Ich mach meine 5.Pk in Deutsch-Sowi und hab als Thema "Die Integration der taub-stummen Menschen in die Gesellschaft durch Gebärdensprache". Und da ist meine Frage an euch, fühlt ihr euch durch die Gebärdensprache besser integriert, oder schottet ihr euch so eher ab in die kleinen Kreise der Leute, die ebenfalls taub-stumm sind?
Danke für Hilfe =) LG
ich wollte niemanden beleidigen! wenn es so ankam tut es mir leid! aber danke für den hinweis! und ich habe nicht nur von den gehörlosen geredet, weil ich natürlich weiß, dass viele von euch auch sprechen können! davon kenn ich sogar ein paar. aber ich kenn niemanden wirklich, der die gebärdensprache benötigt, weil er sich nicht anders verständigen kann. deshalb hab ich hier die frage gestellt. und sie galt nicht den gehörlosen, die auch sprechen können, sondern den stummen oder taub-stummen, die keine andere möglichkeit der kommunikation haben.
Hi Ich fürchte, du hast mich nicht ganz verstanden. Es gibt praktisch gar keine Gehörlosen, die stumm sind. Damit sie stumm wären, müsste ihr Sprechorgan (Kehlkopf, Stimmbänder etc) defekt sein. In den westlichen Ländern lernen ausserdem alle gehörlosen Kinder bis zu einem gewissen Grad (abhängig von Motivation des Kindes und Intensität des Sprechunterrichts) die Lautsprache zu artikulieren.
Die Gehörlosen, von denen du vermutlich annimmst, sie wären stumm, benutzen die Lautsprache meist ganz bewusst nicht. Sei das, weil es ihnen zu anstrengend ist oder sie schlechte Erfahrungen gemacht haben (ausgelacht worden, nicht verstanden worden) oder weil sie ganz klar signalisieren wollen: "Ich bin gehörlos und spreche Gebärdensprache, ich gehöre der Kultur der Gebärdensprach an!" Meist ist es eine Kombination aus all diesen Gründen.
Es gibt in den älteren Generationen noch vereinzelt Gehörlose, die weder die Lautsprache noch die die Gebärdensprache beherrschen. Hier ist leider fast immer der Grund, dass man früher angenommen hat, dass Gehörlose geistig behindert und unbildbar sind. Man sperrte sie weg und liess sie von sich hinvegetieren.
Mit intensiver Förderung können aber 98% aller Gehörlosen die Lautsprache lernen. Die Frage ist allerdings, wie sinnvoll diese intensive Förderung ist. Lautsprache ist für Gehörlose extreeem schwierig zu erlernen und unglaublich zeitintensiv. Dabei geht leider sehr viel Zeit verloren, die besser dafür verwendet worden wäre, den Kindern Allgemeinwissen, Lesen, Schreiben, Rechnen etc beizubringen. Schulen, die die Gebärdensprache im Unterricht verwenden (leider überhaupt keine Selbstverständlichkeit!), können diesen Prozess beschleunigen, da die Kinder nicht mühsam jede Silbe von den Lippenlesen müssen (und nach 10min eh abstellen und lieber zum Fenster rausschauen) und dabei leider doch nur 30% verstehen können, wenns hochkommt. (Die Laute der deutschen Lautsprache sind nur zu 30% an den Lippen ablesbar. Der Rest passiert hinten im Hals oder bei geschlossenen Lippen und ist somit nicht ablesbar.)
Ich persönlich halte den bilinugalen Zugang zur Bildung für Gehörlose am sinnvollsten. Gebärdensprache ist unsere Muttersprache, Lautsprache brauchen wir aber leider halt auch für den Umgang mit den Hörenden, die halt nun mal die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen).
Ich kenne übrigens zwei hörende Personen, die nur stumm sind. Sie haben die Gebärdensprache gewählt, weil sie sonst keine Kommunikationmöglichkeiten mehr haben. Für sie ist es aber nicht die ideale Lösung, das diese Stummheit bei beiden plötzlich auftrat (beides durch Unfälle) und sie sich jetzt nur mit den Gehörlosen, die sie vorher ja nicht kannten, verständigen können. Ihre bisherigen Freunde, hörend, sprechen die Gebärdensprache nicht. Hier gilt immer noch Schreibblock und Kulli. Ob diese Personen je wieder die Lautsprache sprechen können, liegt ganz bei der Ursache und der Therapie. Traumatisch bedingte Stummheit (Mutismus), kann durch intensive psychologische Therapie und Betreuung überwunden werden. Aphasie oder andere Hirnschäden vielleicht durch ganz spezielle Therapien oder durch Operation. So oder so, es ist schwierig, langwierig und sicher ziemlich frustrierend. Ganz so wie für gehörlose Kinder, denen die Lautsprache ohne gebärdensprachliche Unterstützung eingetrichtert wird.
So, mehr fällt mir gerade auch nicht ein. Wenn du noch Fragen hast, versuche ich gerne, sie dir zu beantworten.
Liebe Grüsse, Malta
danke! das hilft mir schon sehr viel weiter! =)