Frage von questler, 102

Allgemeine Frage: Wofür braucht man eigentlich. die Universität als solche, wenn sich Studenten im Endeffekt alles selber beibringen müssen?

Die Rede ist in erster Linie von staatlichen Universitäten: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Großteil des Stoffes nur auf trockener Theorie basiert von der rund 80 % kaum bis gar kein Gebrauch im späteren Berufsleben findet. Die Fertigkeiten, die man später für seinen Beruf tatsächlich benötigt kommen zu kurz bzw. man muss sich diese komplett im Alleingang nebenher selber beibringen. Der theoretische Teil wird in der Regel sowieso nur für die Klausuren auswendig gepaukt und danach sofort wieder verdrängt, da man in jedem Semester aufs Neue mit gigantischem theoretischem Wissen versorgt wird. Die Frage ist nun: Braucht man die Universität wirklich nur um am Ende ein staatlich anerkanntes Dokument in den Händen zu halten? (Sicherlich ist das auch abhängig vom Studiengang)

Expertenantwort
von Ansegisel, Community-Experte für Studium, 35

Die Aufgabe der Universität ist es, Studierende in den jeweiligen Fachbereichen zur wissenschaftlichen Arbeit zu befähigen. Dafür benöigt man a) ein breites theoretisches Grundlagenwissen und b) die Fähigkeit, selbstständig Aufgabenstellungen zu formulieren und zu beantworten. Also das, was in deinen Augen kritikwürdig ist.

Diese Herangehensweise, vor allem das wissenschaftliche Arbeiten und Denken, kann man sich nicht wirklich selbst beibringen. Dafür braucht es den Austausch mit etablierten und erfahrenen Wissenschaftlern und die kritische Diskussion der eigenen wissenschaftlichen Gehversuche.

Wer gern auf einen bestimmten Beruf hin ausgebildet werden möchte, der ist in einer Berufsausbildung oder an einer Fachhochschule besser aufgehoben. Dafür ist die Universität in der Bildungslandschaft tatsächlich nicht (oder nicht ausschließlich) vorgesehen.

Dass du einen Großteil des an der Uni erlernten später nicht brauchst, ist in meinen Augen ein Trugschluss. Denn zum einen weiß man während des Studiums noch nicht, wohin die Reise mal beruflich geht, so dass man auch nicht weißt, was man später mal nicht braucht oder braucht. Zum anderen ist gerade diese breite Ausbildung der Trumpf von Akademikern auf dem Arbeitsmarkt, da sie Probleme aus vielen verschiedenen Richtungen betrachten und lösen können und damit für den Arbeitgeber flexibel einsetzbar sind.

Antwort
von EinSalatkopf, 53

Sicherlich ist dein Fazit nicht ganz unberechtigt, allerdings wirst du dem Gesamtkonzept damit nicht ganz gerecht. Das Studium ist auch nicht zuletzt ein Reifeprozess. Der vorherige Schüler wird in die Welt der Wissenschaft eingeführt, er lernt, sich mit der Theorie selbstständig auseinanderzusetzen, vorerst noch unter Anleitung, aber zunehmend freier. Damit eignet sich der Student Schritt für Schritt eine Fähigkeit an, die er im späteren Berufsleben ganz ohne Zutun anderer beherrschen muss, denn die ständige Weiterbildung, "Lernen ein Leben lang", ist längst eine grundlegende Qualifikation in vielen Fächern.

"Lernen um des Lernen Willens" ist sicher nicht ganz falsch. Der Fortschritt aber braucht ein Lernen. Aus Gegenwart und Vergangenheit.

Antwort
von benzi007, 13

Ich sehe das so: Für ein Studium ist ein Minimum an Intellekt erforderlich. Mit einem Abschluss zeigst du deinem zukünftigen Arbeitgeber, dass du dieses Minimum erfüllst. Dafür ist das Studium gut geeignet. 

Aber an sich könntest du dir alles an Theorie auch im Selbststudium und ohne eine "Institution" beibringen. Im Internet findet sich doch heute sowieso schon alles an Informationen.

Antwort
von Suboptimierer, 40

Manche können sich alles selber beibringen. Solche Menschen hätten nicht einmal aufs Gymnasium gehen müssen.

Es gibt solche und solche.

Antwort
von froggle, 35

Die Implikation deiner Frage ist komplett falsch. Denn sie impliziert, dass Universität dir etwas beibringen muss. Dabei bist du ja derjenige der was lernen möchte, also musst Du auch dafür sorgen, dass du was lernst. Universitäten sind ja nur ein Aushängeschild und jene werden ja, im Zeitalter des Internets, wo man Bildung umfänglich und zum Teil kostenlos konsultieren kann, garnicht mehr benötigt. Du kannst ja sogar Experten schnell über eine Email fragen. Will sagen, man kann ja selber studieren und braucht keine Uni dafür, wozu auch? Man kann günstig gebrauchte Bücher kaufen, mann kann sich sogar Doktorarbeiten in Netz runterladen oder sogar Vorlesungen. Kurz:
Bildung ist dir also zugänglich. Dafür waren Unis ja mal gedacht. Früher war es sogar ein Privileg, dass man Zugang zu Bildung hat. Doch warum existieren Unis überhaupt noch? Na ganz einfach, weil sie dir eine formelle Bildung nachweisen können d.h sie stellen dir ein Blatt Papier aus, wo dann draufsteht, dass du's voll drauf hast und du gebildet bist. Mit diesen Blatt kannst du dich dann irgendwo bewerben wo man dich dann ausbeuten wird bzw. wo du dich mit diesen fetzen Papier berreichern kannst.

Antwort
von 3runex, 40

In den Schulen ist das genauso. Man braucht es nur als Bescheinigung für den Arbeitgeber oder für andere Bildungseinrichtungen. 

Ich habe eine schulische Ausbildung zum Mediendesigner gemacht und dann später gemerkt, das andere, die sich das nur privat beigebracht haben mindestens genauso gut sind. Mittlerweile interessiert mich nur, dass ich nach dem Studium den Titel Bachelor habe, denn das was ich brauche kann ich mir auch selbst beibringen.

Antwort
von Steffile, 45

Ich weiss nicht, ich habe studiert um zu lernen und habe mein Diplom nie abgeholt :)

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