Frage von mmmammon, 112

ärztliche Psychotherapeuten?

Wie kann man ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie werden? Muss man ein 6-jähriges Medizinstudium zunächst absolvieren oder ist es auch möglich, ein Psychologiestudium zu machen ? und danach was sollte man tun ? Sind ein masterstudium und eine 3-5 jährige Psychotherapieausbildung auch nachdem Studium erforderlich ?
Es dauert circa wie lange, bis zum man als ein Psychotherapeute qualifiziert hat ?

Auf jeden Fall vielen Dank

Expertenantwort
von DottorePsycho, Community-Experte für Psychologie, 38

Ok, ich dachte ich kann mir die Antwort sparen, aber so ganz eindeutig
waren die bisherigen Antworten noch nicht. Deshalb doch noch mal...

Wenn Du - und das war doch die Frage - Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie werden willst, dann

  • musst Du Medizin studieren (ca. 6 Jahre)
  • machst danach Deinen Facharzt für Psychiatrie (mind. 5 Jahre)
  • und Du machst Deinen Therapeutenschein (ca. 3 Jahre)

Ein Psychologiestudium wird hierbei nicht gebraucht bzw. kann das Medizinstudium nicht ersetzen. Du kannst es natürlich noch - on top - studieren; kommt ja jetzt auf ein paar Jahre nicht mehr an. :-))))

Kommentar von km11111 ,

Das ist nicht korrekt. Die Facharztausbildung schließt die psychotherapeutische Ausbildung mit ein. Daher auch die Facharztbezeichnung "Psychiatrie und Psychotherapie".

Kommentar von DottorePsycho ,

Jo, da hast Du Recht

Kommentar von DottorePsycho ,

Das zeigt mir mal wieder, wie alt ich doch schon bin. Zu meiner Zeit war das noch anders, aber seit ein paar Jahren ist die Psychotherapie obligat in die Facharzt-Ausbildung aufgenommen worden.

Wenn ich mir dann aber die Pflichtstunden anschaue und zwischen Facharzt und Psychotherapeut vergleiche, könnt ich schon wieder aufschreien. Die Götter in Weiss müssen natürlich erheblich weniger Stunden leisten .....

Kommentar von km11111 ,

Na ja, das ist seit 1994 Pflicht .... also seit 22 Jahren ;-).

Was die Pflichtstunden angeht, stimmt das. Wobei ich eher denke, dass es bei Verhaltenstherapie auch völlig ausreichend wäre, was bei den psychiatrischen KollegInnen verlangt wird.

Bei psychoanalytisch begründeter Arbeit sehe ich das allerdings ganz anders, wobei Ärzte, die analytisch arbeiten wollen, dann die gleiche Ausbildung absolvieren, wie die psychologischen - da wird dann kein Unterschied an den analytischen Ausbildungsinstituten gemacht, und die Anforderungen gehen da ja weit über die gesetzlichen Mindestforderungen (bzw. die der ärztlichen Weiterbildungsordung) hinaus. 

Ich sehe jetzt mal vom (äußerst seltsamen) deutschen Alleingang der "tiefenpsychologisch fundierten Therapie" ab - sogar hartnäckig konsequent gegen die Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie -, was aber inzw. eher ein "Problem" der psychosomatischen Fachärzte ist. Aber das ist ein eigenes leidiges Thema und ein sehr weites Feld ...

Antwort
von Rollerfreake, 62

Das sind eigentlich zwei komplett unterschiedliche Qualikationen.

Ein Psychologe hat Psychologie studiert, aber keine Medizin. Ein Psychiater hingegen ist ein Facharzt, 6 Jahre Medizinstudium mit anschließender Facharztausbildung und Facharztprüfung. Das ist z.B. auch der Grund dafür, das ein Psychiater Arzneimittel anwenden und verordnen darf, ein Psychologe hingegen nicht. Der Psychiater ist Arzt, der Psychologe nicht. 

Kommentar von DottorePsycho ,

Für den ärztlichen Psychotherapeuten ist der Therapeutenschein ebenfalls obligatorisch. Den gibt es beim Facharzt nicht gratis dazu. :-)

Kommentar von mmmammon ,

Aber dürfen ärztliche Psychotherapeuten nicht nur Medis verordnen sondern auch psychische Therapie durchführen oder?

Kommentar von Coza0310 ,

Ja natürlich. Und beide, sowohl Psychiater (also Ärzte) als ach psychologische Psychotherapeuten dürfen Diagnosen stellen. Der Psychotherapeut darf aber nur befragen, währen der Arzt auch Laborwerte abnehmen kann, weitere diagnostische Maßnahmen anordnen und eben auch Medikamente verschreibe.

Antwort
von JaniXfX, 30

Ok, ich dachte ich kann mir die Antwort sparen, aber so ganz eindeutig waren die bisherigen antworten noch nicht. Deshalb doch noch mal...

Psychiater: Ist Arzt, hat Medizin studiert, darf per Kassenabrechnung arbeiten. Bei Psychotherapeutischer Zulassung, hat diese Person noch die Psychotherapeutenausbildung gemacht und therapiert auch. Darf Medikamente verordnen. Glaubt in seinem Paradigma, dass die psychische Erkrankung organische Ursachen hat, deren Dysfunktion mit Medikamenten behandelbar ist. Ansatz: Medikamente

Psychotherapeut: Ist Therapeut, hat Bachelor + Master Psychologie studiert, dann eine Ausbildung gemacht. Darf per Krankenkasse abrechnen, KEINE Medikamente verordnen. Geht in seinem Paradigma davon aus, dass dem Klienten Probleme unterlaufen sind, die durch Gespräche behandelbar sind und nicht aus rein organischer Dysfunktion bestehen, sondern häufig in der Vergangenheit liegen und geklärt werden müssen. Ansatz: Gesprächstherapie.

Kommentar von beamer05 ,

Glaubt in seinem Paradigma, dass die psychische Erkrankung organische Ursachen hat

Nö!

Ein ärztlicher Psychotherapeut weiß sehr wohl, dass nicht jede ("die") psychische Erkrankung eine organische Ursache hat.

Allerdings kann er halt in den Fällen wo das dann doch so ist, eben -im Gegensatz zum Psychologen- AUCH auf Medikamente zurückgreifen, wenn diese indiziert sind.

Die Ausbildung auf dem Weg zum Arzt (Medizinstudium, Facharztweiterbildung etc.) erweitert ja gerade auch die Erkenntnisbasis, so dass eben nicht so viel "geglaubt" werden muss...

... und die meisten psychologischen Psychotherapeuten, die in D eine Zulassung haben, sind Dipl. Psychologen und keine Bachelors oder ähnlichen Bologna-Quatsch.

Kommentar von JaniXfX ,

meine Erfahrung zeigt: häufig überwiegt bei Psychiatern die organische Perspektive. Um es konkret zu sagen: es gibt durchaus starke Anfeindungen zw. Ärzten und Therapeuten - Ärzte sehen Therapeuten als Quacksalber und ineffizient. Die Indikation von Medikamenten erfolgt oftmals viel (!) zu schnell. Das zeigen auch deutlich irritierte Klienten, die sich dann in solchen Foren wie hier, zu Wort melden.

Zu Bologna: bin ich auch kein Fan von, geht aber aktuell nicht anders. Der Anteil der Bachelor-Master wird sich in den nächsten Jahren (logischerweise) erhöhen.

Kommentar von Ottavio ,

Die einzige Uni in Deutschland, die noch das Diplom-Examen in Psychologie abnimmt, ist m.W. die Uni Kiel, aber auch die stellt z.Z. auf Bologna um.

Antwort
von Coza0310, 40

Man darf als Arzt eigentlich alles, wenn man es kann und sich zutraut. Ein Notarzt muss beispielsweise auch mit Notfällen aus allen Fachrichtungen fertig werden, ob Herzinfarkt oder Verkehrsunfall oder Entbindung oder psychischer Notfall.

Ein Psychiater kann also auch immer Psychotherapie durchführen. Es muss aber eine zusätzliche dementsprechende Qualifikation haben, wenn er es auch gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen will. Ansonsten macht er es umsonst.

Kommentar von Dahika ,

falsch.

Kommentar von Coza0310 ,

Doch, ich weiß, was ich darf. Ein Psychiater ohne Qualifikation wrd es aber nicht machen, weil es viel Zeit kostet und ihm nicht bezahlt wird. Aber auch ein Psychiater verschreibt nicht nur Medikamente oder stellt ein paar Fragen, sondern spricht auch mit den Patienten über dessen Probleme, Gedanken und Gefühle. Ob man das nun als Psychotherapie bezeichnet oder nicht, es kommt auf das Ergebnis an.

Kommentar von Dahika ,

ein Psychiater ist KEIN Psychotherapeut. Dazu fehlt es ihm an der Ausbildung. Die erwirbt der Psychiater, wenn er Psychotherapie anbieten will, zusätzlich. Ich würde niemals zu einem Psychiater gehen, der keine gründliche dementsprechende Ausbildung hat, und Therapie haben wollen. Ich geh auch nicht zu einem Schreiner, um mir mein Auto reparieren zu lasssen.

Ein Arzt darf alles, wenn er es sich zutraut? Na, ich danke. "Sich etwas zutrauen" hat nicht unbedingt mit "etwas auch können" zu tun.

Kommentar von Coza0310 ,

wenn er es kann UND sich zutraut, ich habe 2 Bedingungen geschrieben. Aus den anderen genannten Gründen wird der Psychiater ohne Zusatzausbildung in Psychotherapie keine Psychotherapie anbieten (es sei denn, er hat einen Privatpatienten vor sich). Aber als Arzt darf man durchaus grundsätzlich auch in einer anderen Fachrichtung als der eigenen tätig werden. Dies betrifft insbesondere Notfälle oder eben auch auf der Grundlage speziell zusätzlich erworbener Kenntnisse.

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