Frage von Fabiian, 82

ALs zweiter in Notwehr handeln?

Ok also wie oben schon sehr detailliert gefragt, habe ich mal einen Gedankengang, wo ich keine Lösun finde.

Und zwar wurde mal an einem Samstag meine Freundin von einer besoffenen, die schon die Straße ausgemessen hat, zweimal ins Gesicht geschlagen ohne Grund (natürlich hat sie jetzt diverse Anzeigen am Hals die blöde *** ) und sie wurden auch gefasst weil se sich 50m vom tatort verstecken wollten. Jetzt sagte mir der eine Polizist, das, wenn ich zugeschlagen hätte (das es eine Frau war, ist jetzt mal dahin gestellt..könnte auch männlich sein) wäre das keine Notwehr gewesen und es wäre Körperverletzung gewesen, weil nur derjenige, der attackiert wird, auch zurückschlagen darf und nur das als Notwehr gilt.

Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, was soll ich machen (also was ich machen würde ist klar..ist eine theoretische Frage) wenn meine Freundin zu Boden gegangen wäre und evtl sogar bewusstlos und die Täterin schlägt immer weiter auf sie ein --->dann darf ich ja laut Polizei nicht einschreiten, da sich ja nur das "Opfer" wehren dürfte.. Also.. Schlage ich zu um meine Freundin zu retten bzw zu verteidigen, ist es schwere Körperverletzung..schlage ich nicht zu und schaue nur zu, ist es unterlassene Hilfeleistung und das ist ja auch strafbar. Also egal was ich tue und wie ich mich entscheide, ich wäre der angeschmierte????? Oder ist das in solch einem Fall wieder anders?

Kurz Nebenbei falls die Frage aufkommt wegen der Täterin und ihr Kumpel..sie wurden, wie oben schon erwähnt, noch am selben Abend gefasst, haben beide eine Anzeige wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung (habe sie abhalten wollen weiter zuzuschlagen--ihr Mitstreiter dachte er müsse sie verteidigen und beide schupsten mich gegen mein Auto)

Aber alles halb so wild..der Typ hatte nen Oberarm wie mein kleiner Finger aber Schaden ist Schaden)

Wäre nett, wenn jmd Ahnung von dem ganzen Rechts-Kram hat und mich aufklären kann zu meiner eigentlichen Frage (dick makiert)

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Fabiian,

Schau mal bitte hier:
Recht Notwehr

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 15

Wenn du jemand anders verteidigst, so wie in deinem Sachverhalt dargestellt, handelst du in Notwehr. 

Du solltest allerdings berücksichtigen, dass bei derart Betrunkenen das Notwehrrecht nicht in aller Härte angewandt werden darf (was aber nicht heisst, dass keine Verteidigung erlaubt ist). 

Würdest du übrigens daneben stehen und zugucken, wenn jemand anders verprügelt wird, ist das keine Unterlassene Hilfeleistung i.S. des Gesetzes. 

Antwort
von Rollerfreake, 48

Doch das wäre selbstverständlich auch Notwehr gewesen. Im Strafgesetzbuch steht "Notwehr ist die Verteidigung die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden". Wenn also jemand anderes Angegriffen wird, ist das auch Notwehr wenn du der Person hilfst. Außer Notwehr gibt es auch noch den rechtfertigenden Notstand und den entschuldigenden Notstand. 

Antwort
von Fabiian, 18

Ok danke für die zahlreichen und sehr aufschlussreichen Antworten aber zum Verständnis..ich wollte die Frau, die gleichzeitig die Täterin war, nicht schlagen ohen Grund sondern das war nur eine theoretische Frage, da, wenn ich so ein Typ wäre (was es leider zu oft gibt), der Frauen schlägt, einfach zugelangt hätte wenn die meine Freundin attackiert hätte.

Die Frau war zwar betrunken, wusste aber genau was sie tat..beleidigte meine Freundin als "adipös + weibliches Geschlecht (vulgär), riss meine Beifahrertür auf, schlug das erste mal zu, meine Freundin stieg aus und wollte sagen "das es nun gut sei, da meine Freundin keine Schlägerin ist bzw auch gar nicht so schnell reagieren konnte und als sie ausstieg, schlug die Täterin das zweite mal zu..in dem Moment rannte ich ums Auto und schob sie mit meinem linken Arm weg und in diesem Moment kam ihr Freund (das halbe Hemde) und den hielt ich mitn rechten Arm weg aber durch seinen Schwung und seine Kameradin wurde ich an mein Auto geschupst.

Der Typ stellte sich vor mich mit Fäusten und ich habe GEWARTET bis er ausholt, damit ich dann aus "NOTWEHR" handeln hätte können aber er hat nicht und somit ich auch nicht und zu guter letzt stellte sich die Frau (somal man die nicht mal mehr als Frau betiteln kann, da sich so keine Frau verhält) vor mich und fragte mich, ob ich ihr jetzt eine reinhauen will..ich antwortete nur ganz trocken "nein.!"

Und da es mir so vorkommt, das einige denken, es sei nur eine hypothetische Handlung will ich sagen, das diese Handlung wirklich so passierte.

Mir war es halt nur unklar..und ganz klar hätte ich meine Freundin verteidigt, wenn sie am Boden gelegen HÄTTE..ob nun notwehr hin oder her.Es geht um meine Freundin und das würde auch jeder Richter verstehen.

Klar ist auch, das man angemessen sich oder andere Verteidigen muss..so reicht es bei einer Frau aus, sie fest zuhalten oder weg zu ziehen aber bei nem 2m Typen (war nicht der Fall) hätte ich zugelangt damit er zu boden geht mit der Begründung, das wenn mein Schlag net sitzt er mich zu Boden hauen würde und ich somit meine Freundin nicht mehr beschützen könnte (2m groß und Arme wie ein Stier vorausgesetzt)

mfg

Fabian

Antwort
von tryanswer, 31

Ob es Notwehr ist bzw. war kann am Ende nur ein Richter entscheiden. Nun ist Notwehr dazu da, einen rechtswidrigen Angriff abwehren zu dürfen. D.h. wenn du oder deine Freundin angegriffen werden darfst du dich dagegen zur Wehr setzen - praktisch also die Frau zurückstoßen oder bspw. von deiner Freundin, die am Boden liegt wegziehen.

Der Polizist hat aber nun in sofern Recht, als daß´dir ein Schlagen der Frau ebenfalls als Angriff deinerseits ausgelegt werden kann. (Begründung: Ein Schlag dient nicht der Abwehr sondern stellt immer einen Angriffsakt dar.)

Wie das Ganze im Nachhinein dann bewertet wird, kann dir keiner sagen. Da u.U. auch das Überschreiten einer Abwehrhandlung durch die Notwehrparagraphen gedeckt ist.

Zusammenfassend ist es in jedem Fall richtig - im Rahmen der eigenen Möglichkeiten - Hilfe zu leisten, nur sollte man dabei möglichst besonnen und ohne unnötige Gewalt vorgehen 

Antwort
von Ranzino, 39

Du bist berechtigt, den Angriff abzuwehren bzw. den Angreifer abzudrängen. Da hat die Polizei selber nix zu melden, das entscheidet letztendlich ein Gericht.

Was du nicht darfst: die Angreiferin vermöbeln. Also bittefein nicht mehr Zwang als zur unmittelbaren Abwehr nötig anwenden. 


Antwort
von MightyM01, 36

du solltest auch beachten das deine Aktion immer auch verhältnismäßig sein muss. Du musst keinen Verprügeln der sich selbst kaum noch auf den Beinen halten kann, wenn du ihn einfach auch nur wegstoßen hättest können. das wird dann auch ein Richter eher nicht als angemessen durchgehen lassen.

Kommentar von kayo1548 ,

"du solltest auch beachten das deine Aktion immer auch verhältnismäßig sein muss. "

Nein, Notwehr muss nicht verhältnismäßig sondern erforderlich sein

Kommentar von MightyM01 ,

Unsinn. Notwehr und Nothilfe selbst haben zwar keine Beschränkung der Mittel, kann also auch bis zur tödlichen Gewalt gehen. man muss aber trotzdem das relativ mildeste geeignete Mittel wählen. 

Kommentar von kayo1548 ,

richtig, das Mittel muss das objektiv erfolgreichste Mittel darstellen.

Das ist aber keine Verhältnismäßigkeit, die eine Güterabwägung impliziert.

Eine solche Güterabwägung muss bei der Notwehr nicht erfolgen.

Antwort
von schwarzwaldkarl, 42

Nun, meiner persönlichen sowie bescheidenen Meinung nach, könntest Du die betrunkene Frau einfach festhalten, damit sie nicht mehr zu schlägt... Das funktioniert dann garantiert auch ohne Schlagen... 

Kommentar von CREMEFRESH1 ,

Und wenn die betrunkene Frau dann ihn angreift, darf er dann auch zurückschlagen... rein theoretisch?

Kommentar von frischling15 ,

Das wäre doch eindeutig Notwehr , da  e r  angegriffen wird .

Kommentar von Ranzino ,

ja, dann ist er das Opfer dieses Angriffes.

Kommentar von Thai378 ,

Wenn die Frau ihn dann auch angreift, darf er sich verteidigen.
Die Aussage des Polizisten ist sehr unglaubwürdig. Denn würde ich bei der Dienstaufsicht melden.

Kommentar von schwarzwaldkarl ,

zum besseren Verständnis, der Fragesteller hat hier nicht von Verteidigung gesprochen, sondern wollte die Frau schlagen und gerade das ist halt dann keine Notwehr mehr... 

Kommentar von frischling15 ,

Da hätte er wenig Erfolg ! Davon , dass auch er angegriffen wurde ,

ersehe ich aus dem Bericht nicht !

Kommentar von CREMEFRESH1 ,

Ist ja nur theoretisch gesehen: Er hält sie fest, sie schlägt ihn, er darf zurückschlagen

Antwort
von BalTab, 13

DAS hat die Polizei NICHT gesagt.

Notwehr

StGB § 32, Notwehr

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen
gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen
abzuwenden.

Wenn die angegriffene Person nicht in der Lage ist, sich selbst angemessen zu wehren, darfst du sehr wohl eingreifen.

habe sie abhalten wollen weiter zuzuschlagen-

DAS war in dem Fall "angemessen".

Und genau das ist der problematische Punkt bei dem Gesetz: Was ist Angemessenheit, was ist ein "gegenwärtiger Angriff"?

Bei deinem hypothetischen Fall hättest du aber selbstverständlich eingreifen dürfen, auch wen der Angreifer stärker gewesen wäre oder wenn es mehrere Personen gewesen wären.

Auch dieser eine Person, auch wenn es eine Frau war, den Arm festhalten, wäre "angemessen" gewesen.

du darfst sie nur halt nicht zu Boden schlagen.

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