Frage von Antonio246, 92

Absolut unqualifizierter Unterricht in der Oberstufe?

Hallo! Ich suche dringend Rat bezüglich des Französischunterrichts in der Oberstufe. Kurze Erklärung: Eine Freundin und ich waren letztes Jahr im Vorleistungskurs Französisch, wir haben beide sehr gute Noten erreicht und das ohne Probleme, doch dann wurde der Kurs aufgelöst wegen zu geringer Teilnehmerzahl (2 Leute). Als ob das noch nicht reichen würde, haben wir jetzt in der Q-Phase die absolut unqualifizierteste Lehrerin der Schule bekommen. Ihr Unterricht ist eine einzige Lachnummer. Entspricht vielleicht dem Niveau A1 in Französisch. Jedenfalls langweilen wir uns zu Tode in Französisch wegen dieser Frau und sie weigert sich ihren Unterricht umzugestalten "denn wir sind ja kein Leistungskurs". Ihre Unterrichtsgestaltung ist in etwa folgende: Sie fragt irgendwelche Wörter ab, die man vielleicht in der 6. Klasse gelernt hat und das die GANZE Stunde. Wir sind absolut unterfordert in diesem Kurs. Außerdem bevorzugt sie manche Schüler im Vergleich zu anderen extrem. Beispielsweise habe ich nur 12 Punkte in meiner Klausur geschrieben, was eigentlich überhaupt nicht sein kann, weil ich im (Vor-)LK deutlich besser war. Im Übrigen bat sie uns auch, in Zukunft nicht mehr so gute Beiträge zu machen, denn das würde die anderen einschüchtern und die würden dann wegen uns französisch abgeben nächstes Jahr. Jedenfalls meine Frage ist: Wie kann man gegen diese Frau vorgehen? Sich bei der Schulleitung beschweren? Mit ihr zu reden bringt nämlich nichts und wir halten das mit ihr einfach nicht mehr aus! Wir verlernen unser Französisch wegen ihr. Ein Kurswechsel ist ausgeschlossen, da das der einzige Französisch Kurs ist. Sorry für die Länge und danke im Voraus für Antworten! :)

Expertenantwort
von LolleFee, Community-Experte für Schule & franzoesisch, 7

Hier gibt es zwei Dinge, die nicht recht zusammenpassen wollen: einerseits die gefühlte Unterforderung, nachvollziehbar bei Deiner Beschreibung, selbst wenn Du wahrscheinlich überzeichnet hast. Andererseits nur 12 Punkte, wenn vermeintlich "Schlechtere" mehr Punkte erreichen.

Zunächst zu den Arbeiten und den Punkten: Eine andere Bewertungsgrundlage als bei den anderen Schülern anzulegen, wie NameInUse vorschlägt, ist naürlich nicht zulässig. Aber genau dann wundern die 12 Punkte, vor allem dann, wenn vermeintliche "schlechtere" Schüler bessere Punktzahlen erreichen. Denn für eine Arbeit gibt es Bewertungskriterien, anhand derer sich die Note ergibt. Schau mal weniger auf Deine Punkte und auf die der anderen, sondern guck, warum es nur 12 Punkte wurden: Wie sieht es mit der Grammatik aus? Wie sieht es inhaltlich aus? Ich will Dir nicht zu nahe treten und überzeichne jetzt auch ein bisschen, aber manche können echt Seiten füllen oder labern, ohne dass ein korrekter Satz und/oder ein präziser Gedanke auf den Punkt dabei sind... (Ich finde es übrigens keineswegs arrogant, von "nur 12 Punkten" zu sprechen - das ist Deine Wahrnehmung und Du bist anderes gewohnt. "Arrogant" finden eine solche Sichtweise oft die, die diese 12 Punkte auch gerne hätten. Ich erlebe es immer wieder, dass es völlig legitim ist, wenn sich jemand über eine Vier ärgert, wenn er sonst immer Dreien schreibt, oder wenn er sich auf eine Drei verbessern will - die gleiche Überlegung auf einem höheren Notenlevel ist dann aber "arrogant"... Und übrigens ist auch ein Auskotzen über die Unzufriedenheit hier völlig okay. In der Schule selbst wirst Du das in der Form nicht tun.)

Nun zu der gefühlten Überforderung: Mein erster Schritt an Deiner Stelle wäre, mich mit meiner Freundin zusammenzusetzen, um zu überlegen, wie der Unterricht für Euch fordernder und interessanter wäre, ohne die anderen zu überfordern. Vielleicht könnt Ihr kleine Referate vorbereiten? Einen Stundeneinstieg übernehmen? Dann würde ich mit meiner Freundin die Lehrerin um einen Gesprächstermin bitten, um ihr ganz in Ruhe Eure Überlegungen vorzustellen und sie zu bitten, Euch zu sagen bzw. darüber nachzudenken, woran Ihr arbeiten könntet (auch Ihr werdet Französischbaustellen haben!). Nicht zwischen Tür und Angel nach der Stunde, ganz ruhig und mit deutlicher Initiative von Eurer Seite aus. Macht deutlich, dass Ihr eine Änderung für Euch, aber nicht auf Kosten anderer wünscht.

Stellt sie sich quer, dann würde ich zunächst die Eltern und/oder einen Vertrauenslehrer ins Boot holen, wobei ich den Vertrauenslehrer fast besser finde (oder überhaupt einen anderen Lehrer als Moderator), um eine arg einseitige Gewichtsverteilung zu vermeiden. Es bringt niemandem etwas, wenn die Lehrerin nachher völlig zumacht, selbst wenn sie dann was für Euch macht.

Und dann erst wäre mein nächster Schritt die Schulleitung.

Antwort
von Hallgrimur, 15

Ich kann mich den Vorrednern gar nicht anschließen (selbst Lehrer?) Jemanden, der lernwillig ist, als arrogant zu beschimpfen und zu verlangen dass er/sie sich gefälligst widerspruchslos auf Mittelmaß herunterdimmen lassen soll, halte ich für überheblich. Und haben wir in dem Alter nicht alle auf Lehrer geschimpft, deren Unterricht uns nicht gepasst hat? Die angeführten Beispiele sind ja Dinge über die man reden kann.
Ich würde mit den Eltern über die Schulleitung eine Lösung suchen, und zwar sehr sachlich und bestimmt. Es hat keinen Sinn die Lehrerin persönlich anzugreifen, damit provoziert man nur dass sich die Schulleitung demonstrativ vor ihre Pädagogen stellt.

Kommentar von NameInUse ,

Wer lesen kann ist klar im Vorteil (selbst Besserwisser), keiner prangert den Lernwillen an, sondern, die Ichbezogenheit, dass die Lehrkraft ihren Unterricht an den angeblich besten SchülerInnen ausrichten soll. Es ist und bleibt aber eben (leider) ein Grundkurs und kein Leistungskurs.

Kommentar von Kuhlmann26 ,

@NameInUse:

Dein Beitrag macht ein Übel unserer Schulen deutlich, der von vielen Leute als völlig normal hingenommen wird. Warum soll der Fragesteller nicht auf sich bezogen sein, wenn es um seinen Lernerfolg geht und warum hat er keinen Anspruch auf die - für ihn - besten Lehrer? Und noch wichtiger: Warum können sich Lernende ihre Lehrer nicht aussuchen?

Antwort: Weil schon immer Gleichmacherei der Sinn der Schulen war. Die Schule soll Mittelmaß erzeugen. Wenn es nicht so wäre, hätte man die Noten und all den anderen Bewertungskram längst abgeschafft.

Es ist nicht das Problem, dass sie gemeinsam mit "schlechteren" Schülern zusammensitzt. Der Unterricht ist das Problem, in dem alle das Gleiche machen müssen. Anstatt von einer Person vorgeschrieben zu bekommen, auf welche Art und Weise sich die Schüler der Fremdsprache zu nähern haben, müssten sie Französisch lernen dürfen. Normalerweise profitieren die "Guten" und die "Schlechten" voneinander.

An einer Schule auf der Krim hat man das schon vor Jahren erkannt und erwachsene Lehrer abgeschafft (Es gibt sie noch als Lernbegleiter.). Die Schüler - organisiert in Gruppen von 6 bis 8 Personen unterschiedlichen Alters - bringen sich das Wissen gegenseitig bei. Und das in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Sollte doch mal eine Fachkraft benötigt werden - das muss kein Berufslehrer sein -, stellen die Schüler die Fragen und nicht die Fachkraft. Ein ehemaliger Schüler hat es mal so formuliert, dass diese Leute regelrecht ausgesaugt werden.

Weil die Gruppen aus Lernenden mit unterschiedlichen Niveaus bestehen, kann jeder Schüler individuell entscheiden, wie schnell er das Schulsystem durchlaufen will. Man mag es kaum glauben, aber an dieser Schule gibt es Elfjährige, die das Abitur in der Tasche haben. Im Durchschnitt brauchen die Schüler 4 Jahre, um sich den gesamten Schulstoff auf Abiturniveau anzueignen.

In Russland wird das Abitur extern abgelegt. Man sollte also nicht glauben, an dieser Schule wird irgendwie "geschummelt".

Kommentar von Hallgrimur ,

Das mit dem Grundkurs kann schon sein, aber das Kapitel damit zu schließen, ist ein Unding. Die Ichbezogenheit ist in dem Alter auch ein Stück normal, schließlich geht es um die eigene Zukunft. Jemand mit Abschluss und geregeltem Einkommen kann da aus sicherer Position feuern, ich find's trotzdem nicht fair.
Der Fragesteller hat, das ist der feine Unterschied, sich auch nicht über seine Mitschüler erhoben, sondern mangelnde Förderung beanstandet.
"Pech gehabt" ist genau die Einstellung die ich keinem jungen Menschen beibringen würde.
Die Situation mag für keine Seite optimal sein, aber einer Pädagogin mit Romanistikabschluss würde ich durchaus zutrauen, zwei Schülern Förderaufgaben mitzubringen, an denen sie sich abarbeiten können. Oder ist der Job so lausig bezahlt, dass ein wenig Idealismus zu viel verlangt ist?

Kommentar von Antonio246 ,

Vielen Dank für diese Antwort. 

Und genau deswegen auch die Frage, denn wir wollen ja auch nicht, dass sie uns am Ende überhaupt nicht mehr leiden kann und uns schlecht bewertet. Es wäre wirklich schon absolut in Ordnung, wenn sie uns beiden einfach mal Tipps geben könnte, welche Lektüren man lesen könnte die auf einem höheren Niveau sind und vielleicht mal einen Aufsatz o.ä. Von uns einsammelt. Aber so wie das im Moment ist, geht es auf keinen Fall weiter. 

Ihren Tipp werden wir versuchen umzusetzen, vielen Dank!  

Kommentar von Hallgrimur ,

Wünsche euch viel Glück!
Hast du schon mal überlegt, mehr französische YouTube-Channel zu gucken? Bei vielen verbessert sich auf dem Weg das Englisch, in Französisch dürfte das auch klappen (die schwätzen halt unheimlich schnell, was anfangs nervt)

Antwort
von Evoluzzer213, 24

Das mit den 12 Punkten hört sich echt übertrieben arrogant an.
Nimm die Lehrerin einfach an, du bist halt nicht alleine auf der Welt und die Lehrerin muss gerade auf die schlechteren Acht geben. Wenn ein paar schlechte Schüler ihren Unterricht zu leicht finden, dann wird sie ihn wahrscheinlich ändern

Kommentar von Antonio246 ,

Wir respektieren ja auch dass es deutlich schlechtere Schüler gibt und wir haben auch zu unserer Lehrerin gesagt, sie soll uns Material geben, dass wir uns privat damit beschäftigen können, aber sie weigert sich einfach. Und ja mit den 12 Punkten mag arrogant klingen, aber ich bin mir sicher, dass es daran liegt, dass sie Schüler bevorzugt und andere eben nicht. Eine Schülerin zum Beispiel kann machen was sie will und in den Klausur schreiben was sie will und hat 15 Punkte. Und ich hab wirklich versucht, Sie anzunehmen, aber dieser Satz, dass wir uns weniger beteiligen sollen, um die anderen nicht einzuschüchtern, hat mir jetzt wirklich den Rest gegeben. 

Kommentar von NameInUse ,

Du wirfst ihr Bevorzugung vor, wenn Sie Euch Extramaterial gibt, dann können das die anderen SchülerInnen ihr zu Recht vorwerfen.

Die 12 Punkte müssen objektiv dargelegt sein - schau mal in die Bemerkungen zu Deiner Arbeit. Vielleicht aber hat sie auch bei Euch einen höheren Maßstab (an dem Du Dich ja bestimmt gerne messen lassen willst, weil du ja soviel besser bist) angelegt als bei den anderen. Wenn Du es draufanlegst, dann beschwer Dich bei der Schulleitung, dass es bei der Klassenarbeit nicht mit rechten Dingen zu gegangen ist.

Kommentar von LolleFee ,

"wenn Sie Euch Extramaterial gibt, dann können das die anderen SchülerInnen ihr zu Recht vorwerfen."

Natürlich könnten die anderen Schüler das tun - zu Recht aber eher weniger. Das Zauberwort lautet hier Binnendifferenzierung, und die gilt genauso für "gute" wie für "schlechte" Schüler. 

Antwort
von NameInUse, 11

Wow, wer bist Du, dass die Lehrerin ihren Unterricht auf Dich und deine Freundin ausrichten soll? Wenn Du so super toll in Franz bist, warum hast Du dann "nur" 12 Punkte? Die Benotung muss ja nachvollziehbar sein und es strehen dann auch Anmerkungen da. Ihr wolltet einen LK der nicht zustande kam, das ist Euer Pech und nicht das von anderen, die einen GK haben wollen und auch auf dessen Niveau sind. Unqualifiziert kann Deine Lehrerin - wie Du das ohne jeglichen Abschluss beurteilen willst bleibt Dein Geheimnis - nicht sein, immerhin hat sie im Gegensatz zu Dir einen Schul- und einen Universitätsabschluss (halt dich fest, womöglich Romanistik Französisch) plus Ref.



Kommentar von Hallgrimur ,

Aber ob der Fragesteller den Eindruck hat, mit Wissenszuwachs aus dem Unterricht zu kommen oder nicht, darf er noch allein entscheiden, oder...?

Kommentar von NameInUse ,

Es geht aber um die objektive Beurteilungslage bzgl der Qualifikation. Unterricht findet für heterogene und nicht homogene Schülergruppen statt. Wer sich darüberhinaus schlau machen will, der muss das halt außerhalb tun.

Die subjektive Sachlage wird sich bestimmt nicht über eine Blabla-Runde mit Eltern und Schulleitung beilegen lassen.

Kommentar von Antonio246 ,

Natürlich hat sie einen qualifizierten Abschluss. Sie an sich kann ja Auch gut französisch, das Problem ist nur,dass sie sich weigert, den Unterricht einfach mal ein bisschen Anspruchsvoller zu gestalten bzw uns einfach mal Material zu geben, dass wir uns privat weiterbilden können oder uns mal Hausaufgaben aufgibt. Ich meine letztes Jahr waren wir mit dem GK gekoppelt und der GK haz auch relativ anspruchsvolle Sachen gemacht. Aber diese Lehrerin macht wirklich überhaupt nichts, wir bekommen nicht einmal Hausaufgaben auf. An Ihrer Ausbildung will ich auch gar nicht zweifeln. 

Und mit den 12 Punkten liegt daran, dass sie Schüler anderen deutlich vorzieht. Es gibt manche Schüler, die können machen was sie wollen und haben 15 Punkte. Und im ehemaligen Leistungskurs war ich bei dem strengsten Lehrer der Schule deutlich besser von daher kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Und auch andere aus dem Kurs sagen ihre Notengebung ist komisch. 

Tut mir Leid wenn die Frage so falsch und arrogant rüber kam. 

Kommentar von NameInUse ,

Der Unterricht muss sich nicht an den Stärksten orientieren, sondern am hauptsächlichen Gruppenteil - das seid ihr beide nicht.

Keiner verbietet Dir Dich privat weiter zu bilden, bist ja wohl schon in der Lage einen Möglichkeiten. Das doofe ist, da musst Du selbst aktiv werden und kannst nicht vorgefertigte Häppchen konsumieren, also raus aus der Komfortzone.

Dann geht zur Schulleitung, die Lehrerin muss ihre Noten begründen können und das für die schriftliche und mündliche Notengebung nachweisne können.

Kommentar von LolleFee ,

Schon mal was von Binnendifferenzierung gehört, NameInUse?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten