Frage von pruddle, 49

Altern durch Lifting und Schönheits-OP's herauszögern? Altenheim, ja oder nein?

Hi,

ich mache grade ein Projekt für die Schule, das sich mit Krankheiten im Alter, Leben mit alten Menschen und insgesamt dem älter werden beschäftigt. Ich habe mal was in Richtung von ''altern herauszögern'' gegooglet, da sind viele Artikel über gesunde Ernährung, Fitness und Instandhaltung des Geistes. Aber ich bin mir sicher, dass Leute ihren biologischen Alterungsprozess in Form von Schönheits-OP's herauszögern zu versuchen, doch ich finde keinen Artikel dazu. Kennt ihr da eine Quelle oder habt Erfahrungen damit?

Zweitens wollte ich allgemein befragen, was ihr von Altenheimen haltet. Hier, das hab ich unter anderem dazu geschrieben: Ein Altenheim ist ein Zuhause für Menschen, die nicht mehr alleine wohnen wollen oder nicht mehr alleine wohnen können. Doch das reine Wohnen tritt dort in den Hintergrund. Viele Menschen haben eine negative sicht auf Altenheime, da sie an „Abschiebung“ oder an „verwirrte alte Menschen“ denken.

Ich hoffe ihr kennt euch etwas mit dem Thema aus. Würdet ihr später gerne in ein Altenheim/ würdet ihr eure Eltern/Großeltern dorthin bringen? Ja, nein, warum?

Vielen Dank! :D

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 17
Nein, ich würde ungern ins Altenheim/meine Familie ungern dorthin bringen

Hallo!

Thema Lifting und Schönheits-OPs: Solche Eingriffe sind m.E. nix anderes als eine Art Selbstbetrug.. das Altern geht nämlich trotz etwaigem optischem Lifting an anderer Stelle (organisch, Altersgebrechen, Knochenstruktur) munter weiter, selbst wenn man es äußerlich nicht (mehr) sehen sollte. Außerdem kann man die Zeit einfach nicht aufhalten... wir können nicht Richter über Leben und Tod & auch nicht über die Zeit sein!

Thema Altersheime.. es gibt solche und solche. Meine Großeltern sind nicht im Altersheim gestorben, sondern beide im Krankenhaus.. Sie lebten beide bis zum Schluss in ihrer Wohnung. Meine Oma starb an einer Krankheit (Nierenversagen/Dialyse), mein Opa lebte da noch rund 10 Jahre. Er starb recht schnell und unerwartet, aber er wurde fast 90 & war noch ausreichend vital um sich selbst zu versorgen bzw. wir als Familie haben zum Schluss mitgeholfen in Dingen, die er sich nicht mehr zutraute.. ein Heim kam für ihn und für uns aber nie in Frage. Er fuhr Auto bis er 87/88 war, kaufte allein ein, ging allein aus dem Haus, kochte allein, nur beim Putzen und Waschen bekam er Hilfe. Ihm ging es für sein Alter richtig gut, die meisten seiner Freunde & seiner früheren Kollegen hat er um mindestens 10 Jahre überlebt. Er hatte weder Diabetes noch Krebs oder andere Krankheiten, benutzte keinen Rollator (nur zum Schluss einen Gehstock), er sah und hörte gut, war auch geistig voll auf der Höhe und stets an Neuem interessiert.

Ich bin in den letzten Jahren inzwischen ziemlich oft in Seniorenheimen gewesen.. und es gibt verschiedene Arten.

 Manche finde ich echt unangenehm, da schlägt einem als Besucher schon eine gewisse komische Stimmung entgegen.. da spürt man, dass die alten Leute eigentlich nur noch auf den Tod vorbereitet werden & sich keiner mehr ihnen annimmt, auch die Pflegekräfte total unmotiviert sind & das die Senioren mehr oder weniger deutlich spüren lassen. Das Umfeld macht einen abgeranzten, tlw. ungepflegten Eindruck, wirkt insgesamt unsauber und vernachlässigt. Trauriger Höhepunkt war für mich letztes Jahr eine alte Frau mit vollkommen verklebten Augen (ich kenne die Hintergrundgeschichte dazu), die man sich absolut selbst überließ, der eine schnippische Pflegerin einen Brei hinklatschte & dann die 87-Jährige (geistig fit, erkennt alle Menschen noch die sie kannte ---------> aber seit einem Schlaganfall halbseitig gelähmt) hilflos drin rumstochern ließ bis sich der Inhalt komplett über das Hemd der Frau ergoss.. keiner reagierte, am Ende habe ich es als Besucher der Frau (war früher meine Nachbarin) abgeputzt. 

Eine Bekannte meiner Großeltern, die vor Jahren dort auf Kurzzeitpflege war und geistig vollkommen rege war, erzählte uns schon vor rd. 10 Jahren solche Geschichten speziell über dieses Heim. Ich glaube auch daher nicht, dass das alles so abwegige Einmal-Momentaufnahmen sind, die absolute Ausnahmen sind. 

Bei aller Liebe: Ja, der Job ist stressig.. ich weiß das & verstehe es ----------> eine meiner ehemaligen Mitschülerinnen ist seit ca. 5 Jahren mit Leib und Seele Altenpflegerin & erzählt als von ihrer Stelle. Aber sie sagt auch (das sehe ich genauso): Viele landen in dem Berufsfeld nicht weil sie es echt wollen (was eig. das Optimum ist, solche Berufe lernt man nicht "weil es halt so kommt"), sondern weil sie es müssen ---------> gerade soziale Berufe wie auch Kinderpflegerin sind oft Auffangbecken für solche Bewerber/innen, die sonst nicht viel können & darin liegt m.E. ein immer größer werdendes Problem. 

Besonders bedenklich ist es wenn dann Prüfungszeugnisse mit Supernoten zur Schau gestellt werden.. da fragt man sich, wie sowas zustande kommt. Zumal solche Negativeindrücke in zwei Heimen, die ich regelmäßig besuche, absolut keine EInmalerlebnisse sind & auch andere Besucher das so sehen. Beide Heime gehören kirchlichen Sozialverbänden. In einem Heim des einen Verbands, in dem geistig Behinderte untergebracht sind, geht es lt. einem Bekannten von mir (ehrenamtlicher gerichtlicher Betreuer für Pflegefälle) genauso schlimm zu. Was er mir neulich erzählt hat betr. einer Weihnachtsfeier wo ein Geistlicher die Behinderten mit den fröhlich grinsend dargebrachten Worten, man sähe sich "in bester Gesundheit nächstes Jahr wieder" (u.v.m.), hat mir die Kinnlade runterfallen lassen. Der Pastor ist da der einzige, der gesund ist.. wenn überhaupt.

Echt jetzt: Diese Menschen dort tun mir einfach nur leid. In so ein Heim würde ich echt NIEMANDEN geben. 

Es gibt aber auch Heime, wo das alles besser geregelt ist.. das sind mMn eher privat oder kommunal geführte Heime. In einem wohnt mein inzwischen 91-jähriger Großonkel, der sich da allgemein lt. eigener Aussage sehr wohlfühlt & in dessen Heimstätte auch alles einen sauberen, gepflegten, modernen und hochwertigen Eindruck macht, die Pflegekräfte deutlich motivierter wirken, es eine Art Betreuungsprogramm gibt & man sich ernsthaft um die alten Menschen bemüht. 

Mein Großonkel ist da freiwillig eingezogen, weil ihm sein Haus zu groß wurde & ihn nach dem Tod meiner Großtante dort nichts mehr hielt. Er hat sein Auto mitgenommen & seinen Fernseher, ist geistig und körperlich für seine 91 Jahre sehr fit und kommt mit seiner Situation in dem Heim super klar, findet es "entspannend" sich nicht mehr um Haus & Hof kümmern zu müssen.. das ist okay. Aber ich sage mal: Auch in diesem Falle ---------> nicht solange es nicht sein müsste!

Wäre mein Opa evtl. zum Pflegefall geworden, hätte ich ihn selber gepflegt solange wie es nötig gewesen wäre. Allein schon aus Dankbarkeit. Ich weiß, was für eine Aufgabe das hätte werden können -------> wenn's sein hätte müssen dann mit Fremdhilfe (Sozialstation), aber in ein (wenn auch gutes) Altersheim geben?! Never forever...

Daher stimme ich mit NEIN ab.

Expertenantwort
von Pangaea, Community-Experte für Gesundheit, 22

Es gibt auch "Altenheime", wo jeder seine eigene kleine Wohnung und ein gewisses Maß an Selbständigkeit hat, wo man aber so viel Hilfe bekommt, wie man braucht. Vielleicht nur eine Putzhilfe, vielleicht auch einen gemeinsamen Mittagstisch im Speisesaal, damit man nicht mehr selbst einkaufen und kochen muss, aber vielleicht auch Hilfe bei der Körperpflege.

Meine Großmutter war in einer solchen Einrichtung, und ich habe dort jede Menge vergnügte alte Leute gesehen.

Antwort
von luciuslenius121, 18

Zum ersten Punkt: sicher lassen viele Leute im Alter eine Schönheits-Op machen, jedoch bin ich davon gar kein Fan. Ich würde das auch nicht erwähnen an deiner Stelle, weil Du es damit zur Normalität machst...Du zählst es auf, als einen der Punkte, mit denen man sich "jung halten" kann. Klar ist es nicht schön mitanzusehen, wie die Haut zunehmend schlaffer wird und man einfach nicht mehr so frisch wie früher aussieht. Aber JEDER ist ma jung und wird irgendwann mal alt- das ist ganz normal. Und man kann über die Falten hinaus eine Art von Schönheit ausstrahlen, wie es nicht einmal Jemand kann, der sich unterspritzen hat lassen. Mit sich zufrieden sein und sich so anzunehmen, wie man ist, DAS macht schön. Ich respektiere, wenn jemand etwas machen lässt, aber würde es auch nicht propagieren.

Zum zweiten Punkt: Man sagt immer so schön, die Familie soll sich um den alten Menschen kümmern...bis zu einem gewissen Grad ist das super und ehrenswert. Aber ich finde man sollte als Angehöriger nicht über seine Grenzen hinausgehen und sich für die Pflege völlig aufopfern. Denn das kann sowohl psychisch als auch physisch belasten, je nachdem wie schwer Derjenige beeinträchtigt ist. Für mich ist das auch kein Zeichen, dass man Diejenige Person nicht liebt und schätzt, aber wie gesagt, alles innerhalb der eigenen Möglichkeiten. Und wenn der Mensch alleine lebt und in nächster Nähe kein Angehöriger ist, ist es ja sowieso klar. Also: Ich finde es wirklich anerkennenswerrt, wenn man einen alten menschen pflegt, jedoch auch in Ordnung, wenn man ihn, wenn anders nicht mehr möglich, in ein Heim gibt. Natürlich sollte man sich dann trotzdem noch kümmern und regelmäßig besuchen.

Kommentar von pruddle ,

Vielen Dank für die Antwort!
Allerdings muss ich eine sachliche Dokumentation schreiben und Lifting/OP's/Cremes sind nunmal Methoden, zu denen viele Menschen griefen, daher sollte ich es erwähnen. Aber ich werde in meiner Stellungnahme natürlich deine Aussage betonen, da du damit absolut Recht hast. Vielen Dank für's Statement.
Zum zweiteren: Ich stimme dir zu, das ist von der Lebenslage/finaziellen Lage der Angehörigen Abhängig. Manche haben einfach nicht die Möglichkeit sich um ihre Verwandten zu kümmern, das sehe ich ja selbst an meiner Familie. Da muss man also eindeutig mit jedem Fall unterschiedlich umgehen.
Danke nochmal! :)

Kommentar von luciuslenius121 ,

Bitte gerne ;) Ja, das verstehe ich, wenn es sachlich sein soll. Ist ja toll, dass Du auch der Meinung bist :) Cremes find ich persönlich gar nicht schlimm, nur Ops zähle ich dazu. Aber klar, erwähne alles. Ja, bin auch deiner Meinung, manche haben die Mittel nicht, aber wenn man sie hat und man kann sich einfach nicht mehr in dem Maße kümmern, wie es der Verwandte braucht, ist es voll ok. Bitte! ;)

Antwort
von putzfee1, 11

Schönheits-OPs zögern den biologischen Alterungsprozess nicht heraus, sondern lassen einen im Idealfall höchstens jünger aussehen. Dabei heraus kommen dann unter Umständen Menschen, die wie 50 aussehen, aber die körperlichen Beschwerden eines 70- oder 80jährigen Menschen haben: Demenz, Osteoporose, körperlicher Verfall etc. Zudem bergen Schönheits-OPs genau wie jede andere OP viele Risiken. Ich finde, so etwas sollte man nicht rein für´s Aussehen in Kauf nehmen.

Hilfreicher, um den Alterungsprozess etwas hinauszuzögern, ist eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung, viel Bewegung und sozialen Kontakten.

Die Frage mit dem Altenheim hat Pangaea sehr schön beantwortet, dem kann ich nichts weiter hinzufügen.

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