Frage von Sibellchen, 95

Abspaltung - Überleben?

Hallo,

sorry für die doofe Formulierung.

Meine eigentliche Frage:

Menschen mit Borderline oder einer Dissoziativen Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeitsstörung) spalten sich in ihrer Kindheit ab um zu "überleben".

Doch was genau heißt das eigentlich? Würde die Seele unmittelbar sterben, wenn sie sich nicht abspalten würde? Oder stirbt man gar ganz an dem Leid?

Danke.

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von schloh80, 33

Man muss hier mM Dissoziation (eher ein Schutzmechanismus des Gehirns bei Überforderung/Überlastung) und Spaltung (ein Mechanismus) unterscheiden.

Die Dissoziation wäre eher eine neurowissenschaftliche Modellbildung. Sie beschreibt zahlreiche Schutzmaßnahmen (Zeitverlust, Krampfanfälle, Schwindel, Taubheit, Lähmungen, Schmerzen, Trance, Stupor, Amnesie uvm.) und tritt in Extremsituationen auf und wiederholt sich, wenn diese bewusst oder unbewusst wiedererlebt werden (zB bei Intrusionen) oder bleibt auch bestehen. Sie schützen das Gehirn, so die Idee.

Bei der Dissoziativen Identitätsstörung beschreibt ein Modell eine nicht verbundene Struktur verschiedender Ich-Zustände (dies setzt eine theoretische Annahme auf dem Boden der Hypnotherapie voraus), die bei den meisten Menschen zu einem Ganzen verbunden ist (jeder hat verschiedene Ich-Anteile, die aber nicht als eigenständig erlebt werden). Die Unverbundenheit entsteht, weil durch Extremsituationen dissoziative Prozesse stattgefunden haben und ggf. noch andauern, so dass die Integration der Ich-Anteile gestört wurde und wird, so dass sie unabhängig nebeneinander bestehen und durch dissoziative Prozesse getrennt werden.  Es gibt aber auch andere Ansätze zur Erklärung des Phänomens. Klinisch ist das auch alles komplizierter, Mischformen usw.

Die Spaltung ist eine psychoanalytische Erklärung. Sie fußt in einer von vielen Entwicklungstheorien und beschreibt ein Erleben, in dem nur gut und böse unterschieden werden kann (eine differenzierte Sicht ist nicht mehr möglich). Bei regressiven Prozessen sinkt die Fähigkeit des Ich, reife Abwehrprozesse einzusetzen, man fällt also auf frühere Entwicklungsstufen zurück. Je tiefer die Regression, desto größer die Spaltung (daher auch die Neigung von Extremisten, möglichst große Gruppen anzusammeln, da hier die regressionsneigung besonders hoch ist - bis zu Spaltungen und paranoiden Ängsten). 

Gerade Menschen, die an einer Borderline Störung erkrankt sind, neigen dazu, in bestimmten (Beziehungs-) Sitautionen plörtzlich heftig zu regredieren, so dass eben nur solche Mechanismen in diesen Phasen zur Verfügung stehen.

Na ja, allles sehr oberflächlich und sicher daher nicht wirklich korrekt, aber das spregt einfach den Rahmen hier.

Kommentar von Dahika ,

Nix dagegen, aber wer hier soll das verstehen? ;-)

Kommentar von Seanna ,

Ich denke, "Spaltung" war hier als Übersetzung des Wortes "Dissoziation" gemeint, insofern erübrigt sich dieser Teil eigentlich. Dem Rest stimme ich zwar zu, aber wie Dahika sagte, wird kein Laie das verstehen ;)

Kommentar von KatzenEngel ,

Menschen mit Köpfchen verstehen das schon! Und da sich hier scheinbar nur Experten rumtreiben, umso besser!

Gute Antwort, schloh80 :)

Kommentar von Sibellchen ,

Schloh80: Vielen Dank für deine Mühe. :))

Antwort
von Seanna, 25

Siehe hier, Seite 28, 29 und 30: http://www.psychiatrie.usz.ch/ueber-die-klinik/veranstaltungen/Documents/2015110...

1. Es gibt 4 halbwegs abgrenzbare Stufen der Dissoziation (und natürlich auch Zwischenstufen) - siehe S. 28)
2. Die BPS hat damit GARNIX zu tun (siehe S. 29)
3. DIS kann nur bei schwerer chronischer Traumatisierung vor dem 6. Lebensjahr entwickelt werden. Danach entwickelt ein Kind andere Mechanismen und/oder die Dissoziation wird weniger gravierend ausfallen.
4. Erlebt das Kind Traumatisierung evtl sogar mehrmals einzeln, wird Aber dann gut versorgt und geliebt, integriert es mit ca 2.5 Jahren zu einer "gesunden" (nicht dissoziierten) Persönlichkeit.
5. Was abgespalten (dissoziiert) wird, sind Gefühle, Körperempfindungen, Verhalten, Kognition. Diese finden sich dann in Trauma-related identity-states (TIS; früher als EP - emotionaler Persönlichkeitsanteil bezeichnet) wieder bzw in Neutral identity-states (NIS; früher als ANP - anscheinend normaler Persönlichkeitsanteil bezeichnet) wieder. (Siehe hierzu BASK-Modell zb hier: https://gewaltankindern.files.wordpress.com/2013/03/unbenannt6.png)..

Noch Fragen? Dann fragen!

Kommentar von Seanna ,

Ach und zum Sterben: Ja, tatsächlich ist Dissoziation der letzte Schutzmechanismus der Seele bevor ein Mensch stirbt.

Kommentar von Sibellchen ,

Vielen Dank. :) Ich muss mir das alles mehrmals in Ruhe durchlesen, sollte ich noch Fragen haben, werde ich diese hier stellen. LG

Antwort
von Dahika, 22

Man spaltet sich nicht ab, sondern die Gefühle.  Wenn man einer Situation nicht mehr entrinnen kann, sei es, weil man zu klein ist, sei es, weil man auch als Erwachsener völlig wehrlos ist, um zu fliehen, sich zu wehren, etc... Als letzte Rettung kommt dann die Abspaltung der Gefühle vom Geschehen.

Man erlebt etwas Schreckliches und schaltet seine Gefühle, die dazu gehören würden, aus. Man anästhesiert sich und fühlt nichts mehr. Ist unbeteiligt. Es kann dann allerdings auch passieren, dass man genauso unbeteiligt ist, wenn man dann anderen Menschen etwas Schlimmes antut. Man nimmt dann Leid auch bei anderen nicht mehr wahr.

Ich kenne das auch. Ich habe Angst vor dem Zahnarzt, aber wenn ich auf dem Stuhl sitze, dann werde ich ganz kühl und ruhig. Angst empfinde ich keine mehr, ich lasse es passiv mit mir machen. Es ist sogar schon vorgekommen, dass ich bei einer längeren Zahnbehandlung fast eingeschlafen bin.

Man kann es fast mit einem Totstellreflex vergleichen.  Auch später in der Thrapie kann man dann emotional ganz unbeteiligt über schlimme Dinge reden. Man hat die eigentlich dazugehörigen Gefühle nicht mehr parat.

Das ist der Grund, warum Therapeuten so gerne fragen: "Und? Was fühlen Sie, wenn Sie das hier erzählen?"


Kommentar von Seanna ,

Nach BASK-Modell nicht nur Gefühle, sondern auch Verhalten und Körpererleben. Gab sogar noch ne Weiterentwicklung davon bzw Parallelentwicklung.. Ich meine von Pat Ogden. Das enthielt sogar 5 Ebenen.

Antwort
von Jennieschkaaa, 18

Also bei einer DIS ist es so bzw man kann es so vielleicht besser erklären jedes Kind schreit mal und wenn dadrauf keiner reagiert schreit es häftiger und immer lauter reagiert wieder keiner stellt das Kind sich i.wann ganz ruhig weil es möchte das die Mama guckt kommt wen dan wiederum keiner kommt der sich kümmert und es sich selbstüberlässt weiß das Kind wenn es öfter vorkommt das es niemanden interessiert und automatisch fängt die psyche an verschiedene anteile zu spalten zb ein Anteil der sich kümmert ein Anteil der das alles durchleben muss und einen Anteil der ein stiller zuseher ist und immer wenn eine ähnliche Situation vorkommt kommt wieder dieser Anteil ans Licht der es durchleben muss und das zieht sich über Jahre das ganze und immer wieder wenn etwas schlimmes im leben passiert spaltet die psyche anteile und man switche bei der kleinsten kleinlichkeit zb das parfüm was die Mutter früher immer getragen hat hat eine andere Frau im Park die an dir vorbei läuft drauf und zag du bist nicht mehr "gelb" sondern "rot" bist Anstand 17 aufeinmal 6 Jahre alt.

Und was passiert wenn ein klein Kind immer weiter schreit irgendwann bekommt es keine Luft mehr und erstickt und bevor dieses passiert spaltet die psyche die Anteile von deiner hauptpersönlichkeit ab.
Also wenn man davon redet das die Anteile leben retten meint man es so wie es gemeint ist das man sonst wirklich zB durch die körperliche Gewalt und den zugefügten verletzungen gestorben wäre.

Kommentar von Seanna ,

Vernachlässigung ist schlimm, aber eine DIS wird man dabei nicht davon tragen. Wie kommst du denn darauf?!

Kommentar von Jennieschkaaa ,

Das war ein beispiel um es verständlicher zu beschreiben und das brauchst du mir nicht erzählen das es dadurch nicht ersteht!

Antwort
von Beutelkind, 28

Frau Pavic erklärt das auf ihrer Seite sehr gut mit einem Gleichnis (runterscrollen zum Punkt das Unterbewusste):
http://www.suzana-pavic.de/


Kommentar von Dahika ,

Wenn die Frau Pavic das Wort Unterbewusstes benutzt, braucht man gar nicht weiter zu lesen. Das Wort Unterbewusstssein ist kein klassischer Laienausdruck. Man sagt "unbewusst" oder "das Unbewusste."

Kommentar von Beutelkind ,

Was "man" klassisch wissenschaftlich korrekt sagt, ist mir in diesem Fall schnurz.
Es ging mir um das Bild, welches ich treffend skizziert finde!

Kommentar von schloh80 ,

Zusammengewürfeltes Zeug.

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