, 60

Geh mal auf Arche Internetz. Wir haben das eigentlich sehr gut dargestellt.

Kommentar von KingMori63400 ,

"Wir" - du bist also einer der Admins?

Kommentar von Kindred ,

Nein User. Seid so zwei Jahren ungefähr. Aber ich kenne einige Leute dort.

Kommentar von KingMori63400 ,

Cool :) ihr macht ne super Arbeit.

Kommentar von LibertyFire ,

Naja, ein bisschen übertrieben ist es schon, wenn auch sehr lustig.

"Wenn das Kindlein mit Anglizismen spielt, der Vater zu dem Rohrstock schielt"

Kommentar von BibelGeschichte ,

Arche Internetz ist keine seriöse Webseite

Antwort
von gottesanbeterin, 4

Jeder Extremismus ist schlecht.

Antwort
von KaeteK, 19

Lassen wir mal die Kirchen beiseite und beschäftigen uns nur mit dem Glauben an Jesus Christus und stützen uns auf Sein Wort, dann sieht es auch nicht anders aus. Wer nicht glauben will, wird immer ein Grund finden, nicht zu glauben.  Ich bin Christ und mein Fundament ist Jesus Christus und sonst gar nichts. Es sagt von sich selber:

Johannes 14,6 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Du wirst hier auf Erden, mit diesen sündenbeladenen Menschen keine Gerechtigkeit, keinen Frieden und keine Liebe finden, nach der du dich sehnst.Sie ist der Vergänglichkeit unterworfen. Siehe was  geschrieben steht:

Matthäus 10 34 Wähnet nicht, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; 36 und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Und was haben wir heute? Schau dich um...

Aber es gibt eine Lösung:

Jeder Mensch, der diese Botschaft des Heils im Glauben annimmt, empfängt  Frieden mit Gott.

Jeder Christ, wird dir das gerne bestätigen.

Kolosser 1 20 ...und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, - indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes - durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln. 21 Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde waret nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt

Römer 5 1 Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, 2 durch den wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.

Wenn du wirklich all diese Dinge aufrichtig suchst, die du hier in deiner Fragestellung bennenst, dann wirst du sie finden - aber nicht bei Menschen, sondern allein bei Jesus Christus. lg

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