Frage von Jiyong, 168

Alles zum Thema Schweigegelübde - kann mir jemand helfen?

Ich suche zur Zeit alles interessante/relevante zum Thema Schweigegelübde:

In welchen Religionen wird es praktiziert?

Was ist der Sinn davon?

Wie wird es praktiziert- was darf man und was nicht?

Wie lange dauert so ein Gelübde?

Was passiert mit einem während so einem Gelübde / was sollte passieren?

Gibt es Voraussetzungen die erfüllt werden müssen?

Vielen Dank für eure ernsten Antworten

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 92

Christentum und Schweigegelübde

Nach christlichem Verständnis ist das Schweigen der Urzustand der Welt. Erst durch Gottes Wort entstand die Welt.

Auch als Jesus vierzig Tage in der Wüste fastete dürfte er bis zur Versuchung durch den Teufel geschwiegen haben - denn mit welchem Menschen hätte er in der Einsamkeit reden sollen?

Schweigegelübde - also die Wahrung absoluten Schweigens, was über die Wahrung des Beichtgeheimnisses hinaus geht - ist ein wichtiges Element klösterlichen Lebens im Christentum.

Insbesondere in Kapelle, dem Schlafgemach und im Speisesaal wird Schweigenb gewahrt. Es gibt jedoch auch "Freizeit" in der gemäßigte Gespräche erlaubt sind, jedoch keine Plauderei oder Smalltalk.

Einige christliche Orden kommunizieren die nötigen Dinge, die für den Arbeitsablauf im Kloster erforderlich sind, über Handzeichen.

Schweigen in östlichen Religionen

In Indien gibt es ebenfalls das religiös bedingte Schweigen (Mauna) und es heißt, das  manche Heilige ihr ganzes Leben lang schweigen bewahrten.

Mauna ist Teil des Yoga und gilt als "Vrata" - eine Art förderlicher Vorsatz, der die spirituelle Entwicklung fördern soll. Daher gaben und geben viele hinduistische Lehrer die Empfehlung, sich regelmäßig im Schweigen zu üben.

Wie schon gesagt begünstigt Schweigen die stärkere Beschäftigung mit sich selbst, seinen Gedanken und dem Gefühlsleben.

Siddharta Gautama  wird auch als "Buddha Shakyamuni" bezeichnet - ein Weiser/Mönch aus der Familie der Shakya. Auch hier bezieht sich der Begriff "Weiser/Mönch" auf "muni" (der Schweigende).

Das Schweigegelübde

Wie das Schweigegelübde praktiziert wird, ist unterschiedlich und hängt beispielsweise von den religiösen Regeln der Gemeinschaft ab.

Mönche können natürlich grundsätzlich umfassendere Schweigegelübde ablegen, als etwa Laien, die täglich draußen in der Welt unterwegs sind, einer Arbeit nach gehen und kommunizieren müssen.

Ein Mönch kann einzeln in Klausur gehen und für eine bestimmte Zeit für sich schweigen, oder eben in einer klösterlichen Gemeinschaft leben, die ganz auf das Schweigen ausgerichtet ist.

Dennoch wird auch bürgerlichen spirituellen Suchern häufig empfohlen, sich jeden Tag wenigstens eine Stunde Zeit für die Stille zu nehmen, für innere Einkehr und Sammlung.

Es gibt auch "Schweige-Retreats", bei denen Menschen im Rahmen von Veranstaltungen beispielsweise mehrere Wochen an einen Ort gehen - Kloster, Meditationszentrum, Tempel, Natur - um dort zu schweigen.

Gedanken zur Stille

Viele religiöse Regeln der verschiedenen Religionen betreffen die Sprache. So soll der Mensch gemäß den Zehn Geboten vom Berg Sinai "nicht lügen" und nicht "falsch Zeugnis reden".

Auch im Buddhismus gibt es die Sittlichkeitsregel "die Rede nicht zu missbrauchen", also darauf zu achten, was man sagt.

Wenn man sein Verhalten hinterfragt, stellt man zudem fest, dass man viel belangloses Zeug redet - und wir fragen aus Höflichkeit "Wie gehts?" obwohl wir überhaupt kein aufrichtiges Interesse am Zustand des Anderen haben.

Heutzutage sind wir ständigen Reizen ausgesetzt - auch akustischen. Das Mobiltelefon klingelt selbst auf der Toilette noch, wir lassen während Autofahrt und Arbeit immer Musik laufen und machen alles, um uns abzulenken.

Stille wird von vielen Menschen als unangenehm empfunden - man hört plötzlich die Heizung gluckern, der Boden knarrt, der Wind weht am Fenster - und man beginnt sich vor diesen "Geräuschen der Stille" zu fürchten.

Nach religiösem Verständnis einiger Gläubiger hält äußerer Lärm uns davon ab, in sich zu gehen. Ob es dabei um Innenschau, Kontemplation, das stille Gespräch mit Gott, oder Meditation geht - die Stille ist ein wichtiges Element, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen.

Sinn des Schweigens

Damit ist eigentlich das Wesentliche zum Sinn des Schweigens gesagt. Wer schweigt, hört stattdessen - und das soll nach religiösen Vorstellungen auch ein "inneres Lauschen" sein.

Viele Bedürfnisse, sind uns gar nicht bewusst und viele Gedanken werden durch unser ständiges Reden überdeckt.

Wer schweigt, kann sich also stärker mit sich selbst auseinander setzen, da er niemanden hat, mit dem er sich ablenken könnte - so ist er ganz "für sich" und kann "in sich" hören - seinen Gedanken, Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen lauschen.

Wer schweigt, kann also mehr über sich selbst erfahren.

Je nach Religion kann dann auch die Gemeinschaft mit Gott oder ähnliches im Mittelpunkt stehen.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 64

Sollten dich Filme zum Thema interessieren kann ich "Die große Stille" empfehlen - ein Dokumentarfilm über das Mutterkloster des Kartäuserordens. Dort wird praktisch kaum ein Wort gesprochen.

Insbesondere, wenn man den Film ohne störende, sprechende Couch-Nachbarn auf einer großen Leinwand sieht, ein wirklich beeindruckendes Bild klösterlichen Lebens.

Auszug aus dem Wikipedia-Artikel:

Man hört nur die Geräusche der Natur und den Gesang der Mönche beim Stundengebet und den Zeremonien, der gleichzeitig auch das erste menschliche Wort ist, das etwa 20 Minuten nach Filmbeginn erklingt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die\_gro%C3%9Fe\_Stille

Antwort
von ThomasAral, 54

nur mal paar aspekte beantwortet

Praktiziert im katholischen Christentum, weil da die Gläubigen regelmäßig zum Beichten gehen sollten beim Pfarrer ---  hat sich jedoch geändert und an evangelischen Usus angepasst.

Warum?  na weil sonst die Leute sich gegenseitig hassen würden, was ja wohl nicht gewollt ist im Christentum. 

Kommentar von Viktor1 ,

Du hast da was falsch auf die Reihe bekommen. Hier geht es nicht um das Beichtgeheimnis oder ähnliche Verpflichtungen auch im profanen Bereich. Es sind meist  klösterliche "Übungen" auch in anderen Religionen.
Also - erst selbst informieren, dann andere.

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