Frage von lalunella, 119

Als junge Frau in die Freiwillige Feuerwehr?

Hallo! :) (Das wird jetzt eine etwas längere Frage - Danke wenn ihr sie trotzdem durchlest/beantwortet :)) Nachdem ich mich kürzlich wahnsinnig über einen ganzen Haufen unverblümter Gaffer bei einem schweren Unfall geärgert habe (und dass ich selbst auch einfach nur nutzlos war), spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken einer Freiwilligen Feuerwehr/Rettungsdienst beizutreten. Weil ich eher nicht vorhabe, beruflich in Richtung Rettungs-/Notfallsanitäter zu gehen, dachte ich dass eine Freiwillige Feuerwehr eher etwas sein könnte.

Mal davon abgesehen, dass ich nächstes Jahr erst mal ein Auslandsjahr mache und danach vermutlich zum Studieren in eine größere dt. Stadt ziehe (und es deshalb vermutlich nicht wirklich sinnvoll wäre jetzt noch in meiner Heimatstadt anzufangen), habe ich irgendwie noch Bedenken:

  • bin ich da mit 18 (nächstes Jahr dann 19) unverhältnismäßig viel älter wie die anderen, die neu anfangen? Meine Brüder haben mit 12 bzw 14 mit der JF angefangen, aber da würde ich ja nicht mehr so wirklich reinpassen...
  • gibt's in Uni-Städten überhaupt Freiwillige Feuerwehren? Oder sind das alles Berufsfeuerwehren? Ginge das auch neben Uni/FH?
  • wie heftig sind die körperlichen Voraussetzungen so? Kann man das als mehr so durchschnittlich sportliche, aber eher zierliche Person packen (hatte jetzt nicht Sport als LK gewählt oder sowas...)? Überhaupt: ich hab im Netz was vom so einer Untersuchung mit Belastungs-EKG und allem drum und dran gelesen... muss man da in irgendeiner Art (bzw als Frau mehr?) trainieren, gibt's da irgendwie Orientierungswerte was man leisten können muss?
  • wie lang geht die ganze Grundausbildung denn bis man quasi"einsatzfertig" ist?
  • falls es unter euch Lesenden Frauen gibt: hattet ihr jemals irgendwie Probleme damit, dass ihr irgendwie... belächelt oder nicht so ganz für voll genommen wurdet, weils ja (je nach Region) häufig fast nur Männer gibt...?
  • muss man da so mega der Technik-Freak sein? :D
  • was mich mit am meisten beschäftigt: ich bin jetzt nicht so mega abgehärtet. Einerseits weil ich mit grade 18 nicht besonders viel Lebenserfahrung hab, andererseits weil ich eher feinfühlig bin... wird man da auf die psychischen Herausforderungen irgendwie vorbereitet, kann man sich da irgendwie... abschirmen vor? Ich könnte mir in meiner momentanen Situation nicht wirklich vorstellen, zB bei einer Schienensuizid-Unfallstelle mitzuhelfen oder sowas (kommt ja schon hin und wieder mal vor...), wo dann halt echt Schwerstverletzte oder nur noch Leichenteile liegen :-/ ist das ein Ausschlussgrund, wenn man da jetzt nicht direkt sagt "ja klar, würde mir nix ausmachen, ist so oder so schon zu spät für den Menschen..."?

Denkt ihr es macht unter o.g. Umständen Sinn sich im übernächsten Jahr bei einer Freiwilligen Feuerwehr im künftigen Studienort zu melden? Also Lust hätte ich schon :)

Ich freue mich über eure Antworten und Erfahrungen :)

lalunella

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Nomex64, Community-Experte für Feuerwehr, 59

Du hast dir ja wirklich Gedanken gemacht, der werde ich mich bemühen dir auch ausführlich zu antworten.

bin ich da mit 18 (nächstes Jahr dann 19) unverhältnismäßig viel älter wie die anderen, die neu anfangen? Meine Brüder haben mit 12 bzw 14 mit der JF angefangen, aber da würde ich ja nicht mehr so wirklich reinpassen... 

Das Alter ist relativ unproblematisch. Eigentlich alle Feuerwehren haben heute auch Quereinsteiger die in weit höherem Alter dazu kommen. Wir haben z.B. ein Pärchen aufgenommen die über ihren Sohn in der Jugendfeuerwehr überhaupt Kontakt zur Feuerwehr bekommen haben. Erst letzte Woche haben beide die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger AGT abgeschlossen.

gibt's in Uni-Städten überhaupt Freiwillige Feuerwehren? Oder sind das alles Berufsfeuerwehren? Ginge das auch neben Uni/FH? 

Es gibt sogar Feuerwehren die fast ausschließlich von Studenten betrieben werden. http://www.ksta.de/ratgeber/finanzen/-studenten-feuerwehr-acht-minuten-bis-zum-e... Eigentlich in jeder Stadt wo es Studenten gibt sind die auch in den örtlichen freiwilligen Feuerwehren. Das sollte kein Problem sein. Und mal etwas Abstand von Studienalltag kann auch ganz gut sein.

wie heftig sind die körperlichen Voraussetzungen so? 

Also da mache dir mal nicht zu viele Sorgen. Für eine halbwegs gesunde und fitte Frau ist das kein Problem. Die Untersuchung die du meinst ist die arbeitsmedizinische Untersuchung nach den Grundsätzen G26.3. Die ist nur für AGT verpflichtend vorgesehen. Einige FF nehmen die auch als Einstiegsuntersuchung. Ich halte davon nichts da es bei der FF auch genügend Arbeit für Leute ohne G26.3 gibt. Aber auch die Untersuchung ist kein Hexenwerk. Wie gesagt; Gesund und Fit.

wie lang geht die ganze Grundausbildung denn bis man quasi"einsatzfertig" ist?

Nach FwDV2 http://www.idf.nrw.de/service/downloads/pdf/fwdv_2_stand_01_2012.pdf besteht die Grundausbildung aus dem Truppmann Teil1 (TM1) mit 70h die in aller Regel im Block erfolgen und dem TM2 der 80h in der laufenden Ausbildung umfasst. Es gibt aber auch je nach Bundesland Modulausbildungen die etwas anders aufgebaut sind. Wann du mit zu Einsätzen kannst wird örtlich sehr unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Feuerwehren die dich erst nach TM1 und TM2 mit zu Einsätzen nehmen. Andere sehen das nicht so eng.

falls es unter euch Lesenden Frauen gibt: hattet ihr jemals irgendwie Probleme 

Da gehöre ich zwar nicht dazu aber bei den Mädels in meiner Feuerwehr habe ich da noch nie was erlebt. Für mich sind sie eher eine Bereicherung. Ansonsten gibt es dafür ja auch im Social Media so einige Möglichkeiten, z.B. https://www.facebook.com/Feuerwehrfrauen-299588000214907/?fref=ts

muss man da so mega der Technik-Freak sein?

Nein muss man nicht, wir haben Leute aus unterschiedlichsten Bereichen. Das ist auch gut so. Bei einem Unfall z.B. brauche ich den Kameraden der die Technik bedient genau so wie den Kameraden der die Betroffenen betreut. Beim Einsatz auf dem Bauernhof ist ein Landwirt von Vorteil usw.

Die Ausbildung ist so aufgebaut das jeder die notwendigen Geräte sicher bedienen kann. Wichtig ist das du Interesse hast und eine gewisse Intelligenz mitbringst, da mache ich mir bei dir aber wenig Sorgen.

was mich mit am meisten beschäftigt: ich bin jetzt nicht so mega abgehärtet

Auch das ist heute kein Problem mehr. Das geht vielen Kameraden so. Es gibt an jeder Unfallstelle auch genug Arbeiten wo man nicht zwangsläufig mit Toten und Verletzten in Berührung kommt. Das wird sich in aller Regel auch erst dann raus stellen wenn du wirklich damit zu tun hast. Ich hatte einen Kameraden der hat bei VU´s immer nur Absperrung o.ä. gemacht, bis er eines Tages auf einmal an der Rettungsschere stand und gearbeitet hat als hätte er nie was anderes gemacht. Wenn du mal wirklich mit belastenden Einsätzen zu tun hast dann gibt es dafür heute eine gutes System von Einsatznachsorge und Krisenintervention. Wichtig ist dann nur das man die Hilfe auch anfordert und annimmt.

Denkt ihr es macht unter o.g. Umständen Sinn sich im übernächsten Jahr bei einer Freiwilligen Feuerwehr im künftigen Studienort zu melden?

Also ich denke du brauchst nicht erst bis zum nächsten Jahr warten. Du kannst auch jetzt schon in deinem Heimatort zur Feuerwehr gehen. Ob man dann an die Feuerwehr des Studienortes wechselt oder in beiden Feuerwehren Mitglied bleibt muss man mit den jeweiligen Trägern des Brandschutzes klären. Ich habe beide Varianten schon erlebt.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Spass an einem mega interessante Hobby.

Kommentar von Davidtheanswer ,

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen! Einzig der Faktor mit der Zeit und die Feuerwehr wechseln... also studieren geht vor, aber das hobby kann eine tolle Abwechslung sein. Ob du jetzt schon bei Feuerwehr X anfängst und später zu Y wechselst, muss man vor Ort absprechen ob die das so mitmachen. Ansonsten: Mach das und melde dich an, viel Spass!

Kommentar von lalunella ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Sehr schön ausgedrückt, das zerstreut meine Zweifel :) ich denk ich werd mich im künftigen Studienort mal erkundigen wie's da so läuft und dann halt einfach schauen ob's was für mich ist oder nicht... ich schätze es ist einfach (wie fast überall) wichtig dass man ehrlich zu sich selbst ist :)

Antwort
von wurzlsepp668, 41

Glaub mir, jede Feuerwehr freut sich über neue Aktive ......

Mittlerweile haben nahezu alle Freiwilligen Feuerwehrn das Problem, dass tagsüber, aufgrund der auswärtiger Berufstätigkeit, die Aktiven für die Einsätze fehlen ....

bei uns ist vor kurzem eine Stadt-Feuerwehr mit 4 Fahrzeugen zum Einsatz gekommen ..... aber nur 14 Leute ..... (Fensterplätze besetzt .....)

wenn am Anfang die notwendige Ausbildung fehlt, ist das kein Problem, der Kommandant wird Dich so einsetzen, dass der Einsatz "trotzdem" läuft ...

Anhand des Eifers in der Ausbildung kann der Kommandant auch sehr gut einschätzen, ob die Kraft künftig zu gebrauchen ist oder nicht ...

(wir selber haben leider auch einen in der Feuerwehr ..... bei jeder Gelegenheit schreit er: bin dabei .... und wenns dann soweit ist ist er unsichtbar ..... soll heißen: nicht anwesend ...)

Feuerwehr heißt auch noch lange nicht, dass jeder super sportlich ist ...

glaub mir, die Bilder aus den Feuerwehrkalendern, wo muskulöse Männer abgebildet sind treffen vermutlich auf max. 5% der Feuerwehrler zu .... wenn überhaupt ..

bei den "Dorf"Feuerwehrn ist es vielmehr so, dass hier alle Schichten vertreten sind ... vom Fußballer im aktiven Training bis zum Beamten, bei dem der Bauch 5 Minuten vor ihm ankommt .....

aber alle werden gebraucht, es gibt für alle und jeden Posten, welche er / sie entsprechend besetzen kann ... (ich z.b. übernehme meistens die Absperrmaßnahmen ....)

wenn Du vor hast, als Atemschutzgeräteträger bzw. sogar als CSA-Träger tätig zu werden, wäre es allerdings schon von Vorteil, eine gewisse Sportlichkeit und vorallem Kondition antrainiert zu haben

Kommentar von lalunella ,

"...bei dem der Bauch 5 Minuten vor ihm ankommt" <-- hahaaa :D genial formuliert ;) ich kenn selbst auch nen AGT mit Bäuchle, von dem her war ich auch etwas verwundert als ich von den medizinischen Anforderungen las, hab mich auch gefragt wie der das geschafft hat :D ;)

Vielen Dank für deine Antwort, hat mir echt geholfen :)

Antwort
von pxndicorn, 6

Also als ich als Frau zur Feuerwehr kam, haben sie die Jungs gleich um mich gekümmert (sprich alles erklärt, tipps gegeben und bei/nach Einsätzen gefragt ob alles gut ist) also da hatte ich nie probleme. Natürlich bekommt man abundzu blöde Blicke oder Sprüche, aber da musst du einfach genauso blöd bzw. frech Antworten. Bei dem Thema mit den schwierigen Einsätzen, hab ich das bevor ich einen Pieper hatte so gemacht, das ich zum Gerätehaus hin gelaufen bin, dann gefragt habe ob jemand schon weiß was los ist (wenn es was gewesen wäre was ich an dem Tag nicht kann wäre ich gegangen oder hätte die Straßensicherung gemacht) und dann kannst du ja entscheiden was du machst.

Antwort
von exxonvaldez, 63

Ja auch in Großstätten gibt es Freiwillige Feuerwehren.

Ja, das kann man auch neben dem Vollzeit-Studium schaffen. (Kommilitonen von mir haben das getan, ich selbst bin nebenbei Rettung gefahren.)

Über die körperlichen Vorraussetzungen kann ich dir nicht so viel sagen, da ich selbst nicht bei der FFW bin. Aber ganz ehrlich: Schläuche, Schere/Spreizer, usw. werden nicht leichter, wenn sie eine Frau trägt. Das solltest du dir gut überlegen, ob du da wirklich eine Hilfe bist.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich kenne jede Menge Frauen, die bei der Feuerwehr ihren "Mann" stehen ....

also was soll der letzte Satz?

mit ist eine Frau im Einsatz lieber als ein Feuerwehrler mit über 50 und einer Ranzn, dass er im Auto ned vernünftig Platz hat .... und schon beim Schlauchausrollen zu schnaufen anfängt, da anstrengend ...

Kommentar von exxonvaldez ,

Ja, stimmt schon. Es kommt halt auf die Frau an.

Aber ich spreche halt aus Erfahrung: Ist es wirklich sinnvoll mit einer (zierlichen) Frau zu fahren, wenn du dann bei jedem dritten oder vierten Patienten Tragehilfe anfordern musst?

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ähm, für die Patienten san de Sanis verantwortlich. Punkt.

bei uns in der Gegend ist nahezu keine Tragehilfe notwendig .....

trotz Frauen im Rettungsdienst ......

und ich kenne etwas, ähm, massiver gebaute Frauen ..... die werden von jeder zierlichen Frau in die Tasche gesteckt ....

und die zierliche läuft mit der etwas massiver gebauten Frau noch einen 800 Meter-Lauf

Kommentar von exxonvaldez ,

ähm, für die Patienten san de Sanis verantwortlich. Punkt.

Ja. Davon rede ich.

Wie gesagt: Es hängt von der Frau ab.

Grundsätzlich gilt das natürlich auch für Männer!

Aber als Gruppenführer einer 2. BG mit fast nur Mädels kann ich dir sagen: Es ist schon ziemlich ätzend, wenn nur der einzige Kerl in der Gruppe in der Lage ist die  Motorsäge oder den Trennjäger anzureißen.

-Was zugegeben nicht das Problem der Mädels ist.

Wie dem auch sei. Ich bin gar nicht gegen Frauen bei woauchimmer. Ich gebe nur zu bedenken, dass mitunter schlicht auf pure Muskelkraft ankommt (und das gar nicht mal so selten).

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