Frage von mehmes, 73

Akteneinsicht des Opfers von sexuellem Missbrauch möglich?

Guten Tag,

über Suchmaschinen bin ich nicht wirklich schlau geworden, deshalb freue ich mich, wenn sich hier Fachkundige auf meine Fragen melden.

Person A war zum Tatzeitpunkt unter 14 und wurde sexuell missbraucht von einem Menschen über 18 Jahren. A, bzw. Eltern haben Anzeige erstattet. Es wurden Ermittlungen aufgenommen (nach Phantombild, psychologische Befragungen), die nach einiger Zeit eingestellt worden sind.

Hat Person A 18 Jahre nach der Tat das Recht auf Akteneinsicht des gestellten Strafantrags, des Phantombildes, die Ergebnisse der polizeilichen Befragungen durch einen Psychologen und die tatsächlich darauf aufbauenden Ermittlungen (auch Begründung der Einstellung) der Polizei?

Auch zu der Verjährungsfrist habe ich unterschiedliche Angaben gefunden. A ist seit 7 Jahren volljährig und die Tat ist nun 18 Jahre her. Wie sieht es da aus? (zivilrechtlich und strafrechtlich)

Einen schönen Tag.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jurius, 19

Das Opfer hat das Recht auf Akteneinsicht nach § 406e StPO. Ein berechtigtes Interesse muß nicht dargelegt werden, da die Tat [§ 176 oder § 176a StGB] zu den Katalogtaten des § 395 StPO gehört. Komplette Akteneinsicht bekommt nur ein Anwalt. Das Opfer selbst kann(! = Ermessen) Auskünfte und Abschriften aus der Akte bekommen. Der Antrag ist an die Staatsanwaltschaft zu richten.

Verjährung:

Die strafrechtliche Verjährungsfrist sind 20 Jahre (waren es auch damals schon). Die Verjährung hat erst mit dem 21. Lebensjahr begonnen (Rückwirkungsregelung der vorherigen Fassung des § 78b StGB) Aktuell, also bei neuen Taten, beginnt sie erst mit dem 30. Lebensjahr (aktuelle Fassung des § 78b StGB)

Zivilrechtlich ist die Verjährung in diesem Fall = 30 Jahre. Aktuell nach § 179(1)1 BGB, von 2002 - 2010 nach § 199(2) BGB (da der Täter ja bis heute offenbar nicht bekannt ist) und vor 2002 nach § 195 BGB (alte Fassung - regelmäßge Verjährung ohnehin = 30 Jahre)

Hoffe, ich konnte helfen ...

Kommentar von mehmes ,

Danke für Ihre Zeit und die kompetente und hilfreiche Antwort. Schönen Sonntag.

Kommentar von Jurius ,

Gerne geschehen und danke für den Stern.

Hier:

Aktuell nach § 179(1)1 BGB

...hat sich übrigens ein Zahlendreher eingeschlichen. Es muß 197(1)1 BGB heissen :)

Antwort
von hau26hau, 24

Im Internet:

WEISSER RING - Experten - Recht/Strafrecht - Aufsatz:

"Rückkehr zur gesetzmäßigen Praxis beim Akteneinsichtsrechts des Verletzten"

von Prof. Solch

Kommentar von mehmes ,

Vielen Dank hau26hau, habe es gefunden. Schönen Sonntag.

Antwort
von extrapilot351, 35

Akteneinsicht kann nur ein Rechtsanwalt beantragen. Die Tat dürfte nach 18 Jahren verjährt sein. Normalerweise kommt entweder eine Gerichtsverhandlung mit möglicher Verurteilung. Oder ein Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft.

Kommentar von mehmes ,

Danke. Beginnt die Verjährungsfrist nicht erst mit dem Moment, an dem das Opfer 18 ist? https://www.anwalt.de/rechtstipps/verjaehrung-in-faellen-sexuellen-missbrauchs_0... Das Problem bei dem Link ist, dass nicht klar wird, ob Ende der 90er Jahre es schon festgeschrieben war, dass die Verjährungfrist ab dem 18. Lebensjahr beginnt. Danke für die Antwort. Sind Sie sich ganz sicher, dass das nur ein Anwalt kann? Beschuldigte dürfen unter Umständen auch ohne Anwalt Akteneinsicht beantragen bei der Stattsanwaltschaft. Warum gilt das nicht für Opfer bei einem zudem eingestellten Verfahren? Steht hier: http://dejure.org/gesetze/StPO/147.html (siehe Abschnitt 7). Über eine erneute Rückmeldung würde ich mich freuen. Habe leider nichts im Internet bezüglich der Rechte des Geschädigten gefunden zu dem beschrieben Fall.

Kommentar von mehmes ,

"Verfahren" ist in diesem Fall falsch. Eingestellte Ermittlungen habe ich gemeint.

Kommentar von mehmes ,

*Staatsanwaltschaft ;)

Antwort
von Biberchen, 32

Akteneinsicht hat nur ein Anwalt. Also mußt du dir einen Anwalt suchen der dann die Akteneinsicht bei Gericht beantragt und wenn du viel Glück hast, darfst du ihm dabei über die Schulter schauen.

Kommentar von mehmes ,

Danke Biberchen für die Antwort. Sind Sie sich da ganz sicher? Praktisch sicher ungewöhnlich, aber bestehen da wirklich keine Chancen als Privatperson? Habe das hier gefunden: Bezieht sich auf Täter (Abschnitt 7). Warum ist es für Geschädigte nicht möglich? http://dejure.org/gesetze/StPO/147.html

Kommentar von mehmes ,

Nicht "Täter", Beschuldigte selbstverständlich.

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