Ich bin Adoptivmutter (wie ich das Wort hasse!!!) zweier kleiner Mädchen. Ich nenne mich aber hier nur Mutter der Mädchen, denn ich bin ihre Mutter durch und durch! Unsere erste Adoption beantragten wir 2001 und bewarben uns in Kolumbien. Anfang 2005 durften wir dort dann ein prächtiges, wunderschönes einzigartiges kleines Bündel Mensch in Empfang nehmen. Sie wurde unsere Tochter! Bis dahin mussten wir 2 Aktenordner Dokumente bearbeiten. Zuerst einmal Jugendamt. Infoabend, Gespräche, Hausbesuche usw. und immer wieder Formulare ausfüllen, Lebensberichte schreiben, 1000 Fragen beantworten. Ein Termin bei einem Psychologen stand dann noch auf dem Programm und der Check beim Hausarzt (bzgl. lebensverkürzender Krankheiten usw.). Das war schon hart, aber man schafft das wenn mann 1000%ig den Willen hat, ein Kind bei sich aufzunehmen. Da muss man durch und wenn man dann sein Kind in den Armen halten darf, ist alles vergessen. Wie nach der Geburt!
Geachtet wird bei einem Adopotionsverfahren, dass das Kind in ein stabiles Umfeld kommt. Unsere Ehe wurde genauestens analysiert, wie wir mit Konflikten umgehen usw. Finanziell mussten wir auch nachweisen, dass wir uns ein Kind überhaupt leisten können. Wobei wir ein Haus gebaut hatten und natürlich Schulden haben, aber alles auf einer soliden Basis halt.
Meine Eltern haben den "Schock" sehr gut verkraftet, das war nach einer Nacht abgehakt das Thema. Die Mutter meines Mannes, die noch zu Deutschlands schlimmster Zeit aufgewachsen ist, hat sich heute nach Jahren noch nicht damit abgefunden, dass ihre Enkelkinder nicht blond und blauäugig sind, sondern schwarze Haare und schwarze Augen haben und eine Mischung aus Schokolade und Vanille sind. Sie sehen halt anders aus als wir, aber wir selbst sehen das schon gar nicht, es sind unsere Kinder! Leider macht die Schwiegermutter heute immer noch Unterschiede. Geburtstag und Weihnachten bekommen die "leiblichen Enkel" meines Schwagers viel mehr geschenkt. Obwohl es unsere Kinder sind, die immer an die Oma ranschmusen und ihr zeigen, dass sie die Oma von Herzen lieb haben. Aber so sind unsere Mädels, einfach herzzerreißend! Irgendwie scheint es mir so, als würden sie ihr zeigen, dass Liebe nicht an Haut- oder Haarfarbe oder an irgendwelchen Genen festgemacht werden kann.
Unsere Kinder wussten von Anfang an, dass sie nicht in meinem Bauch gewachsen sind, sondern in unseren Herzen. Deswegen sprechen wir von den leiblichen Müttern auch von den "Bauchmamas". Wir sprechen öfter über sie, denn auch sie sind ein Teil unserer Familie. Sie werden immer dazu gehören, denn sie sind ein Teil unserer Töchter. Beide erklären jedem der es wissen will ihre Geschichte mit einer Selbstverständlichkeit und mit einem Selbstbewusstsein, das mich manchmal fast umhaut. Ja, sie sind zwei starke kleine Persönlichkeiten!.
Unsere zweite Tochter war übrigens eine Inlandsadoption und wir bekamen sie 2007 völlig überraschend. Morgens klingelte das Telefon und zwei Stunden später hatten wir sie in der Klinik in unseren Armen. Einfach so aus heiterem Himmel wurden wir vom Jugendamt angefragt, ob wir noch ein Mädchen adoptieren möchten, denn die leibliche Mutter ist auch Kolumbianerin. Somit haben beide Mädchen die gleichen Wurzeln und wir sind eben schon "kolumbienerprobt".
Abschließend möchte ich Dir noch mitteilen, dass der Adoptionsprozess im Ausland teilweise 5 Jahre dauern kann. Berechnet das bitte ein.
Und gebt nie den Mut auf. Am Ende werdet ihr mit dem Schönsten belohnt: Eurem Kind!
Sicherlich gibt es viel Adoptions-Gegner die meinen, man sollte solche Kinder nicht aus ihrer Kultur herausnehmen sondern für "geeignete Heimplätze" sorgen. Aber diese Menschen übersehen, dass jedes Kind sich Liebe und Geborgenheit und eine Familie wünscht. Das kann selbst das beste Heim nicht bieten.
Unsere älteste Tochter kam mit einem offenen Rücken zur Welt. Ihr geht es heute sehr gut und wir sind dankbar, dass sie den Weg zu uns gefunden hat. In Kolumbien hätte sie nie und nimmer die Chance gehabt, ein gesundes Leben führen zu dürfen.
Ich wünsche Euch von Herzen viel Glück und alles Gute!
Hallo, danke für deine Antwort. :) Es freut mich, dass es dir bei deinen (Adoptiv-)Eltern gut geht.