Frage von JulietteLima, 72

Ärztlicher Behandlungsfehler, Medizinischer Dienst der Krankenkasse (AOK) einschalten?

Hallo zusammen,

ich hatte Anfang Juni diesen Jahres eine OP und bin seitdem krankgeschrieben. Ich habe den dringenden Verdacht das es sich um einen ärztlichen Behandlungsfehler handelt. Nun wurde mir von meiner Krankenkasse (AOK) nahegelegt den Medizinischen Dienst (MDK) einzuschalten, inzwischen habe ich auch den Fragebogen erhalten und soweit ausgefüllt. Die letzten zwei Seiten des Fragebogens sind zum Selbstausfüllen, nennt sich Gedächtnisprotokoll, wo man ausfüllen soll bei welchen Ärzten man war, was gemacht wurde und wie die Behandlung abgelaufen ist.

Ich muss dazu sagen, ich war bei verschieden Ärzten und es wurde wiederholt eine Fehldiagnose gestellt (eine postoperative Thrombose) wurde nicht erkannt und es wurde versäumt eine entsprechende Therapie einzuleiten und ich muss mich jetzt mit den Folgen rumschlagen. Der ein oder andere Arzt/Ärztin ist mir auch blöd gekommen, was ich auch so im Gedächtnisprotokoll geschildert habe.

Nun bin ich aber am überlegen, ob ich das so stehenlassen soll, nicht das mir der MDK oder sonst wer, eventuell doch noch einen "Strick" daraus dreht. Letzten Endes würde Aussage gegen Aussage stehen. Außerdem bin ich mir nicht sicher ob das, was der ein oder andere Doc von sich gegeben hat, den MDK überhaupt interessiert?

Außerdem ist am Ende noch die "Schweigepflichtentbindungserklärung" in mehrfacher Ausführung.

Da die Ganze Sache für mich eventuell noch erhebliche berufliche Konsequenzen haben kann (Berufsunfähigkeit, bin Pilot aber derzeit flugunfähig) wird die Angelegenheit wohl zu einem Rechtsstreit führen. Von dem her bin ich da am überlegen, dass ich da nicht falsches schreibe im Fragebogen des MDK?

Werde mich freuen, wenn mir hier jemand weiterhelfen kann oder Tipps geben kann.

Antwort
von mariontheresa, 33

Der MDK wird von der Kasse bezaht und soll der Kasse helfen Geld zu sparen. D.h. er ist daran interessiert, den Ärzten einen Behandlungsfehler nachzuweisen. Dabei interessieren ihn in erster Linie Fakten. Auf die würde ich mich beschränken. 

Da die Ärzte der Schweigepflicht unterliegen braucht der MDK  für jeden Arzt extra eine Schweigepflichtentbindungserklärung, damit er die Behandlungsunterlagen bei den Ärzten anfordern kann.

Es gibt auch noch die Möglichkeit, sich bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler an die Ärztekammer zu wenden.

Kommentar von JulietteLima ,

Sehr informativ, vielen Dank für die Antwort, hat mir auf jeden Fall weitergeholfen.

Also dann sollte ich auf jeden Fall den MDK einschalten, bzw. es wäre nicht zu meinen Nachteil?

Wegen des "Gedächtnisprotokolls" wo man persönlich schildern soll bei welchen Ärzten man war. Habe dort ziemlich genau (wenn auch relativ kurz) geschildert wie die jeweilige Untersuchung abgelaufen ist, z.B. "es wurden keine Therapievorschläge gemacht" und das der Arzt mir in einem Fall den Kommentar "Shit happens" an den Kopf geworfen hat, was im Prinzip einem Schuldeingeständnis gleichkommt wie ich finde. Das war übrigens in der Klinik wo die OP gemacht wurde. Die andere Ärztin hat über die betreffende Klinik sehr negativ geäußert, aber wohl hauptsächlich weil die beiden in direkter Konkurrenz zu einander stehen. Auch habe ich am Ende des Gedächtnisprotokolls noch zum Ausdruck gebracht, was für Einschränkungen ich durch die Thrombose habe und das die Sache für mich, im Falle einer Berufsunfähigkeit ein existenzieller Super GAU wäre!!!

Oder sollte ich das nicht erwähnen? Ich meine der KK geht es erstmal darum ihre eignen (finanziellen) Interessen zu vertreten, mein persönliches Schicksal interessiert die nicht wirklich, oder?

Kommentar von Barbdoc ,

Die Bemerkung, "shit happens", kann nicht als Schuldeingeständnis gewertet werden. Da liegst du falsch. Um was für eine Operation hat es sich eigentlich gehandelt?

Antwort
von caro103, 24

Hallo,

meine erste Anlaufstelle in deinem Fall wäre für mich auch eine Fach-Anwaltskanzlei und würde mich hier genau erkundigen über Vor oder Nachteile bzw. dem Anwalt die Ist-Situation schildern. Ebenso wegen der Schweigepflichtentbindung, mögliche Unkosten und den etwaigen Konsequenzen für dich. Somit bist du auf der sichersten Seite und siehst für den nächsten Schritt klarer ohne die Pferde scheu zu machen. Lg

Kommentar von JulietteLima ,

Die Sache ist die, habe bisher noch keinen Rechtsanwalt gebraucht, von dem her habe ich erst kürzlich eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen und da gibt es ja die mehrmonatige Wartefrist und die geht in meinem Fall bis Anfang Dezember... trotzdem danke.

Antwort
von caro103, 24

Wenn ich richtig informiert bin dann ist der erste Termin bei einem Anwalt zur Information oder Themendarlegung ja kostenlos. Günstig wäre sicher ein schneller Termin den man relativ bald bekommt wenn es um ein "Schnupper" oder Informationsgespräch geht. Und dann dir die nächsten Schritte oder Möglichkeiten vorschlägt, alles normal noch kostenlos. Danach kannst du ja weitersehen. Lg

Kommentar von JulietteLima ,

Danke für die Info! Ich werde einfach mal in der Kanzlei anrufen und fragen, die sollten mir das ja sagen können?! Wie gesagt, Rechtsschutz habe ich erst kürzlich abgeschlossen und da besteht eine dreimonatige Wartefrist, die Anfang Dezember abläuft.

Mir wurde aber auch schon gesagt, dass wenn der Fall vor dem Datum an dem man die Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hat liegt, die Versicherung nicht zahlen würde?
Stimmt das?

Antwort
von wilees, 29

Dann solltest Du Dich zusätzlich von einem Fachanwalt beraten lassen.

Antwort
von Silo123, 10

Mach das. Über den MdK ist eine nicht schlechte Möglichkeit.

Gib ruhig an, was der eine oder andere Doc gesagt hat. Das ist dann nicht unbedingt ein Beweis, kann aber auch für die Krankenkasse wertvolle Hinweise geben.

Eine weitere für Dich kostenfreie Möglichkeit wäre übrigens die  Gutachterschlichtungsstelle der Ärzte.

Anwalt und Gerichtsverfahren würde ich erstmal zurückstellen, besonders, wenn Du dafür noch keinen Rechtschutz hast. Du wirst vor allem Schwierigkeiten haben, ein entsprechendes Gutachten zu bekommen und schon die Erstberatung kostet. Dagegegen kannst Du gut auf den Gutachten der Krankenkasse und der Gutachterschlichtungsstelle aufbauen.

Kommentar von Silo123 ,

PS: Und schaue, daß Du zur Zeit in ärztlicher Behandlung deswegen verbleibtst,egal,ob die Ärzte helfen können oder nicht, damit Deine jetzigen Einschränkungen dokumentiert bleiben.

Ein kleiner Tipp dabei: Erwähne bei denzur Zeitbehandelnden Ärzten nicht, daß Du einen Behandlungsfehler siehst.

Warum? Weil dann die Ärzte Deine jetzigen Probleme runterspielen können, in der Dokumentation Dir noch Psychosachen anhängen und was nicht alles können, um die erstbehandelnden Ärzte zu schützen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Das letzte muß ich Dir wegen meinen Erfahrungen bei einem Behandlungsfehler schreiben.

Ich könnte darüber fast ein Buch schreiben, der Wahnsinn,was damals abging.

Anwalt schaltest Du dann erst ein, wenn Du hoffentlich für Dich brauchbare Gutachten der oben genannten Stellen hast.

Kommentar von JulietteLima ,

Hallo,

und danke für deine Antwort, bzw. Infos, das hat mir auf jeden Fall schon mal weiter geholfen, speziell was die Infos des MDK bezüglich der Arztbesuche betrifft (Gedächtnisprotokoll) war mir wirklich nicht sicher was ich da reinschreiben soll, bzw. ob ich nur die Arztbesuche mit Name und Datum angeben sollte oder eben auch kurz beschreiben soll, wie die Untersuchung abgelaufen ist und was gesagt wurde. Ich meine das war schon wirklich eine Unverschämtheit was der ein oder andere Doc da für Sprüche abgelassen hat.

Ist mir schon klar, das eine Krähe in weiß der anderen kein Auge aushakt. Aber den Tipp den MDK einzuschalten habe ich von einem befreundeten Arzt bekommen.

Mein derzeitiger Hausarzt weiß eigentlich auch Bescheid (weiß jetzt nicht ob das gut oder schlecht ist) - hattest Du ja oben erwähnt, besser Klappe halten, aber er hatte mir auch schon gesagt das die KK sich bei ihm wegen mir erkundigt hätte, warum ich so lange krankgeschrieben sei. Bis jetzt hat er mich immer ohne weiter krankgeschrieben und mir auch die Überweisungen zu den jeweiligen Fachärzten ausgestellt.

Wie gesagt, danke für deine Infos nochmal und ich werde jetzt schauen das ich die Unterlagen für den MDK fertig mache und abschicke, schließlich liegen die bald schon 3 Wochen bei mir rum.

Kommentar von JulietteLima ,

PS. blöd ist halt nur das ich zur Zeit als die OP stattfand keinen Rechtsschutz hatte, und rückwirkend ist da ja nichts zu machen. Habe aber gehört das der VdK da eine Patientenberatung anbietet, da will ich mal anrufen, mal schauen was die sagen...

Kommentar von Silo123 ,

Da ich das in einem anderen Beitrag von Dir gelesen hatte, deswegen auch meine Tipps. Und mache echt auch das mit der Gutachterschlichtungsstelle- es ist kostenlos für Dich.

Klar , da sitzen auch Ärzte (die u.U. ihren Kollegen kein Auge aushacken wollen), aber ICH habe da im Vergleich! zu dem, was ich über einen Anwalt einleitete, mehr erreicht. Bei meiner Geschichte über einen Anwalt bin ich so kläglich gescheitert, wie man sich kaum vorstellen kann, weil ich keinen ärztlichen Gutachter fand, der bereit war, nur ein Gutachten zu erstellen.

Die Gutachterschlichtungsstelle hingegen hat den Fehler eindeutig als ärztlichen Kunstfehler anerkannt , sie waren nur der Ansicht, daß ich in dem Bereich so erhebliche Vorschäden gehabt hätte, daß es unweigerlich auch so zu massiven Beschwerden gekommen wäre  NUR: (egal , ob ich da röntgenologisch was hatte oder nicht)- ich war vor dem Eingriff vollkommen! beschwerdefrei  und das sogar! bei Tätigkeiten, die Kollegen mit Beschwerden quittierten.

Andere Gutachter, wo es dann um die Arbeitsfähigkeit.... ging , behaupteten dann, ALLES sei psychisch- Du merkst?!!!.....

Antwort
von nataliefin, 33

Hallo

ich würde mich von einem Fachanwalt für Medizinrecht beraten lassen. Oft ist in so ernsten und wichtigen Fällen ein guter juristischer Berater Gold wert. Das ist oft günstiger als man denkt und gut investiertes Geld. Wir hatten auch einen Fall im Bekanntenkreis und da hat der Anwalt sich um alles gekümmert und super viel erreichen können.

Kommentar von JulietteLima ,

Wie bereits (oben) gesagt, habe bisher noch keinen Rechtsanwalt benötigt und erst kürzlich einen Rechtsschutz abgeschlossen, die Wartefrist läuft erst Anfang Dezember ab...

Antwort
von berndcleve, 5

Meiner Erfahrung nach sind die Chancen solche Rechtsstreitigkeiten gewinnen zu können, sehr gering.

 Rechtsanwälte erzählen da gerne etwas anderes, schliesslich werden sie unabhängig vom Erfolg bezahlt. 

In der Presse liesst man gelegentlich auch, dass Patienten Prozesse gegen Ärzte gewonnen hätten; das sind einzelne Opfer, die das System erbringt, um den Menschen zu suggerieren, sie würden in einem Rechtsstaat leben.

Antwort
von Novoa, 34

Nabend,

hatten Sie ein postoperative Thrombose? Damit haben Sie schließlich einen Fakt, den Sie durch einen anderen Arzt bestätigen lassen können. Allerdings ist eine postoperative Thrombose letztlich eine Komplikation die jeder Arzt und Heilpraktiker kennt. Demnach haben Sie doch sicherlich ein Medikament zur Thromboseprophylxe bekommen, oder?

Vor der Operation wurden Sie sicherlich auf die Thrombosegefahr hingewiesen.

Kann aber auch sein das ich müde bin und Ihre Frage nicht verstanden habe.

Kommentar von JulietteLima ,

Ja richtig, es hat sich eine postoperative Thrombose eingestellt. Das ist eben der "springende Punkt" ich bekam nur am Tag der OP eine Heparinspritze (Thromboseprophylaxe) und dann eben nicht mehr. Also ich denke die Sachlage ist schon ziemlich eindeutig... Danke für ihren Kommentar. 

Kommentar von Novoa ,

Ja, aber normalerweise bekommt man anschließend  Acetylsalicylsäure oder sonstiges verschrieben.

Dennoch kann ich keinen Behandlungsfehler erkennen, denn der müsste sich ja primär auf die Behandlung beziehen und nicht postoperativ.

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