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aktive Sterbehilfe und Menschenwürde

Frage von Fiume Fiume

Hallo liebe Community!

Ich werde tatsächlich meine Abiturprüfung in Religion durchziehen (und das als Atheist, man stelle sich vor).

Mein Prüfungsthema lautet: Sterbehilfe - Eine Option für Christen und ihre Angehörigen?

Ein Teil meiner Ausarbeitung beschäftigt sich mit der der Menschenwürde und einem würdevollen Sterben im Bezug auf aktive Sterbehilfe (kurz gesagt die aktive und direkte Tötung eines Menschen, um diesem ein schmerzloses Sterben zu ermöglichen).

Ich möchte euch im Bezug darauf fragen, was "in Würde sterben" für euch bedeutet, damit ich nicht in die Bredouille komme mich zu sehr auf meine Meinung zu versteifen.

Mir sind alle Ansichten und Glaubensrichtungen herzlich willkommen.

Vielen Dank schon einmal im Vorraus.

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Antworten (8)

  • 3
    Hilfreichste Antwort ausgezeichnet vom Fragesteller
    Antwort von Immchen Immchen

    Hallo Flume! Ich kann nicht beurteilen, ob Sterbehilfe eine Option für irgend jemanden ist, außer für mich selber. Für mich und nur für mich bedeutet es, dass ich das selber entscheiden möchte, da ich gewisse Dinge nicht oder nicht mehr erleben möchte. Eine gewiisse Menge an Schmerzen  ja, denn ich denke dass wir auch in der Palliativmedizin immer weirtere Fortschritte erzielen und wenn ich noch ein paar Dinge selber tun kann, dann stelle ich mir ein Sterben im Hospitz als angenehm vor. Mir ist wichtig bewusst zu gehen und durch viele körperliche Faktoren, werde ich irgendwann sehr viel Hilfe benötigen, die ich auch bis zu einem gewissen Grade bereit bin dankbar anzunehmen, aber ich wünsche mir sehr nie wieder in Anhängigkeit zu geraten - wie man als Kind von den Eltern abhängig ist - da mir das beständige Angst machen würde (durch negative Erfahrungen) und weil sehr neugierig auf die Erfahrung bin. Keine Ahnung, ob danach wirklich etwas kommt, aber ich glaube schon, dass das Loslassen von dieser Welt etwas Besonmderes ist, wenn man denn vorbereitet ist und ich würde es daher gerne "erleben", so merkwürdig sich das vielleicht anhört. Also mit Ruhe und Bewusstsein gehen.

    Einen sehr guten Freund habe ich begleitet. Er wollte keine weiteren Maßnahmen mehr, nur genug an Schmerzmittel und dann war klar, dass er innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben würde. Ich sorgte dafür, dass seine Tochter, Schwester und sein bester Freund und ich da waren, wir erfüllten einige kleine Wünsche wie ein Tasse starken heißen Kaffee, Ein Pfarrer und wir alle beteten mit ihm und dann erzählten wir in gemütlicher Runde. In dieser Atmosphaäre wurde er immer mal wach, schaute jeden kurz lächelnd und zufrieden an und schlief so, dann auch endgültig ein. Das war ein wundervoller Abschied.

    Solle mir das so nicht vergönnt sein und es zur o.g. Abhängigkeit kommen oder eben so extreme Einschränkungen, dann möchte ich es mir noch einmal so gemütlich wie möglich machen und dann mittels meiner bereits vorgesorgten Medikamente gehen. Mein Wunsch ist dies alleine machen zu können, da ich es keinem aufbürden möchte. Sollte  es leider so kommen, dass ich in einem Krhs. an Geräten angeschlossen bin, habe ich deutliche Verfügungen geschrieben und sie auch bei verlässlichen Menschen hinterelgt. Doch lieber ware mir der bewusste letzte Gang - wenn ich aussuchen könnte.

    Immer mehr wird gesetzlich geregelt und immer wieder habe ich dabei Anghst, dass es weniger die Menschenwürde ist, die hier bemüht wird. sondern eine Zweckmäßigkeit. Wer entscheidet denn, was Menschenwürde ist? Unwürdiges Leben war auch schon mal nur eine einfache körperliche oder geistige Behinderung bishin zur falschen Rasse.

    An einen strafenden Gott will und werde ich niemals glauben und so straft er mich auch nicht, wenn ich zur Sterbehilfe greife, also wäre es dann eine Option für mich als (sehr eingenwillige) Christin? Keine Ahnung. Wenn ich so halbwegs realistisch bin, geht es mit meinen Knochen noch so 20 Jahre, wenn mein Geist auch so lange noch mit macht, würde ich dann gerne zur Veranbschiedung kommen ohne auch nur ein bisschen lebensmüde zu sein. Mir nimmt diese Haltung die Angst vor dem Alter, die so viele um mich rum haben und gibt mir ein großes Stück Gelassenheit und inneren Frieden. 

    Hilft Dir das überhaupt weiter, eine von MIllionen Meinungen? Aber ich kann nunmal nur meine eigene weitergeben, alles andere fände ich sehr vermessen.

    Viel Erfolg für Deine Prüfung summt das Immchen

    Kommentar von Immchen ImmchenImmchen

    Danke für diese Auszeichnung

  • 3
    Antwort von nonentity nonentity

    Ein sehr schwieriges Thema, das nicht einfach mit einem Dafür oder Dagegen zu beantworten ist.

    Für jeden gläubigen Christen mag allein die Frage schon eine Zumutung sein, denn Gott hat das Leben gegeben, Gott nimmt es auch wieder.
    Dabei bleiben natürlich alle Begleiterscheinungen, die ein todkranker leidender Mensch zu ertragen hat, unerwähnt:
    Ständige Schmerzen, eingeschränkte oder total abhanden gekommene Bewegungsfähigkeit, die Unfähigkeit, sich mitzuteilen, in allem, ob Notdurft verrichten oder Pflege jeglicher Art, auf andere angewiesen zu sein, oft ausgeliefert, ist nicht mehr menschenwürdig.
    Hinzu kommt, dass derart Erkrankte so in ihrem eigenen Körper gefangen sind, dass sie zwar wahrnehmen können, was um sie herum geschieht, aber unfähig sind, sich mitzuteilen, ihren Gedanken, die sie noch haben – wir wissen es nicht- eingeschlossen sind und im Zustand völliger Verzweiflung münden. Selbst diese Gedanken können wir nur ahnen, aber wir müssen sie in Betracht ziehen.
     Von der Warte eines Atheisten aus, wie ich es bin, würde Gott keine Rolle spielen, da ich mich mit meinem Leben als Produkt der natürlichen Evolution begreife und es selbst in der Hand habe, wie ich mein Leben lebenswert gestalte und, wenn nötig, in Würde beende.

    Ich würde unter keinen Umständen wollen, dass ich „gewaltsam“ am physischen Leben erhalten würde, wenn die Inhalte meines Lebens verloren gegangen sind, ich durch meine ständige  physische Präsens zusätzlich das Leben meiner Angehörigen beeinträchtige und ohnmächtig zusehen muss, wie man sich meinetwegen quält und selbst auf ein lebenswertes Leben verzichtet.

    Ich könnte mir vorstellen, dass ein gesunder Mensch im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte sehr wohl dazu neigt, aktive Sterbehilfe zu verdammen, sich jedoch sehr schnell anders entscheiden würde, wäre er in der Situation eines unheilbar Erkrankten, den außer seinen Schmerzen und seiner Hilflosigkeit nichts weiter daran erinnert, dass er noch „lebt“.
    Es müsste auf jeden Fall eine Einzelfallentscheidung bleiben, die von Fall zu Fall genau zu überprüfen und zu überdenken ist.
    Die Würde bleibt da gewahrt, wo ich selbstbestimmt über mein Weiterleben entscheiden kann.
    Eine aktive Sterbehilfe und Sterbehilfe auf Verlangen ohne Einverständnis des Betroffenen, sind abzulehnen und nur dann zulässig, wenn mehrere Ärzte  in Abwägung aller Faktoren ein solches Vorgehen rechtfertigen würden.
    Keinesfalls sollten Angehörige diesem Verlangen nachkommen.

  • 2
    RatgeberHelden Antwort von quopiam quopiam

    Schön, daß Du fragst. Interessantes Thema. Ich würde bei meinem Sterben erwarten und hoffen, daß meine Würde respektiert wird, indem ich a) die Entscheidung über Maßnahmen selber treffen darf und b) ich dank palliativer Medizin auch in einen Zustand versetzt werde, indem man mich nicht - ich möchte es mal drastisch formulieren - "einschläfern" muß wie einen kranken Hund in der Tierarztpraxis. Ich möchte ferner alle Prozesse durchleben dürfen, die zu meinem Sterben gehören, ich möchte nicht von einer Art Gnadentod erlöst werden, wenn ich dem nicht selbst zugestimmt und dieses Urteil selbst gefällt habe. Ich weiß nicht, was in meinem Sterbevorgang geschehen wird, aber falls etwas geschehen wird dabei, möchte ich nicht, daß ein anderer entscheidet, ob dieser Prozeß abgekürzt wird oder nicht. Unter einem würdigen Sterben verstehe ich außerdem, daß mir die Gesellschaft nicht aufbürdet, mich gefälligst für einen frühen Tod zu entscheiden - aus Kostenersparnis oder sonstwelchen Gründen. Meine Würde als Mensch verlangt, daß ich alt, krank, schmerzbelastet und kostspielig sein darf und TROTZDEM die Entscheidung treffen kann, diesen Zustand auszuhalten, statt mich entsorgen zu lassen. Meine Würde muß nicht durch wirtschaftliche oder Leistungskriterien bestimmt werden, meine Würde muß nicht an meinen Zustand angepaßt werden; ich besitze sie allein aufgrund der Tatsache, daß ich ein Mensch bin. Und da es um Religion geht: Natürlich ist das für mich als Christ in der Tatsache begründet, daß ich als der Mensch, der ich bin, von Gott geschaffen und gewollt bin. Das heiligt mein Dasein und eignet mir meine unveräußerliche Würde zu, in die kein Mensch das Recht hat einzugreifen. Abseits meines Glaubens gilt es ähnlich aber auch nach deutschem Grundgesetz: Die Menschenwürde ist nicht minimierbar, beschneidungsfähig, abgestuft oder an Kriterien gebunden. Sie gehört dem Menschen, weil er ein Mensch ist. Kannst Du damit was anfangen? Gruß, q.

    Kommentar von Fiume Fiume

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort, damit kann ich wirklich etwas anfangen. Überzeugend und gut argumentiert, ich muss gestehen, dass ich nicht erwartet habe, gerade innerhalb dieser kurzen Zeit, eine solche Antwort zu erhalten ôO

    Und falls es dich interessiert, palliative Begleitung hatte ich mir bereits als eine Alternative zur Sterbehilfe herausgesucht :)

    Liebe Grüße

    Fiume

    Kommentar von Fiume Fiume

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort, damit kann ich wirklich etwas anfangen. Überzeugend und gut argumentiert, ich muss gestehen, dass ich nicht erwartet habe, gerade innerhalb dieser kurzen Zeit, eine solche Antwort zu erhalten ôO

    Und falls es dich interessiert, palliative Begleitung hatte ich mir bereits als eine Alternative zur Sterbehilfe herausgesucht :)

    Liebe Grüße

    Fiume

    Kommentar von babulja babuljababulja

    Aber "palliative Begleitung" ist nicht die "Alternative" zu "Sterbehilfe". Lies dir die Antwort von Quopiam nochmal gründlich durch!

  • 1
    Antwort von Herrlich19 Herrlich19

    http://www.youtube.com/watch?v=DE_9fBN08O0

     

    schau dir mal die Doku an, vielelicht kannst du da auch einen Ausschnitt raus zeigen

  • 1
    Antwort von Tobias87 Tobias87

    Wenn man die Menschenwürde auf Kant basierend als die Eigenschaft eines Menschen definiert, die es verbietet, einen Menschen bloß als ein Mittel zu anderen Zwecken zu behandeln, ist ein Tod dann würdig, wenn dabei dieser Maxime gefolgt wird.

    In puncto Sterbehilfe wäre aus dieser Perspektive nichts einzuwenden, wenn es hierbei auch oder allein darum geht, einen anderen Menschen von seinen Schmerzen zu erlösen. Anders sähe es aber aus, wenn Angehörige die Sterbehilfe z. B. allein deshalb durchsetzen, damit sie schneller ans Erbe kommen oder den Angehörigen nicht mehr pflegen müssen.

    Relativ heikel wird die Angelegenheit bei Komapatienten, die keine Chance haben, wieder zu Bewusstsein zu kommen. Da diese Menschen keine Wünsche, Interessen und positive oder negative Empfindungen mehr haben, wäre hier erst einmal zu klären, was es heißt, einen solchen Menschen als einen Zweck zu behandeln. Normalerweise übersetze ich das mit "sein Wohlergehen im Blick haben", aber es gibt kein Wohlergehen von Menschen, die dauerhaft nichts empfinden.

    Kommentar von Immchen ImmchenImmchen

    Wer sagt Dir denn, dass Komapatienten keinerlei Empfindungen mehr haben? Und bei den Schmerzpatienen: Sie haben ein Recht darauf zu entscheiden, wieviel Schmerzen sie bereit sind zu ertragen. Ihnen sollte wenigstens erlaubt sein, auszuhalten. Es gibt Menschenn, die auf jeden Fall leben wollen, wo viele andere sagen, dass könnte und will ich nicht ertragen. das ist schon sehr individuell. Mit Schwarz-weiß kommt man da nicht weit. Dazu kommt dann auch noch die Unterscheidung der passiven und aktiven Sterbehilfe. Ein riesiges Thema. ich habe es für mein Leben klar, möchte aber nie wieder für andere entscheiden müssen.

  • 0
    Antwort von Fantasie23 Fantasie23

    "In Würde sterben" bedeutet für mich, daß kein Irdischer über meinen Tod bestimmt.

    Da aus christlicher Sicht nur unser himmlischer Vater über den Todeszeitpunkt eines seiner Kinder (auch der derzeit inkarnierten) entscheidet, sollen wir Menschen nicht unseren freien Willen dazu benutzen, den eigenen Todeszeitpunkt per Sterbehilfe festzusetzen.

    Niemand von uns kennt den karmischen Hintergrund, weshalb unser Sterben ggf. so lange dauert oder dauern soll. Unser gesamtes Leben ist sowohl eine erneute Bewährung als auch eine Wiedergutmachung von Versäumnissen aus früheren Leben.

    Dies läßt uns die Geisterwelt Gottes über mediale Durchgaben wissen (z.B. im neueren Greber-, Lorber- oder Brunner-Evangeilium) 

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    Antwort von sterbehilfeneu sterbehilfeneu

    Das Wichtigste vorab:

    Solange wir keine vernünftige Regelung (eindeutige juristische Klarstellung ) für das selbstbestimmte Sterben haben, also z.B. problemlose Hilfe zum Sterben, halte ich es für kontraproduktiv, in Deutschland über AKTIVE Sterbehilfe zu diskutieren! Über 99 % aller Sterbewilligen können den letzten Schritt selbst vollziehen (mit Hilfe zum Sterben). Diskussionen über AKTIVE Sterbehilfe mobilisieren hingegen die falschen Kräfte, wenn man die Überwindung des aktuellen Status in Deutschland für erforderlich hält.

    Ich empfehle dringend:

    Peter Puppe >Ich sterbe mich. Aus dem Alltag deutscher Sterbehelfer 2010.

  • 0
    Antwort von vidaunited vidaunited

    ich denke damit ist gemeint, dass diese menschen, die an einer zb schweren krankheit leiden und an lebenserhaltende geräte angewiesen sind, sich dadurch in ihrer würde verletzt sehn und SO ein leben nicht führen wollen.

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