Frage von Kugelrobbe, 112

Ärzte rechnen mehr ab als was die Kasse bezahlt (privatversichert) - was kann ich tun?

Hallo Leute,

diesmal geht es um jemanden aus meiner Familie. Da ist eine chronische Erkrankung aufgetreten, die Krankenhaus- u. Arztbesuche immer wieder notwendig machen.

Anscheinend dürfen sie den 2, x - fachen Satz berechnen so das immer wieder hohe Rechnungen ins Haus flattern.

Kann man da irgendwas dagegen tun, ein Schriftstück aufsetzen oder so?

Vielleicht kennt sich ja jemand aus, die Person um die es geht möchte nur das in Anspruch nehmen was die Kasse zahlt.

Ich selbst bin kassen-Patient und nicht privatversichert von daher kenn ich mich da gar nicht aus.

Wäre toll wenn mir jemand helfen können

LG Kugelrobbe

Antwort
von kevin1905, 47

Kann man da irgendwas dagegen tun, ein Schriftstück aufsetzen oder so?

Nicht wirklich.

Wenn der Tarif nur bis zum 2,3 fachen GOÄ-Satz leistet und der Arzt mehr abrechnet, ist das das Problem das Patienten. Er muss darauf im Vorfeld der Behandlung hinweisen. Dann muss man die Reaktion des Arztes abwarten.

Kommentar von basiswissen ,

Genau so ist es!

Kommentar von Kugelrobbe ,

Vielen Dank für die Antwort. Ich werde das so weitergeben. 

LG Kugelrobbe 

Antwort
von thlu1, 40

Die Rechnungen müssen der Gebührenordnung für Ärzte entsprechen. Da gibt es auch Regelungen zu den Steigerungsfaktoren. Entscheidend ist, dass du vorher beim Arzt richtige Angaben zu deiner Krankenkasse gemacht hast. Dafür füllt man zu Beginn ja immer einen Zettel aus.

Wenn das alles richtig gelaufen ist, kannst du die Rechnung zum Arzt zurück schicken und die zu hohen Steigerungsfaktoren reklamieren. Am besten du schickst den Brief der Krankenkasse mit. Dann muss der Arzt oder die Abrechnungsstelle reagieren.

Kommentar von Apolon ,

Entscheidend ist, dass du vorher beim Arzt richtige Angaben zu deiner Krankenkasse gemacht hast.

Du hast scheinbar die Frage nicht verstanden!

Hier geht es nicht um die Krankenkasse (GKV) sondern um eine private Krankenversicherung!

Kommentar von thlu1 ,

Das habe ich sehr wohl richtig verstanden. Ich bin selbst privat versichert und mach immer solche Angaben, damit mir der Ärger mit den falschen Steigerungsfaktoren erspart bleibt.

Kommentar von Kugelrobbe ,

Ich kann verstehen, wenn man sich lieber vorsichtig ausdrücken will ;-) Danke an euch Beide. 

Antwort
von AnReRa, 45

Pauschal können Ärzte auf Privatrechnung immer mindestens den 2.3-fachen Satz der GKV abrechnen. Das ist völlig legitim und deshalb machen die Ärzte das auf (bzw. deren Software macht das).

Man könnte auch sagen, die GKV diktiert dem Arzt einen Preis, den dieser normalerweise nicht, aber notgedrungen halt doch akzeptiert.

Das kann übrigens bis zum 3,5-fachen Satz nach oben korrigiert werden, sofern eine Begründung (erschwerte Bedingungen bspw.) geliefert wird. Die PKV prüft das zwar, wird aber regelmäßig nichts dagegen haben. ..

Als Patient der GKV brauchst Du immer erst eine Überweisung von Hausarzt für den Facharzt. Dann schreibt der Facharzt auch keine Privatrechnung ohne über z.B. IGeL-Leistungen zu informieren.

Ansonsten ist der Arzt für Dich ein Dienstleister sprich: Lass Dir einen Kostenvoranschlag machen, den kann man bei der GKV einreichen bzw. die GKV macht einen Gegenvorschlag.

Für Medikamente gibt es einen Katalog.
Man kann den Arzt anweisen  ein kostengünstiges Generika zu verschreiben (so vorhanden). Die GKV informiert auch hierzu.

Kommentar von Apolon ,

Als Patient der GKV brauchst Du immer erst eine Überweisung von Hausarzt für den Facharzt.

Nein - dies ist nicht mehr erforderlich!

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 16

Die meisten privaten Krankenversicherungen akzeptieren einen 2,3 fachen Abrechnungssatz. Das muss man natürlich beim Abschluss einer solchen Versicherung entsprechend vereinbaren.

Wenn der Versicherte das nicht will, muss er seinen Vertrag ändern lassen. Eine Verringerung des Versicherungsschutzes ist natürlich OHNE erneute Gesundheitsprüfung möglich.

Kommentar von Kugelrobbe ,

Vielen Dank für die schnelle, präzise Antwort! Es ist immer wieder toll solche Antworten zu bekommen. Vielen Dank dafür. 

Antwort
von qugart, 39

Naja, da muss derjenige aus deiner Familie eben dem Arzt sagen, welche Leistungen er haben will. Einfacher Satz, Höchstsatz, darüber hinaus.

Je nach privater Krankenversicherungen werden auch Leistungen über den Höchstsatz GoÄ-Satz übernommen.

Dass da Rechnungen ins Haus flattern ist aber normal. Jede Arztrechnung erhält erstmal der Privatversicherte. Der zahlt die dann und reicht die Rechnung dann bei der Versicherung ein. Er kann aber auch die Rechnung sofort bei der Versicherung einreichen, warten bis die Erstattung kommt und dann den Arzt bezahlen. Muss man eben machen, wie man es vereinbart hat.

Sollte derjenige aus der Familie Probleme haben, dann soll er sich mit dem Versicherungsmenschen in Verbindung setzen, bei dem er die Privatkrankenversicherung abgeschlossen hat. Der holt dann auch einen Spezialisten hinzu und klärt ihn dann auf.

Mir scheint, da gibt's doch größere Wissenslücken.


Kommentar von Kugelrobbe ,

Da hast du vollkommen recht, leider. 

Ich selbst bin ja gesetzlich versichert und ich hatte nie Probleme. Bei mir ist schon immer im Vorfeld klar was die Kasse übernimmt und was nicht. 

Vielen Dank 

Kugelrobbe 

Antwort
von schleudermaxe, 45

... aber was haben denn die Mediziner mit der privaten Kasse am Hut? Setze den "Berater" auf den Topf, wenn er so eine Billigstvariante verkauft.

Meine benötigten Arzneimittel bekomme ich auch nicht komplett erstattet, trotzt Verordnung durch den Facharzt.

Kommentar von DerHans ,

Der einzelne Arzt hat mit der privaten KV ja überhaupt keinen Vertrag. Da muss der VN sich selbst kümmern.

Antwort
von basiswissen, 35

Wir sollten generell einmal mit dem Versicherungsunternehmen abklären bis zu welchem Steigerungssatz der vorhandene Tarif, bzw. die Tarife, hier erstatten. Ärzte dürfen generell bis zum 3,5 -fachen Satz ohne Einwilligung des Patienten abrechnen. Dagegen kann man eigentlich nur eines tun: den Arzt darüber informieren dass man nur bis zum (beispielsweise) 2,0 oder 2,3 -fachen Satz versichert ist und man ihn bittet bei Überschreiten dieser Sätze das Einverständnis des Patienten vorher einzuholen. Ob er sich daran hält ist ein ganz anderes Thema. Sonst bleibt einem nur, wie hier schon geschrieben, der Weg zu einem anderen Behandler. Auch wenn das unter Umständen nicht einfach ist.

Kommentar von DerHans ,

Wenn der Arzt mit dem 2,3 fachen Satz nicht einverstanden ist, muss man sich einen anderen Arzt suchen.

Antwort
von Apolon, 18

@Kurgelrobbe,

maßgebend bei Privatversicherten ist die GOÄ bzw. die GOZ.

Die Leistungen dafür kann man hier entnehmen

http://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/

http://www.gesetze-im-internet.de/goz_1987/

Wenn der Arzt eine höhere Abrechnung vornehmen will, muss er dies vor der Behandlung von dem Patienten schriftlich bestätigen lassen.

Man hat auch die Möglichkeit, Absprachen mit dem Arzt, bzw. Arztrechnungen vor der Zahlung von der PKV prüfen zu lassen.

Allerding wäre es auch wichtig zu wissen um welche Krankenversicherung, bzw. um welchen Tarif es sich handelt.

Ich bin bei meiner Antwort nicht vom Basis-Tarif, Standard-Tarif oder Notlagen-Tarif ausgegangen.

Gruß N.U.

Kommentar von Kugelrobbe ,

Ganz herzlichen Dank für die Antwort und das enorme Fachwissen! Es war sehr hilfreich. 

Antwort
von Saisonarbeiterr, 52

dein jemand aus der familie kann sich ärzte suchen, die weniger als den 2,5 sachen satz berechnen.. sowas kann man vorher erfragen.. 


dein jemand aus der familie kann bei seiner PKV einen tarif wählen, der kassenleistungen entspricht.. dann bezahlt die PKV aber auch nur das...


Kommentar von Kugelrobbe ,

Ja, aber wenn man ganz schnell ins Krankenhaus eingewiesen wird, geht das nicht.

Und einfach einen anderen Arzt suchen ist gar nicht so einfach. Die Krankheit ist übrigens sehr selten

Kommentar von DerHans ,

Auch im Krankenhaus wird als allererstes abgeklärt, wie und in welchem Ausmaß der Patient versichert ist.

Natürlich werden Notfallmaßnahmen bei JEDEM im gleichen Ausmaß durchgeführt.

Kommentar von Kugelrobbe ,

Ja, und kann man in höherem Alter noch einen anderen Tarif nehmen bei der privaten Versicherung? Ich kenne mich wirklich nicht aus, dafür seid ihr ja da :)

Kommentar von AnReRa ,

Ja, und kann man in höherem Alter noch einen anderen Tarif nehmen bei der privaten Versicherung?

In der Regel nicht. Und schon gar nicht nachdem der Leistungsfall eingetreten ist. Sprich: Kosten aus der Erkrankung würden dann generell nicht getragen. Die PKC ist in noch viel stärkerem Maße ein Wirtschaftsunternehemn wie die GKV.

Man kann nur jedem der sich in der PKV versichern will raten, sich
vorher genauestens mit den Vertragsbedingungen auseinanderzusetzen.
Das die PKV in jungen Jahren günstiger ist, darf niemals das schlagende Argument sein.

Kommentar von DerHans ,

Wenn man sich HÖHER versichern will, werden natürlich die gesundheitlichen Risiken genau eingeschätzt.

Das kann dann durchaus auch abgelehnt werden.

Antwort
von FGO65, 29

Die Antwort hättest du leicht im Netz finden können

http://www.iww.de/aaa/archiv/privatliquidation-die-richtige-anwendung-des-steige...

Kommentar von Kugelrobbe ,

"Die Antwort hättest du leicht im Netz finden können"

Vielleicht ja, aber in dem Fall war mir die persönliche Nachfrage sehr wichtig. Im Übrigen muss so ein Satz nicht sein, die Antwort hätte auch ausgereicht. 

Vielen Dank für den Link den schau ich mir an

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