Frage von Rennratte, 122

Akzeptieren was ich bin?

Guten Abend. Meine Freundin hat die Beziehung mit mir beendet, weil sie der Meinung ist, dass ich ein Soziopath bin. Und wenn ich so selbstreflektiere, über mich, die Beziehung und alle Merkmale die einen Soziopathen ausmachen nachdenke, dann komme ich zu dem Schluss, dass sie wohl recht hat. Keine Empathie, nicht lernfähig, kann keine Beziehung aufrecht erhalten etc. etc. und ich bin es leid. Ich habe dadurch eine Person verloren die mir sehr wichtig ist und nun stehe ich quasi vor dem Nichts und fühle nur Leere in mir. Soll ich akzeptieren was ich bin und den natürlichen Dingen ihren Lauf lassen, dass ich quasi Beziehung zu Menschen, welche mich liebten/mochten, einfach zerstöre? Soziopathie ist nicht heilbar und ich habe meine Freundin sowieso schon verloren, also gibt es keinen richtigen Weg mehr für mich und ich fühle mich rat- und orientierungslos. Was kann ich tun? Ich fühle mich missverstanden und einsam.

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 78

Hallo Rennratte,

da ist noch nicht 'Hopfen und Malz verloren' ;-) Du kannst sehr wohl etwas tun, denn Du hast ja bereits eingesehen, dass Du eher nicht zu den sympathisch rüberkommenden Personen gehörst. Also, ändere etwas daran, Schritt für Schritt.

Überlege Dir bitte, was Dich am meisten an Dir stört und fange damit an. Oder erstelle  eine Liste und fange mit dem leichtesten an, dann hast Du schneller ein Erfolgserlebnis.

Es gibt eine Menge Ratgeberseiten über Google und Unmengen an Literatur oder Psychologen und Beratungsstellen, die Dir dabei helfen können.

LG

Buddhishi

Antwort
von Kitharea, 75

Also 1. mag schon sein dass das stimmt aber deine Freundin ist sicher kein Therapeut oder Psychiater. Das ist halt jetzt erst einmal vorbei aber noch lange kein Weltuntergang.
Wenn du wissen willst, wer du bist, geh zu einem Therapeuten - da kann man auch über die Beziehung reden und was da war und alles. Der versteht dich auch.
Frauen übertreiben halt auch manchmal und interpretieren - grade in den Partner sehr viel rein. Und das ist mitunter wie Karten legen. Natürlich findet man immer etwas was nicht passt und oft sucht man auch einfach nur eine Ausrede. Es ist wie es ist. Letztendlich sollte es egal sein weil es immer ein Gegenstück dazu gibt. Ob man es findet ist nur die Frage.
Lass dich von dem was deine Ex gesagt hat nicht runterziehen. Wie ging es dir denn bis dahin mit dir selbst? Ich meine - wenn es dir gut geht - jetzt einmal abgesehen von deiner Ex - warum solltest du was dran ändern? Du schadest keinem und Beziehungen gehen halt nun einmal auseinander oder auch nicht. Diese Leere kann auch einfach Liebeskummer sein. Auch das ist normal - und überraschend da du ja angeblich keine Empathie empfindest und trotz Allem versucht hast sich in sie hineinzuversetzen - so gut oder schlecht du das halt konntest.
Und eine Beziehung ist nicht auf den Schultern einer der Personen sondern auf beiden. Du bist nicht allein dafür verantwortlich. Das ist doch immer so - dass einer versucht alle Schuld auf den Anderen zu schieben. Bei dir ist das scheinbar auch einfach weil du dir sagen lässt du bist Soziopath und dir selbst auch noch die Schuld gibst. Es geht nicht um Schuld - es geht NUR darum wie es dir geht ohne diese Schuldgefühle jetzt in der Situation. Wenn es dir gut geht ist halt eine Beziehung zu Ende. Wenn nicht kannst und darfst du an dir forschen. Warte erst einmal die Trauerphase wegen der Beziehung ab und überleg dann weiter. Aber gib dir nicht für Alles die Schuld. Deine Ex ist auch nur ein Mensch.

Kommentar von Rennrattee ,

Danke für die Antwort, genau das habe ich ihr auch immer wieder gesagt. Man muss dazu erwähnen, dass sie schon immer Psychologie studieren wollte, es aber durch ihr schlechtes Abi nicht geschafft hat und ich glaube, sie versucht es dadurch zu kompensieren. Sie ist fest davon überzeugt, dass ich bin was ich bin und wenn ich versuche sie davon zu überzeugen, dass ich das nicht bin oder sein will, dann sieht sie es als Manipulation meinerseits ein bzw. dass ich sie belüge, was ja für Soziopathen typisch ist.Wie es mir davor ging? Das ist mehr als 4 Jahre her, ich bin heute ein anderer Mensch. Ob es mir gut geht, na ja, ich war mit ihr sehr lange Zeit zusammen und jetzt da sie weg ist, fühle ich mich einfach nur verloren und einsam. Im Endeffekt komme ich zu dem Schluss, dass es mir nicht gut geht, ich hätte diese Beziehung retten können, aber habe es nicht gemacht. Sie hat mich all die Jahre lang nicht so behandelt wie sie es bei unserer Trennung getan hat, als wäre ich das letzte Stück Dreck, und so fühle ich mich auch. Es gibt so viele Komponente die in dieser Sache mitspielen. Man muss dazu erwähnen, dass bei ihr lange der Verdacht auf Borderline war, da sie ebenfalls viele Symptome aufwies, aber jedoch nie in Behandlung war. Im Großen und Ganzen fühle ich aber trotzdem, dass mit mir was nicht in Ordnung ist, denn sonst hätte sie mich niemals so behandelt, obwohl sie immer wieder beteuert hat, dass sie mich liebt und das Jahre lang. 

Kommentar von Rennrattee ,

Zusatz: Einen Therapeuten kann ich mir leider nicht leisten und aufgrund privater Gründe kann ich damit nicht zur Krankenkasse, mit welcher Begründung denn auch ..

Kommentar von Kitharea ,

Also ... ich finde es nicht so prall wenn alle möglichen Menschen anfangen psychologische Gutachten über Andere zu machen. Ob man an sich selbst nach Fehlern sucht auf die wohlwollende oder bei Anderen macht einen Riesenunterschied aus. Ich will die ganzen Dinge was sie angeblich hatte und du angeblich hast gar nicht wissen weißt.
Und dass man eine Beziehung hätte retten können, wenn man anders gehandelt hätte ist schon richtig ABER du warst wie du warst und dadurch ist das so gekommen. Denkst du wirklich dass es ein guter Weg ist sich selbst für Andere grundsätzlich zu verändern nur damit es dem Anderen gut geht? Natürlich gibt es Kompromisse aber bei so grundlegenden Dingen wie "Was bin ich für ein Mensch" sollte man keine eingehen. Ja man tut dem Anderen vielleicht weh und ja man rennt vielleicht ab und an gegen eine Mauer und ja man schafft damit vielleicht mehr Konflikte als nötig sind - aber man kann auch jedesmal davon lernen und jedesmal neu überlegen ob das noch zu einem passt. Und ein Mensch - der dich wirklich liebt - würde nicht gehen - er würde das mit dir durchstehen. Hier spreche ich leider nicht aus Erfahrung wenn du willst ist das einfach nur mein fester Glaube daran dass so etwas existiert. Aber ich kenne durchaus 2 Paare bei denen das so ist. Wie groß auch immer die Probleme sind - und sie waren wahnsinnig groß - sie sind in Beziehung geblieben und haben das zusammen durchgestanden. Keiner der beiden musste sich verändern und doch hat sich eigentlich alles verändert. Hoffe du verstehst, was ich meine.

Und ja - das Gefühl dass mit einem selbst was nicht in Ordnung ist kenne ich und ja man darf da auch was tun um das herauszufinden. Forschergeist ist immer gut :) Ich wollte dich nur nochmal ganz konkret quasi dazu anregen nachzudenken ob du denkst dass es wirklich so schlimm ist.
Und nehmen wir mal an du willst was dagegen machen - dann geh zu einem Therapeuten und hör dir das einfach mal an. Man braucht keinen Grund dafür wie du das verstehst. Du hast dir keinen Fuß gebrochen was man auch sehen könnte. Du musst dort auch keine Selbstdiagnose stellen. Das ist kein Arzt wie man sie üblicherweise kennt aber du kannst dir sicher sein sie haben Antworten auf die Fragen. Und sie finden - wenn es nötig ist - auch etwas um dich bei der Krankenkasse zu entlasten. Weil die "Notwendigkeit" bei psychischen Problemen ganz woanders liegt als bei Normalärzten. Ein Psychologe erzählt dir nicht unbedingt die Wahrheit ABER ein guter Therapeut wird dir immer das sagen was du brauchst um weiter zu kommen. Vertrau dem. Ohne Kompromisse. Nur eines noch bevor ich den Riesenspam hier aufhöre - such dir WENN unbedingt einen Therapeuten bei dem du dich absolut wohl fühlst und dem du zu 100000000% vertraust. Das ist absolut unabdingbar um arbeiten zu können. Wenn du auch nur einen Zweifel daran hast dass du ihn nicht magst oder vertraust - geh zu einem Anderen oder lass dich weiterschicken. Das kannst du ihm auch getrost sagen - diese Ärzte wissen wie man damit umgeht keine Sorge - du bist auch sicher nicht der Böse.

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