Die 70er sind für mich die Jahre des größten gefühlten Wohlstands in Deutschland gewesen. Das fängt an mit fetten Bäuchen, billigen Immobilien, verchromten Opelkapitän- und Admiral-Stoßstangen, großen ASC- und Revox-Bandmaschinen und Millionen, die dieses Hobby pflegten, geht über eine wesentlich geringere Staatsverschuldung und geringere Arbeitslosigkeit. Es hat auch was mit einem unbeschwerteren Lebensgefühl zu tun, das sich in viel häufiger präsentierter deutscher Volksmusik im Radio, in bunten Prilpunkten und einer noch verständlichen DIscolandschaft mit Dieter-Thomas-Heck äußert.
Alle ab 40: Habt ihr rückblickend auch die 70er Jahre als Zeit größten Wohlstands in Erinnerung?
Antworten (11)
-
1Antwort von
cyberomacyberoma
Ich hatte in meinem Leben selten so wenig Geld wie in den 70ern, einen fetten Bauch schon gar nicht, und auch keine billige Immobilie.
Das ist doch wohl eher altersabhängig. Die Jugend hat immer wenig, erst die Älteren sind endlich zu Geld gekommen.
Und den Opel Kapitän gab es in den 60ern, soviel ich weiß.
-
1Antwort von
heffenbergheffenberg
Natürlich! Seit 1945/46 war es bis zur Ölkrise immer aufwärts gegangen mit dem Wohlstand und man hatte das Gefühl, diese Aufwärtsbewegung sei ein Naturgesetz. Der uns damals so verhasste Satz "Wer Arbeit sucht, der findet auch welche!" stimmte tatsächlich noch und die soziale Schere war weit weniger auseinandergeklafft.
1982 begann mit der "geistig-moralischen Wende" die Umverteilung von unten nach oben, der Ausverkauf des staatlichen Tafelsilbers ("Privatisierung") und die schleichende Übergabe der Macht von demokratisch gewählten Regierungen an vaterlandslose multinationale Konzerne ("Globalisierung"). Einige Jahre später sprach man von der "Neuen Armut".
Ende der siebziger gab ich jedem Straßenmusikanten, der "Sailing, I am sailing!" gröhlen konnte, eine Mark. Man traf nur selten welche; ich fand die Idee schön, auf der Straße Musikanten zu hören und konnte die Mark (für die man bei Tchibo z. B. 2 Tassen Kaffee bekam) erübrigen.
Heute sitzen in jedem zweiten U-Bahnhof Profimusiker, vor deren Kunstfertigkeit ich allerhöchsten Respekt habe, aber sie gehen mir auf die Nerven, weil es so viele sind und ich brauche die 50 Cent (ein Papp-Becher Kaffee kostet in der Deutschen Bahn 2,60EUR, also 5 Mark zwanzig) selber.
Früher lachte man in der Dreigroschenoper über Peachum, der die Bettler ausbildete ("Mein Vater war ein Trinker, meine Mutter war eine Säuferin..."), heute kann man nicht mehr S-Bahn fahren, ohne von den Absolventen solcher Schulung eine Obdachlosenzeitung angeboten zu bekommen.
Genau genommen war die gute Zeit vorbei, als Peter Gabriel sich von Genesis getrennt hat. -
-
1Antwort von
mops09mops09
das ist dann wohl "die gute alte zeit" - es war für mich zumindest eine unbeschwerte kindheit :-)
-
0Antwort von
MarcSuMarcSu
Das war tatsächlich so, auch wenn die Jungen das nicht wahrhaben wollen. Das verzeihe ich denen aber, weil sie diese Zeit nicht kennen.
Zu dieser Zeit konnte ein einfacher Arbeitnehmer noch den Bau eines eigenen Hauses in Angriff nehmen, ohne sich groß zu verschulden. Die Arbeitsplätze waren absolut sicher, natürlich auch nur für Leute, die arbeiten wollten, denn die Anderen gab es damals leider auch schon. Die Sozialkassen wurden gut aufgefüllt, denn es gab bei Weitem nicht so viele Menschen, die staatliche Unterstützung in Anspruch genommen haben.
Man konnte mit genügend Wissen, viel Mut und Schaffenskraft leicht ein eigenes Unternehmen gründen, wie ich z.B. und mit dem entsprechenden Know how auch zukunftsgerecht ausbauen.
Und heute ?
Wie haben sich die Zeiten und die Menschen doch verändert !
-
0Antwort von
isedingerisedinger
Die Zeit des Wohlstandes war es sicher nicht. Eher ging es noch etwas ruhiger zu.
-
0Antwort von
GilleGille
Ich kenne nur Wohlstandsjahre...habe noch nie Hunger gelitten, nie draußen schlafen müssen, nicht gedurstet...mir ging es bisher immer gut...und eigentlich allen anderen die ich persönlich näher kenne auch....
-
-
0Antwort von
Siam1Siam1
Jup!
Hab mir jetzt kein Wohlstandsbauch angegessen, aber erinnere mich gut an die Zeit, als man noch seinem Chef sagen konnte: Ne, das geht gar nicht.
-
0Antwort von
StefanMadreStefanMadre
Nein, damals waren unsere Ansprüche wesentlich geringer - und einen Opel Admiral konnte sich kaum jemand leisten!
-
0Antwort von
ReanneReanne
Könnte ich nicht sagen, für mich ist die Jetztzeit das bessere Leben, ohne Arbeit aber mit Einkommen zum Auskommen.´
Vielleicht hast du ja recht, vielleicht verkläre ich ja nur die eigene Kindheit.