Frage von Schaerbaer, 54

Alternative Betriebssysteme für Moto G 2nd Gen?

Hallo zusammen,

nachdem ich mich lange Jahre davor gedrückt habe, hat mir das Christkind jetzt ein Smartphone (Moto G 2nd Gen) unter den Weihnachtsbaum gelegt. Auf meinem PC verwende ich schon seit Urzeiten nur Linux (Debian) und da möchte ich jetzt eigentlich auch auf meinem Smartphone ein OS haben, das komplett quelloffen ist und in dem ich sozusagen selbst Herr im Hause bin, auch wenn ich dann evt. nicht X verschiedene ganz tolle Comfort Funktionen nutzen kann und nicht alles immer sofort aus der Tüte funktioniert. Anbindung an Google, Facebook, und ähnliches brauch ich alles nicht. Telefonieren, SMS, Surfen und irgend ein Kalender sind eigentlich alles was ich so nutze.

Ich hab natürlich schon mal ein bisschen im Netz rumgesucht und mir einen ersten Eindruck verschafft, was es so gibt, aber ich wäre ganz froh über ein paar Tipps aus der praktischen Anwendung. Vor allem wüsste ich gerne:

  • Welche OS (außer Cyanogenmod) könnte ich mal ausprobieren?
  • Wie erhalte ich mir für den Notfall das Original OS? Können Smartphones Dualboot oder Virtualisierung? Was ist da so common practice?
  • Was sind gute Ressourcen für Smartphone OS Basteleien?

Ich wäre Euch dankbar für ein paar Tipps, ich welche Richtung ich mich am besten schlau lesen sollte, damit ich nicht so ganz bei Adam und Eva anfangen brauch.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von AliasX, Community-Experte für Smartphone, 30

Gut, ich bin jetzt kein Profi, aber ich hab sowohl mit den Desktop-Linux als auch mit Android zu tun (nur zur Eigenbenutzung Just4Fun, ich bin kein Admin oder Entwickler). Also, komplett quelloffen dürfte am Smartphone ein Problem sein. Ich kenn mich da persönlich nicht so gut aus, aber anscheinend gibt es für Mobile SoCs in der Regel keine freien Treiber.

Zu den OS: Im Grunde basiert alles auf Android. Solltest du Ubuntu Phone testen wollen, bräuchtest du ein Google Nexus. Sonst gibt es da irgendwie nichts mehr. Custom Roms von der Community gibt es viele, nicht nur Cyanogenmod. Die Jungs von CM sind ressourcenmäßig aber viel besser ausgestattet als andere wie z.B. SlimRom, OmniRom, PAC, Paranoid Android usw. Die meisten nutzen diese Roms, weil sie a) mehr Funktionen als die Firmware des Herstellers enthalten, b) deren schwere Anpassungen an Android nicht enthalten und näher an Vanilla-Android liegen oder c), und das ist wohl meistens der Fall, der Hersteller keine Updates mehr liefert. Je nach Modell hat man eine breite Auswahl an verschiedensten Roms (Google Nexus, die Samsung Galaxy S Reihe, die LG G4s, und ein paar andere Verkaufsschlager, die mit Snapdragon-Chipsets geliefert werden, z.B. auch unser Moto G2). Oder man muss froh sein, eine Handvoll brauchbare zu haben (Samsungs Flaggschiffe mit Exynos-Chipset, etliche nicht so populäre Mittelklasse/Einsteigergeräte mit Snapdragons). Oder es gibt im Prinzip gar nichts (meist billige Geräte mit Mediatek-Prozessoren). Ausprobieren kannst du alles, was du willst, für das G2 gibt es genug. Nur sind sie halt nicht alle gleich stabil und performant. Du könntest sie auch selbst aus dem (zur Verfügung gestellten) Quellcode kompilieren oder den Kernel austauschen, wenn verfügbar, aber in der Regel ist die Lösung der Rom-Köche (bzw. deren .zip 's) eh die beste. Ach ja: Solltest du etwas von Google brauchen (hauptsächlich den Playstore) musst du das noch nachinstallieren. Die sind in den Community-Firmwares noch NICHT enthalten. 

Übliche Praxis sind Backups. Am populärsten und bequemsten sind mMn die Nandroid-Backups. Neue Firmware wird über die Custom Recoverys (Mini-BS zum Wipen/Updaten des Hauptsystems) TWRP oder CWM installiert. Die können aber im Gegensatz zu den Recoverys der Hersteller nicht nur flashen und zurücksetzen, sondern haben auch einen einfachen Dateimanager, können mounten (an den PC anschließen) und eben ein Backup des kompletten aktuellen Systems anlegen und auf die SD ablegen. Wiederherstellen natürlich ebenfalls. Hab bei einem Gerät 7 Backups verschiedener Systeme.  ;-)

Ressourcen? Da kann ich dir nicht weiterhelfen. Hängt wohl davon ab, ob du Apps für das System entwickeln willst, oder am System selbst herumbasteln. In ersterem Fall halte dich an Google, deren Websites und ihr SDK (soweit ich weiß, muss man Java beherrschen), in letzterem Fall wende dich vielleicht an Entwickler auf xda-Developers, Modaco oder Android-Hilfe.de. Auf letzterer Plattform bin ich da auf einen Romentwickler aus Deutschland gestoßen. Ich verlink dir mal sein Profil, aber ich kann natürlich nicht sagen, ob er dir helfen will oder kann, bzw. wenn in welcher Form. Du müsstest dort einen Account anlegen, aber das ist sowieso immer eine gute Idee.  :-) 

http://www.android-hilfe.de/members/mardon.181890/


Expertenantwort
von AliasX, Community-Experte für Smartphone, 19

Ach ja, solltest du das nicht eh schon wissen: Bei Android hat man im Gegensatz zu Debian standardmäßig keinen Root-Zugriff (da es im Gegensatz zu den meisten x86-Linuxen in 7/10 Fällen von absolut unerfahrenen Nutzern genutzt wird, und die nichts kaputt machen können sollen). Deshalb muss man sein aktuelles System für viele Vorgänge erst "rooten". Die Zugriffe kann man dann mit einem Tool wie SuperSu regeln, und sich entweder ein Terminal und/oder ein paar Root-Apps installieren. Erhöht natürlich ein wenig das Sicherheitsrisiko, aber das weißt du als Linuxer ja schon. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten