Frage von kathiXD, 49

An alle Biologen und Epigenetiker!?

Hallo liebe Community,

da ich bald einen Vortrag halten muss bezüglich der Epigenetik und einige Beispiele vorbereitete, ist mir während dessen eine Frage in den Sinn gekommen. Leider finde ich darauf keine Antwort, weshalb ich hier mein Glück versuche.

Es geht darum, dass der Wissenschaftler Hejimans heraus fand, dass die Menschen, die während des Hungerwinters 1944/45 geboren worden waren, weniger Methylgruppen an das igf 2 - Gen hatten, als ihre anderen Geschwister, die nach der Hungerkrise geboren worden waren. Jetzt stellt mich die Frage : Profitieren sie nun davon, weniger Methylgruppen, die Gene ausschalten können, zu haben? Ich verstehe das leider nicht... ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen!

Danke im Voraus!

Expertenantwort
von agrabin, Community-Experte für Biologie, 12

Nein, sie profitieren nicht unbedingt davon, denn die Kinder des Hungerwinters  zeigen eine Neigung zu Übergewicht und sind z.T. anfälliger für Krebs und andere Krankheiten. Sie konnten aber trotz schlechter Bedingungen lebendig auf die Welt kommen.

Bei guter Versorgung der Mutter wird das IGF2-Gen nicht methyliert und kann durch ein Repressorprotein ausgeschaltet werden. Es wird nur das mütterliche IGF2-Gen stillgelegt, d.h. im Prinzip wird das Wachstum des Babys dadurch gedrosselt. Wahrscheinlich dient dies als Schutz der Mutter und das von möglichen Geschwistern, vor einer zu großen Belastung durch das heranwachsende Leben.

Wird das IGF2-Gen nicht ausgeschaltet, weil es nicht mehtyliert ist, werden die Babys größer, es ist ja schließlich ein wachstumsfördernder Faktor.. Bei hohen Dosen kann es sogar tödlich wirken. In schlechten Zeiten kann also das ungeborene Kind mehr Ressourcen von der Mutter fordern, es ist eine Art Notprogramm. Das sollten sich auch Frauen klarmachen, die während einer Schwangerschaft eine Diät halten wollen, das Geburtsgewicht eines Kindes sagt nichts über seine spätere Gesundheit aus.

Diese Art des Imprinting gibt es nur bei Plazentatieren (auch bei Pflanzen) , nicht bei Tieren, die eierlegend sind. Eierlegende Tiere geben dem Nachwuchs zwar auch mehr oder weniger Ressourcen mit auf den Weg, müssen das wachsende Leben aber nicht für längere Zeit mit ihrem Körper ernähren.

Hier sind Infos zum Nachlesen:

http://epigenome.eu/de/2,5,0

http://www.spektrum.de/news/hungersnot-forschung/971989

Kommentar von kathiXD ,

Vielen Dank für deine Antwort! Genau das hat mich verwirrt : " Wer innerhalb der ersten zehn Wochen im Mutterleib die Hungersnot durchmachen musste, hat noch heute weniger Methylgruppen am IGF2-kodierenden Gen als seine gleichgeschlechtlichen Geschwister. " -http://www.spektrum.de/news/hungersnot-forschung/9719899 Jetzt frage ich mich, wieso die Kinder, die die Hungerkrise durchmachten, weniger Methylgruppen haben, als ihre anderen Geschwister? Ich habe mir nämlich gedacht, dass das igf 2 - Gen bei den Kindern, die die Hungersnot miterlebten, mehr Methylgruppen anlagern sollten, die das igf 2 - Gen abschalten. Hier steht es aber anders.. und genau so hatte ich das auch in anderen Büchern gelesen.

Kommentar von kathiXD ,

Außerdem vermutet man, dass es die wenigen Methylgruppen dazu zu Stande gekommen sind, da die Mütter während des Hungerwinters weniger zu Essen hatten und dementsprechend auch wenige methylfördernde Sachen aßen, z.B Folsäure.

Antwort
von GreenDayFan97, 28

Methylierung und Acetylierung können sowohl vor als auch Nachteile haben. Es kommt immer drauf an, welche Gene 'inaktiviert' werden.
Die Umwelt beeinflusst die Gene. Da die Eltern der Kinder, die während der Hungerkrise unter Angst vor Tod durch Hunger und dem Kampf ums Überleben litten, wirkte sich das auf die Methylgruppen aus. Die Kinder waren eher untergewichtig, auch wenn sie später reichlich Essen hatten. So könnte man auf eine veränderte Stoffwechselfunktion spekulieren.

Kommentar von kathiXD ,

Danke für deine Antwort! Was ich mich aber jetzt noch frage ist : Da sich durch die Ernährung wenige Methylgruppen an die DNA der Kinder anlagerten, wurden weniger Gene "inaktiviert" im Gegensatz zu den Geschwistern, richtig? Konkreter gefragt : Was passiert mit dem igf - 2 Gen bei den anderen Geschwister, die mehr Methylgruppen haben? 'Inaktiviert.' Und was hat das konkret für Folgen für diese Geschwister, die nach der Hungerkrise geboren worden waren? Was passiert mit dem igf 2 - Gen bei dieser starken Methylierung?

Kommentar von GreenDayFan97 ,

Das IGF/2 Gen ist für die Entwicklung und das Wachstum vor der Geburt wichtig. Nach der Geburt ist das Gen weniger aktiv. Beim Menschen verursacht die fehlende Vererbung der stummen Kopie von IGF/2 das Beckwith-Wiedemann-Syndrom. Das Gewicht von Babys mit dieser Funktionsstörung liegt über dem doppelten Normalgewicht. Also ist schon mal bewiesen, dass das Gen eine Rolle beim Gewicht spielt. Wie genau da die Methylierung eingreift kann ich dir auch nicht ganz sagen. Dafür reicht mein Wissen nicht aus :D

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