Frage von Tweeter1, 84

An alle Rechtsexperten - mache ich durch ein zweites Arbeitszeugnis strafbar?

Hallo liebe Community!

Ich hoffe, dass mir hier ein Rechtsexperte helfen kann.

Folgendes: vor ein paar Monaten habe ich eine betriebsbedingte Kündigung und daraufhin ein gutes Zeugnis von der Personalabteilung bekommen - natürlich aber mit dem Schlusssatz, dass man mir betriebsbedingt kündigen musste bla bla usw.

Ich hatte zunächst eine tolle Stelle bei einer riesen Firma ergattert (leider aber über Zeitarbeit, die Stelle war zunächst als längerfristig angegeben, wurde dann aber leider beendet, weil sie intern besetzt wurde und ich somit nicht mehr gebraucht wurde)

Seitdem hangel ich mich nun seit Monaten von Job zu Job, meine Bewerbungsunterlagen sind top, ich habe das sogar extra peofessionell machen lassen. Ich werde auch teilweise eingeladen zu Vorstellungsgesprächen,meist aber klebt die Tatsache an mir, dass ich betriebsbedingt gekündigt wurde. Von einem Personaler wurde mir sogar gesagt, dass das leider ein schlechtes Licht auf jeden Bewerber wirft, egal was für Gründe vorliegen.

Nun hat mir meine damalige Chefin angeboten, da ich mich immer sehr gut mit ihr verstanden habe, ohne Absprache mit ihrer Personalabteilung (weil die das natürlich nicht machen würden) mir dasselbe Zeugnis auszustellen und selbst zu unterschreiben, mit der Änderung, dass ich selbst gekündigt habe.

Nun meine Frage: mache ich mich mit so etwas strafbar? Und würdet ihr das Angebot annehmen?

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 61

Lass das bleiben.

Was sagst Du denn, wenn Du nach dem Grund für die Eigenkündigung gefragt wirst? Du hangelst Dich dann von einer Lüge in die nächste. Zudem ist es Schwachsinn, dass eine betriebsbedingte Kündigung ein schlechtes Licht auf einen Bewerber wirft.

Jeder "Personaler" sollte doch wissen, dass bei betriebsbedingten Kündigungen i.d.R. eine Auswahl nach bestimmten Kriterien getroffen wird. Da spielt z.B. auch das Alter, die Betriebszugehörigkeit, Schwerbehinderung oder auch die familiäre Situation (Unterhaltspflicht) eine Rolle.

Schlimmer wäre eine verhaltensbedingte Kündigung oder auch eine personenbedingte (meist krankheitsbedingt) Kündigung. Von einer fristlosen mal ganz zu schweigen.

Davon mal abgesehen: Ist Deine ehemalige Vorgesetzte überhaupt berechtigt ein Zeugnis zu unterschreiben? 

Kommentar von Tweeter1 ,

danke dir für deine schnelle Antwort! normal hätte ich auch sofort abgelehnt. Ich finde es teilweise total pervers, was auf dem Arbeitsmarkt so abgeht, ich habe das Gefühl (obwohl ich gute Unterlagen, gute Noten, gute Zeugnisse habe) dass ich mich komplett einmal verbiegen muss, um überhaupt noch eingeladen zu werden und das ist bitter :( daher meine Verzweiflung. 

Aber du hast schon recht.....wird dann schwer das zu rechtfertigen.

PS: ich halte das genauso für Schwachsinn, da eine betriebsbedingte Kündigung jeden treffen kann. Nur für manche Stellen, vor allem höhere Positionen ist das wohl ein riesen rotes Tuch (wurde mir zumindest so gesagt)


Kommentar von Hexle2 ,

Es ist immer besser ehrlich zu bleiben, auch wenn das manchmal nicht so einfach ist. 

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Glück bei der Jobsuche.

Kommentar von Tweeter1 ,

die letzte Frage habe ich überlesen - sorry! in der Firma war das nicht so wirklich geregelt, da haben teilweise viele Vorgesetzte wild Zeugnisse ausgestellt, daher kann ich das nicht so recht beantworten. Sie war meine Abteilungsleitung und hat auch bereits für viele andere ein Zeugnis ausgestellt.

Kommentar von Hexle2 ,

Wenn Deine ehemalige Chefin das darf, ist ja gut. Dein Zeugnis hat wohl der/die Personalleiter(in) unterschrieben und das ist auf alle Fälle in Ordnung.

Kommentar von Nightstick ,

Nachträgliche Anmerkung: Um solche Dinge zu vermeiden, ist es gut, wenn Arbeitszeugnisse zwei Unterschriften tragen - z.B. eine der Geschäftsführung (oder Personalleitung) und eine der Fachbereichsleitung.

Darüber hinaus darf ohnehin nur ein einziges Zeugnis vorhanden sein. das erste müsste dann zurückgegeben werden!

Antwort
von DarthMario72, 19

Ob du dich damit strafbar machst, bezweifle ich mal.

Allerdings wäre dein Zeugnis dann nicht mehr wahrheitsgemäß. Und auch wenn das - wie @Mikkey richtig festgestellt hat - rechtlich nicht in Ordnung ist, holen dennoch viele Arbeitgeber vor der Einstellung Erkundigungen bein vorigen Arbeitgeber über Bewerber ein.

Und sollte dein Fake-Zeugnis nach der Einstellung auffallen, könnte man ggf. je nach Lage der Dinge den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten.

Also: Bedanke dich für das nette Angebot deiner Ex-Chefin, aber lass die Finger davon!

Antwort
von Mikkey, 39

Eine Strafbarkeit kann ich darin nicht sehen - Du beschädigst ja das Vermögen des zukünftigen Arbeitgebers nicht.

Andererseits droht Dir (theoretisch) permanent eine fristlose Kündigung wegen arglistiger Täuschung. Dazu müsste der neue Chef irgendwie erfahren, dass die Kündigung tatsächlich durch den Arbeitgeber erfolgte.

In meinem Arbeitsleben ist mir dies übrigens 3-mal widerfahren, das war bei den Interviews nie ein Problem. Allerdings existieren alle diese Firmen nicht mehr.

Kommentar von DarthMario72 ,

Dazu müsste der neue Chef irgendwie erfahren, dass die Kündigung tatsächlich durch den Arbeitgeber erfolgte.

Und das ist schnell passiert. Es ist gängige Praxis, sich über einen Bewerber (wenn er für die Stelle in Frage kommt) bei dessen Ex-AG zu erkundigen.

Kommentar von Mikkey ,

Wobei der Ex-AG bei der Beantwortung solcher Fragen gegen geltendes Recht verstößt, es sei denn er wurde autorisiert, Auskunft zu geben.

Abgesehen davon werden solche Erkundigungen vor der Einstellung des Kandidaten eingezogen, können damit für eine fristlose Kündigung nicht mehr als Grund dienen.

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