Frage von LiselotteHerz, 40

Alpha-Liponsäure, R-Alpha-Liponsäure, DL-Alpha-Liponsäure, wer kennt sich aus?

Alpha-Liponsäure oder R-alpha-Liponsäure, wer kennt sich aus?

Da ich wegen meiner Polyneuropathie unerträgliche Schmerzen habe und die Mittel der Neurologin nicht von mir vertragen werden, war ich jetzt bei einer Heilpraktikerin. Sie hat mir für viel Geld! Thiogamma 600 verordnet. Das enthält alpha-Liponsäure.

Da es mir etwas besser ging, habe ich mal recherchiert. Und dabei bin ich auf sehr viele Artikel gestoßen, wo immer wieder gesagt wird, dass R-alpha-Liponsäure weit besser vom Körper verwertet wird.

https://www.herbano.com/de/alpha-liponsaure/

Da das auch noch billiger wäre, frage ich mich, ob ich nicht das lieber bestellen sollte.

Meine Heilpraktikerin hat sich auf Rückfrage als nicht hilfreich erwiesen. Schreibt sie doch: "Das von mir verordnete Medikament ist ein medizinisches Produkt und es ist das drin, was drauf steht." Damit hat sie sich bei mir schon etwas disqualifiziert.

Hat jemand von Euch Erfahrungswerte?

Ich nehme seit gestern das mir verordnete Medikament Thiogamma 600 (wörwag-pharma), enthält DL-Alpha-Liponsäure.

Ich bin langsam verwirrt. Wer ist gut in Chemie und kann mir hier weiterhelfen?

Danke. lg Lilo

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Chillersun03, Community-Experte für Gesundheit, Medikamente, Medizin, 23

Ich kann dir zumindest mit der Stereochemie und der strukturellen Bezeichnung helfen.

  • Alpha, Beta, Gamma, etc.: ist in diesem Fall einfach eine Bezeichnung für eine von (potentiell) mehreren Liponsäuren. Die erste die man entdeckt hat, bzw. die wichtigste, wird einfach mit dem Präfix "Alpha-" benannt um sich von den anderen zu unterscheiden. Analog bei den Tocopherolen: alpha-Tocopherol (C29H50O2), beta-Tocopherol (C28H48O2), gamma-Tocopherol (C28H48O2), delta-Tocopherol (C27H46O2). Es sind alles Tocopherole. Die Summenformel steht dabei, damit du siehst, dass es keine Stereoisomere sind, sondern völlig andere Stoffe! D.h. egal ob R- oder S-Konfiguration nach (oder D- und L-), es wäre immernoch Alpha-Tocopherol, bzw. Liponsäure. Der Präfix gibt also keine Information über die Konfiguration preis. 

(Aber: nicht zu verwechseln mit der griechischen Nummerierung von Kohlenstoffatomen alpha-Kohlenstoffatom ist die erste position, oder Omega ist die letzte Position, daher kommen die Omega-Fettsäuren, das ist etwas anderes!)

  • R- und S- gibt die Konfiguration an, d.h. in welche Richtung ein Stereoisomeriezentrum angeordnet ist. Einfacher Vergleich: Rechte und linke Hand verhalten sich wie Bild und Spiegelbild. R = rectus (rechts) und S = sinister (links) nach Cahn-Ingold-Prelog. Die Bezeichnung nach Fischer gibt hingegen an, in welche Richtung das Licht gedreht wird, D = dextro (rechts) und L= levo (links) nach Fischer. (Aufpassen: Die D-Konfiguration nach Fischer entspricht nicht zwangsweise der R-Konfiguration nach CIP!)

Das war jetzt so der Stereochemie-Crashkurs auf die schnelle.

Ich nehme seit gestern das mir verordnete Medikament Thiogamma 600 (wörwag-pharma), enthält DL-Alpha-Liponsäure.

Enthält also das Racemat, also 50% D-alpha-Liponsäure + 50% L-alpha-Liponsäure. Nur die (R)-Liponsäure (Synonym L-Liponsäure) kommt in der Natur vor und ist die biologisch aktive Form und fungiert als Cofaktor in vielen enzymatischen Reaktionen. Die S-Liponsäure ist die unnatürliche, synthetische Form und kommt in der Natur nicht vor und hat weder eine direkte biologische Bedeutung, noch fungiert sie als Cofaktor in enzymatischen Reaktionen. Es kann jedoch trotzdem sein, dass sie eine Wirkung vermittelt, bsp. wirkt diese Form auch als Antioxidant. Das ist nämlich weitgehend unabhängig von der Konfiguration. Beide Formen wirken als Antioxidant.

Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass einfach das Racemat verwendet wird, weil es billiger in der Herstellung ist und eine Trennung von Stereoisomeren immer aufwendig ist. Es ist billiger und sinnvoller, einfach das Racemat zu nehmen und einfach doppelt so hoch zu dosieren.

Nochmal kurz und knapp: Ich kann dir nicht sagen, ob auch die synthethische, unnatürliche S-Liponsäure eine Wirkung entfaltet oder entfalten soll. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass diese einen besonderen Nutzen hat. Stören tut diese jedoch auch nicht. Für die Hauptwirkung ist die biologische R-Liponsäure verantwortlich.

Wenn du dich entscheiden kannst, nehme das günstigere Präparat. (Wobei 300 mg der R-Liponsäure genau 600 mg der RS-Liponsäure = DL-Liponsäure entsprechen).

Gruß Chillersun

Kommentar von LiselotteHerz ,

Vielen Dank, Du scheinst Dich ja sehr, sehr gut auszukennen. Ich werde es jetzt so machen, dass ich jeden Morgen 600 mg von der DL-Liponsäure nehme und bestelle mir schon mal das andere Nahrungsergänzungsmittel mit der R-Liponsäure.

Vielleicht lasse ich dann das verordnete Medikament (30 Tabletten 38,95 Euro!) weg und nehme gleich das in einem Forum empfohlene. Was ich so gelesen habe, scheint das überhaupt das einzige zu sein, was vom Körper verwertbar ist.

Ich bin dieser Heilprakterin ja dankbar, dass sie auf diese Idee kam, aber je mehr ich über ihre "hilfreiche" Antwort nachdenke, umso mehr kommen mir Zweifel, ob ich da wirklich nochmal hin sollte.

Ich habe auch noch ein Lipödem, sagt sie doch, ich soll die Kompressionsstrumpfhosen weglassen, das wäre nicht gut. Jeder Arzt, meine Fachärztin für Lympherkrankung, mein Masseur (ich habe dreimal die Woche Lymphdrainage) sagt mir, ich muss Kompression tragen, damit sich die Lymphe nicht staut. Da kommt man ins Grübeln bei solchen Aussagen, oder?

Expertenantwort
von Sternenmami, Community-Experte für Gesundheit, 18

 Hallo Lieselotteherz,

was dieses Medikament angeht, kann ich Dir nicht wirklich weiter helfen, aber ich kann Dir nur dringend dazu raten, dass Du Dich in eine professionelle Schmerztherapie begibst.

Ich bin seit 17 Jahren aufgrund einer fehlerhaft durchgeführten Operation schwer schmerzkrank und habe mich anfangs auch nur auf Hausarzt, Neurologe und Orthopäde verlassen. Keiner von denen kannte sich aber wirklich richtig mit einer wirksamen Schmerztherapie aus und irgendwann gab mir jemand den Rat, mich an einen Schmerztherapeuten zu wenden. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ein Schmerztherapeut kann anhand von bestimmten Blutwerten genau schauen, welche Art von Schmerzmedikamenten für Dich richtig geeignet sind.

Ich würde Dir auch dazu raten, dass Du Dich zur richtigen Einstellung mit Medikamenten stationär in eine Schmerzklinik begibst.

Leider ist es in Deutschland immer noch ziemlich kompliziert, an den richtigen Schmerztherapeuten zu kommen. So muss man zunächst einen niedergelassenen Schmerztherapeuten aufsuchen, dieser kann einen dann an eine Schmerzambulanz einer Schmerzklinik überweisen und erst dort kann man eine Einweisung zur stationären Therapie in eine Schmerzklinik ausstellen.

Glücklicherweise gibt es inzwischen sehr viele Schmerzkliniken in Deutschland. Vor 17 Jahren war das noch anders, so dass ich in eine 600 km entfernt liegende Schmerzklinik gehen musste (nur die war auf meine Erkrankung spezialisiert). Für Dich (also im Bereich Polyneuropathie) würde die Schmerzklinik in Bad Mergentheim in Frage kommen, aber da kann Dich dann auch ein niedergelassener Schmerztherapeut sagen, welche Klinik in Deiner Nähe die richtige für Dich wäre. Ich selber war mehrere Monate in der Uniklinik in Kiel.

http://www.polyneuropathie.net/

Was bei chronischen Schmerzen auch sehr, sehr wichtig ist, ist eine Psychotherapie. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass die Krankheit bei Dir durch psychische Probleme ausgelöst wurde. Nein, das genaue Gegenteil ist der Fall. Chronische Schmerzen führen immer auch zu psychischen Problemen und da ist es wichtig, möglichst frühzeitig mit einer Psycho- und Verhaltenstherapie zu beginnen, damit man erst gar nicht in dieses tiefe Loch rutscht, aus welchem man dann nicht so schnell wieder heraus kommt.

Ich kann Dir also nur dringend dazu raten, Dich an einen Schmerztherapeuten zu wenden. Der kann Dir mit Sicherheit besser helfen als ein Neurologe bzw. ein Heilpraktiker, wo bei letzterem immer fraglich ist, ob diese irre teuren Medikamente wirklich notwendig sind. Letztendlich würde ich Dir raten, lieber zu einem Osteopathen zu gehen, anstelle zu einem Heilpraktiker. Bei einem Osteopathen hast Du zudem das Glück, dass die meisten Krankenkassen inzwischen anteilig die Kosten übernehmen. Da würde ich mich aber zur Sicherheit vorher bei Deiner Krankenkasse erkundigen, damit es nicht hinterher zu bösen Überraschungen kommt.

Ich kenne diese ganze Arztrennerei zu Beginn der chronischen Schmerzerkrankung nur zu gut. Man probiert wirklich alles, um endlich den Arzt zu finden, der einem auch wirklich helfen kann. Letztendlich ging es mir erst in dem Moment besser, als ich diese Krankheit als einen Teil von mir akzeptiert habe und diese ewige Arztrennerei habe bleiben lassen. Natürlich muss das jeder Patient für sich selber entscheiden, aber wie gesagt ... versuche es mal mit dem Schmerztherapeuten. Wenn Du da einen guten gefunden hast, fallen die ganzen anderen Fachärzte eigentlich weg, denn der Schmerztherapeut kann alles in die Wege leiten, was auch die anderen Fachärzte können. Ich habe die Entscheidung niemals bereut ... ganz im Gegenteil.

Naja, und die Aussage Deiner Heilpraktikerin zeigt mir schon eindeutig, dass sie null Ahnung davon hat, was sie Dir da überhaupt verordnet hat. Sie hat wahrscheinlich irgendwann mal davon gehört, dass dieses Medikament helfen könnte und schon verordnet sie es den Patienten ... ohne eine Ahnung davon zu haben, was sie da überhaupt verordnet. Wie sagt man so schön ... "von Tuten und Blasen keine Ahnung und davon eine ganze Menge".

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und dass man Dir bald wirklich effektiv helfen kann.

Kommentar von LiselotteHerz ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, nach Schmerztherapeuten habe ich auch schon geguckt. Bei einem Osteopathen war ich auch schon, er konnte mir leider nur für ganz kurze Zeit helfen und auf Dauer ist mir das einfach zu teuer.

Bevor ich mir Schmerztabletten geben lasse, probier ich es erstmal mit der Linolsäure, denn es hilft ja anscheinend.

Bevor ich in eine Klinik gehe, muss es sehr viel schlimmer werden. Ich habe Haustiere und eine Familie, ich kann nicht einfach wochenlang weg sein. Da bricht hier das Chaos aus.

Aber trotzdem danke für Deinen ausführlichen Rat.

Kommentar von Sternenmami ,

So wie Du habe ich auch mal gedacht. Man denkt immer, es geht nicht ohne einen, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man bemerkt, dass man ausschließlich an sich selber denken muss, damit man irgendwann wieder voll und ganz für die Familie da sein kann. Und merkwürdigerweise klappt es dann zu Hause wunderbar, während man selber in der Klinik ist. Da macht man sich im Vorfeld völlig umsonst verrückt.

Aber eine ambulante Schmerztherapie solltest Du auf jeden Fall mal in Angriff nehmen, denn gerade wenn die Schmerzen noch in einem Rahmen sind, wo man sie aushalten kann, kann man auch damit beginnen, sie in Schach zu halten. Sind die Schmerzen erst mal richtig stark, wird es schwierig, sie noch in den Griff zu bekommen.

Bezahlt Deine Krankenkasse bei Osteopathien nichts? Die meisten KKs übernehmen inzwischen mindestens 80%, während die Kosten für einen Heilpraktiker überhaupt nicht übernommen werden.

Ich wünsche Dir aber auf jeden Fall alles Gute ...

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