animantis am 08.01.2008 um 19:49 Uhr
Die Bahn will an die Börse und schmückt die Braut mit möglichst überzeugenden Zahlen. Auf der Strecke bleibt allerdings der Bahnkunde, der es immer weniger blickt und ganz schnell zum unfreiwilligen Schwarzfahrer werden kann. Wer hat auch eine Meinung dazu, dass die Bahn noch andere Probleme als Streiks und Verspätungen hat? Ich habe mich vor zwei Monaten für eine Jahreskarte S- U-Bahnetz Berlin ABC entschieden. War das ein Fehler?

Wenn die Bahn in Berlin hinsichtlich Pünktlichkeit und Service nicht sehr viel besser ist, als in Westdeutschland, war das ein Fehler.

Was hat jetzt deine Frage mit deinen Aussagen zu tun..das eine begründet doch das andere nicht und du musst doch selber wissen in welchen Zonen du in Berlin fährst?
animantis am 8. Januar 2008 20:14 Schon klar: ist ja auch nicht der Kern der Frage das eigentliche Thema: ...dass die Bahn noch andere Probleme als Streiks und Verspätungen hat... ist der Punkt:
Nach Beobachtung des Fahrgastverbandes PRO BAHN klagen immer mehr Fahrgäste darüber, dass sie keine Fahrkarten für Züge der Deutschen Bahn mehr erhalten und vom Personal als Schwarzfahrer verfolgt werden. „Wer seine Fahrkarte im voraus am Schalter kauft, wird dafür mit Service-Gebühren bis zu 5 Euro bestraft, außerdem mit 15 Euro Bearbeitungsgebühr, wenn er die Fahrt nicht antritt,“ berichtet Rechtsexperte Rainer Engel. „Wer spontan zum Bahnhof geht, trifft oft auf überlange Schlangen und defekte Automaten. Viele Automaten nehmen gültige Geldscheine nicht an oder verkaufen die Fahrkarten nicht, die der Fahrgast benötigt. In den Zügen der DB warten dann Kontrolleure, die ehrliche Fahrgäste als Schwarzfahrer bezichtigen.“
Während andere Eisenbahnunternehmen in ihren Zügen Fahrkarten im Bordbistro oder aus Automaten verkaufen, hat die Deutsche Bahn ihren Zugbegleitern in vielen Bundesländern verboten, Fahrkarten auszustellen. Trotzdem werden an den Bahnhöfen Fahrkartenautomaten abgebaut. Zugleich betreibt die DB die Schließung zahlreicher Agenturen, die in kleineren Städten und Bahnhöfen den Fahrkartenverkauf mit großem Engagement aufgenommen haben. „Nach dem Willen der Börsenbahn sollen sich Fahrkartenverkäufer von ihren Kunden einen Service-Zuschlag bezahlen lassen. Zahlreiche Agenturinhhaber haben angekündigt, dass sie dann Verkauf und Beratung einstellen müssen,“ erläutert Engel. „Nur 4 Millionen Stammkunden kaufen Fahrscheine im Internet, mehr als 60 Millionen Bürger brauchen Beratung..."

Nein, wenn Du viel fährst, denn mit der Netzkarte kannst Du U-, S-Bahn und Busse benutzen. Und Berlin hat ein gutes Verkehrsnetz. Wenn die S-Bahn mal bei Streik nicht fährt, kannst Du immer auf die anderen Verkehrsmittel umsteigen. Einzelfahrscheine sind viel teurer, kannst Du ja mal ausreichnen.

andreas48 hat recht, aber ich möchte aber einige Worte hinzufügen:
Berlin liegt preislich noch im Mittelfeld, beim Angebot liegt die Stadt weit vorn.
Kaum ein anderes Netz hat eine solche Dichte und einen solch dichten Takt. Wer in NRW schon mal versucht hat, am Wochenende mit der S-Bahn zu fahren, der wird wissen, was ich meine. Stundentakt am Samstag/Sonntag, das wäre in Berlin undenkbar, hier gilt der Zehn-Minuten-Takt.
In der Woche fährt auf der Stadtbahn-Trasse in Berlin während des Tages alle drei Minuten ein Zug, am Stadtrand alle zehn Minuten. Bei der U-Bahn sind es alle fünf Minuten, bei den Bussen gilt tagsüber, also bis 20/21 Uhr, mindestens ein 15-Minuten-Takt.
Selbst nachts fahren Busse und Bahnen mindestens alle 20-30 Minuten und das auch in der Woche.
Man sollte dieses Angebot mal mit denen in anderen Städten vergleichen. Was weniger bekannt ist: diese Regionalverkehrsangebote werden von den Bundesländern selbst finanziert, mit Hilfe so genannter Regionalisierungsmittel. Das heißt, das Angebot wird vom Land bei den Verkehrsunternehmen bestellt und bezahlt! Die Fahrpreise decken nur einen Teil der entstehenden Kosten, die eingeplante Differenz, immerhin Milliardenbeträge im Jahr, übernimmt der Staat. Reicht das nicht aus, beantragen die Verkehrsunternehmen beim Land eine Fahrpreiserhöhung (offiziell: Fahrpreisanpassung).
Das heißt, wenn Linien wegfallen, hinzukommen, Takte verdichtet oder ausweitet werden, dann haben nicht die Verkehrsunternehmen wie DB oder in Berlin die BVG Schuld daran, sondern das Land, weil das die Verkehrsplanung im Rahmen ihrer politischen und verwaltungstechnischen Aufgaben übernimmt. Wenn eine Strecke weniger genutzt wird und zu hohe Verluste entstehen, dann kann es durchaus sein, dass das Land diese Verbindung nicht mehr bestellt und bezahlt. Da darf die Bahn nicht einfach sagen, wir fahren die Strecke doch oder anders herum kann sie nicht einfach eine unlukrative Verbindung einstellen.
Das gilt allerdings nur im Nah- und Regionalverkehr, im Fern- und Güterverkehr hat beispielsweise die DB die eigene unternehmerische Verantwortung. Das erklärt übrigens auch, weshalb sie mehr als vorher im Regionalverkehr mit allen Mitteln versucht hat, die Streiks in diesem Bereich zu verhindern.
Übrigens: Bevor hier jemand meint, hier einen Bahn-Mitarbeiter entdeckt zu haben, ich arbeite nicht für ein Verkehrsunternehmen. Da ich mich aber als Journalist mit dem gesamten System des ÖPNV und SPNV gründlich auseinandergesetzt habe, weiß ich, welch komplizierte Mechanik dahintersteckt. Andererseits kann ich aber verstehen, dass jemand, der die Hintergründe nicht kennt, auch mal seinen Unmut äußert.

Es wird doch niemand gezwungen Bahn Aktien zu kaufen.