Frage von Liiisa95, 133

Ärger mit Chef wegen Krankheit/ein?

Hallo ihr lieben,

heute geht es mal nicht um mich, sondern um eine sehr gute Freundin. Sie hat so langsam Probleme in ihrem Betrieb, weil sie oft krank ist. Heute wurde sie zum Chef gerufen, weil sie nun ca eine Woche krank war & danach 11/2 Wochen Urlaub hatte. In seinen Augen werden ihre Krankheiten langsam unglaubwürdig.
Erstmal ein paar Fakten. Sie befindet sich seit dem 01.08.2015 in der Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel. Von Ausbildungsbeginn bis heute, war sie inzwischen schon 31 Tage krank. Bis auf 6 Tage davon, waren es immer nur 1-2 Tage, die sie zusammenhängend krank war. Hauptsächlich waren es immer Kopfschmerzen oder auch wirklich Unlust.
Wie gesagt heute hat sie einen ordentlichen Einlauf vom Chef bekommen, dass er ihre Ausreden wegen familiären Problemen (ihre Eltern haben sich scheiden lassen) nicht mehr hören kann & schließlich zahlt er ihr Geld. Dazu hat er noch geäußert, dass er es komisch findet, dass sie vor ihrer letzten Krankschreibung ein bisschen härter arbeiten musste als sonst (einfach mehr während der Arbeitszeit, keine Überstunden) & sich dann eine Woche danach krank schreiben lässt & danach die 1 1/2 Wochen Urlaub hat. Er meine wenn es so weiter geht, muss sie demnächst öfter am Wochenende arbeiten, da ihre Kollegen jedesmal, wenn sie eigentlich frei hätten, für sie einspringen mussten. Dazu will er ihr wahrscheinlich eine Woche Sommerurlaub streichen. Ist das Gerechtfertigt? Ich selbst finde auch, dass sie oft krank war. Mal ganz davon ab. In einigen Dingen kann ich auch den Chef wirklich verstehen. Aber darf man jemanden deswegen wirklich den Urlaub streichen bzw ihn mehr am Wochenende arbeiten lassen? Kann sie sich dagegen irgendwie wehren?

Vielen Dank im Voraus für eure Antworten ☺️
& einen schönen Dienstagabend ☺️

Antwort
von Kirschkerze, 69

"Von Ausbildungsbeginn bis heute, war sie inzwischen schon 31 Tage krank."

Das ist verdammt viel, das ist euch beiden klar oder? Irrelevant ob am Stück oder auf mehrere Tage verteilt, wobei letzteres eigentlich schlimmer ist. Wenn im ihrem Vertrag Wochenendarbeit geregelt ist und sie am Wochenende arbeiten musst kann der Chef sie am Wochenende einteilen wie er lustig ist. Wenn der Urlaub aber schon genehmigt war dann muss ihr die Woche auch zugestanden werden. War die Woche noch nicht  genehmigt hat sie Pech gehabt.  (Sollte er das durchziehen wollen: Betriebsrat, Gewerkschaft usw)

Kommentar von Liiisa95 ,

Du mir ist das vollkommen klar. Soviel hab ich nicht mal in meiner Schulzeit gefehlt. Nur ihre Standardaurede sind ihre Eltern, obwohl sie nicht mehr zuhause wohnt & auch in einem Alter ist, wo man damit umgehen kann (fast 19).

An sich ist der Urlaub genehmig, nur der Chef macht mit den Auszubildenden dort gerne was er will.

Ja das weiß ich. Nur ist sie momentan in einer Abteilung die in der Woche komplett "durchziehen" & Samstag nicht arbeiten.

Antwort
von ErsterSchnee, 49

Klar kann sie sich wehren. Sie kann ab jetzt einfach regelmäßig zur Arbeit kommen und nicht mehr blaumachen. Und schon ist ihr Problem gelöst!

Ist doch klar, dass er Faulheit nicht noch unterstützen und bezahlen will!

Antwort
von berlina76, 73

Genehmigter Urlaub kann nicht mehr zurückgenommen/verweigert werden.

Ist er allerdings noch nicht genehmigt, kann er dies verweigern.

Deine Freundin sollte sich langsam mal zusammenreissen und wenn es zuhaus Stress gibt vieleicht auch ausziehen, das löst meist schon viele Probleme.

Kommentar von Liiisa95 ,

Naja der Urlaub wurde schon genehmigt. Nur in dem Betrieb macht der Chef gerne mal was er will mit den Auszubildenden.

Ja da geb ich dir vollkommen recht. Sie wohnt ja auch gar nicht mehr zuhause. Das versteh ich ja dann auch alles nicht.

Kommentar von Everklever ,

Genehmigter Urlaub kann nicht mehr zurückgenommen/verweigert werden

Doch, das geht aus bestimmten betrieblichen Gründen schon. Was hier nachvollziehbar wäre.

Kommentar von berlina76 ,

Genehmigter Urlaub, der wider zurückgenommen wird bedarf einer sehr guten Begründung, außerdem sind sämtliche gebuchte Ausgaben für diesen Urlaub vom Betrieb zu übernehmen. Ist also eine Reise gebucht muß der Betrieb die Auslagen dafür bezahlen, wenn er den Urlaub streicht. 

Damit würde sich der Chef ins eigene Fleisch schneiden.

Kommentar von Familiengerd ,

Doch, das geht aus bestimmten betrieblichen Gründen schon. Was hier nachvollziehbar wäre.

Praktisch: Nein!

In der gerichtlichen Praxis hat es (in Deutschland) bisher keinen Fall gegeben, in dem die Gerichte die Gründe des Arbeitgebers für den Widerruf eines einmal genehmigten Urlaubs akzeptiert haben!

Danach wäre ein betrieblicher Grund nur "theoretisch" denkbar: wenn durch den Urlaub die wirtschaftliche Existenz des Betriebs konkret gefährdet wäre!

Kommentar von Messkreisfehler ,

Das ist nicht korrekt...

Wenn unbedingt die persönliche Anwesenheit eines Angestellten erforderlich ist, muss ein fest zugesagter Urlaub storniert werden (Hessisches Landesarbeitsgericht, Az.: 9 Sa 1675/96).

Zudem ist es auch völlig uninteressant ob der Widerruf erst mal rechtmäßig ist oder nicht, tritt der Arbeitnehmer seinen Urlaub dann trotzdem "einfach" an, ist unter Umständen auch eine fristlose Kündigung möglich, auch da haben Arbeitgeber schon vor Gericht Recht bekommen... Siehe dazu LAG Hamm, 21.10.1997 - 4 Sa 707/97

Kommentar von Familiengerd ,

Das ist nicht korrekt...

Mein Aussage ist wohl korrekt - und Deine Erwiderung sachlich schlicht und einfach nciht zutreffend!

Erstens reden wir hier nicht davon, ob der Arbeitnehmer trotz Widerrufs des genehmigten Urlaubs diesen trotzdem eigenmächtig antreten darf - das darf er selbstverständlich nicht und hat auch niemand behauptet.

Von daher ist der 2. Absatz Deiner Erwiderung in diesem Zusammenhang hier erst einmal völlig gegenstandslos!

Zweitens: Hast Du das Urteil des Hessischen LAG überhaupt ganz oder richtig gelesen??

Denn in ersten Linie geht es im Urteil um eine rechtswidrige fristlose Kündigung wegen der Nichtunterbrechung eines Urlaubs, dessen Genehmigung wegen eines verkaufsoffenen Sonntags und Personalmangels teilwiderrufen wurde.

Im Urteil heißt es außerdem:

Der Arbeitgeber kann den einmal bewilligten Urlaub nämlich allenfalls in Notfällen widerrufen [Anmerk.: Hervorhebung durch mich]. Dabei muss es sich um zwingende Notwendigkeiten handeln, die einen anderen Ausweg nicht zulassen (vgl. BAG v. 19.12.1991 - 2 AZR 367/91, juris; BAG vom 20.06.2000 - 9 AZR 405/99, juris; Hessisches Landesarbeitsgericht v. 18.03.1997 - 9 Sa 1675/96, juris). Diese Voraussetzung liegt im Streitfall nicht vor. Ein personeller Engpass ist für sich noch keine Notlage [Anmerk.: Hervorhebung durch mich] (vgl. zutreffend HWK/Schinz, 5. Aufl. § 7 BUrlG Rz. 43 m. w. N.).

Du liegst mit Deiner Erwiderung in diesem Punkt also völlig falsch!!

Antwort
von Novos, 50

Nein, das kann er nicht. Aber er kann verlangen, dass sie ab dem ersten Tag der Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Arztes ausstellen lassen muß.

Antwort
von Artistviventium, 45

Und noch was. Bei ausreichend Gründen kann auch ein Azubi gekündigt werden. Sie sollte sich also nicht zu sicher sein.

Antwort
von Artistviventium, 69

Hey. Ich arbeite selber über 15Jahre im Einzelhandel und ohne dir zu nahe zu treten muß ich dir sagen das sich deine Freundin mal Gedanken machen sollte. 31 Tage krank in sechs Monaten? Wie geht das? Und jeder Arbeitgeber und Arzt weiß das jemand der ständig ein oder zwei Tage krank ist nicht wirklich krank ist. Wenn Sie keine Lust hat soll sie gehen und die Stelle frei machen für jemand anderes. Ich möchte hier wirklich niemandem etwas böses aber das was deine Freundin macht ist unkollegial, außerdem schadet sie sich und ihrer Zukunft damit selber am meisten.

Kommentar von Everklever ,

Wenn Sie keine Lust hat soll sie gehen und die Stelle frei machen für jemand anderes. Ich möchte hier wirklich niemandem etwas böses aber das was deine Freundin macht ist unkollegial, außerdem schadet sie sich und ihrer Zukunft damit selber am meisten.

Das kann ich nur unterstreichen. Außerdem ist es nicht nur unkollegial, sie betrügt auch ihren Chef, weil der die Fehltage bezahlen muss.

Kommentar von Familiengerd ,

@ Everklever:

weil der die Fehltage bezahlen muss

Das trifft nicht zu (oder nur in einem geringen Maß), wenn der Betrieb nicht mehr als 30 Arbeitnehmer hat!

In diesem Fall bekommt der Arbeitgeber nämlich den größten oder einen großen Teil der Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von der Krankenkasse ersetzt aufgrund des verpflichtenden Umlageverfahrens (Aufwendungsausgleichsgesetz AAG).

Kommentar von Messkreisfehler ,

Je mehr der Arbeitgeber ersetzt haben möchte desto mehr Beiträge bezahlt er aber auch dafür... "Geschenkt" bekommt er sie nicht. Die Arbeit erledigt sich in der Zeit auch nicht. Was bringts also wenn er z.Bsp. 80% des Lohns bezahlt bekommt und die Arbeit dennoch nicht gemacht wird...

Kommentar von Familiengerd ,

Und? Willst Du damit meine Aussage widerlegt haben? Wohl kaum!

In die Umlage muss der Arbeitgeber einzahlen, gleichgültig, ob ein Arbeitnehmer tatsächlich erkrankt oder nicht!

Und wenn er 80 % der Lohnfortzahlung ersetzt bekommt, also 20 % selbst tragen muss, macht ihn das nicht "kaputt" - auch nicht, wenn durch einen erkrankten Arbeitnehmer einmal "die Arbeit nicht gemacht wird" oder von anderen übernommen werden muss. "Normalerweise" wird ein Arbeitnehmer nicht krank und sucht sich seine Erkrankung nicht aus, weil er Spaß daran hat!

Und wir haben nun einmal - glücklicherweise - die unabdingbare Entgeltfortzahlung!!

Kommentar von Liiisa95 ,

Ich selbst arbeite auch mehr oder weniger im Einzelhandel. Zwar an einer Tankstelle, aber dort muss ich nun mal rund um die Uhr, 7 Tage die Woche inklusive Feiertage arbeiten. Dadurch hab ich auch selbst kein Verständnis dafür. Ich finde es auf Arbeit auch unkollegial wenn die Auszubildende aus dem 1. Lehrjahr alle 14 Tage krank ist.

Kommentar von Artistviventium ,

Wichtig ist das du dich davon nicht runter ziehen lässt. Du machst einen vernünftigen und gebildeten Eindruck.

Kommentar von Liiisa95 ,

Nein natürlich lasse ich mich davon nicht runterziehen. Ich selbst weiß wie das mit familiären Problem ist etc. Aber ich habe es nie als Grund genommen krank zu machen. Schließlich muss man auch Arbeit & Privat trennen können. Klar kann man mal krank werden. Ich will ja nicht sagen, dass ich nie krank war. Nur bei mir waren es Dinge wie Grippe, zu hoher Blutdruck  & dadurch Kreislaufprobleme, Bänderriss oder Spätfolgen eines Autounfalls.Ich habe ihr auch gesagt was ich davon halte & ihr die Sicht von ihrem Chef versucht besser rüber zu bringen. Nur sie meint, dass sie im Recht wäre, da sie ihren Körper nicht kaputt machen will & wenn sie krank ist, dann ist sie krank.

Antwort
von Everklever, 46

Sie sollte in ihrer Situation mal lieber ganz kleine Brötchen backen und besonderes Wohlverhalten an den Tag legen. Ansonsten könnte dem Chef nämlich irgendwann der Kragen platzen und er stellt sie frei für den Arbeitsmarkt. Dann hat sie auch erst mal kein Problem mehr mit Wochenendarbeit und gestrichenem Urlaub.

oder auch wirklich Unlust

Ich hör (lese) wohl nicht richtig? Dann sollte sie sich besser um eine Festanstellung beim Jobcenter auf Basis von Hartz 4 bemühen. Auf solche Mit"arbeiter" ist wirklich niemand scharf.

Kommentar von Liiisa95 ,

Ja du ich sehe das genauso. Ich habe dafür auch keinerlei Verständnis. Gerade bezüglich ihren Eltern. Sie ist fast 19 & hat somit ein Alter wo man damit gut umgehen kann. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 11 war. Als ich 16 war, ist meine Mutter gestorben & musste zu meinem Vater der ein Alkoholproblem hatte & dazu noch deinen Führerschein verloren hat. Selber arbeite ich sozusagen 7 Tage die Woche, inklusive Feiertage & rund um die Uhr. Kannst dir ja vorstellen wie meine Meinung dazu ist.

Antwort
von Helferlein1234, 32

so oft Krank... mein Chef hätte Sie schon längst entlassen...

ich im 3 lj. im (August im 4) war in der ganzen Zeit nur 5 Tage Krank.. ganz schöner Unterschied ich kann ihren Chef verstehen Sonderurlaub kann er streichen denke ich und sie macht keine Überstunden dadurch das Sie am Wochenende Arbeiten würde ich denke es könnte gehen...

Kommentar von Liiisa95 ,

Klar ist das viel. Klar der eine ist anfälliger als der andere. Aber man kann sich auch mal zusammen reißen & nicht wegen jeden kleinen Schnupfen zum Arzt. Da hast du vollkommen recht. Ich war zwar mehr als 5 Tage krank, hatte unter anderem auch einen Bänderriss.

Naja der Urlaub an sich ist genehmig. Ihr geht es nur um das Wochenende arbeiten, weil sie momentan in einer Abteilung ist, die am Wochenende sozusagen nicht arbeitet. Aber ich finde es an sich auch gerecht & kollegial wenn sie mal einer Kollegin in einer anderen Abteilung einen Tag abnehmen würde, wenn diese für sie immer einspringt.

Kommentar von Helferlein1234 ,

Bänderriss, Operationen, Knochenbruch etc. ist ja auch etwas anderes als kein Bock oder bissi Schnupfen da kann man es ja verstehen klar man kann Krank sein ist an sich kein Problem man sollte es nur nicht Übertreiben (wenn es was ernstes ist kann man nichts machen dann ist es eben so)

Kommentar von Liiisa95 ,

Richtig & das will sie nicht einsehen. Sie meint sie wäre im Recht, da sie ihren Körper nicht kaputt machen wird & wenn sie krank ist, ist sie krank. Habe ihr auch gesagt, dass wenn sie so weiter macht, sie nicht mehr zu Prüfung zugelassen wird. Schließlich ist sie gerade mal im 1. Lehrjahr.

Kommentar von Helferlein1234 ,

Stell dir dann mal vor die bewirbt sich dann wo anders weil sie entlassen wurde und beim Vorstellungsgespräch kommt die Frage,

warum wurden Sie entlassen, oder warum waren Sie so oft Krank...

so jemanden möchte kein Arbeitgeber gerne haben da nützt es auch nicht viel einen Attest mitzubringen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community