Frage von PiXoLon, 27

(Achtung, langer Post) Was gibt es für Studiengänge die viel mit Zeichnen zu tun haben und wo gibt es diese?

Ich bin momentan wirklich sehr fleißig am Üben der Fundamente des Zeichnens. aktuell beschäftige ich mich sehr intensiv mit der menschlichen Figur.

Ich habe mir schon einige Gedanken gemacht und hatte vor, vielleicht in Richtung Animation zu gehen, weil mich dieses Thema auch sehr interessiert. Aber auch als Concept Artist könnte ich mir vorstellen später zu arbeiten. Auch in der Videospiel Branche. Allerdings ist das so, zumindest wie ich es mitbekommen habe, dass es bei dem Studium "Game-Designer" eher um das Entwickeln des ganzen Spiels als um die Erschaffung (zeichnen, kreieren) von Charakteren und Welten geht.

Noch eine Frage zum Animation-Studium: Muss ich in die Mappe dann Vorkenntnisse im Bereich der Animation mit einbringen oder reicht es zu zeigen, dass ich Ideen habe und dass ich zeichnen kann?

Auch wäre eine weitere Frage ob es sich überhaupt lohnt in Deutschland zu studieren.

Falls jemand, der In diesem Bereich tätig ist (egal ob Game-designer, Animation, Concept artist oder etwas ähnliches), diesen Beitrag sieht und ein wenig Freizeit zur Verfügung hätte, würde ich mich freuen in Kontakt zu treten um Informationen und Insider-Wissen anzulegen!

Vielen Dank schon mal :)

Antwort
von kesux, 14

Wo ist denn jetzt der lange Post? ;)

Grundsätzlich: Die meisten Studiengänge erfordern keine Vorkenntnisse in dem, was sie dir beibringen möchten. Allerdings erfordern sie, dass du beweisen kannst, dass du das Talent und das Durchhaltevermögen dazu hast. Je mehr du davor gemacht hast, desto besser.

Das Problem bei diese Art Studiengängen ist oft der Preis. Es gibt zwar geeignete Studiengänge (wie etwa Digital Art auf der Games Academy, der dich auf die Spiel(und Film)branche vorbereitet), aber diese kosten eine ganze Stange Geld. Genau wie die auf der SAE, die ja auch recht bekannt ist. 

Die staatlichen Einrichtungen sind oft sehr viel allgemeiner und auf die höhen Künste spezalisiert, statt auf das, was in den Medien tatsächlich gemacht wird. Dafür sind sie kostengünstiger und laufen über einen längeren Zeitraum, sodass du ggf. mehr Zeit hast, dich auf deine Zukunft vorzubereiten. 

Außerdem musst du dich dann wahrscheinlich nicht soo früh entscheiden, wo die Reise hingehen soll.

Dann kommt noch dazu, das beispielsweise Concept Art und Animation zwei sehr unterschiedliche Richtungen sind, die unterschiedlich gelernt werden. Es wäre wichtig für dich einen Bereich zu finden, der dich wirklich interessiert und bei dem zu bleiben. 

Bezüglich Jobaussichten auch noch ein kleiner Punkt: Je mehr Technik einfließt, desto besser stehen deine Jobchancen. Concept Artists gibt es (gefühlt) wie Sand am Meer. Fähige Animatoren oder VFX Artists dagegen sind schwerer zu finden. Das ist auch ein wichtiger Faktor den du bedenken solltest.

Kommentar von PiXoLon ,

Vielen Dank! Das hat mich schon mal sehr viel weiter gebracht ! :) 

Also würdest du die staatlichen Einrichtungen empfehlen, wenn man nicht gerade das Geld für die besseren Studiengänge hat? Wenn, nicht was hätte man sonst für alternativen?  Achso, und welche staatlichen Einrichtungen kennst du denn bei denen es sich lohnt zu studieren? was kann man bei diesen studieren? Wäre wirklich echt sehr nett noch ein paar konkrete Antworten zu bekommen, auch wenn deine Antworten von vorhin eigentlich schon vollkommen ausreichend waren!

Außerdem scheinst du jemand zu sein, der Erfahrung hat. Dürfte ich dich fragen was du machst und ob du möglicherweise etwas in der Richtung studierst / beruflich machst?

Kommentar von kesux ,

In jedem Studiengang ist es so, dass es darauf ankommt, was du daraus machst.

Ich lobe hier jetzt die GA wegen persönlicher Erfahrung. Aber hier gilt ganz klar: Wer nicht 24/7 arbeitet, hat davon auch nicht viel, außer enorm hohen Kosten.

Jetzt ist also die Frage: Ist man sich sicher, dass man die Zeit auch ohne externe Motivation reinsteckt? Dass man sich täglich(oder annäherend täglich) neben dem Studium noch an den Rechner, ans Zeichenbrett oder sonstwo hinsetzt und an eigenen Sachen arbeitet?

Falls die Antwort ja ist, kann man soziemlich alles machen. Denn das ist das entscheidende: Einschlägige Projekte und Arbeiten, die zeigen, dass man Motivation und Talent für das hat, was man später i im Beruf machen möchte. Bei Spiel/Film Animation sind das eben Animationen in Maya, Concept Artists könnten bei Hobbyprojekten mitmachen, genau so wie alle anderen Artists auch(Character/Envirionment/VFX usw).

Welche staatlichen Einrichtungen sich lohnen hängt extrem davon ab, was du machen möchtest. Ein Studiengang, der sich stark auf "analoge Kunst" beschränkt könnte genau das richtige für einen angehenden Concept Artist sein. Ein Studiengang der auch viel technischen Kram mit reinnimmt ist ggf. besser für einen 3D Animator oder 3D Artist. Und dann gibt es ja noch so klassische Sachen wie Kommunikationsdesign, das sich auch oft anbietet.

Leider gibt es so extrem viele. Dir jetzt ein paar zu nennen würde dem nicht gerecht werden. Am besten einfach mal studienwahl.de oder so bemühen und schauen, was überhaupt erst in Frage kommt.

Ich persönlich komme aus der (Indie) Spieleentwicklung. Klassisches Informatikstudium und dann durch privates Engagement in die Branche. Bei Informatikern ist das alles 'ne stange anders - hier würde ich bspw. nie eine Schule wie die GA empfehlen. 

Antwort
von Chichibi, 11

Vorweg: Leider hat GF mich ausgeloggt und dann war meine lange Antwort weg... deswegen jetzt nur kurz:

Ich empfehle dir ein Studium an einer normalen Hochschule. Bei der GamesAcademy oder dem SAE hast du keinen staatlich anerkannten Abschluss und deswegen außerhalb der Gamesbranche kaum Chancen.

Die Arbeitgeber in der Gamesbranche suchen sich aber auch lieber Artists, die direkt Kust, Animation o.ä. studiert haben (also kein GameDesign). Dort werden deine Fähigkeiten wesentlich weiter ausgebaut, als in den Gamedesign-Studiengängen. Die entsprechenden Studiengänge der GA können da, glaube ich, auch nicht richtig mithalten.

Welche Studiengänge geeignet wären, kann ich dir aber leider nicht sagen.

Kommentar von kesux ,

Vor zwei Jahren hätte ich dir komplett zugestimmt, was die Kurse der GA angeht. Seit ich aber aus meinem persönlichem Umfeld einige kenne, die dort waren, und aus dem 3. Semester direkt in die Branche sind, bin ich anderer Meinung. Die Kombination aus den Dozenten + der Projektarbeit ist ein klasse Konzept für jeden der sich sicher ist, dass er in diese Branche möchte.

Die Frage ist nur: Kriegt man es nicht hin, das Ganze selber zu lernen? Theoretisch ist es möglich - aber wenn dir ein Lead Artist vonm Crytek das beibringt ist das eben ne ganz andere Motivation. Und jemand, der vorher selber nichts gemacht hat, könnte hier vielleicht den Anstoß bekommen, der gebraucht wurde.

Also ich würde grundsätzlich auch erstmal schauen, ob man nicht in der Lage ist, sich das selbst beizubringen, ggf. während eines staatlichen Studiums. Das ist günstiger, lässt einem mehr Orientierungszeit und man hat am Ende einen Abschluss, der einem mehrere Bereiche öffnet. 

Das Problem bei den staatlichen Studiengängen ist halt, dass da oft vielleicht 10% digitale Medien sind. Für einen Concept Artist mag das egal sein, aber ein angehender Animator hat da nicht unbedingt viel von. Erstrecht wenns dann noch Rigging/Skinning sein soll.

Kommentar von Chichibi ,

Ja, für die Gamesbranche ist die GA schon in Ordnung. Und gegen die Kurse an sich sage ich auch überhaupt nichts. Meine Erfahrung ist aber die, dass die Arbeitgeber eher Studenten von staatlichen Schulen bevorzugen. Das heißt ja nicht, dass GA-Studenten keine Chance haben. Aber wenn, dann fast nur in der Gamesbranche.

Ich rede hier auch nur von Artists, nicht von Gamedesignern. Bei Gamedesignern sieht die Sache durchaus etwas anders aus.

Grundlegend ist es egal, ob die Hochschule staatlich oder privat ist. Wenn man (wie PiXoLon) aber nicht definitiv in die Gamesbranche möchte, wäre ein staatlich anerkannter Abschluss sinnvoll. Da können die Kurse noch so gut gewesen sein - manchen Arbeitgebern ist sehr wichtig, dass die Arbeitnehmer einen offiziellen Abschluss haben. Die MD.H ist bspw. eine private Hochschule, bei der man einen staatlich anerkannten Abschluss bekommt. 

Was bei so einem Studium wichtig ist, ist viel Praxis. Das hat man bei künsterischen Studiengängen aber eigentlich immer. Es schadet aber sicher nicht, bei der Wahl der Hochschule darauf zu achten, dass der Praxis-Anteil sehr hoch ist.

Es gibt auch Studiengänge, die sich auf digitale Median konzentrieren (die heißen dann sogar so oder so ähnlich). Für Animationen würde sich vielleicht auch ein Film-Studium anbieten. So oder so ist es wichtig, dass man sich vorher die Studieninhalte anschaut.

Kommentar von kesux ,

Das mit staatlich/privat ist glaub ich so eine Sache, die sich komplett von Betrieb zu Betrieb unterscheidet. Ich kenne Betriebe, die sehr gerne Schüler aus privaten Schulen aufnehmen, und welche, die das kategorisch ablehnen.

Dass die MD.H waschechte Bachelor anbietet war mir neu. Das ist natürlich n ordentlicher Pluspunkt - dachte das wäre so etwas wie bei der SAE mit "Bachelor of Honors", oder so.

Wie du sagst ist es glaube am wichtigsten, sich die Inhalte vorher angucken und allem voran das eigene Engagement. Egal in welche Branche es gehen soll oder auf welche Schule man geht, ein fauler Student bleibt ein fauler Student - und das sieht man später auch :)

Kommentar von Chichibi ,

Ich kenne Betriebe, die sehr gerne Schüler aus privaten Schulen aufnehmen

Auch explizit Artists?

Ich weiß, dass Gamedesigner teilweise bevorzugt von GA oder SAE genommen werden. Da hält sich vermutlich etwa die Waage, was bevorzugt wird - also ob GA/SAE oder lieber richtiger Bachelor.

Ich hatte aber den Eindruck, dass Artists tendenziell lieber von Schulen mit echtem Bachelor/Master genommen werden.

Engagement und Talent sind natürlich sowieso immer sehr wichtig.

Kommentar von kesux ,

Ja, bspw. Crytek und Blue Byte haben viele Artists aus der GA. Stellen auch selber einige der Dozenten (siehe u.A. Sebastian Zimmermann).

Es gibt auch eine Animationsfirma, aber der Name fällt mir grad nicht mehr ein, die gerne Leute von solchen Schulen einstellt. Natürlich unter der Voraussetzung, dass diese fähig genug sind. Und natürlich viele Indiefirmen, die gerne Leute von dort holen wegen der Projekterfahrung (so erst vor ein paar Wochen geschehen bei einem sehr gutem Freund von mir).

Das Ding mit dem "richtigen Bachelor" ist halt, so wie ich das mitbekommen habe, dass es dort draußen staatliche Programme gibt, die für Film/Spiele keine wirkliche Relevanz haben und deswegen nett auf dem Papier sind, aber für die Einstellung nicht von Bedeutung. 

Aber das bezieht sich zu 99% auf die Spielebranche. Die Animationsfirma macht zwar auch MoCap für Filme, aber hat sich auf Spiele spezialisiert.

Kommentar von Chichibi ,

Ah, ok. Danke.

Klar, kleine Indiefirmen schauen vermutlich grundsätzlich nicht so auf das Papier. Die brauchen fähige und möglichstgünstige Leute. Und ein Student verlang tendenziell einfach mehr Geld als jemand, der (auf dem Papier) nur Abi hat.

Das Problem an den Studiengängen mir "richtigem Abschluss" ist auch, dass das Studium zu wissenschaftlich ist, d.h. zu viel Theorie und zu wenig Praxis. Vor allem beim Master, bei dem die Abschlussarbeiten immer wissenschaftlich sein müssen. GA und SAE sind wohl wesentlich praxisorientierter.

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