Frage von samson456, 114

Alternative Medikation/Therapie bei Schizophrenie?

Hallo liebe Community,

Ich bin 22m und leide seid mittlerweile 7 Jahren an Schizophrenie. Mit 16 wurde sie das erste mal ärztlich diagnostiziert, als ich aufgrund eines Suizidversuchs in einer Kinder- & Jugendpsychatrie untergebracht wurde. Ich brach die Behandlung jedoch nach 5 Monaten ab, da ich "freiwillig" dort war und diesen Ort einfach nicht mehr aushielt. Gegen Ende letzten Jares hatte ich einen Nervenzusammenbruch und habe mich diesmal endlich getraut mich wieder in Behandlung zu begeben. Ich wurde Medikamentös eingestellt (Zyprexa) und nach 24 Tagen wieder entlassen. Aus der anschließenden Maßnahme im Rahmen einer Tagesklinik wurde nicht viel, da ich ständig einschlief. Zurück im Arbeitsalltag (Ausbildung Schreibtischjob) konnte ich mich trotz 12 Stunden nächtlichen Schlafes immer noch nicht wachhalten und schlief fast täglich am Schreibtisch ein. Eine Abmahnung blieb mir zum Glück dank des Verständnisses seitens meines Bürokollegen erspart. Als ich dann nach mehreren Monaten keine Besserung wahrnehmen konnte, was meine Müdigkeit betrifft, sah ich keine andere Möglichkeit als das Medikament abzusetzen (Ärzte wollten die Dosis sogar verdoppeln). Jetzt nehme ich seit einiger Zeit keine Medikation mehr und verfalle wieder in den genau Gegenteiligen Zustand. Mit mehr als 1-4 Stunden Schlaf pro Nacht ist kaum mehr zu rechnen, da mich die Stimmen wenn ich im Bett liege am meisten in den Wahnsinn treiben. Ich habe vieles versucht (Musik, autogenes Training, akustische Ablenkung, etc) aber ich kann trotzdem nicht einschlafen. Erst wenn mich die Erschöpfung dazu treibt, falle ich morgens zwischen halb 6 und 7 Uhr in Schlaf, bis mich um 8 der Wecker wieder weckt. Mein Therapeut verweist mich immer wieder auf denselben Medikamentenwirkstoff. Ich kann einfach nicht mehr. Ich breche im Badezimmer vor Erschöpfung zusammen, kann mich nur schwer konzentrieren und fühle mich durchgehend schwach. Ich komme wegen besagter Schwächeanfälle oft zu spät und immer übermüdet zur Arbeit. Sogar meine Kollegen in meinem Alter schließen mich aus, weil sie mich für jemanden halten der sein Leben und seinen Job nicht ernst nimmt oder im Griff hat. Aber ich will mich meinen Arbeitskollegen auch nicht so weit öffnen. Bitte ich kann nicht mehr.. Hat irgendwer ähnliches durchmachen müssen? Und wenn ja, wie seid ihr da raus gekommen?

Ich bin dankbar für jede Antwort. Bitte helft mir...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von alvajaro, 45

Ich kann echt nicht nachvollziehen, warum dein Arzt so sehr auf diesen einen Wirkstoff beharrt. Immerhin gibt es eine Vielzahl an Medikamenten zur Behandlung von Schizophrenie und jeder Patient reagiert unterschiedlich auf die verschiedenen Wirkstoffe.

In den meisten Fällen braucht es mehrere Anläufe, bis man die individuell passende Medikation/Dosis gefunden hat, mit welcher man die Erkrankung mit keinen oder nur wenigen Nebenwirkungen kontrollieren und so die Lebensqualität steigern kann.

Dazu ist es aber notwendig, dass Patient und behandelnder Arzt an einem Strang ziehen. Falls du das Gefühl hast, dass dein aktueller Arzt nicht der richtige für dich ist, hast du immer die Möglichkeit eines Arztwechsels.

Rede aber vorher nochmal mit deinem behandelnden Arzt. Erzähle ihm, dass dich die Nebenwirkungen von Zyprexa so sehr belastet haben, dass du die Medikamente abgesetzt hast. Sprich ihn direkt darauf an, dass du es gerne mit einem anderen Medikament versuchen willst.

Weiterhin keine Medikamente zu nehmen ist auf jeden Fall keine Option. Das scheint dir aber ohnehin bewusst zu sein.

Falls du zu lange auf den nächsten freien Termin bei deinem Arzt warten müsstest, kannst du in der Zwischenzeit eine psychiatrische Ambulanz aufsuchen.

Kommentar von alvajaro ,

Hier noch eine Liste mit häufig verwendeten Wirkstoffen zur Behandlung von Schizophrenie:

Risperidon
Quetiapin
Olanzapin
Haloperidol
Sulpirid
Melperon
Clozapin
Amisulprid
Aripiprazol
Chlorprothixen
Fluspirilen
Tiaprid
Flupentixol
Levomepromazin

(hilft vielleicht auch deinem behandelnden Arzt, um nähere Informationen über die einzelnen Wirkstoffe einzuholen)

Kommentar von samson456 ,

Danke. Damit kann ich was anfangen

Antwort
von skogen, 29

Ich wünschte ich könnte dir helfen, aber ich lebe seit Jahren ohne Medikamente, da mich meine Eltern oft nach der Diagnose aus der Therapie nahmen.

Ich denke auch, dass wir uns nicht vergleichen können, da ich seit meiner Geburt schizophren bin und für mich deshalb alles teilweise normal ist. Außer die Psychosen können... Meine Mitmenschen in Leidenschaft ziehen.

Auf der einen Seite musst du lernen damit zu leben und, ich denke, einfach zu akzeptieren. Außerdem solltest du den Arzt wechseln oder ihn drohen, dass du wechselst, wenn er keine andere Medikation versucht.

Antwort
von viomio82, 63

Schizophrenie ohne medikamentöse Behandlung.....nur schwer möglich. Eine Medikamentenumstellung ist aber immer möglich. Dein Arzt ist ne Pfeife....wenn die Nebenwirkungen so extrem sind sollte er Dosierung oder Medikament ändern!

Kommentar von samson456 ,

Hallo, erstmal danke für deine Antwort! An der Dosierung wurde sehr oft herumgespielt. Die letzte hat zwar angeschlagen, aber auch nicht die Symptome neutralisiert und eine weitere Erhöhung traue ich meinem Körper bei den Nebenwirkungen auch nicht mehr zu.

Kommentar von Pinkmelone123 ,

Arzt am besten gleich wechseln. 

Kommentar von viomio82 ,

Und wenn Du Dich nochmal stationär komplett neu einstellen lässt??

Kommentar von samson456 ,

Ich habe meine Ausbildung gerade um ein Jahr verlängern müssen wegen des letzten Aufenthaltes. Eine weitere Einweisung ist bis zum Sommer 2017 nicht möglich für mich

Kommentar von viomio82 ,

Hmmm....dann nochmal mit Arzt reden ggf. wechseln. Aber ich weiss einen neuen Psychiater bekommt man nicht so schnell, meist lange Wartezeiten...wenn Dein Privat-Arbeitsleben so leidet aufgrund der Nebenwirkungen hat das echt keinen Sinn. was versteht der Arzt daran nicht?

Kommentar von samson456 ,

Das Problem ist ja nicht, dass mein Arzt geistig umnachtet ist, oder eine andere Sprache spricht. Er versteht mein Leiden nur weiß er leider keine andere Therapiemöglichkeit deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Er ist übrigens, sollte die Frage aufkommen, Psychiater UND Neurologe

Kommentar von viomio82 ,

Aber es gibt so viele verschiedene Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie, warum seid ihr bei Zyprexa geblieben?? Im übrigen....das Du die Medis nun selbst abgesetzt hast geht auch nicht aber das weisst sicher selbst. Teufelskreis...

Kommentar von samson456 ,

Das weiß ich natürlich, aber alle Olanzapinpräparate die ich bisher hatte scheinen dieselben Nebenwirkungen zu haben.

Kommentar von viomio82 ,

Nebenwirkungen haben die alle aber bei jedem halt anders stärker oder schwächer. Du brauchst anderen Wirkstoff, keine Ahnung Haldol, Melperon, Sulprid....gibt ja noch so einige. Dein Arzt soll was anderes verschreiben, so ist das doch kein gescheites Leben!! Na ja mehr kann ich Dir leider nicht sagen. Bin jetzt auch mit meinem Latein am Ende

Kommentar von samson456 ,

viomio82, Danke auf jeden Fall für deinen Einsatz! Melperon Neuraxpharm ist mir noch aus früheren Zeiten ein Begriff. 

Antwort
von ettchen, 52

Erster und wichtigster Punkt:

du musst unbedingt die Medikamente nehmen.

Ohne die Medikamente bricht die Krankheit wieder aus und der nächste psychotische Anfall samt Einweisung ins Krankenhaus wird unausweichlich. Und es wird mit jedem Mal länger dauern und schlimmer sein. Deshalb - um Himmels willen, nimm  die Medikamente wieder!

Wenn es dir schlecht geht, sind daran nicht "die Medikamente" schuld oder gar "die Psychiatrie", sondern das ist die Krankheit. Du musst dir immer wieder klar machen, dass Medikamente, Ärzte und Psychiatrie dir helfen und dein Leiden reduzieren. Alles Leiden, aller Ärger kommt nur von der Krankheit und die ist es, die du bekämpfen musst. Dazu musst du erst einmal zugeben und akzeptieren, dass du krank bist, dass du an Schizophrenie leidest und dass die Krankheit schei3e ist. Die Krankheit, nicht die Therapie!

Schizophrenie ist eine tückische Krankheit, ich halte sie für eine der fürchterlichsten Krankheiten, die es gibt. Sie ist aber in den Griff zu bekommen, wenn der oder die Betroffene sich nicht der Behandlung verweiegrt, sondern der Therapie, auch den Medikamenten, gegenüber positiv eingestellt ist.

Was sollst du nun tun?

Zuerst einmal: nimm die Medikamente. jetzt. Sofort, augenblicklich. Steh auf, hol die Tabletten und nimm die abendliche Dosis Zyprexa..

Und dann rufst du morgen früh gleich deine Psychiaterin oder deinen Psychiater an und erzählst dann, was los ist.

Kommentar von Pu11over ,

Vorsicht! Dosis könnte zu hoch sein. Patient wieder langsam an das Medikament heranführen.

Kommentar von ettchen ,

samson456: höre bitte nicht auf solche gefährlichen Einwendungen. Nimm deine Medikamente, bitte sofort!

Psychosen haben einen exponenzielle Verlauf. Die Steigerung der Probleme wird schneller und schneller. Morgen kann es schon zu spät sein und du bist wieder voll drauf und musst von Polizei und RTW in die Klinik gebracht werden, schlimmstenfalls.

Nimm die Medikamente!

Kommentar von samson456 ,

Ich weiß dass ich krank bin. Ich akzeptiere das und trage das Leid auch schon lange genug. Aber mir ist meine Arbeit sehr wichtig. Ich kann meine Ausbildung nicht durch die Medikamente gefährden. Ich weiß auch dass kein Arzt mein Fein ist oder mir schaden will. Aber das mit dem ständigen Sekundenschlaf, bei der Arbeit, bei Freunden, AM STEUER (!!!) - Das geht einfach nicht! Ich schlafe dann von 20 Uhr - 8 Uhr und bin trotzdem durchgehend müde. Das ist noch schlechter für meine Ausbildung als auf die Medikation zu verzichten und mit den Symptomen zu leben und abzuwarten bis mal drei Jahre lang nicht arbeiten muss und zeit für diese Therapieform habe

Kommentar von ettchen ,

Ich kann meine Ausbildung nicht durch die Medikamente gefährden

Du gefährdest nichts durch die Medikamente. Wenn du die Medikamente jedoch nicht nimmst, wird die Krankheit mit aller Gewalt ausbrechen (was wohl gerade im Gange ist) und dann ist deine Ausbildung mehr als nur gefährdet. Begreife bitte, es sind nicht die Medikamente, die dir Probleme machen, es ist die Krankheit!

Hast du keinen Betreuer?

Kommentar von samson456 ,

Wir beide drehen uns hier im Kreis und das tut mir sehr Leid. Ich weiß um die Gefahren meiner Krankheit Bescheid. Ich hab das immerhin schon seit 7 Jahren. Ich will die Medikamente nehmen, nur habe ich Angst, meinen Job zu verlieren, wenn ich bei der Arbeit dauernd einschlafe. Stell dir mal vor mein Chef kommt rein und sieht mich in so einem narkotischen Zustand am Schreibtisch sitzen, bei einem Job den ich nicht mache und für den ich dennoch bezahlt werde. Oder in der Berufsschule, da bekomme ich vom Stoff nichts mit, und kann auch zuhause nicht lernen, da ich sofort ins Bett falle sobald ich zuhause bin. ICH WILL EINE THERAPIE, Ich möchte doch nur wissen ob es eine Alternative zum Olanzapin gibt. Bitte hab nicht das Gefühl, ich würde nicht wissen wie Ernst es ist. Oder dass mir egal ist, was mein Arzt sagt.

Antwort
von voayager, 18

Außer den Standardmedikamenten, die von den Ärzten verschrieben werden gibt es keine Alternative, find dich damit ab.

Antwort
von Steffile, 39

Viele Schizophrene setzen das Medikament aus den gleichen Gruenden wie du ab, weil die Nebenwirkungen noch schlimmer als die Krankheit sind. 

Kognitive Therapie soll aehnlich wirksam sein wie die Medikamente gegen Schizophrenie, aber ohne die Nebenwirkungen, vielleicht waere das eine Richtung fuer dich?

Hier ist eine Studie zu dem Thema: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(13)62246-1/abstract

Kommentar von ettchen ,

Das ist nur eine (1) Studie und hat als solche keinerlei Aussagekraft. Um diese Methode wissenschaftlich beurteilen zu können, müssen Vergleichsstudien vorliegen, was meines Wissens jedoch nicht der Fall ist.

Grundsätzlich ist diese Studie kritisch zu beurteilen, da heute davon ausgegangen wird,dass Schizophrenie chemisch bzw neurochemisch definierbare Ursachen haben dürfte. Verhaltenstherapien können zwar in leichten Fällen Symptome lindern, nicht aber die Krankheit heilen. Zudem ist der Mimikry-Effekt gerade bei Patienten mit Störungen aus dem schizoiden Symptomfeld bei dieser Studie offenbar komplett unbeachtet geblieben.

Kommentar von samson456 ,

Auch wenn ettchen zweifelt, bin ich trotzdem dankbar für deine Antwort und werde mich bezüglich der Studie auf jeden Fall informieren und meinen Arzt danach fragen. Danke dir!

Kommentar von ettchen ,

Siehst du, so ist das dann. Anstatt die fundierte Therapie zu nutzen, wird eine windige Studie, die keinerlei Aussagekraft besitzt, benutzt, um eine Ausrede für die Therapeiablehnung zu konstruieren.

Ich bin mir nun fast sicher, dass samson456 in wenigen Tagen wieder in die Psychiatrie zwangseingewiesen werden muss. Obwohl jetzt, heute, noch die Chance bestünde, das abzuwenden - einfach durch Einnahme der Medikamente.

Traurig.

Kommentar von samson456 ,

ettchen, ich schätze deinen Enthusiasmus bezüglich meiner Krankheit wirklich und bin sehr dankbar, dass du mich mit deinem Rat unterstützt. Aber ich suche sicherlich nicht nach einer Ausrede um meine Therapie abzuwenden. Du scheinst ein falsches Bild von mir bekommen zu haben. Von Hundefreund zu Hundefreund: Ich sagte lediglich, dass ich meinen Neurologen darauf ansprechen und mich informieren werde. Die Essenz meiner Frage ist im Grunde einfach nur, ob es nicht eine Alternative zu Olanzapin gibt.

Kommentar von Pu11over ,

Ist es denn so schwierig auch nur die Spur einer Empathie für einen kranke Personen zu entwickeln? Bist du dir über die Tragweite deiner dürftigen Ratschläge bewusst? - Entweder bist du dir sicher oder du bist unsicher, dazwischen gibt es nichts. - Was Samson wirklich braucht, ist ein Mensch dem er vertauen kann. Das hat Evo richtig erkannt.

Kommentar von samson456 ,

Pu11over, Danke für deine Antworten. Aber ich würde ettchen nicht ihre Empathie abstreiten. In dem Fall wäre sie nicht so bemüht mir zu helfen. 

Antwort
von EvoRevolution, 42

das mag jetzt verrückt klingen , aber setze dich mit den stimmen auseinander..versuche diese nicht zu Unterdrücken , sondern zu verstehen...wenn deine Psyche dir solches aufdringt sind Medikamente sehr schädlich...es ist wie unser immunsystem : wenn du kopfschmerzen hast und dir sofort ne tablette reinhaust , gewöhnt sich dein immunsystem auf diese und du wirst alles andere als gesund , aber falls du es nur einnimst damit du lernst wie deinn körper darauf reagieren tut um diese schmerzen zu besiegen , dann wirst du stärker und stärker...

es gibt eine Therapie dafür , aber du brauchst eine Vertraute Person die dir dabei beisteht damit du kein Realitätverlust erleidest....denn jemehr du dich mit deiner / deinen psychen sowie vorstellungsvermögen auseinandersetzt , desto mehr kannst du einen starken Realitätsverlust erleiden...

es ist keine Krankheit die du hast , sondern ganz im gegenteil...du bist in der lage aus deinem ich hinauszugehen , und ein anderes ich zu sein...gut kontrolliert könntest du ein wahres multitalent sein !!! doch erforschen musst du dich selber , und herausfinden wieso du diese stimmen hörst , was sie exakt sagen , dir solches aufschreiben und dieses für dich Privat dokumentieren damit du immer schön der Realität treu bleibst..bei manche geht es monate , bei manchen Jahren...liegt alles an deiner selbstbeherrschung !!!

Viel Stärke und Ausdauer wünsche ich dir

Kommentar von ettchen ,

Gefährlicher "Rat", der dich nur noch schlimmer in die Krankheit führen würde. Bitte beachte diese Antwort nicht.

Kommentar von samson456 ,

Habe mich für die Antwort bedankt und nicht weiter in erwägung gezogen. Das klingt mir zu sehr nach Astro-Tv

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