Frage von uralshina, 110

Als LKW-Fahrer 'Ausserordentliche Kündigung' bekommen ... Rechtmässig?

Hallo ... Ich bin angestellter LKW-Fahrer und seit 20 Jahren im Betrieb ... Ich fuhr morgens früh mit meinem 7,5-Tonner los ... Auf dem Aufbau meines Fahrzeuges waren in der Nacht verfassungs- und ausländerfeindliche Parolen mit grosser Sprühdosenschrift sehr gut sichtbar aufgebracht worden ... Mir wurde unmittelbar gekündigt, da der Arbeitgeber behauptet, ich hätte gar nicht mit den angebrachten Schmierereien auf öffentlicher Strasse fahren dürfen ... Bitte keine 'Hätte-Hätte-Fahrradkette-Plattitüden ... Meine Frage ... Ist die Kündigung rechtens ? Und wenn nicht, warum ?!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Scharek, 36

Grundsätzliches: 

Termin ist immer dann, wenn man da ist. In einer Branche (Kraftfahrer), in der drei neue Türen aufgehen, nachdem sich die alte geschlossen hat, sollte man sich niemals zum Sklaven machen lassen!

Nun zu Ihrem Fall:

Der erste Schritt wäre gewesen, noch vor Abfahrt die Polizei zu rufen und eine Anzeige wegen Sachbeschädigung zu machen. 

Und gleichzeitig auch Ihren Arbeitgeber darüber zu informieren.Die Polizei wäre gekommen - wann auch immer das dann gewesen wäre -, hätte Fotos gemacht und alles Weitere in die Wege geleitet. 

Ob Sie dann so hätten fahren dürfen oder auch nicht, hätte man Ihnen dann auch verbindlich sagen können.

Nächster Punkt: 

Es muss sich ja um eine merkwürdige Krauterbude handeln, wo man wegen des Nichteinhaltens von Terminen das große Flattern bekommt. Was wäre denn, wenn Sie unterwegs einen Unfall hätten oder das Fahrzeug ein technisches Problem? Dann hätten Sie die Termine auch nicht halten können. 

Vielleicht waren die Parolen ja auch gar nicht zu wild und Ihre Firma hat sich völlig unnötig einen Fleck ins Hemd gemacht ...

Was nun tun: 

Der hier schon mehrfach genannte Tipp, umgehend einen Anwalt für Arbeitsrecht einzuschalten, ist absolut zu empfehlen. Es sollte dann aber keine Kündigungsschutzklage angestrebt werden, sondern Klage auf Weiterbeschäftigung.

Sollten Sie dann aber letztendlich doch keinen Wert mehr darauf legen, bei Ihrer bisherigen Firma beschäftigt zu bleiben - Arbeit für Kraftfahrer gibt´s wie Sand am Meer.

Kommentar von uralshina ,

Hätte-Hätte-Fahrradkette ... Zum Anwalt tapern ... jaja ... Bitte fundierte Antwort, warum und wieso die Kündigung nicht rechtens war

Kommentar von asdundab ,

Ich hätte nur einwas zu bemängeln: Erstmal nur den Chef und nicht die Polizei einschalten. Der Chef soll dann entscheiden, ob er Polizri will oder nicht.

Antwort
von Spediteur1953, 28

Nein die fridtlose Künfihung geht überhaupt nicht.Reiche innerhalb bon drei Wochen Kündigungsschutzklage am Arbeitsgericht wo der Firmensitz sich befindet ein.Kannst du ohne Anwalt machen.Einfach zu den Bürozeiten in die Geschäftsstelle des Gerichtes gehen.Dann entscheidet der Richter.Wichtig ist die Frist von 3 Wochen einhalten, sonst gillt die Kündigung.Kostet auch kein Geld bis zum Abschluss des ersten Gütetermins.Also geh einfach hin.

Antwort
von Interesierter, 68

Diese Kündigung ist mit Sicherheit nicht haltbar.

Bei einer 20-jährigen Betriebszugehörigkeit wäre vielleicht zuerst ein klärendes Gespräch mit dem Chef angesagt. 

Für die Kündigungsschutzklage musst du aber in jedem Fall die 3-Wochen-Frist einhalten. Deswegen wäre hier der Weg zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht angesagt. 

Kommentar von Nightstick ,

... und dann ggf. auf Weiterbeschäftigung (!) klagen.

Antwort
von asdundab, 86

Wende dich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht und erwäge eine Kündigungsschutzklage.

Ich denke, dass du da recht gute Chancen hast, aber ein Anwalt kann das sicher besser einschätzen.

(Meiner Meinung nach klingt das fast so, als wollte dein AG dich loswerden)

Kommentar von asdundab ,

Bzw. Hast du die die verfassungswidrigen bzw. vorbotenen Symbole vor Losfahrt mit dem Fahrzeug erkannt? Ich bin oben jetzt mal von nein ausgegangen.

Kommentar von uralshina ,

ja, die waren nicht zu übersehen und ich bin wegen termindruck trotzdem losgefahren

Kommentar von asdundab ,

Das ist nicht so gut! Du hättest deinen Chef erst verständigen müssen. Dies würde zumindest eine Abmahnung rechtfertigen, ob es eine außerordentliche Kündigung rechtfertigt, soltest du mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht klären, und je nach Beurteilung Kündigubgsschutzklage erheben.

Kommentar von uralshina ,

Hätte-Hätte-Fahrradkette ... Zum Anwalt tapern ... jaja ... Bitte fundierte Antwort, warum und wieso die Kündigung nicht rechtens war

Antwort
von Scharek, 22

Ich denke, dass die fristlose Kündigung unberechtigt war. Denn wer so wie Sie handelt, muss wohl schon als etwas, nun ja, unterbelichtet eingestuft werden. Nehmen Sie´s nicht persönlich!

Vielleicht  sind Sie dann rechtlich sogar gleichzusetzen mit einem Schwerbehinderten, dem der Chef ja auch nicht so einfach ohne das OK vom Integrationsamt kündigen darf. Fragen Sie mal auch diesbezüglich den Anwalt.

Kommentar von uralshina ,

ja, unterbelichtet ... Da war ich wohl neben der Spur und ich brauche jetzt brauchbare Meinungen und Hinweise auf Vergleichsurteile und so

Antwort
von Nightlover70, 36

War jetzt nicht wirklich clever, dennoch ist hierfür m. E. eine fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt.

Reiche auf jeden Fall Kündigungsschutzklage ein.

Antwort
von Lkwfahrer1003, 11

Hallo Uralshina ,

Du musst einen Anwalt einschalten , denn ich hab vor Gericht schon die tollsten dinger erlebt !

Ob wir hier sagen das die Kündigung unrechtmäßig war oder nicht ist völlig irrelevant . Entscheidend ist es wie es ein Richter sieht . Und bei 20 Jahren wird dein Chef ein böses erwachen bekommen .

Da dein Arbeitgeber meint du hättest erst gar nicht losfahren dürfen , muss geklärt werden ob die Sprüche Strafrechtlich relevant waren .

Waren es "nur" die üblichen Parolen die irgendwelche Möchtegern geschrieben haben hast du sehr gute Möglichkeiten .

Dies kann dir aber nur ein RA beantworten .

Im übrigen , merke dir .....Termindruck hat nur dein Arbeitgeber . Ich bin vor Ort wenn ich dort bin . Und wenn ich das nicht schaffe , dann muss Chef eben besser planen !

 

Gruß  

Antwort
von Keana, 56

Hast Du nicht sofort Deinen AG informiert über diese Sachbeschädigungen? Also wenn ich an Deiner Stelle wäre und so etwas gesehen hätte dann wär ich schnurstracks zum Chef gegangen und Polizei müsste ja auch noch involviert werden...

Keana

Kommentar von uralshina ,

Hätte-Hätte-Fahrradkette ... Zum Anwalt tapern ... jaja ... Bitte fundierte Antwort, warum und wieso die Kündigung nicht rechtens war

Kommentar von Keana ,

Ich glaube dazu fehlen einfach noch Details zum Beispiel Zeitpunkt des Losfahrens und Zeitpunkts des Bemerkens.

Kommentar von uralshina ,

Steht doch oben ... Es war nicht zu übersehen und bin trotzdem losgefahren

Antwort
von Elni94, 62

Das tut mir sehr leid für dich.

Für diesen Fall brauchst du professionelle Hilfe! Such dir einen Anwalt und halte durch.

Im Bekanntenkreis hat jemand 1,5 Jahre für seine Anstellung gekämpft, der auch seit 10 Jahren im Betrieb war und er hat gewonnen.

Hast du deinen Chef nicht über die Schmiererei informiert, bevor du losgefahren bist? Das ist schon etwas heikel. Normalerweise muss man ja auch unmittelbar die Polizei einschalten, die den Schaden aufnimmt. So kann man das der Versicherung übermitteln.

Ich finde das schon ganz schön hart von deinem Arbeitgeber.

Kommentar von asdundab ,

DiePolizei muss man zwar nicht einschalten, aber den Chef muss man informieren, wenn man die Polizei nicht ruft.

Kommentar von Elni94 ,

Spätestens dann wird er Chef aber sagen, dass er die Polizei rufen soll, eben wegen der Versicherung.

Kommentar von uralshina ,

Hätte-Hätte-Fahrradkette ... Zum Anwalt tapern ... jaja ... Bitte fundierte Antwort, warum und wieso die Kündigung nicht rechtens war

Kommentar von Elni94 ,

Genau DAS, kann dir halt nur ein Anwalt erklären. Er muss zum Beispiel deinen Arbeitsvertrag durchgehen und schauen, ob dort irgendwelche Klauseln zutreffen, die deine Kündigung unrechtens machen.

Ich glaube der Fachbegriff dafür ist "Schlechtleistung". Also Kündigung wegen schlechter Leistung. Dein Arbeitgeber hätte dich zuerst abmahnen können oder einen Teil der entstandenen Kosten von deinem Lohn abziehen können. Im schlimmsten Fall musst du aber für den gesamten Schaden aufkommen.

Allerdings kann es sein, dass dein "Verhalten" als sehr grobfahrlässig eingestuft wird. Dann hat dein Arbeitgeber wirklich das Recht dir eine Kündigung auszusprechen. ABER im Moment sieht das nur dein Arbeitgeber so. Ein Anwalt kann besser einschätzen, in welchem Strafmaß sich dein Fehler bewegt. Es kann ja auch sein, dass es offiziell nicht in die Kategorie "grobfahrlässig" reinfällt. Damit wäre die Kündigung dann unrechtens. Dein Anwalt wird auch prüfen wie du vorher gearbeitet hast.

Ich glaube du hast gute Chancen. Denn hierbei handelt es sich nicht um eine Alltagssituation! Du warst vielleicht überfordert oder schockiert oder ähnliches und konntest in dem Moment nicht rational denken.

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Expertenantwort
von Robert Mudter, Fachanwalt für Arbeitsrecht, 38

Also, Dein 1. to do:

1. Termin für eine Erstberatung mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht vereonbaren. Kosten max 190 EUR zzgl MWSt. Du kannst natürlich auch zu einer Gewrkschaft gehen.

2. Durch den Zugang einer Kündigung werden Frsiten ausgelöst: 3 Wochen nach Zugang muß Kündigungsschutzklage eingereicht sein, ansonsten gilt die Kündigung als wirksam. Es laufen aber auch erheblich kürzere Fristen. Bestimmte fehlerhafte Formalien müssen unverzüglich gerügt werden. Daher bitte schnell termin vereinbaren mit Anwalt in Deiner Nähe

3. Nein, aus Deiner Schilderung kann ich zur Zeit keinen Grund für eine außerordentliche Kündigung herleiten. Die Kündigung dürfte nicht rechtens sein. Allerdings wird dies nur hinterfragt, wenn fristgerecht innerhalb von 3 Wochen Klage eingereicht wird. Ohne Klage gilt auch die schlechteste Kündigung nach 3 Wochen als wirksam.

4. Also: Schnell und wirklich schnell zu einem Profi

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