Frage von Enzephaloid, 201

ALG 2 ... verhält sich das wirklich so?

Also, meine Freundin ist seit 3 Jahren arbeitslos und bezieht derzeit ALG 2. Sie fühlt sich aufgrund einer chronischen körperlichen Erkrankung nicht dazu in der Lage, volltags zu arbeiten. Halbtags würde sie sich zutrauen, aber da sieht sie folgendes Problem: Da sie etwas weiter außerhalb wohnt, müsste sie zu einem Halbtagsjob mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren. Dieses würde Ihrer Ansicht nach so viel kosten, dass sie mit dem neuen Job abzüglich der Fahrtkosten letztlich weniger Geld zu Verfügung hätte, als wenn sie gar nicht arbeiten würde und eben ALG 2 beziehen würde. Umziehen könnte Sie nicht, weil sie, wenn sie in die Stadt zöge, ja auch eine viel höhere Miete zu zahlen hätte bzw. eine viel kleinere Wohnung hätte, und halt ohnehin kein Geld für den Umzug hätte, etc..

ALG 2 ist ja nun mal schon wenig und mit sogar noch weniger zurechtzukommen, kann ich mir schon als sehr schwierig vorstellen. Aber gibt es in solchen Fällen nicht irgendwie Zuschüsse von der ARGE, um die Arbeit in solchen Fällen attraktiver zu gestalten? Wird einem da dann vielleicht die Monatskarte oder so bezahlt oder wird das niedrige Gehalt bezuschusst oder so?

Sie hat mehrere Jahre mit Erfolg (ebenfalls von der ARGE gefördert) Graphik-Design studiert, anschließend 1 Jahr gearbeitet und ist dann nicht verlängert worden. Seitdem ist sie eben arbeitslos und ich würde Sie gerne dazu motivieren, wieder einen Job zu suchen, bzw. würde gerne dagegensprechende Hürden ausräumen. Allerdings kenne ich mich mit dem Sozialsystem, der ARGE, Hartz IV und dem Ganzen nicht so gut aus, weil ich so ungefähr reich bin und daher noch nie damit zu tun hatte.

Vielleicht könnt Ihr mir ja ein Paar Tipps für das beschriebene Problem geben.?

Dankeschön.

Antwort
von Indivia, 77

Jein,

wenn sie unter 450€ bleint ist dies tatsächlich der Fall,das sie dann nur den freibetrag von 100€ plus 20%  vom Rest hat. Da kann es tatsächlich seind as man letztendlich mit weniger nach Hause geht.

Anders sieht es bei einem sv.pflichtigem job ab 450,01€ aus,denn hier kann sie dietatsächlinen Unkosten geltend machen

"

Fahrtkosten

Bei den Fahrtkosten werden bei notwendiger Fahrt
von der Wohnung zum Dienstort mit einem Kraftfahrzeug 0,20 € für jeden
Entfernungskilometer übernommen (siehe hierzu § 11b SGB II
i.V. mit § 6 Abs. 3b ALG II-V). Sind diese Kosten höher, können sie
übernommen werden, auch eine Fahrkarte oder eine Monatsfahrkarte können
hier abgesetzt werden." (quelle: http://www.hartziv.org/erwerbstaetigkeit-und-alg-ii.html)

Kommentar von Enzephaloid ,

Danke. Und werden die Fahrtkosten dann wirklich komplett erstattet?

Kommentar von EstherNele ,

wenn sie unter 450€ bleint ist dies tatsächlich der Fall,das sie dann nur den freibetrag von 100€ plus 20%  vom Rest hat. Da kann es tatsächlich seind as man letztendlich mit weniger nach Hause geht.

Unter 450 nennt man das einen Minijob. Wenn sie max 450 verdient, zahlt sie keine Sozialabgaben auf diesen Verdienst, dann ist Brutto = Netto. 

Ansonsten macht "unter 450 €" oder über "450€" keinen Unterschied dabei, wie es angerechnet wird, nur bei ein paar kleinen Dingen, die man anders "absetzen" kann.

Zu deiner obigen Aussage (welche definitiv nicht richtig ist) mal ein Rechenbeispiel: 

Wer 400 € verdient, darf davon 100 € + 20% des restlichen Betrages, also 20% von (400-100)€ anrechnungsfrei behalten.

Also 100€ + 20% von 300 € = 160 €. Das nennt man Freibetrag.

Für das Jobcenter bleibt ein anrechenbares Einkommen von 400€ minus Freibetrag, also 240 €.

Wenn das Jobcenter wegen der Anrechnung des anrechenbaren Einkommens also 240 € weniger zahlt, der Arbeitgeber aber gleichzeitig 400 € Verdienst auszahlt, dann bleibt immer noch ein Plus von 160 €, also genau der Höhe des Freibetrages.

Dass man als Aufstocker weniger Geld hat, als wenn man "Nur ALG II" bekäme, geht überhaupt nicht. Du darfst dann ja nicht nur das Geld vom Jobcenter sehen, sondern es kommt ja auch noch der Verdienst dazu.

Kommentar von Indivia ,

Viele nennen leider auch einen Minijon einen teilzeitstelle uund genau das habe ich doch geschrieben ein sv-pföichtiger joc ist einer bei dem man Sozialabgaben zahlen muss.

Und genau deine rechnung habe ich doch oben auch genannt.

Also bis dahin ist shcon mal alles richtig.

Und zu dem rest ,wenn ich dann allerdings bei einem Minijob Fahrkosten von 110€ habe, dann bleiben mir tatsächlich vomn den 400€ nur 50€ übrig.

Rechnung: 160€ Freibetrag -110€ fahrtkosten = 50€ ( nur als Beispiel)

" Bei erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die erwerbstätig sind, ist
anstelle der Beträge nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 bis 5 ein Betrag von
insgesamt 100 Euro monatlich abzusetzen. Beträgt das monatliche
Einkommen mehr als 400 Euro,
gilt Satz 1 nicht, wenn die oder der
erwerbsfähige Leistungsberechtigte nachweist, dass die Summe der Beträge
nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 bis 5 den Betrag von 100 Euro übersteigt.
Erhält eine leistungsberechtigte Person mindestens aus einer Tätigkeit
Bezüge oder Einnahmen, die nach § 3
Nummer 12, 26, 26a oder 26b des Einkommensteuergesetzes steuerfrei
sind, gelten die Sätze 1 und 2 mit den Maßgaben, dass jeweils an die
Stelle des Betrages von 100 Euro monatlich der Betrag von 200 Euro
monatlich und an die Stelle des Betrages von 400 Euro der Betrag von 200
Euro tritt. § 11a Absatz 3 bleibt unberührt." (quelle http://dejure.org/gesetze/SGB_II/11b.html).

Also was ist jetzt bitte an meiner Aussage falsch? ( ausser das es jetzt wahrscheinlich 450€ sein m,üssten)

Kommentar von Indivia ,

Und die Aussage das es sein kann, dass man mit weniger heim geht, war darauf bezogen, wenn man
bei einem Minijob sehr hohe Fahrkosten hat. ( was leider je nach Region
vorkommen kann, ich hätte für meinen Minijob damals für mein
Monatsticket 211€ zahlen müssen, hatte jedoch das Glück eine günstigere fahrkarte über meine Ma beziehen zu können )

Und in dem Fall würde man draufzahlen und hätte letztendlich weniger.

Kommentar von isomatte ,

Ab einem monatlichen Einkommen von 400 € kann man erhöhte Fahrkosten / Aufwendungen geltend machen,die wegen der Beschäftigung entstehen !

Der Grundfreibetrag von 100 € ist nach Abzug der 30 € Versicherungspauschale und der 15,33 € für die Werbungskosten für diese Aufwendungen einzusetzen.

Es würden also hier von den 100 € erst mal 45,33 € abgezogen,es blieben nur noch 54,67 € für diese Aufwendungen übrig,den Überschuss könnte man dann separat geltend machen.

Nur würde sich das Jobcenter dann in deinem Fall fragen warum man einen Minijob annimmt,wenn man über 200 € an Fahrkosten hat,dann sucht man sich etwas in der Umgebung.

Wenn ich da von mir aus gehe,dann könnte das im Umkreis von ca. 20 km sein,denn bis da hin würde unser Monatsticket gültig sein,dass würde dann 28 € kosten.

Kommentar von Indivia ,

Das war ich mir jetzt unsicher ob es jetzt ab 400 oder 450€ euro ist,da die Minijobgrenze ja erhöht wurde.

Naja für 28€ kann man mittlerweile mit dem Sozilticket gerade bei uns in der Stadt fahren ( solche gab es damals noch nicht, normales Ticket damals 65€).

Aber genau das meien ich,das man die Fahrkosten vorher bedenken soll und die Ticketpreise scheinen ja doch sehr stark zu varieren.

Antwort
von EstherNele, 111

Wenn man einem Arbeitnehmer zumuten würde, zu arbeiten und dadurch weniger als das Minimum an sozialer Absicherung, also ALG II, zu verdienen, dann würde erstens kein Mensch eine solche Tätigkeit aufnehmen und zweitens würde es den Festlegungen des SGB II widersprechen, die sagen: so und so viel muss ein Mensch in DE mindestens an Einkommen haben.

ALG II ist eine nachrangige Leistung, das heißt - man muss erst alle anderen Einkommen, die man so hat, zur Sicherung meines Lebensunterhaltes einsetzen, erst wenn das nicht reicht, springt der Staat mit der (ergänzenden ) Leistung ALG II ein. (Einkommen sind Erwerbseinkommen, Kindergeld, Unterhalt, Unterhaltsvorschuss, eine Rente zum Beispiel (Waisen-/Halbwaisen-/Opferrente , keine Alters- oder Erwerbsunfähigkeitsrente!)

Hat jemand gar kein Einkommen, bekommt er sein gesamtes Geld vom Jobcenter.

Natürlich rechnet man einem Arbeitnehmer mit geringem Erwerbseinkommen nicht den kompletten Betrag an, sondern gewährt bestimmte Freibeträge. Dadurch hat man, wenn man nur gering verdient (weil man vielleicht nur ein paar Stunden arbeitet), durch Ergänzung mit anteiligen ALG II- Leistungen dennoch mehr Geld als mit ausschließlich ALG II.

Fahrkosten kann man, wenn man ergänzendes ALG II bezieht, geltend machen, damit würde man dann ein paar Euro mehr haben.

Außerdem würde ein arbeitsbedingter Umzug vom Jobcenter unterstützt werden, man würde zumindest ein die reinen Umzugskosten und ein Darlehen für die Kaution bekommen.

Selbst wenn die Wohnung in der Stadt etwas teurer ist - wenn deine Freundin aufstockende Leistungen bekäme, dann würde sich ihr "Bedarf " ja immer aus der Regelleistung und den Kosten der Unterkunft berechnen.

Sind die Kosten der Unterkunft höher, dann würde sie eben auch mehr aufstockend ALG II bekommen.

Selbst wenn es kein Vollzeitjob ist oder nicht so gut bezahlt - egal. Sie sollte jede Gelegenheit nutzen, um beruflich einen Fuß in die Tür zu kriegen.

Sie scheint ja nicht über so lange Berufserfahrung zu verfügen, dass man davon zig Jahre zehren kann.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wi potentielle Arbeitgeber sagen, du bist zu lange raus aus dem Job bzw. gar nicht erst richtig reingekommen.

Also lieber erst mal einen Job, notfalls mit Zuschüssen und aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus weiter suchen. 

Kommentar von Enzephaloid ,

Ja, ich sehe das so wie Du, aber sie meint eben, mehr als ein Halbtagsjob wäre für sie nicht zu schaffen. Dein Umzug möchte Sie auch deswegen nicht, weil Ihre jetzige Wohnung halt recht gut ist. Ist vom Preis oder den Quadratmetern oder so genau an der Obergrenze von dem, was ihr zugebilligt würde und ziemlich gut geschnitten und gelegen und so.

Antwort
von skyfly71, 97

Weniger als ALG II geht nicht. Das Einkommen wird ja nicht komplett angerechnet, sondern es können Beträge abgesetzt werden, die das Einkommen mindern - so z.B. auch Fahrtkosten.

Wie viel jemand arbeiten kann, liegt nicht in seinem eigenen Ermessen, sondern wird bei unterschiedlichen Ansichten zwischen Hilfeempfänger und Jobcenter durch einen Amtsarzt beurteilt.

Bei beruflich bedingten Umzügen werden die Umzugskosten ebenfalls durch das Jobcenter übernommen.

Kommentar von Enzephaloid ,

Danke. Das heißt, wenn sie für Ihren Job z.B. nur den ALG-2-Satz als Gehalt bekäme, würde sie in dem Fall die kompletten Fahrtkosten zurückerstattet bekommen?

Kommentar von skyfly71 ,

Nein, nicht ganz. Sie kann von ihrem Einkommen die Fahrtkosten abziehen. Nur der Rest wird dann auf das ALG II angerechnet.

Um es deutlicher zu machen: Wenn sie 3000,- verdient und 500,- Fahrtkosten hat, wird sie mit 2500 trotzdem noch deutlich mehr haben, als sie ALG II bekommen würde. Dann gibt's vom Amt natürlich trotz der Fahrtkosten kein Geld mehr.

Antwort
von GerdausBerlin, 80

Mit Arbeit und aufstockendem ALG II hat man so gut wie immer mehr Geld in der Tasche als mit ALG II alleine - und zwar bis zu 330,- (als Single; oder 340,- ?) im Monat.

Die einzige Ausnahme: Wenn man nur bis zu 400,- (nicht: 450,- !!! Siehe SGB II § 11b: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb\_2/\_\_11b.html ) verdient, aber über 400,- Fahrkosten hat. Dann hat man trotz aufstockendem ALG II weniger Einkommen als ohne Arbeit.

Aber dann ist die Arbeit ja auch als Hobby zu betrachten und nicht als Erwerbstätigkeit (also um Geld zu erwerben) - oder als Einstiegs-Chance in einen Job über 400,- Euro, wie Esther Nele schrieb. Und für Einstiegs-Chancen gibt es eigene Fördermittel, s. SGB II § 16 Absatz 1 in Verbindung mit SGB III § 48 (oder so; ach hier: § 45 Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung!).

Ob ein Job in der weit entfernten Stadt zumutbar ist, ergibt sich aus SGB II § 10 Zumutbarkeit, in Verbindung mit SGB III § (??), wo die zumutbaren Pendelzeiten vorgeschrieben sind: 2, 5 Stunden am Tag bei einer Arbeit über 6 Stunden, 2 Stunden am Tag bei einer Arbeit bis zu sechs Stunden am Tag (aus dem Gedächtnis).

Ob sechs Stunden Arbeit am Tag plus 2 Stunden Pendeln gesundheitlich als verkraftbar eingestuft werden, hängt auch von Gutachten der behandelnden Ärzte und im Streitfall eines Amtsarztes ab.

Gruß aus Berlin, Gerd

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