Frage von Annchristin26, 31

Alzheimer! WIe lange hab ich mit ihr noch?

Hallo,

gestern habe ich erfahren das meine Oma Alzheimer hat. Ich habe jetzt scho Angst vor dem Tag an dem sie nicht mehr weis wer ich bin.

Wie lange habe ich noch mit ihr? Sie ist im Anfangsstadium. Ich weis das kann man nicht genau vorhersagen. Ich wäre aber über ein paar Realistische Zahlen sehr dankbar. Ich liebe meine Oma und brauche sie.

Wird sie an dem Alzheimer sterben? oder kann sie damit für immer weiter leben?

Ich bedanke mich schon einmal für jede Antwort die mir helfen kann.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von XHeadshotX, 31

Es gibt für Alzheimer derzeit noch keine Heilung, nur Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern können. Auch an einer Impfung wird intensiv geforscht (https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/Impfung-alz2-04.pdf).

ht tps://w w w.alzheimer-forschung.de/alzheimer-krankheit/symptome.htm

h ttp ://w ww .netdoktor.at/krankheit/alzheimer-verlauf-6790068

Es läßt sich nicht in Jahren festmachen und ist eine sehr individuelle Sache, wie schnell die Krankheit fortschreitet.

Als erstes ist meist das Kurzzeitgedächnis betroffen, was sich noch recht gut überspielen läßt. Vorallem weil diese "kranken" Phasen noch nicht so durchgängig auftreten. Man vergißt was man sagen wollte, einem fallen manche Worte nicht mehr ein, oder man verlegt Sachen. Vertut sich mit der Uhrzeit o. Ä. Oft ist es so, daß es vormittag noch recht gut geht, aber dann gegen Abend hin, sich die Ausfälle verstärken, wenn man anfängt müde zu werden und geistig nicht mehr so wachsam ist.

Meist ist das auch der Abschnitt, wo die Betroffenen je nach Naturell sehr verunsichert, reizbar, verzweifelt sind, weil sie meinen verrückt zu werden oder es ihnen peinlich ist.

Je weiter die Erkrankung geht umso schwieriger wird es. Die Betroffenen haben Halluzinationen, Koordinationsprobleme, die Ausfallphasen werden länger. Vorallem Nachts vermehrter Wandertrieb. Das ist oft die Phase, wo Leute aus dem Heim abhauen und dann irgendwo aufgegabelt werden, weil sie nicht mehr zurückfinden. Die Vergangenheit tritt immer mehr in den Vordergrund, weil die Gegenwart immer weniger vorhanden ist. Der Kranke weiß etwa nicht mehr, was er vor 10 min. gegessen hat, kann sich aber noch sehr genau etwa an ein Gedicht aus der Schulzeit erinnern. Allein sollte in dieser Phase möglichst niemand bleiben.

Dann wird schrittweise auch die Vergangenheit Opfer der Krankheit. Neben den körperlichen Schwierigkeiten. Die Leute verlieren ihre Sprachfähigkeit und sind praktisch völlig in ihrer eigenen Welt. Sie erkennen immer weniger selbst ihrer unmittelbaren Angehörigen oder verwechseln sie. In dem Stadium absolut Pflegefall.

Tödlich wird es dann, wenn der Punkt erreicht ist, wo selbst die "Basiskonfiguration" des Körpers betroffen ist. Etwa der Schluckreflex, oder die Atmung.

Ein recht gutes Buch zu dem Thema ist von Michael Jürgs "Alzheimer - Spurensuche im Niemandsland".

Meine Oma war auch eine Betroffene und sie hat 12 Jahre lang gekämpft. Die Krankheit verstärkt das Wesen des Kranken, das haben mir auch die Pflegerinnen aus dem Heim bestätigt.
Wer zu Aktivzeiten etwa recht streitsüchtig war, der ist es in der Krankheit umso mehr.
Ein eher ruhigerer Mensch, braucht das auch in der Kranheit.

Laßt sie die Sachen machen, die sie noch sicher beherrscht und greift ihr bei dem unter die Arme, das sie nicht mehr so gut alleine schafft. Fragt sie so viel wie möglich über ihre Vergangenheit aus, solange sie es euch noch erzählen kann. Das ist vielleicht dann später mal eine Hilfe, wenn sie die "alten Gespenster" einholen. Es bringt dann nichts, ihr zu erkären, daß da nichts ist. Holt sie dort ab, bei dem was sie anbietet. "Spielt" soweit nötig mit, damit sie das macht, was ihr braucht. Manches von dem was sie tut, oder tun will, wird mit diesem Hintergrund auch etwas leichter verständlich.

Wie etwa ein ehemaliger Bäcker, der immer aus dem Vorhang einen Hefezopf flechten will, oder die Wirtin, die immer Besteck poliert, oder Servietten faltet. Oder auch die Bäuerin die in aller herrgottsfrüh aufsteht, weil sie ja in den Stall zu den Kühen muß.

Kommentar von XHeadshotX ,

Auch die finanzielle Seite solltet ihr so bald wie möglich regeln, solang noch genug Erinnerung und Kommunikationsvermögen von ihrer Seite da ist, daß sie mithelfen kann.

http://demenz-portal.at/recht-betreuung/vorsorge-sachwalterschaft-testament-etc/

Viele schrecken davor zurück, weil sie sich dann total ausgeliefert fühlen. Dann geht die Krankheit weiter und die Angehörigen bleiben ratlos zurück.
Da kommen dann gern mal so Sachen, wie "ihr könnt´s ja gar nicht erwarten, daß ich unter die Erde komm". Macht klar, daß ihr nur alles besprechen wollt, damit dann in ihrem Sinne gehandelt werden kann, wenn sie sich nicht mehr ausreichend mitteilen kann.

Ihr solltet auch die Bank und die üblichen Geschäfte der Oma zur Sicherheit informieren - Stichwort Geschäftsfähigkeit. Führerschein wär auch ein Punkt, den ihr abklären solltet, so sie denn einen hat.

Die Mutter meiner Tante etwa (ebenfalls dement) hatte einen Spar-Markt gleich auf der anderen Straßenseite. Sie ging sicher 10 mal am Tag rüber um einzukaufen, weil sie jedes Mal vergessen hat, daß sie schon war, sobald sie wieder zu Hause war. Was da Geld weg ging...

Oder auch Sparbücher die mit Losungswort versehen sind, die dann erst nach dem Ableben auftauchen. Geld weg, weil niemand das Codewort kennt.

Antwort
von tuedelbuex, 28

Bei meiner Mutter hat es von der Feststellung der Krankheit bis zu ihrem Tod ca. 7 Jahre gedauert. Ihr Zustand hat sich währenddessen ständig verschlechtert, nicht nur geistig, sondern in den letzten 1,5 - 2 Jahren auch körperlich.Ab diesem Zeitpunkt etwa hat sie auch fast niemanden mehr erkannt, bestenfalls meinen Vater, der sie aber auch fast rund um die Uhr betreut hat. Während es zunächst "nur" Erinnerungslücken (vorwiegend Dinge, die gerade erst gewesen sind) waren, wurde es mit der Zeit immer "schlimmer". Sie wiederholte Tätigkeiten, die sie kurz zuvor gerade erledigt hatte usw. Zeitweise gab es Phasen, in denen man nichts von der Krankheit bemerkte. Diese wurden später seltener und kürzer. Das Endstadium war ziemlich würdelos, eigentlich nur ein dahin-vegetieren.....Ich wünsche Dir viel Kraft und Dir und Deiner Oma hoffentlich noch viele unbeschwerte Stunden zusammen.

Kommentar von Annchristin26 ,

danke.

Kommentar von tuedelbuex ,

Gerne! Und alles Gute Euch Beiden!

Antwort
von lohne, 30

Zwischen einigen Wochen, Monaten und wenige Jahre. Man kann das nie genau vorhersagen. Sie kann noch viele Jahre damit Leben. Nutze die Zeit aus und hab sie weiterhin lieb.

Kommentar von Annchristin26 ,

habe ich auch nur noch wenige Wochen obwohl sie erst Anfangsstadium ist?

Antwort
von Wonnepoppen, 27

Ich würde dir vorschlagen zu googeln, da bekommst du Informationen oder dich in einem Alzheimer Forum anzumelden, um dich mit anderen aus zu tauschen!

Kommentar von Annchristin26 ,

das hilft mir nicht. a) will ich mich nicht irgendwo anmelden und b) hoffe ich hier auf antworten. ich habe bereits im Internet geschaut. und blicke da nicht durch

Kommentar von Wonnepoppen ,

Versteh ich nicht!

hier bist du doch auch angemeldet?

auf alle Fälle können dir Betroffene, bzw. deren Angehörige wahrscheinlich besser helfen, als hier jemand?

auch im Internet wird die Krankheit gut erklärt. 

Es gibt auch eine Deutsche Alzheimer Gesellschaft!

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