Frage von DerKaterkatz, 76

Als Student mit 80h Stelle noch Freiberuflich arbeiten?

Hallo Leute,

Ich bin hauptberuflich Student und hab noch ne 80h Stelle bei der Uni. Damit bestreite ich meinen Lebensunterhalt, zahl auch selbst die Kassenbeiträge und die normalen Abgaben beim Lohn.

Nun würde ich gerne freiberuflich als Fotograf nebenher schaffen. Es geht weniger um Auftragsarbeiten, als darum, dass ich sowieso in meiner Freizeit fotografiere und einige Leute die Bilder gerne kaufen würden. Zeitungen haben auch bereits angefragt, ob ich nicht ab und zu für sie irgendwas mit der Kamera begleiten könnte.

Soweit so gut. Steuerrechtlich steh ich aber TOTAL auf dem Schlauch.

Kann ich noch als Freiberufler arbeiten, wenn ich als Student schon 80h arbeite? Wie zahle ich als Freiberufler Steuern? Zählt das dann als Zweitjob und rutsche ich in Steuerklasse 6? Worauf muss ich achten?

Böhmische Dörfer für mich :(

Vielen Dank für eure Hilfe!

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 33

DEr Gewinn aus der freiberuflichen Tätigkeit kommt zu Deinem übrigen Einkommen dazu. Also immer dran denken, Deine Kosten gehen runter. 1/2 Deine Telefonkosten, Internet, Abschreibungen auf Deine Ausrüstung, PC wenn die Fotos nachbearbeitet werden.

Umsatzsteuer kommt nur dazu, wenn Du für die Regelbesteuerung optierst, denn mit Deinen 2.-5.000,- Euro bist Du Kleinunternehmer. Also wird keine Umsatzsteuer erhoben, aber eben auch kein Vorsteuerabzug.

Wenn Du aber überwiegend für Unternehmer arbeitest kann die Option für dich günstiger sein.

Antwort
von kevin1905, 21

Steuerrechtlich steh ich aber TOTAL auf dem Schlauch.

Steuerberater!

Kann ich noch als Freiberufler arbeiten, wenn ich als Student schon 80h arbeite?

Dem Finanzamt ist das relativ egal, so lange du deine Einkünfte aus selbständiger und nichtselbständiger Arbeit fristwahrend erklärst. Ggf. ist auch Umsatzsteuer ein Thema, aber du wohl keine Aufträge machst (was auch gerwerblich wäre), sollte Kleinunternehmerschaft genügen.

Wie zahle ich als Freiberufler Steuern?

Du erklärst deine Einkünfte und das Finanzamt erlässt einen Steuerbescheid. Waren die Lohnsteuerabzüge aus der Anstellung zu gering, musst du nachzahlen und ggf. wird dann eine Vorauszahlung nach § 37 EStG festgesetzt.

Zählt das dann als Zweitjob und rutsche ich in Steuerklasse 6?

Es ist kein Arbeitsverhältnis, du erhälst keinen Lohn, hast also auch keine Lohnsteuerklasse.

Worauf muss ich achten?

Auf die KVdS.

Wer als Student außerhalb der vorlesungsfreien Zeit mehr als 20 Stunden die Woche arbeitet, ist kein Student, sondern Arbeitnehmer, sofern die Anstellung zeitlich und finanziell den Mittelpunkt des Erwerbslebens bildet.

Kommentar von DerKaterkatz ,

Aber wie wird denn die Arbeitszeit bei einem Freiberufler geregelt? Angenommen, ich habe einen Katalog, aus dem jemand Bilder einkauft - wo ist dann die Arbeitszeitgrundlage? Angenommen, ich schreibe ein Buch und veröffentliche es, dann doch auch niemand sagen, wie "lange" ich daran gearbeitet hab. Bei der 20h Regelung gibt es ja viele Ausnahmen. Wochenendarbeit z.B. oder Nachtarbeit, bzw. eben die Semesterferien. An einem Bild kann doch niemand sagen, wann ich es konkret "erarbeitet" habe. Findet diese Arbeitszeitregelung überhaupt bei einem Freiberufler statt? 

Kommentar von kevin1905 ,

Das ist dann Sorge der Krankenkasse ;-)

Kommentar von DerKaterkatz ,

Ist ein höherer Krankenkassenbeitrag alles, was passieren könnte? Also ich dachte bisher, man wird dann von der Uni exmatrikuliert. Darauf habe ich nämlich keine Lust, wie man sich denken kann und nicht primär deshalb, um im Kino 50 Cent Eintritt zu sparen oder bei der Krankenversicherung 50 Prozent...

Kommentar von kevin1905 ,

Ist in der Tat das schlimmste was passieren könnte.

Schlechtensfalls musst du eben dein Einkommen nachweisen und man stuft dich als hauptberuflich selbständig ein (fraglich, aufgrund der Anstellung).

Antwort
von Chrismatic, 26

Beachte, dass man während der Vorlesungszeit um seinen Studentenstatus nur 20 h die Woche arbeiten darf, es gibt ein paar Ausnahmen was zb. Wochenenden betrifft. Die Krankenkasse wird, wenn sie weiß dass du mehr arbeitest dann wohl volle Beiträge haben wollen, auch die versicherungsrechtlichen Erleichterungen, die man als Werkstudent hat würden entfallen, der Uni hingegen sollte das völlig egal sein, ob du ordentlich studierst. Überleg lieber ob das nicht ein hobby bleiben sollte, bei all den Komplikationen!

Kommentar von DerKaterkatz ,

Naja, das Geld kann ich halt gebrauchen. Ich weiß nicht, ob man als Freiberufler wirklich Arbeitsstunden angibt, immerhin kaufen die Leute ja nur ein fertiges Bild. Es geht hier wohlgemerkt nicht um (steuerrechtlich) Aufträge, die innerhalb einer bestimmten Zeit erfolgen (z.B. dann auch über Tagessätze abgerechnet werden). Ich weiß, dass die Sache anders wäre, wenn ich einen Arbeitsvertrag in einer Zweitstelle haben würde. Da steht dann ja schwarz auf weiß, wie viel ich arbeite und was ich bekomme. Bei einem verkauften Bild steht da nur ein Preis. Aufnahmezeit 1/2000 sek, wenn man pingelig ist. Auch wann die Bilder aufgenommen wurden, erschließt sich ja nicht automatisch.  

Kommentar von Chrismatic ,

Ich bin kein Experte, ich fürchte halt, dass es sein könnte, wenn das finanzamt bemerkt, dass du einen nebenjob mit 20 h die woche versteuerst und eine freiberufliche Tätigkeit, dass dann Komplikationen auf dich zukommen, kann auch sein, dass es denen völlig egal ist, solange die Steuer bezahlt wird. Der Krankenkasse müsstest du genaugenommen deine neue Tätigkeit anzeigen, die würden dann vermutlich Beiträge in einer Höhe fordern, die vermutlich die Einnahmen fast aufzehrt, vermute dass du momentan studentisch oder familienversichert bist. Der Krankenkasse müsstest du halt glaubhaft machen, dass du die Arbeitszeitgrenze nicht regelmäßig überschreitest.

Antwort
von zonkie, 40

Am Jahresende wird ein strich unter die Sache gemacht. Da werden dann alle Einkunftsarten addiert, die möglichen Kosten blabla abgezogen und dann berechnet wie viel Steuer anfällt. War der Abzug zu gering zahlst du nach und andersrum.

Fraglich ist wie viel dabei rumkommt. Wie viel verdienst du denn mit deinem bisherigen Job ? Und was meinst du kommt beim Fotogrfieren so an? Wenn das nur 1.000€ im Jahr sind kannst du dir da vermutlich leicht ein Verlust hinrechnen, da wird sich das FA eher dagegen wehren das anzuerkennen als es dir andrehen wollen :D

Mit den Steuerklassen hat das nicht wirklich etwas zu tun. Die reglen nur das dein Lohnsteuerabzug auch passt. Da du als Fotograf etwas derartiges nicht hast passiert dir da nichts. Solltest du erhebliches Gewinne mit dem Fotografieren machen könnte man natürlich vorauszahlungen leisten die quartalsmäßig anfallen würden.

Kommentar von DerKaterkatz ,

Im meinem normalen Job bleiben mir 930 Euro nach allen Abzügen, allerdings muss ich den Studentenbeitrag der Krankenkassen von 83 selbst zahlen. Also eigentlich nur 857 Euro. 

Einkünfte vom Fotografieren sind natürlich sporadischer Natur. Glaube dieses Jahr könnten aber sogar 2-5 tausend Euro drinnen sein (netto). Der eine oder andere Arbeitgeber verlangt eben ne Rechnung und dazu brauche ich natürlich eine Steuernummer, auch wenn es vil mal nur um 20 Euro geht. Muss dann ja auch die Mwst. ausweisen. Davon abgesehen möchte ich natürlich auch einfach auf der sicheren Seite sein. Durch den Studijob hab ich regelmäßige Einkünfte, die mich über Wasser halten und es zählt auch in die Rente und ich bin als Studi versichert. Das Fotografieren ist eben alles darüber hinaus und ich freue mich über jeden Euro, der so reinkommt. 

Bin mir nur etwas unsicher wegen der Uni, soweit ich weiß, darf man nicht mehr als 50% arbeiten, da man dann exmatrikuliert wird. Da ich aber als Fotograf keine festen Arbeitszeiten habe und nur Einzelbilder verkaufe, die ich in meiner Freizeit sowieso aufnehme (mal von eventuellen Pressesachen abgesehen), sollte das eigentlich kein Problem sein, oder? Meines Wissens kann man ja in den Semesterferien auch mal Vollzeit arbeiten, weiß nur nicht, ob da dann der Monatsschnitt aufs Jahr gesehen zählt. Hab ja theoretisch schon ne 80h Stelle jeden Monat.  

Kommentar von zonkie ,

Wie das mit dem Studium läuft kann ich dir absolut nicht beantworten da müsste ich raten und dafür ist es doch zu wichtig für dich :)

Umsatzsteuer ist wieder ein thema für sich. Da kann man auch USt-Frei optieren, was vorteilehaben kann .. aber solltest du primär für Firmen tätig sein macht es Sinn zur Ust zu gehen da du dann auch Vorsteuerabzug geltend machen kannst (Besonders bei Neukauf von Ausrüstung bei den Preisen nicht zu verachten)

KLingt so als hast du schon ein paar Steuerabzüge auf dein regulären Job damit wäre kein Puffer mehr zum Freibetrag und du müsstest auf deine Gewinne als Fotograf schnell Steuern zahlen.

Wenn es tatächlich 2-5.000 Gewinn sind (Reisekosten, Abschreibung für Ausrüstung, kleinteile, pauschale Telkosten, Büro, .. blablabla als Aufwand berücksichtigt ?) fürht das dann sicherlich zu einer erhöhten Steuer... Ob es gleich zu einer Nachzahlung führt hängt natürlich von deinen sonstigen Verhältnissen ab die kann man pauschal nicht beurteilen.

Ob du dich als Fotograf tatsächlich ein Gewerbe anmelden musst bin ich nicht wirklich sicher. Man könnte hier auch mit dem künstlerischen Aspekt argumentieren und dann ggf rausrutschen.(Hatte noch nie ein solches Problem ^^) In Summe macht man kein Fehler dich im Detail beraten zu lassen, das Problem ist das ist nicht günstig grade für Studenten ist das mies.

Kommentar von DerKaterkatz ,

Ne, die 2-5 tausend waren reine Einnahmen (z.Z. plane ich auch eigentlich keine Anschaffungen, aber wenn das Geld schon da ist, kann man es natürlich ausgeben. Rücklagen wären aber natürlich auch nicht schlecht.

Kommentar von zonkie ,

Ok wenn deine Cam / Objektive / Blitze schon da sind ist der Vorsteuerabzug nicht mehr SO dramatisch kann sich aber immernoch Rechnen. Man braucht ja immerwieder Kleinkram da sind 19% in Summe doch spürbar. Und den (meisten) der Unternehmen ist es egal ob sie Vorsteuer zahlen ist kein Aufwand für sie. Dein Kundenkreis kennst du natürlich am besten das müsstest du überlegen ob sich das Rechnet.

Von den 2-5.000 kommt dann ja noch einiges weg. Am Ende kann das fürs erste ne 0 Nummer werden.

(Wenn ich mal so grob Überschlage: Abchreibung für Ausrüstung kann schnell ein paar Hundert€ pro Jahr sein je nachdem was du an Ausrüstung  besitzt, Fahrtkosten sicher auch mehrere Hundert in Summe?; Telefon/Inernet ein paar hundert, Kleinkram wie Filter, Druckpapier, Lightroom/PS Lizenz 100... schon haben wir 1-2.000€ ohne wirklich drüber nachzudenken :D )

Dann brauchst du in Einkommensteuerlicher Hinsicht wenig Bedenken zu haben :D Sagen wir zumindest mal es wird nicht sehr viel Anfallen. Behalte einfach mal ein paar Hundert € ein wenn du wirklich gut Gewinn machst damit es dich nicht kalt erwischt.

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