Frage von xDreamGreen, 76

Abzocke bei Mietvertrag..?

Guten Abend,

meine Freundin und ich haben uns letzte Woche ein kleines Häuschen auf dem Land angeschaut und dort dem Vermieter zugesichert das Haus in Zukunft zu mieten. Wir haben während der Besichtigung soweit mündlich alles finanzielle besprochen (Kaltmiete, Nebenkosten, Stromkosten..) Er erwähnte dort, dass gerade ein neuer Glasfaserkabelanschluss an das Haus gelegt wurde, welchen wir nach Bedarf nutzen könnten.

Nun hat sich meine Freundin heute erneut mit dem Vermieter getroffen um den Mietvertrag zu unterzeichnen. Er legte ihr allerdings noch einen weiteren Vertrag vor. Einen Vertrag von den Stadtwerken über 24 Monate für Internet & Telefon. Er sagte dazu, dass er bzw. die Mieter verpflichtet seien, die ersten 24 Monate den Vertrag von den Stadtwerken " zu akzeptieren", da diese den Anschluss der Glasfaserleitung gelegt haben.

Meine Freundin hat wenig Ahnung davon und hat daher den Vertrag (von den Stadtwerken/ von dem Vermieter vorgelegt) unterschrieben.

Nun soll der ganze Spaß 60 Euro im Monat kosten und zwar für 24 Monate. Bei den vorhergehenden Treffen wo ich anwesend war, war nie die Rede davon. Vielmehr hat der Vermieter gesagt, dass wir diesen Glasfaseranschluss haben könnten, wenn wir ihn denn benötigen würden.

Was haltet ihr davon? Also aus meiner Sicht ist das eine Frechheit und grenzt an Betrug!

P.S.: Er erwähnte bei dem Treffen zur Unterzeichnung, dass die Stadtwerke den Vertrag unterschrieben in spätestens einer Woche zurück haben möchten/müssen. Was denkt ihr, wie ich vorgehen soll? Für mich klingt das nur nach Druckmachung nicht nach etwas seriösem...

Vielen Dank und schönen Abend

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 7

Es gab in der Vergangenheit gerade auf dem Land und in kleineren Dörfern das Problem, dass die Telekom nicht bereit war, eine ordentliche Bandbreite für eine Internet-Breitbandanbindung zur Verfügung zu stellen. DSL im unteren einstelligen Tausenderbereich war meist das beste, was man haben konnte.

Viele Kommunen haben es nun in die Hand genommen, auch kleine Dörfer oder eher abgelegene Stadtteile mit einem eigenen Breitbandnetz zu versorgen. Um das einigermaßen wirtschaftlich darzustellen, werden regelmäßig die Anlieger zuvor gefragt, ob sie bereit wären, sich zu bestimmten Tarifen von Anfang an anzuschließen. Gleichzeitig wird Ihnen gesagt, wenn sie sich später dazu entschließen, kostet der Hausanschluss viel mehr. Da geht es dann um vierstellige €-Beträge. Jeder halbwegs vernünftige Hausbesitzer wird von Anfang an zustimmen und sich entsprechend anmelden, denn letztlich hängt der Wert des Hauses, der künftige Internetkomfort bei Selbstnutzung, aber vor allem auch der Mietwert eines Hauses stark davon ab, wie es mit Internet aussieht. Da ist DSL 16000 meist schon Unterkante.

Euer Vermieter wird eine solche Verpflichtung eingegangen sein und hat nun versucht, diese recht hohe Einstiegsgebühr, die anstelle von separaten und teuren Hausanschlussgebühren angefallen sind, an Euch weiter zu geben. Offenbar ist dieser Versuch gescheitert, wenn ihr von Eurem zweifellos vorhandenen Widerspruchsrecht Gebrauch macht.

Die Frage ist nun, welche Konsequenz es für den Hauseigentümer hat, wenn ihr nicht mit zieht. Möglich, dass er eine Art Strafgebühr zahlen muss, denn irgendwelche Konsequenzen muss es geben, wenn jemand, der sich erst verbindlich anmeldet, dann doch keinen Internetvertrag mit dem Netzbetreiber abschließt.

Erkundigt Euch mal am besten bei den Stadtwerken, wie denn der Tarif nach den ersten 24 Monaten sein wird. Vielleicht ist er nur noch halb so hoch. Dann sprecht mit dem Vermieter und bittet ihn um Übernahme der Hälfte der Gebühren, damit er wenigstens den Anschluss bezahlt, der ihm auch dann noch zu Gute kommt, wenn ihr vielleicht längst ausgezogen seid.

Geht mal in Euch, was denn gewesen wäre, wenn das Haus ohne guten Internet- bzw. Glasfaseranschluss angeboten worden wäre. Hättet ihr das Haus dann auch gemietet? Wenn nein, gibt es zwei Punkte zu bedenken:

1. Damit das Haus für Euch überhaupt interessant war, hat es der Vermieter an das Glasfasernetz anschließen lassen. Ansonsten hätte er sich vielleicht schwer getan, einen Mieter zu finden, der einen guten Mietpreis bezahlt.

2. Wie sehr benötigt ihr einen leistungsstarken Breitbandanschluss jetzt und in Zukunft? Seid ihr darauf angewiesen oder hätte es müdes LTE übers Smartphone oder ein schlechter DSL-Anschluss auch getan? Hättet ihr ggf. auch woanders eine höhere Miete in Kauf genommen, nur um einen guten Internet-Anschluss zu haben?

Die beiden Punkte sollten bedacht werden, um in den anstehenden Verhandlungen ggf. den passenden Kompromiss zu finden. Es nützt Euch nichts, wenn ihr jetzt den Glasfasservertrag kategorisch ablehnt, aber dann jahrelang über schlappes Internet jammern müßt, weil es nichts anderes bei Euch gibt.

Viel Erfolg!

Antwort
von Colombo1999, 20

Zum einen erscheint mir der Betrag abenteuerlich hoch. Zum anderen sind für die Verlegung von Glasfaser Erschließungskosten zu entrichten, die der Eigentümer zu zahlen hat.

Bei uns ist vor zwei Jahren Glasfaser verlegt worden. Ich zahle unter 30 €; die monatliche Gebühr ist um ca. 3 € hochgegangen. Ich habe aber nicht die maximale Leistung gebucht, weil ich die nicht brauche.

Zu Eurer Situation: Ein Vertrag, der außerhalb der Geschäftsräume des Anbieters zustande kommt, kann innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen werden.

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 4

Den Vertrag mit den Stadtwerken binnen der mindestens zweiwöchigen Widerrufsfrist widerrufen. Die Genaue Frist steht im Kleingedruckten des Vertrages. Wenn es keine Widerrufsklausel gibt, kann auch noch weit später rechtswirksam gekündigt werden.

Niemand kann euch zwingen, auch nicht im Zusammenhang mit dem Abschluss des Mietvertrages, derlei Vertrag abzuschließen. Damit entfällt natülich mit ziemlicher Sicherheit die Nutzung des Glasfaseranschlusses. Es bliebe dann nur ein DSL-Anschluss mit geringerer Übertragungsgeschwindigkeit bei einem Anbieter eurer Wahl.

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Mietrecht, 16

Ob das Abzocke ist, kann ich nicht beurteilen, aber Ihr könnt Euch doch bestimmt bei den Stadtwerken erkundigen ob das so ist und wenn es eine Widerufsfrist gibt, dann wideruft den Vertrag.

Antwort
von eni70, 40

Puh, also zwingen kann man niemanden, die hat ja freiwillig unterschrieben.

Es gibt durchaus auch Mietobjekte, in denen der Besitzer zum Beispiel Kabel hat legen lassen und die Grundgebühr über die Nk abrechnet(nur die Bereitstellung) die musst zahlen, auch wenn du keinen Vertrag abschließt für gesonderte Leistungen des Anbieters. 

Ihr könnt doch in jedem Fall den Vertrag bei den Stadtwerken innerhalb der Widerrufssfrist kündigen! Der Mietvertrag ist dennoch gültig.

Antwort
von troublemaker200, 35

Er kann fordern was er will, solange es die Vertragspartner akzeptieren. Und das hat deine Frau mit ihrer Unterschrift getan.

Stehst du auch im MV und musst noch unterschreiben? Dann könntest du noch abspringen und der Vertrag würde hinfällig sein.
Klar will sich der Vermieter die Kosten irgendwie reinholen. Nachvollziehbar!!

Kommentar von xDreamGreen ,

Klar will er seine Kosten reinholen, ist ja auch richtig so. Aber von so einem Kostenfaktor erst nach 3 Treffen zu sprechen, und zwar wenn der Mietvertrag vor der Nase liegt, halte ich für eine unseriöse Masche.

Kommentar von troublemaker200 ,

Er hats halt probiert und kam damit durch. Das war sein Plan und der ging auf

Kommentar von johnnymcmuff ,

Stehst du auch im MV und musst noch unterschreiben? Dann könntest du noch abspringen und der Vertrag würde hinfällig sein.

Das kommt auf die Umstände an:

http://www.mietrecht.org/mietvertrag/mietvertrag-nicht-von-allen-mietern-untersc...

Kommentar von xDreamGreen ,

Wie gesagt, es geht nicht um den Mietvertrag, sondern um einen zweiten Vertrag zwischen Mieter und Internetprovider. Keine Ahnung, warum der Vermieter einen solchen Vertrag vorlegt, aber wie auch immer. Wir werden diesen Vertrag morgen widerrufen. Vielen Dank für die Hilfe.

Kommentar von troublemaker200 ,

Ist denn der Zusatzvertrag mit Eurem MV gekoppelt? Könnte mir vorstellen, dass es die Mietwohnung nur MIT diesem Zusatzvertrag gibt.

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