Frage von Heidi1956, 48

ALG II für Sohn vermögender Eltern?

Fall: 25-jähriger Sohn vermögender Eltern (gutes Einkommen, erheblicher Grundbesitz) wohnt noch zu Hause, mehrere Ausbildungsversuche abgebrochen, hangelt sich von einer Arbeitsagentur-Maßnahme zur nächsten, Arbeitsmarktfähigkeit wird z. Zt. getestet. Lebensunterhalt wird bislang von den Eltern gezahlt. Müssen die Eltern endlos für ihn aufkommen oder kann er ALG II bekommen? Muss er für ALG II - Bezug in eigene Wohnung ziehen oder kann er das auch bekommen, wenn er zu Hause wohnen bleibt?

Antwort
von nutsnbolts, 48

ALG ist keine Lösung - egal, ob Euer Sohn weiterhin zuhause wohnt oder ob er auszieht. Er führt Euch nur vor. Und Du wirst Dich wundern, wie schnell seine (angebliche) Erkrankung verfliegt, wenn er sich selbst durchschlagen muss.

Abhängen ist nicht. Führt zu Zweit mit ihm das Gespräch, sodass er Euch nicht gegeneinander ausspielen kann. Dabei stellt ihr ihn vor die Wahl, sich für eine von drei Lösungen zu entscheiden:

1. Er geht als Aushilfe arbeiten. Egal wo, egal was. Hauptsache, er tut 'was und kann überall mal ein wenig rein schnuppern. Vielleicht findet er so seinen Traumjob.

2. Er beginnt ein Studium oder startet eine Lehre. Was liegt ihm? Was sind seine Stärken?

3. Er macht ein soziales Jahr - egal, ob im In- oder Ausland. Hauptsache, er macht's. Beim Helfen kommt er rasch auf ganz andere Gedanken.

Lasst Euch nicht vertrösten, setzt ihm eine Frist und verlangt unerbittlich eine Entscheidung. Und dann fragt Ihr jeden zweiten Tag nach, wie weit er schon ist, wo er sich vorgestellt hat, was er als nächstes zu tun gedenkt etc...

Wenn er sich windet und dreht und auch Ihr Euch eventuell mit allen drei Optionen schwer tut, dann macht mit ihm folgenden Deal: Ihr schickt ihn für mindestens ein, besser zwei Jahre in's Ausland. Dafür bietet sich das Travel & Work Programm in Australien an. Da Geld bei Euch nicht das Problem zu sein scheint, kauft ihm ein Return-Ticket nach Sydney in der Eco-Klasse und überweist ihm die 3.000 € auf's Konto, die er bei der Einreise vorweisen muss.

Ergebnis: Ihr schickt einen unreifen Sohn weg und bekommt einen selbstbewussten Erwachsenen zurück. Glaub' mir, ich weiss, wovon ich spreche.

Kommentar von Heidi1956 ,

So einfach ist es nicht.

1. Er hat schon diverse Praktika/Ausbildungen (euphorisch) begonnen und nach ein paar Tagen/Wochen kippte die Stimmung weil er ein klein wenig kritisiert wurde - und dann geht er.

2. Mit dem Lebenslauf bekommt er kaum einen Ausbildungsplatz bzw. übersteht nicht die Probezeit.

3. Er hat 2 Wochen zur Probe vor einem FSJ beim Fahrdienst des Roten Kreuzes gearbeitet (Essen ausfahren). Dann hat er von selbst aufgehört, weil er merkte, dass die anderen Teilnehmer sehr viel dynamischer/schneller/gewitzter sind. Außerdem hatte er Probleme mit der Arbeitsgeschwindigkeit, mit der Handhabung der Essensbehälter, der Merkfähigkeit (wer was bekommt). Wenn es nicht sofort flutscht hört er auf - er hat keine Lust etwas zu lernen, sich anzustrengen.

4. Die Begleiterin der Maßnahme "Diagnose Arbeitsmarktfähigkeit" hat es in 2 Monaten nicht geschafft ihn wenigstens in ein Praktikum zu vermitteln, obwohl er diverse Ideen hatte und er ihr zig Adressen geliefert hat, wo sie es probieren sollte.

5. Er ist nicht selbständig genug um sich allein in Australien durchzuschlagen. Außerdem fliegt er nicht mehr seit dem Suizid-Flug in diesem Frühjahr.

Kommentar von lindgren ,

Er ist krank. Psychisch stimmt da was nicht oder evtl. hat er geistige Defizite. Er wird immer auf euch angewiesen sein. Allenfalls könnte er in einer Einrichtung für benachteiligte Menschen arbeiten. Aber Unterhalt werdet ihr immer zahlen müssen.

Kommentar von nutsnbolts ,

Ihr macht es ihm zu einfach, seid voll in die Eltern-Falle gelaufen. Wenn er scheitert (oder keinen Bock mehr hat), ist Eure Tür immer weit offen und Ihr habt unendliches Verständnis für ihn. So kann das nicht weiter gehen.

Zu Deinem Kommentar: Wenn er "ein klein wenig" kritisiert wird, geht er? Was ist denn das für eine Nummer? Und das lasst Ihr zu?

Lebenslauf? Das ist bei Travel & Work eher Nebensache. Dort musst Du mit anpacken und Dir selbst "den Hintern abputzen".

Ja, im richtigen Leben wird es immer jemanden geben, der "dynamischer, schneller, gewitzter" als man selbst ist. Damit muss man lernen, umzugehen. Sonst wird man bereits mit 30 zum Pflegefall.

Du schreibst "er hat keine Lust etwas zu lernen, sich anzustrengen"? Ich habe den Eindruck, das Problem ist nicht er, sondern seine Eltern, die es ihm offensichtlich bisher jede Barriere aus dem Weg geräumt und es ihm damit viel zu einfach gemacht haben.

Der Hammer aber ist die Tatsache, dass Euer Herr Sohn "...diverse Ideen hatte" und die Begleiterin der Maßnahme 'Diagnose Arbeitsmarktfähigkeit' es in 2 Monaten es nicht geschafft hat, ihn wenigstens in ein Praktikum zu vermitteln, "...obwohl er er ihr zig Adressen geliefert hat, wo sie es probieren sollte". Du meine Güte, warum macht er das nicht selbst? Ich fass' es nicht.

Und dann schreibst Du, er sei "nicht selbständig genug, um sich allein in Australien durchzuschlagen?" Das glaubst Du. Weisst Du was? Du stehst ihm und Dir selbst im Weg. Du klammerst, Du kannst / willst nicht loslassen. Probier's doch erst mal aus und sag' nicht vorher, das wird nix. Auch seine abgebliche Weigerung, ein Flugzeug zu betreten, ist nur vorgeschoben, weil er Sorge hat, das warme Nest verlassen zu müssen.

Merkst Du nicht, was hier gespielt wird? Wach' auf und sei endlich mal konsequent und ehrlich zu Dir selbst. Oder Ihr geht einfach mal zu Dritt zu einem erfahrenen Familientherapeuten. Das wäre es mir wert, wenn das mein Sohn wäre und ich die Kohle dafür hätte. Echt.

Antwort
von GerdausBerlin, 27

Die Unterhaltspflicht für Verwandte dauert ein Leben lang. Wer aber 18 ist und erwerbsfähig, bei dem dominiert die Erwerbsobliegenheit über das Recht auf Unterhalt: Er muss sein Geld selbst verdienen, falls er nicht gerade mitten in einer Erst-Ausbildung steckt!

Und wenn er keinen Job hat oder zu wenig verdient, hat er Anspruch auf ALG II - da muss kein Unterhalt gezahlt werden, der Bezug von ALG II ist vorrangig.

Ausnahme 1: Ein Kind ist unter 25 und wohnt bei mindestens einem Elternteil. Dann zählt das Kind noch zu einer Bedarfsgemeinschaft mit den mitwohnenden Elternteilen. Deren Einkommen und deren Vermögen zählen also mit. SGB II § 7 Absatz 3.

Ausname 2: Ein Kind über 24 lebt mit Verwandten (Eltern, Großeltern, Geschwistern, Tanten usw.) oder Verschwägerten (Schwager, Schwiegermutter usw.) in einer Haushaltsgemeinschaft. Dann "wird vermutet, dass sie von ihnen Leistungen erhalten, soweit dies nach deren Einkommen und Vermögen erwartet werden kann." SGB II § 9 Absatz 5.

Dieser Vermutung kann allerdings widersprochen werden, was oft Erfolg hat.

Ausnahme 3: Ein Kind (oder ein Elternteil) wird für nicht erwerbsfäig erklärt. Siehe dazu SGB II § 44a Feststellung von Erwerbsfähigkeit und Hilfebedürftigkeit.

Dann dominiert wieder die Unterhaltspflicht der Verwandten in gerader Linie laut BGB. Aber auch hiervon gibt es eine Ausnahme:

Ausnahme 4: Sobald das Kind (oder das Elternteil) dauerhaft erwerbsgemindert ist, kann es Grusi erhalten nach Kapitel 4 SGB XII. Hier werden die Unterhaltspflichtigen frühestens herangezogen, wenn sie über 100.000,- im Jahr verdienen.

Das Kind könnte also ab 25 auch zu Hause ALG II bekommen - falls die Ausname 2 nicht greift.

Gruß aus Berlin, Gerd

Antwort
von youarewelcome, 17

Nachtrag: Dazu möchte ich vielleicht noch anregen, dass ihr ihn mal vom "Taschengeld" abnabelt...der soll seinen Hintern mal hochbekommen....daran müsst ihr arbeiten...nix bis mittags pennen...nix am Abend mit den Kumpels um die Häuser ziehen...ihr müsst die Leine KURZ halten...der hat ein Dach überm Kopf, Essen und Klamotten und medizinische Versorgung durch Euch....darüberhinaus hat seine einzige Beschäftigung zu sein, sich für eine Ausbildungsstelle zu bewerben und seinen Hintern hoch zu bekommen...verzeih meine DIREKTEN Worte, aber mit 25 muss man mal den Hintern hochkriegen.

Antwort
von kathyhhb, 39

Unterhalt muss dem kind bis zur ersten erfolgreich abgeschlossenen berufsausbildung gezahlt werden.er hat keinen anspruch auf ALG2.es seidenn die finanzielle last ist so groß, dass sich die eltern verschulden müssen.auch wenn er ausziehen würde hätte er keinen anspruch auf ALG2. Ich kenne mich mit dieser thematik aus, denn mein bruder begann ein studium,machte seinen doktortitel, schloss dieses mit 28 jahren ab.da unsere eltern ebenfalls vermögen besitzen, mussten sie sämtliche kosten übernehmen, da hierbei auch kein anspruch auf bafög bestand.

Kommentar von Heidi1956 ,

Beim Studium ist es doch auch etwas anderes. Das ist ja klar, dass man kein Bafög bekommt wenn die Eltern das auch stemmen können. Aber wenn jemand - aus welchen Gründen auch immer - nicht in der Lage ist eine Berufsausbildung abzuschließen wann endet dann die Unterhaltspflicht?

Kommentar von lindgren ,

Wenn dein Sohn, wie du schon bei einer Frage schriebst, behindert ist, dann endet eure Unterhaltspflicht nie. Als vermögende Eltern werdet ihr immer hinzugezogen werden.

Kommentar von youarewelcome ,

die endet nicht, technisch könnte er 55 sein und Du darfst immer noch für ihn zahlen..so einfach ist das. Man kann auch als vermögendes Mitglied in der Gesellschaft, nicht einfach das eigene "Kind" dem Steuerzahler aufdrücken, weil einem irgendwie jetzt gerade mal auffällt, dass ja wohl irgendwann, irgendwas in der Erziehung und dem Vermitteln von Moral und Werten schiefgelaufen ist!

Kommentar von nutsnbolts ,

Man kann auch ohne Abgeschlossene Berufsausbildung arbeiten gehen: Zum Beispiel im Supermarkt die Regale auffüllen. Oder wer es schicker und in Uniform
mag: Am Flughafen die Passagiere ein-checken. Geht auch ohne Berufsausbildung. Oder in der Gastronomie. Oder, oder, oder.

Es gibt nur eine einzige Bedingung: Man muss sich selbst dafür in Bewegung setzen. Denn es wird niemand vorbei kommen, klingeln und sagen "hey, hier haben wir 'nen tollen Job für Dich". So ist das nun mal.

Kommentar von youarewelcome ,

Klar kann man ...dafür muss man aber den Hintern hochbekommen und anscheinend bekam er ja 25 Jahre lang alles nachgetragen, was sich jetzt rächt!

Antwort
von beangato, 36

Ab 25 kann er ALG II beziehen.

Schließlich ist mal Ende im Gelände.

Er sollte sich eine eigene Wohnung nehmen (ich würde ihn eigenhändig rauswerfen).

Kommentar von youarewelcome ,

das ist leider FALSCH...das steht auch nirgendwo...mal schön nachlesen...er könnte technisch 55 sein und die Eltern sind vermögend und werden hinzugezogen so einfach ist das, ich weiß nicht woher die Leute das mit dem 25 haben...völlig daneben, geh es mal suchen und Du wirst finden, dass das Gesetz hier nichts von 25 und Unterhaltsplicht endet dann schreibt!

Kommentar von beangato ,

Das denkst aber nur Du.

Lies selbst, ehe Du hier Falschinformationen gibst:

Vollendet der Sohn, der bei seinen Eltern lebt das 25. Lebensjahr, so scheidet er automatisch aus der Bedarfsgemeinschaft aus. Er selbst bildet eine Haushaltsgemsinschaft.

http://www.hartziv.org/bedarfsgemeinschaft.html

Übrigend weiß ich das aus eigenem Erleben mit meinem Kind.

Antwort
von Hexe121967, 37

ich glaube, solange er noch bei euch wohnt, wird das nichts mit unterstüzung vom amt. ihr lebt ja in einer gemeinschaft und da wird dann nicht nur sein nicht vorhandenes einkommen gezählt. also: schmeiss die faule socke raus damit er das harte leben kennen lernt und den hintern bewegt.

Antwort
von lindgren, 48

Uh...solange er unter eurem Dach lebt, wird er kein ALG II bekommen, da ihr eine Bedarfsgemeinschaft bildet. Anders ist es, würde er sich eine Wohnung nehmen. Oder aber ihr könnt nachweisen, dass er zwar in eurem Haus lebt, aber in einer eigenen abgeschlossenen Wohnung.

Warum wollt ihr ihn nicht mehr unterstützen, ihr könnt es euch doch leisten. Du schreibst ja in einer deiner Fragen, dass dein Sohn eine Behinderung hat. Warum sollte der Steuerzahler, wie auch ich, für einen Mann aus vermögendem Haus aufkommen? Das frage ich mich!


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