Frage von SiaFan77, 25

Aikido erklären^^?

Hi Leute, auf die letzten Fragen über Kampfsport von mir habt ihr mir immer Aikido empfohlen. In unserer Stadt ist das zwar ganz schlecht, doch ich interessiere mich doch dafür :)

Kann mir jemand etwas über den Sport / die Kunst erzählen?

z.B. Trainingsinhalte, Gürtelsystem, Herkunft, usw...

Ohne mir einen Wikipedialink zu schicken? Danke! :3

Antwort
von Enzylexikon, 12

Hallo, ich selbst trainiere Aikido und habe diese japanische Kampfkunst bereits hier ein wenig vorgestellt (inklusive einiger Videos):

https://www.gutefrage.net/frage/welche-kampfsportart-gefaellt-euch-und-warum-wel...

Ich werde daher nur auf jene Dinge eingehen, die ich dort noch nicht angesprochen habe. Ich hoffe du verstehst das. :-)

Hintergründe

Aikido ist eine japanische Kampfkunst und wurde von Meister Morihei Ueshiba (1883 - 1969) begründet. Sie basiert auf älteren Kriegskünsten (Koryu) und kennzeichnend ist das Element des "Aiki"

Allein über den Begriff könnte man ganze Bücher schreiben. Aiki bedeutet vereinfacht gesagt, die Energie (Ki) das Angreifenden mit der eigenen in Harmonie (Ai) zu bringen.

So wird für die Verteidigung keine große Körperkraft benötigt, da die Bewegungsenergie des Angreifers mit der eigenen Bewegung synchronisiert wird. So bringt sich der Angreifer letztlich selbst zu Fall.

Lehre

Aikido ist eine eine Kampfkunst, kein Kampfsport. Daher werden auch Techniken gelehrt, die für einen Wettkampfsport zu gefährlich wären. 

Die Philosophie des Aikido ist pazifistisch, so dass die Techniken nur der Verteidigung dienen und nicht offensiv ausgelegt sind.

Ziel des Aikido ist es nicht, "Kampfmaschinen" heranzuzüchten, die sich möglichst schnell effektiv verteidigen können, sondern Aikido will den gesamten Menschen fördern.

Der Angreifer wird nicht als "Feind" sondern lediglich als "aus dem Gleichgewicht geraten" angesehen.

Trainingsinhalte

Eine typische Unterrichtsstunde besteht aus dem Aufwärmen und Dehnen, den Fallübungen, Einzelübungen und dem Training mit dem Partner.

Die Techniken bestehen mehrheitlich aus Gelenkhebeln und Würfen, die aus spiralförmigen Bewegungen heraus ausgeführt werden..

Die Gelenkhebel können zur Kontrolle des Angreifers, aber auch zur Entwaffnung von bewaffneten Personen eingesetzt werden.

Würfe leiten die Energie des Angriffs um. Je mehr offene Aggression im Angriff steckt, desto einfacher ist es, ihn zu werfen.

Akrobatische Sprungtechniken oder Tritte sucht man beim Aikido vergeblich. Auf irgendwelche brutalen "Finnishing moves" gegen wehrlosen Personen, wird in der Regel verzichtet.

Gürtelsystem

Im Aikido werden in der Regel keine farbigen Gürtel getragen. Meist sind lediglich die Lehrer an einem schwarzen Hosenrock (Hakama) zu erkennen.

Die Graduierungen orientieren sich meist am Modell des Judo, variieren aber je nach Verband, genau so wie die Inhalte der Prüfungsordnung..

So gilt der 10. Schülergrad als niedrigster und der 1. als höchster. Daran schließen sich die Meistergrade 1 (niedrigster) bis 10 (höchster) an.

Einige Vereine  nutzen den 10. bis 6. Kyu nur im Kinder- und Jugendtraining. Bei Erwachsenen gilt dann der 5. Kyu als eigentlicher "Anfängergrad".

Prüfungen richten sich nicht nur nach technischem Können, sondern auch nach charakterlicher Reife. Während am Anfang noch die Technik im Vordergrund steht, spielt die positive Charakterentwicklung später eine Rolle.

Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter. :-)

Antwort
von OnkelSchorsch, 13

Aikido entstand etwa in derselben Zeit wie Judo. Während Herr Kano beim Judo eher an fairen Sport und Wettkampf dachte, dachte Herr Uyeshiba beim Aikido eher an wettkampflose und möglichst gewaltfreie Bewegungskunst.

Beide Kampfkünste bzw -sportarten sind durch die Begegnung Japans mit dem Westen und dem olympischen Sportideal wesentlich beeinflusst worden und stellen Stile dar, bei denen ältere japanische Kampftechniken auf eine moderne Zeit angepasst wurden. Speziell beim Aikido, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg stärker bekannt wurde, wurde durch den Eindruck der japanischen Niederlage die Gewaltlosigkeit noch stärker in den Vordergrund gerückt.

Der fehlende Wettkampf hat beim Aikido imho leider dazu geführt, dass in manchen Dojos der Blick auf die Realität verloren gegangen ist und teilweise absolut unrealistischer Fantasiekram, teils magischer Humbug, betrieben wird. Das ist sehr schade, denn derlei Scharlatanerie gefährdet ein an sich sehr gutes System. Deshalb ist es sehr wichtig, genau zu schauen, was für eine Aikido-Gruppe das ist und ob die seriös üben oder alberne Kinkerlitzchen anstellen.

Deine Frage nach einem wikipedia-Link war hoffentlich ein Witz.

Ansonsten: https://www.google.de/search?q=aikido

Kommentar von Enzylexikon ,

Der fehlende Wettkampf hat beim Aikido imho leider dazu geführt, dass in manchen Dojos der Blick auf die Realität verloren gegangen ist und  teilweise absolut unrealistischer Fantasiekram, teils magischer Humbug, betrieben wird.

Ja, das ist leider richtig - einige Lehrer meinen offenbar, eine Art "berührungsloses" Aikido lehren zu müssen, dass dann eher an Jedi-Kräfte erinnert, als an eine Kampfkunst.

Ein Beispiel dafür ist vielleicht Nobuyuki Watanabe, dessen Techniken ziemlich umstritten sein sollen.

Vermutlich sind allgemein Aikido-Stile, die auf Techniken Ueshibas vor dem Zweiten Weltkrieg basieren, wie zB Yoshinkan, noch selbstverteidigungsbetonter als der offizielle Aikikai-Stil.

Allerdings sind die Iwama-Aikidoka, die ich kennen gelernt habe, ebenfalls ziemlich konsequent in ihren Techniken, auch wenn der Stil während der Rückzugsphase von O-Sensei während der Kriegszeit ausgearbeitet wurde.

Antwort
von Kampfsport15, 8

Ich berichte kurz aus meiner Erfahrung.

Das Gürtelsystem beginnt bei uns mit dem 5.Kyu. Danach kommt der 4., 3., 2. und 1.Kyu. Allerdings bleiben die Gürtel dabei immer weiß.
Erst ab dem 1. Dan bekommt man den schwarzen Gürtel und einen schwarzen Hakama. Dann kommen 2., 3., ..... Dan.

Unser Training läuft so ab:
--Matten aufbauen
--kurze Meditation
--Aufwärmen
--Dehnen, Lockern
Das ,,richtige" Training besteht dann aus:
--Fallschule
--Waffentraining (manchmal mit Partner)
--Waffenlose Techniken (immer am Partner)
Zum Schluss dann:
--kurze Meditation
--Mattenabbau

Ich hoffe ich konnte dir einen kleinen Einblick geben!

Antwort
von PashaBiceps, 15

Aikidotraining wird üblicherweise ein weisser Anzug (Keiko-Gi) getragen, der aus Hose und Jacke besteht. Die Jacke wird durch einen schwarzen oder weissen Gürtel (Obi) zusammengehalten. Selten werden auch farbige Gürtel getragen. Darüber wird, abhängig von der Graduierung, ein schwarzer oder dunkelblauer Hosenrock (Hakama) getragen. Die Regeln, ab welcher Graduierung ein Hakama getragen werden muss bzw. darf, sind in den einzelnen Aikidverbänden unterschiedlich.

Kommentar von PashaBiceps ,

beim Aikido ist es das ziel die durch einen Angreifer gestörte Harmonie wiederherzustellen. Die aggressive Kraft des Angriffs wird auf Spiral- und Kreisbahnen gelenkt und durch eigene Energie verstärkt auf den Angreifer zurückgeführt. Er verliert das Gleichgewicht, fällt und/oder wird durch Verhebeln seiner Gelenke am Boden fixiert.

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