Frage von Spiegleiiin, 36

ALG2 zur Überbrückung in Selbstständigkeit?

Hallo zusammen,

ich möchte für ein paar Monate diesen Sommer ALG2 beantragen.

Mein Fall: Studiert, Praktika gemacht, eine Weile als Selbstständig gemeldet Hostessen und Promotionjobs angenommen. Geld hat gerade so gereicht, war im Prinzip nicht mehr als ALG2 Niveau und unter der Einkommensteuergrenze. Jetzt möchte ich ein wenig im Sommer auf Selbstfindungskurs gehen und im Prinzip selbstorganisert einige Initiativen in Deutschland und Europa abklappern und dort Arbeiten und Wohnen gegen Kost und Logis.

Da ich in dieser Zeit kein Geld verdienen kann, aber dennoch laufende Kosten habe, ist eine Idee ALG2 anzumelden.

Nun meine Frage: Lässt mich das Amt ohne weiteres ALG2 beantragen? Muss ich mit aufgezwungener Zwangsarbeit in Form von 1 Eurojobs rechen, muss ich Bewerbungen vorzeigen? Wie läuft der Termin im Jobcenter genau ab und wie lange dauert es ca. bis man einen persönlichen Termin bekommt. Ich habe einmal gehört, dass man eine Weile (2-3 Monate) von dem Amt in Ruhe gelassen wird, wenn man überzeugend klar macht, dass man sich in dieser Zeit Neuorientiert und versucht einen Job zu finden, also keine Bewerbungen vorzeigen muss und Jobs von denen annehmen muss.

Ich bin über jeden Hinweis dankbar, der mir hier weiterhelfen würde. Vielleicht war ja jemand schonmal in einer ähnlichen Situation.

Sonnige Grüße Christin

Antwort
von sozialtusi, 23

Dir wird nichts aufgezwungen - eine Eingliederungsvereinbarung ist verhandelbar und DU bist diejenige, die Leistungen haben möchte ;) Zwingen wird Dich da niemand, da Du die Leistungen ja nicht nehmen musst, wenn Du dich dem Arbeitsmarkt nicht mit allen dazugehörigen Konsequenzen zu Verfügung stellen möchtest.

Man bekommt nicht sofort einen 1-Euro-Job. Die sind tatsächlich recht begehrt, weil Menschen mit schlechten Chancen gerne etwas tun und ein bisschen mehr auf der Tasche haben möchten und mal eben so werden die nicht vergeben. 

Wenn du rumreist und arbeitest, stehst du dem Arbeitsmarkt aber ohnehin nicht zur Verfügung, bist also nicht anspruchsberechtigt. "Selbstfindung" muss der Steuerzahle nicht finanzieren - das ist halt Privatvergnügen und das muss man sich leider leisten können.

Antwort
von EstherNele, 15

Ich fürchte, man wird dich nicht in Ruhe "Selbstfindung" machen lassen.

Du bist jung, du bist gut ausgebildet und damit sicher besser vermittelbar als weniger qualifizierte und vor allem familienbedingt ortsgebundene Personen.

Und was das "in Ruhe lassen" anbelangt: 
Ich kenne das, dass ich mich jährlich auf der Arbeitsagentur melden muss. Wir haben seit Jahren maßnahmegebundene Verträge über ein Jahr und ob es weitergeht oder eine Neuauflage gibt, erfahren auch wir oft erst 2-3 Wochen vorher, also vor Auslaufen.

Heißt: sicherheitshalber 3 Monate vorher zur AA. Da bekommt man schon den Hinweis: wenn wir uns melden (sollten), so vermutlich 6-8 Wochen später, dann bitte ruhig schon mit 6-8 Bewerbungen

Antwort
von GerdausBerlin, 12

Für dich greifen zwei Paragrafen.

SGB II § 15a Sofortangebot: "Erwerbsfähigen Personen, die innerhalb der letzten zwei Jahre laufende Geldleistungen, die der Sicherung des Lebensunterhalts dienen, weder nach diesem Buch noch nach dem Dritten Buch bezogen haben, sollen bei der Beantragung von Leistungen nach diesem Buch unverzüglich Leistungen zur Eingliederung in Arbeit angeboten werden."

Es kann also nur in Ausnahmefällen auf eine Maßnahme verzichtet werden. Ob deine geplante Orientierungsphase eine solche Ausnahme darstellt, muss dein Sachbearbeiter ermessen.

SGB III § 45 Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung in Verbindung mit SGB II § 16 Absatz 1. In solchen Fällen kann der Vermittler sagen: Eine gewisse Zeit lang gibt es ALG II (bzw. ALG I), ohne dass man dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen muss.

Auch eine solche Kann-Leistung gibt es nur in begründeten Ausnahmefällen. Falls vor Ort fünf zumutbare Stellen frei sind, fällt es sicher schwer, eine andere Variante zu wählen.

Gruß aus Berlin, Gerd

Antwort
von Spiegleiiin, 8

Hallo ihr lieben,

ich danke euch für eure bisherigen Antworten.

Ich freue mich weiterhin über Rückmeldungen, zb falls jemand auch bereits in dieser situation war.

Ich würde nicht glücklich werden, wenn man mich zwingen würde, mich in einen Job einzugliedern der  meiner Überzeugung nicht entspricht. Dann würde ich keine gute Arbeit leisten können und dass will der Arbeitgeber ja auch nicht ;)
Es ist für mich unglaublich wichtig diesen Sommer für mich zu haben.

Ich würde ALGII erst einmal nur von ca. Juni bis Oktober benötigen, so lang möchte ich unterwegs sein.

Sonnige Grüße

Christin

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